Tödlicher Tauchunfall durch Dynamitfischen
(Förderkreis Sporttauchen e.V.)
Am Freitag, den 10.08.2001 kamen zwei deutsche Hobbytaucher an der
Kroatischen Adria bei einem tragischen Unfall ums Leben. Der Frauenarzt
Rainer K. und sein Sohn Andreas, wurden durch eine
Explosion getötet, ausgelöst durch Einheimische, die unerlaubterweise
Dynamit zum Fischfang einsetzten. Nach Aussage des deutschen Konsulats
befanden sich die beiden Taucher in zum Tauchen freigegebenen Gewässer.
Der genaue Tathergang wird noch von den ermittelnden Behörden untersucht.
Der Förderkreis Sporttauchen e.V. (FKS), dessen Anliegen
unter anderem die Sicherheit des Tauchsports ist, hat sich unmittelbar
nach dem Unglück eingeschaltet und Verbindung mit den zuständigen
Konsulaten aufgenommen. Wie uns das deutsche Konsulat in Kroatien mitteilte,
war dies seit Jahren der erste bekannte Zwischenfall dieser Art. Trotzdem
ist sich die kroatische Regierung bewusst, dass eine strikte Unterbindung
solch illegaler Praktiken höchste Notwendigkeit hat.
Leider ist der Fischfang mit Hilfe von Sprengstoff eine Technik, die
noch in vielen Küstenregionen praktiziert wird. Trotz strenger strafrechtlicher
Verfolgung ist es den jeweiligen Behörden noch nicht gelungen, dieses
Vorgehen völlig zu unterbinden, da es die Arbeit der Fischer wesentlich
vereinfacht. Die ausgelöste Explosion tötet sämtliche Tiere
im Umkreis, die dann problemlos von der Wasseroberfläche eingenetzt
werden können. Jedoch ist die Dynamitfischerei ein in zweierlei Hinsicht
höchst gefährliche, wenn nicht sogar mörderische Praxis.
Erstens bedroht es in hohem Ausmaß die Unterwasserfauna, da, wie
bereits erwähnt, sämtliche Tiere eines weiten Radius vernichtet
werden, wobei nur ein geringer Teil des "Fanges" von den Fischern
verwertet werden kann. Der klägliche Rest - zahlreiche kleine oder
ungenießbare Fische - wird leblos ins Meer zurückgeworfen. Zweitens
zeigt sich das Dynamitfischen, wie der jüngste Fall beweist, als tödliche
Gefahr für Taucher und andere Wassersportler, denn ein Mensch, der
in die Nähe eines solchen Explosionsherdes gerät, hat nahezu
keine Überlebenschance.
Natürlich stellt sich die Frage, was der Einzelne tun kann, um
sich zu schützen. Das wahrhaft dramatische am Tod Herrn Dr. K.
und seinem Sohn besteht darin, dass sich die beiden erfahrenen Taucher
absolut korrekt und vorschriftsmäßig verhalten haben. Sie befanden
sich nicht etwa in einem lokalen Fischereigewässer, sondern in einem
öffentlich zugänglichen Tauchgebiet. Auch hatten sie einen Beobachter
an der Wasseroberfläche zurückgelassen - die Ehefrau von Herrn
Dr. K. befand sich auf einem Boot in unmittelbarer Nähe. Das
einzige, was noch hätte getan werden können, ist die Benutzung
einer sogenannte ALPHA - Boje. Hierbei handelt es sich um eine Signalboje,
die durch eine lange Schnur mit dem Taucher verbunden ist und an der Wasseroberfläche
nachgezogen wird. In diesem Fall konnte jedoch keine dieser Sicherheitsmaßnahmen
das Unglück verhindern. Der FKS empfiehlt, sich als Urlauber bereits
in Deutschland und später vor Ort genauestens über mögliche
Gefahren zu informieren und sich dementsprechend Sicherheitsbewusst zu
verhalten. Auf alle Fälle muss auf dem Tauchboot die Flagge ALPHA
von allen Seiten deutlich sichtbar im Masttop gezeigt werden und bei Tauchgängen
vom Festland aus die ALPHA - Boje an der Wasseroberfläche mitgeführt
werden. Leider bleibt dennoch ein nicht auszuschließendes Risiko
bestehen. Es bleibt zu hoffen, dass die betroffenen Staaten in naher Zukunft
einen Weg finden, auch in eigenem Interesse ihre Gewässer für
uns Taucher attraktiv und sicher zu machen.
