der folgende Bericht soll kein Bericht/Bewertung über eine Tauchbasis,
Tauchboot oder Tauchplatz sein sondern vielmehr unsere Erlebnisse/Eindrücke
der Asien Katastrophe Euch allen mitzuteilen. Weiterhin möchte ich
in diesem Bericht auf das Verhalten der Tauchbasen in Thailand eingehen –
die zu unrecht von manchen Leuten per E-Mail und Telefon belästigt wurden,
ohne selbst vor Ort zu sein.
Am 19.12.2004 stiegen meine Frau und ich in die LH Maschine um nach
Thailand/Phuket zu fliegen. Der Flug führte uns über einen Zwischenstopp
in München direkt nach Phuket. Dort angekommen (20.12.2004) wurden
wir direkt von einem Fahrer in unser Hotel am Karon Beach gebracht. Wie
wir später herausgefunden haben, hat dieses Hotel die Flutwelle unbeschadet
überstanden.
Am 21.12.2004 war es dann endlich so weit, wir konnten mit unserer Tauchsafari
hoch in den Norden bis zum Richeleu Rock beginnen. Das von uns gemietete
Boot ist die „Le Mahe“ von der Tauchbasis „Ocean Lovers“.
Tauchboot „Le Mahe“ bei unserer Ankunft in Khao Lak am 26.12.2004
(ca. 5 Stunden nach der Flutkatastophe)
Wir hatten wunderschöne Tauchgänge auf den Similians, am Richeleu
Rock usw. Leider war das Fischvorkommen doch relativ wenig. Wir schoben
diese Tatsache auf den zu dieser Zeit herrschenden Vollmondes, jedoch hat
sich diese Annahme später als Falsch herausgestellt. Der eigentliche
Grund war die Katastrophe, die die Tiere (Land und Meerestiere) frühzeitig
gemerkt hatten und sich in Sicherheit brachten.
Am 25.12.2004, dem vorletzten Tag ankerten wir in der Bucht von der
Insel Koh Bon (ca. 25 KM von Khao Lak entfernt). Wir machten noch einen
Nachttauchgang um am darauffolgenden Tag die letzten zwei Tauchgänge
auf Koh Bon zu absolvieren.
Unser Ankerplatz an der Insel Koh Bon
Tauchplatz: Koh Bon
Für beide Tauchgänge sollte gelten:
Rot: Einstieg
Blau: geplanter Aufstiegsplatz
Nach einem üppigen Frühstück sowie einer angenehmen und
relaxter Oberflächenpause begannen wir uns für unseren letzten
Tauchgang auf dieser Safai vorzubereiten. Die ruhige Wasseroberfläche
lässt nicht erahnen, in was für einem Chaos wir gleich eintauchen
werden.
Den Tauchguides kann man in keiner Weise irgendeine Fahrlässigkeit/
Unachtsamkeit vorweisen, da es einfach nicht vorhersehbar war. Dies möchte
ich hier nochmals ausdrücklich betonen.
Tauchgang 2:
„Tsunami Tauchgang“
Einstieg: 09:37 Uhr Ortszeit
Unsere Gruppe stieg wie geplant – nach Briefing - ab. Wir wunderten
uns warum nun gar keine Fische mehr da waren, aber da bei dem ersten Tauchgang
schon sehr wenig Fische war schoben wir diese Tatsache auf den Vollmond
und die sehr hohen Tiede.
Es herrschte eine ordentliche Strömung die uns bei unserem Early
Morning Tauchgang gar nicht aufgefallen war. Auch diese plötzliche
starke Strömung schoben wir auf die exportierte Lage des Außenriffes.
Nach ca. 10 min Tauchzeit hatten wir plötzlich keine Sicht mehr
– zuvor hatten wir mind. 30 Meter Sicht - es war wie in einem Sandsturm
- nur unter Wasser. Die Strömung war so stark, das unsere Tauchgruppe
unter Wasser gesprengt wurde. Auf einmal war jeder auf sich selbst gestellt.
Es war ein Ritt wie auf einem durch gegangenem Pferd. Ich hob einfach
nur noch die Beine an und streckte diese vor mich um mich zu schützen,
drehte die Taucherlampe auf 100 % und achtete darauf, das ich nirgends mit
meinem Körper an Felsen die im Wege standen hängen bleibe. Ich
dachte in diesem Moment nur an zwei Dinge:
» Wie geht es meiner Frau? » Hoffentlich überlebe
ich diese Strömung - und ohne nennenswerte Blessuren
Es ist wirklich schwer zu beschreiben was wir unter Wasser erlebt und
gefühlt haben. Die Strömung war so stark das ich in ca. 2 min
eine Strecke von ca. 1KM unter Wasser zurück gelegt habe. Meine Frau
tauchte ca. 0.5 KM von mir entfernt auf.
Zu dieser Vorwärtsbewegung kam zusätzlich eine „auf und ab“
Bewegung, d.h. als würde man mit einem Fahrstuhl horizontal und vertikal
gleichzeitig fahren.
Ich schaute auf meinen Tauchcomputer und dachte er sei defekt, da ich
nach oben an die Oberfläche paddeln wollte, jedoch immer tiefer gezogen
wurde.
Nach ca. 34 Minuten Tauchzeit haben wir es alle irgendwie geschafft
– mit Sicherheitsstop - die Wasseroberfläche zu erreichen.
Unser Tauchboot hat uns alle eingesammelt und beeilte sich weg von der
Insel zu kommen, da die Strömung das Boot immer weiter an das Inselriff
drückte.
