Geschrieben am 18.08.2006 von Ulrich Mößlang
Der europäische Aal ist in Bedrängnis geraten. Vor einigen Jahrzehnten noch kamen regelmäßig Milliarden und Abermilliarden von „Glasaalen“ an der englischen und französischen Atlantikküste angetrieben, um in die Flüsse aufzusteigen und dort bis zur Geschlechtsreife zu verbleiben. Jetzt werden es immer weniger solcher Larven, die es bis an diese Küsten schaffen und dann im Süßwasser der Flüsse heranwachsen.

Die Ursachen dieses bedrohlichen Rückganges sind z. T. in den rigorosen Verbauungen unserer Fließgewässer zu suchen, die keine freien Fischwanderungen mehr zulassen; sie werden aber auch in der neuerdings in vielen Ländern aufgetretenen „Aalseuche“ (einer Herpes-Virus-Erkrankung) gesehen. Möglicherweise spielt auch global zunehmende Erwärmung der Meere eine Rolle, die eine Änderung der Strömungsverhältnisse zur Folge haben und damit den Aalen die Wanderungen von und zu ihrem Laichgewässer, der Sargassosee, erschweren könnte.

Grundlage für alle Forschungen auf diesem Gebiet ist eine möglichst umfassende Aufnahme der aktuellen Aalbestände. Der Bezirk Oberbayern beteiligt sich im Rahmen einer gesamteuropäischen Erhebung an einer solchen „Aalzählung“ und wird in diesem und im nächsten Jahr nicht nur eigene Recherchen betreiben, sondern alle anderweitig verfügbaren Quellen heranziehen.

Die oberbayerischen Baggerseen sind seit vielen Jahrzehnten prädestinierte „Wohnstuben“ der europäischen Aale. Obwohl die Tiere i. d. R. nur durch künstlichen Besatz dort hineingelangt sind und nicht abwandern können, sind die Bestände, die sie in diesen Refugien ausgebildet haben, zumindest als „Reservoire“ bedeutsam. Im Hinblick auf eine künftig vielleicht mögliche, künstliche Vermehrung des Aals oder auf den bereits ins Auge gefassten, gezielten Rücktransport von erwachsenen „Blankaalen“ in den Atlantik wären genauere Kenntnisse über die Bestandszahlen dieser Fischart in unseren Baggerseen wünschenswert.

Die Fischereifachberatung des Bezirks Oberbayern bittet daher alle interessierten Taucher und Tauchclubs, das Vorhaben zu unterstützen: Es werden in Oberbayern ca. 50 Baggerseen ausgewählt werden, die als repräsentativ für die Gesamtheit aller Baggerseen des Bezirks anzusehen sind. In diesen Baggerseen sollen versierte, in Nachttauchgängen geübte Sporttaucher nach näherer Anweisung Aale aufspüren und zählen und die ermittelten Befunde in ein entsprechendes Formblatt eintragen.

Voranmeldungen für die Genehmigungen der entsprechenden Nachttauchgänge, die Zuweisung der Gebiete und alle weiteren, erforderlichen Formalitäten sind bei:

Hedra-Tauchsport Drache, Spitzingplatz 3, 81541 München, vorzugsweise mit Fax: 089/6915566 oder mail: info@hedra.de  Betreff: Aalzählung, notfalls über Tel. 089/695384, oder beim
Bezirk Oberbayern, Fachberatung f. Fischerei, Tel. 089/4523490, unter Angabe der Namen und Adressen mit Telefonnummer anzumelden bzw. zu erfragen.

Es liegen noch keine Informationen zu den betauchenden Seen vor, daher können auch keine Wünsche für Baggerseen angenommen werden. Alle angemeldeten Taucher werden rechtzeitig über den Start der Aalzählung informiert.

Dr. Peter Wißmath, Ulrich Mößlang (Taucher.Net)


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