(c) Förderkreis Sporttauchen e.V.
Und hier weitere Infos von Dr. Dietmar Berndt zum Thema Dynamitfischen:
Aus gegebenem Anlass...
Dynamitfischerei
Dynamitfischerei ist, betrachten wir nur die uns "benachbarten"
Meeresregionen, in weiten Teilen des Mittelmeeres, obwohl praktisch in
allen Anrainerstaaten bei Strafe verboten, ein nicht ausrottbares Übel.
Zwar haben Strafandrohung und Überwachung, aber auch die Einsicht
der Fischer in die langfristige Schädlichkeit dieser "Fangmethode"
für Ihre eigene Zukunft die Dynamitfischerei stark zurückgedrängt,
aber nach wie vor wird mit diese illegale Methode von einzelnen verantwortungslosen
Gesellen angewendet.
Statt sich der Mühe zu unterziehen, nach den üblichen Methoden
mit Netzen zu fischen, verwenden sie Explosivstoffe, zumeist Stangendynamit,
die sie möglichst inmitten georteter Fischschwärme zur Explosion
bringen und alle tot aufschwimmenden Fische an der Wasseroberfläche
"abschöpfen".
Sind schon manche Formen der erlaubten und regulären Fischerei
nicht immer ökologisch nachhaltig, wirkt sich diese Art der "Fischerei"
geradezu verheerend auf die Fischbestände aus:
Alle, aber auch alle Fische, die sich im unmittelbaren Wirkungsbereich
der Explosion befinden, werden davon getötet oder - in weiteren Entfernungen
- betäubt. Dies trifft unterschiedslos zum einen alle Fischarten,
also auch die, die bodennah leben und von einem Netz nicht erfasst würden.
Schlimmer noch, auch Fische aller Größen, also auch "unverwendbare"
Kleinfische und Jungtiere bis hin zur Brut, die normal durch die Maschen
der Netze schlüpfen würden (es gibt genau darum international
gültige Vorgaben für die Maschengrößen der Netze für
die verschiedenen Fangtechniken), fallen der Wilderei zum Opfer. Damit
werden die Bestände aufs Äußerste geschädigt und dezimiert,
was mittel- bis langfristig den Fischern ihre Existenzgrundlage vernichtet.
Nicht nur aber, dass dieser Methode eine ungeheure Menge sogenannten
"Beifangs", also unbrauchbaren, bzw. nicht einbringbaren Fangs
zum Opfer fällt, sie ist auch nicht sehr effektiv: Nur die Fische
nämlich, die gerade soweit vom Explosionszentrum entfernt sind, dass
sie entweder betäubt oder getötet werden ohne dass die Schwimmblase
platzt, schwimmen nach der Explosion zur Oberfläche auf. All jenen
Fischen jedoch, die zu nah am Zentrum der Explosion waren, wird die luftgefüllte
Schwimmblase zerrissen - sie sinken zu Boden.
Wirkung einer Unterwasserexplosion
Was geschieht eigentlich bei solch einer Explosion unter Wasser?
Prinzipiell wirkt eine Explosion unter Wasser wie an Luft: Das Explosivmaterial
erzeugt bei seiner Detonation eine große Menge heißen Gases,
das sich mit rasanter Geschwindigkeit ausdehnt und zu einer Schock- bzw.
Druckwelle führt. Diese setzt sich rund um den Explosionsherd mit
etwa Schallgeschwindigkeit fort. Was diese Druckwelle schon in der Luft
anrichten kann, weiß jeder - die Zeitungen bieten Beispiele leider
reichlich.
Gewaltiger ist die Wirkung im Wasser auf kürze Distanz. Auch hier
entsteht um den Explosionsherd eine gewaltige Druckwelle, die sich im Wasser
allerdings mit fast fünffach höherer Geschwindigkeit als in Luft
ausbreitet. Da Wasser jedoch nicht kompressibel, gewissermaßen also
"härter" als Luft ist, trifft die Druckwelle auch härter
auf.
Solange diese Druckwelle auf keine Hindernisse trifft, läuft sie
sich - wie auch an Luft irgendwann "tot". Trifft sie allerdings
auf ein Hindernis, so kann sie u. U. ihre zerstörerische Wirkung entfalten.