Das Tauchgangsprofil
Bis zu diesem Zeitpunkt wussten wir immer noch nicht was passiert war.
Wir dachten es sei ein Drift Tauchgang mit eben "etwas mehr" Strömung.
Unser Kapitän nahm Kurs auf Richtung Khao Lak unserem Zielhafen.
Unterwegs trafen wir noch einen Fischkutter der sich nicht traute in den
Hafen von Khao Lak einzufahren, da irgendwas schlimmes passiert sei. Basierend
auf diesem Informationsaustausch verringerte unser Kapitän sofort die
Geschwindigkeit, je näher wir der Küste kamen.
Und noch immer wussten wir nicht was eigentlich passiert ist, aber je
näher wir der Küste kamen um so mehr Strandgut kam uns entgegen.
Den Anfang machten Autositze, gefolgt von Kühlschränken, Regale
und Wohnzimmereinrichtungen. Auch den ersten Toten sahen wir im Wasser
treiben.
Zur gleichen Zeit bekamen wir wieder ein Funksignal für unsere
Mobiltelefone und meine Frau rief sofort Ihre Mutter an um zu fragen was
überhaupt los sei. Erst da wurde uns mitgeteilt dass wir soeben einen
Tsunami überlebt haben.
Unser Kapitän nahm vorsichtig Fahrt auf um in den Hafen einzulaufen.
Leider gab es den Marine Hafen nicht mehr. Unser Landungspier war verschwenden,
zig Boote waren gekentert, ein Zerstörer der Marine lag auf der Strandpromenade
von Khao Lak. Jetzt wurde uns so langsam das Ausmaß der Katastrophe
klar.
Aufgrund dessen dass es kein Pier mehr gab oder ein anderer Ankerplatz
zur Verfügung war mussten wir noch ca. 1 Stunde auf dem Boot ausharren.
Während dieser Stunde bekamen wir die Mitteilung, dass eine zweite Welle
bereits in Richtung Khao Lak unterwegs sei. Nun musste schnell eine Lösung
gefunden werden um uns an das Land zu bringen.
Da kam ein Speedboot von Sub-Aqua auf uns zu. Dessen Crew hat uns ohne
zu zögern aufgenommen und uns an Land gebracht. Ich glaube ohne dieses
Speedboot von Sub-Aqua wären wir noch sehr lange auf dem Tauchboot geblieben.
Das Speedboot brachte uns zu einer ehemaligen Fischfabrik und wir konnten
dann an Autoreifen die Pierwand hoch an Land klettern.
Wir waren nun zwar am Land aber noch zu nahe an der Küste. Wir
beschlossen so schnell wie möglich uns in das Landesinnere durchzuschlagen.
Gott sei Dank wurde bereits von der Tauchbasis „Ocean Lovers“ ein Transport
zu einem Sammelplatz außerhalb der Gefahrenzone zusammengestellt.
Nach einer irrwitzigen Flucht kamen wir irgendwann an diesem Sammelplatz
an. Während der Fahrt zu diesem Platz wurde uns das wirkliche Ausmaß
der Katastrophe so langsam klar. Autos standen senkrecht mit der Motorhaube
zu erst im Boden, Wohnhaussiedlungen waren weggespült, die Straße
war zum Teil weg (da waren wir schon ca. 1 KM im Landesinneren).
Als wir an dem Sammelplatz eintrafen rief ich sogleich die „See-Bees
Tauchbasis“ in Phuket an, da dies unser nächster geplanter Stop auf
unserem Thailand Trip war.
Tanja war am Telefonapparat und hat uns erst einmal beruhigt. Wir wussten
zu diesem Zeitpunkt auch nicht, das See-Bees in Khao Lak nicht mehr existiert.
Wir besprachen mit Tanja die nächsten Schritte und beschlossen dann,
das wir – meine Frau und ich - uns irgendwie nach Phuket durchschlagen werden
und irgendwann im Laufe des Abends bei Ihnen in Ihrer Tauchbasis auftauchen
werden.
Endlich, nach ca. 8 Stunden Flucht kamen wir in Phuket bei See Bees
an. Volker war sofort zu Stelle um uns so schnell wie Möglich in das
Palm Garden Ressort zu bringen, damit wir uns erst einmal ausruhen können.
Ich bewundere noch bis heute die Ruhe die alle Mitarbeiter bei See Bees
ausstrahlten. Trotz dem Chaos, der Ungewissheit was ist mit den Leuten
auf anderen Tauchschiffen, was ist in Khao Lak, hatte/hat das Staff immer
ein offenes Ohr für uns alle gehabt.
Wir möchten uns von ganzem Herzen bei allen, angefangen bei den
Ocean Lovers, über Sub-Aqua und dem See Bees Team
für unsere Rettung bedanken.
Vielleicht können viele nicht verstehen, warum See Bees und andere
Tauchschulen so gehandelt haben, als der Tauchbetrieb wieder aufgenommen
wurde; wir als direkt betroffene schon, denn das Leben muss irgendwie in
einem geregelten Gang weitergehen, die Einheimischen Angestellten müssen
weiterhin Ihr Geld verdienen und nicht zuletzt wurde uns das Trauma von dem
Tsunami Tauchgang genommen, dadurch das wir noch einmal die Möglichkeit
hatten tauchen zu gehen. Wer weiß, vielleicht würden wir sonst
heute gar nicht mehr tauchen.
Wir wünschen Euch allen von Herzen, dass Ihr niemals so einen Tag
erleben müsst.
Eine Flosse zum Gruße
Elke+Volker
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