Der europäische Aal ist in Bedrängnis geraten. Vor einigen Jahrzehnten
noch kamen regelmäßig Milliarden und Abermilliarden von „Glasaalen“
an der englischen und französischen Atlantikküste angetrieben,
um in die Flüsse aufzusteigen und dort bis zur Geschlechtsreife zu verbleiben.
Jetzt werden es immer weniger solcher Larven, die es bis an diese Küsten
schaffen und dann im Süßwasser der Flüsse heranwachsen.
Die Ursachen dieses bedrohlichen Rückganges sind z. T. in den rigorosen
Verbauungen unserer Fließgewässer zu suchen, die keine freien
Fischwanderungen mehr zulassen; sie werden aber auch in der neuerdings in
vielen Ländern aufgetretenen „Aalseuche“ (einer Herpes-Virus-Erkrankung)
gesehen. Möglicherweise spielt auch global zunehmende Erwärmung
der Meere eine Rolle, die eine Änderung der Strömungsverhältnisse
zur Folge haben und damit den Aalen die Wanderungen von und zu ihrem Laichgewässer,
der Sargassosee, erschweren könnte.
Grundlage für alle Forschungen auf diesem Gebiet ist eine möglichst
umfassende Aufnahme der aktuellen Aalbestände. Der Bezirk Oberbayern
beteiligt sich im Rahmen einer gesamteuropäischen Erhebung an einer
solchen „Aalzählung“ und wird in diesem und im nächsten Jahr nicht
nur eigene Recherchen betreiben, sondern alle anderweitig verfügbaren
Quellen heranziehen.
Die oberbayerischen Baggerseen sind seit vielen Jahrzehnten prädestinierte
„Wohnstuben“ der europäischen Aale. Obwohl die Tiere i. d. R. nur durch
künstlichen Besatz dort hineingelangt sind und nicht abwandern können,
sind die Bestände, die sie in diesen Refugien ausgebildet haben, zumindest
als „Reservoire“ bedeutsam. Im Hinblick auf eine künftig vielleicht
mögliche, künstliche Vermehrung des Aals oder auf den bereits ins
Auge gefassten, gezielten Rücktransport von erwachsenen „Blankaalen“
in den Atlantik wären genauere Kenntnisse über die Bestandszahlen
dieser Fischart in unseren Baggerseen wünschenswert.
Die Fischereifachberatung des Bezirks Oberbayern bittet daher alle interessierten
Taucher und Tauchclubs, das Vorhaben zu unterstützen: Es werden in Oberbayern
ca. 50 Baggerseen ausgewählt werden, die als repräsentativ für
die Gesamtheit aller Baggerseen des Bezirks anzusehen sind. In diesen
Baggerseen sollen versierte, in Nachttauchgängen geübte Sporttaucher
nach näherer Anweisung Aale aufspüren und zählen und die ermittelten
Befunde in ein entsprechendes Formblatt eintragen.
Voranmeldungen für die Genehmigungen der entsprechenden Nachttauchgänge,
die Zuweisung der Gebiete und alle weiteren, erforderlichen Formalitäten
sind bei:
Hedra-Tauchsport Drache, Spitzingplatz 3, 81541 München, vorzugsweise
mit Fax: 089/6915566 oder mail: info@hedra.de
Betreff: Aalzählung, notfalls über Tel. 089/695384, oder
beim Bezirk Oberbayern, Fachberatung f. Fischerei, Tel. 089/4523490, unter
Angabe der Namen und Adressen mit Telefonnummer anzumelden bzw. zu erfragen.
Es liegen noch keine Informationen zu den betauchenden Seen vor, daher können
auch keine Wünsche für Baggerseen angenommen werden. Alle angemeldeten
Taucher werden rechtzeitig über den Start der Aalzählung informiert.
Dr. Peter Wißmath, Ulrich Mößlang (Taucher.Net)
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