Geschrieben am 28.09.2007 von Michael Muschke
Tauchen und Meditation

Ich schreibe diesen Taxt, weil ich ein wenig von dem was ich bekommen habe zurückzugeben möchte. Der Text ist inspirierend gemeint und ich hoffe, daß ich den einen oder anderen interessierten Taucher erreiche, seine eigene Erfahrung so vielleicht bestätigen kann.
Tauchen ist ein weites Feld und oft für einen Taucher auch `nur` Mittel zum - und nicht Selbst-Zweck. Wenn jemand taucht, verläßt er seinen gewohnten Lebensrahmen. Bei langjährigen Tauchern allerdings erlebe ich es manchmal so, als wenn sie ihren tatsächlichen Lebensrahmen immer dann verlassen, wenn sie ihren Neopren ausziehen. Manche sehen Tauchen auch als Sport - gut warum nicht! Ich für meinen Teil empfinde nur wenig Sport-Charakter am Tauchen. Für mich ist Tauchen viel mehr eine erweiterte Form der Meditation. Ich meditiere schon seit Ewigkeiten und habe mit dem Tauchen für mich eine Möglichkeit gefunden, das was ich ohnehin schon täglich übe, auch noch zart-aktiv außerhalb der Meditationszeiten zu praktizieren. Gerade der Tatbestand, daß Tauchen eben nur wenig Aktivität erfordert - zumindest wenn man das so möchte - beflügelt mein meditatives Wesen.
Bei meinen Übungen unter Wasser habe ich schnell bemerkt, wie sich Stoffwechsel, Atmung und Herzschlag rapide verändern und mein Körper dabei offensichtlich Gesetzmäßigkeiten folgt. Ich suche diese Gesetzmäßigkeiten und neige vorerst nicht dazu, Wissen aus dritter Hand einfach zu übernehmen. Kurz - ich möchte Erfahrungen sammeln und lernen. Es ist ganz erstaunlich, daß ich oft auf Berichte stoße, die meine zuvor gemachte Erfahrung genau bestätigen. Meine Sicht bleibt dadurch authentisch - weil ich mich nicht gleich einer bestehenden Meinung anschließe, sie aber als Möglichkeit stehen lasse. Das schafft zwar manchmal Konfliktpotential mit den Alteingesessen - besser vielleicht Alteingetauchten - ich tue es aber trotzdem. Das Wissen von Heute, ist oft genug der Irrtum von Morgen (sinngemäß M. Planck).
Ich kann gut nachvollziehen warum viele Taucher immer wieder neue Gebiete aufsuchen müssen, um sich oder ihr Bedürfnis zu befriedigen. Oft tauchen sie am Wesentlichen vorbei und zählen bunte Fische, jagen Zahlen auf Tiefenmessern und sammeln Tauchgänge - äußern sich enttäuscht, wenn sie nichts `Neues` gesehen haben oder gar ein weiters Mal am gleichen Riff tauchen sollen. Auch ich sammele und registriere meine `Rekorde` - es ist schön sich seiner Erfolge bewußt zu werden. Man muß aber aufpassen, daß man dabei nicht etwas übersieht - jene Instanz, die all das erfährt. Das Wesen des Tauchens ist - so behaupte ich hier einfach mal - Stille. Das Wesen des Menschen ist ebenfalls Stille.
Um wirklich Tauchen zu können, muß man sich vor allem von Vorstellungen und Gewohnheiten trennen. (Das gleiche gilt fürs Meditieren.) Es ist doch offensichtlich - wir leben an Land und haben fast alle unsere Erfahrungen hier gesammelt. Durch diesen Umstand entwickeln sich Gewohnheiten, die mit der Land-Umgebung zu tun haben. Jemand der oft im Wasser ist, entwickelt andere Gewohnheiten - jedenfalls besteht die Möglichkeit. Zum Beispiel kann er unter Wasser nicht Rauchen. Seine Nullzeit - besser das Ende seiner Zeit unter Wasser - wird also auch stark von dem Wunsch begrenzt, wieder auftauchen zu wollen - denn nur hier findet er die Möglichkeit seiner Gewohnheit nachzugehen - in diesem Fall dem `Rauchen`. Ein ausgeprägter Raucher wird also unter Wasser nie ganz und gar Ruhe finden, weil ihn seine Begierde an eine andere Umgebung bindet. Anders herum wird ein Mensch, der sein Leben ohnehin meditativ angelegt hat, im Moment des Abtauchens eine Erfüllung erfahren, die seine kühnsten Vorstellungen übersteigt. Der Tatbestand, des niedrigeren Pulsschlags führt automatisch in eine tieferen Entspannungszustand. Das auf sich zurückgeworfen sein unter Wasser fördert die meditativen Ambitionen eines Tauchers enorm. Als Meditationslehrer kann ich nur von `erzwungener` Meditation sprechen. Wenn der Vorgang der Meditation systematisch erlernt wurde, findet eine Rück-Kopplung statt. Meditieren und Tauchen fördern sich gegenseitig.
Je nach individueller Erfahrung, Lebensweise und Weltanschauung kann es aber - meiner Meinung nach - auch zu unterbewußten Schwierigkeiten kommen, wenn ein Taucher eben mit diesen meditativen Aspekten des Tauchens in Kontakt kommt, ohne darauf vorbereitet zu sein. Dies muß nicht, kann aber der Fall sein und ich spreche hier auch nicht von Tauchern, die einmal im Jahr, während des Urlaubs ein paar schöne Tauchgänge machen. Wenn aber viele Tauchgänge in kurzer Zeit gemacht werden und dies über längere Zeiträume, kann die Folge daraus eine kompensierende Handlung sein. Ein Taucher der mit seinen meditativen Erfahrungen unter Wasser nicht wirklich zurecht kommt, wird bemüht sein diese Erfahrungen zu verdrängen - er kompensiert. Richtig verarbeitet führt eine kontinuierliche Tauchpraxis, mit all den meditativen Aspekten eindeutig zu einer Bewußtseinsveränderung - im positiven Sinne. Eine exzessive Tauchpraxis kann - meiner Meinung nach - im Grunde zwei Wege beschreiben.