Ist das Hindernis ein massives Material, so wird es die Druckwelle je nach
mechanischer Beschaffenheit absorbieren, also aufnehmen und vernichten
oder nach hinten weiterleiten.
Trifft sie allerdings auf ein Hindernis, das so gebaut ist, dass es
der Druckwirkung nicht standhalten kann, so wird es von der Druckwelle
mehr oder weniger verformt werden. Diese Wirkung ist in Wasser stärker
als an Luft, da der betroffene Körper hier praktisch nicht, wie an
Luft von der Druckwirkung "zurückgeworfen" werden kann,
was eine n Teil der Druckwirkung absorbiert. Vielmehr wirkt das Wasser
als Verdämmung, wie eine Wand, an die der Körper gepresst wird.
Besonders anfällig sind die Hüllen um luftgefüllte Hohlräume,
wie eben zum Beispiel die Schwimmblase eines Fisches. Der Körper des
Fisches wird um die luftgefüllten Hohlräume herum kurzzeitig
zusammengedrückt, was, je nach Stärke der Druckeinwirkung, mehr
oder weniger starke Verletzungen des Tieres zur Folge hat. Betäubung
oder Tod durch innere Verletzungen können die Folge sein.
Und beim Menschen??
Sollte ein Mensch, z. B. beim Tauchen, das Unglück haben, in einen
solchen Explosionsherd zu geraten, erleidet er das selbe Schicksal: Als
luftgefüllte Räume führt ein Taucher natürlich sein
Lungenvolumen, aber auch luftgefüllte Kopfhöhlen und das Luftvolumen
in seiner Tauchermaske unter Wasser mit sich. Auf all diese Hohlräume
kann die Explosion ihre zerstörerische Wirkung ausüben. Je nach
Stärke der Druckwelle werden sich verschiedene Verletzungen ergeben,
bzw. bei großer Wucht alle zusammen in augenblicklicher Abfolge:
· Die Druckwelle wirkt für einen Moment wie eine Erhöhung
des umgebenden Wasserdrucks durch zunehmende Tauchtiefe. Der Schädelknochen
umschließt die Lufträume im Kopf zwar recht stabil, ist aber
an den Ohren mit den mechanisch sehr empfindlichen Trommelfellen abgeschlossen.
Fast jeder kennt das Druck- und Schmerzgefühl in den Ohren, wenn
man im Wasser abtaucht. Dieser Schmerz wird durch den steigenden Wasserdruck
auf die Trommelfelle der Ohren verursacht, lässt aber sofort nach,
wenn der sogenannte "Druckausgleich" durchgeführt wurde.
Da ein Druckausgleich bei der Explosionseinwirkung aber nicht möglich
ist, werden die Trommelfelle beider Ohren platzen. Der Taucher wird durch
den Temperatursturz und das eindringende Wasser schlagartig orientierungslos,
eventuell auch gleich bewusstlos - ein Ertrinkungstod ist jetzt schon wahrscheinlich.
· Der Brustkorb als großer luftgefüllter Hohlraum
wird wie von einer Dampframme zusammengepresst mit bis zu schwersten inneren
Verletzungen als Folge, die der Taucher kaum mehr überleben kann.
· Schließlich kann das Glas der Tauchermaske dem Druck
nicht mehr standhalten und bersten. Dies hat weitere Verletzungen und Druckwassereinbruch
in die Atemwege zur Folge.
Natürlich ist es höchst unwahrscheinlich, dass ein Taucher,
ein Sporttaucher zumal, in solch eine tödliche Gefahr gerät.
Aber, wie wir leider aus aktuellem Anlass feststellen müssen, Kriminelle,
die aus Habgier vor nichts zurückschrecken, ja, glaubt man den Berichten,
sich nicht einmal von der unmittelbaren Anwesenheit von Zeugen abschrecken
lassen, haben vor wenigen Tagen einen solchen Unfall verursacht, bei dem
zwei Taucher zu Tode kamen.
Hier sind alle Verantwortlichen aufgerufen, wirksame Mittel und Wege
zu finden, solchem Treiben einen Riegel vorzuschieben, damit sich so etwas
nie wieder ereignen kann.
Dr. Dietmar Berndt 17.08.2001 (c) Förderkreis Sporttauchen e.V.