* Der eine Weg führt zu einem Menschen, der sich selbst und seiner Umwelt immer mehr bewußt wird.

* Der zweite Weg führt zu einem Kampf zwischen dem Verlangen seinen derzeitigen Bewußtseinszustand aufrecht zu halten und dem Wunsch immer wieder Tauchen zu wollen. (Was meiner Meinung nach einen Wiederspruch in sich selbst darstellt.)

Es sollte klar sein, daß der eine Weg zu mehr und mehr Ruhe führen wird. Ruhevolle Wachheit ist aber nicht mit Dumpfheit - die auch einen Aspekt vun Ruhe in sich trägt - zu verwechseln.

* Ruhevolle Wachheit ist ein Zustand in dem man etwas tun könnte, aber nicht tut - oder gar tun muß.

* Dumpfheit ist oft davon geprägt, daß man nicht einmal bemerkt, das etwas nicht getan werden kann - oder aber zwanghaft getan werden muß.

Richtig verdaut wird Tauchen dazu führen, daß ein Mensch sehr bewußt mit seinem Leben umgeht. Er wird einfach keinen Mangel mehr verspüren, weil er am Reichtum der Schöpfung unermeßlich Teil haben darf. Ich habe den Eindruck gewonnen, daß das Tauchen, bei all den technischen Raffinessen die wir heute genießen, noch weit davon entfernt ist, wirklich entwickelt zu sein.
Säugetiere im Wasser unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von Fischen. Der gravierendste Unterschied liegt wohl in der Atmung. Hier liegt noch viel Pontential brach.
Weiter glaube ich, daß unsere Entwicklung als Menschheit sehr stark geprägt werden wird, von den Auseinandersetzungen die wir als Menschen dort unterhalb des Wasserspiegels erleben. Für mich hat sich schon jetzt sehr viel verändert und meine Umwelt nimmt dies wach und neugierig wahr. Tauchen birgt für mich ein mächtiges Potenzial an Entwicklung in sich. Ein Schatz der gehoben werden will. Ich bin sehr gespannt, wie sich dies entwickeln wird. Für mich ist das Tauchen, so wie es bisher stattfindet und ausgeübt wird ganz sicher nur ein Durchgang - bis wir gelernt haben, als Wesen in diesem Medium voll und ganz aufzugehen. Ähnlich wie man beim lernen einer Sprache, irgendwann beginnt in dieser zu Denken und später dann sogar in dieser neuen Sprache fühlt. Bis dahin werden wohl noch viele Irrtümer und Mißverständnisse beseitigt werden müssen. Auf dem Weg dorthin wünsche ich mir und uns allen Respekt, Offenheit und jede Menge Begegnungen mit Menschen, die diese wunderbare Welt zusammen erleben und sich vertrauensvoll mitteilen. In diesem Sinne - Gut Luft!

michael muschke


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