Geschrieben am 31.10.2007 von Michael Muschke
Als ich das Tauchen begann, ahnte ich nicht welche Veränderungen damit für mich einhergehen würden. Fest steht aber, daß ich mir gewünscht hatte mein Leben zu verändern und dann diese `Sport-Art` urplötzlich auftauchte. Wie einige der Leser ja schon wissen, meditiere ich sehr gern und schon recht lange. Mein Leben wäre ohne Meditation ziemlich leer. Anders herum würde ich ein Leben nur in Meditation auch recht eintönig finden. Wie beim Tauchen kommt es offensichtlich auf die Balance an. Zu viel Blei bedeutet, das man sehr viel Luft ins Jacket blasen muß. Zu wenig Blei das man nur schwer unter Wasser bleiben kann. Und - so wie es mir mit dem Meditieren geht, ist es nun auch mit dem Tauchen - ich kann mir ein Leben ohne Tauchen nur noch schwer vorstellen.
Auf meinem bisherigen Weg durch die Wässer habe ich ein paar ganz klare und einschneidende Erfahrungen gemacht.

* Das eine ist die Theorie. Das andere, was die Menschen daraus machen. Dies ist auch beim Tauchen nicht anders.

* Ich finde es sehr faszinierend das ich meine Ausbildung bei unterschiedlichen Lehrern gemacht habe. Darunter waren echte Könner - aber auch Menschen, die nur sehr wenig Interesse bzw. Engagement an den Tag gelegt haben.

* Es war eine gute Entscheidung, nicht nur an einem Ort zu lernen. Es ist sehr gut, viele verschiedene Rahmenbedingungen kennenzulernen, auch - oder gerade weil - man sich dann immer wieder auf etwas Neues einstellen muß.

* Natürlich habe ich verschiedene Tauchbasen kennen gelernt. Auch hier gibt es himmelweite Unterschiede - so unterschiedlich, wie die verschiedenen Wässer der Meere. Es ist eine Herausforderung - wie ich finde - den Tauch-Sport als etwas Einheitliches anzusehen. Ich empfinde so viel Widersprüche in diesem Aspekt des - meines - Lebens, daß ich manchmal echt Schwierigkeiten habe, ein Bild davon zu bekommen - ganz wie im richtigen Leben.

* Bei allen Punkten steht fast immer der Mensch im Vordergrund - warum eigentlich? Ich fühle eine Veränderung in mir - jene, die ich mir gewünscht hatte. Es wird für mich immer wichtiger, das Leben selbst in den Mittelpunkt meiner Betrachtung zu stellen - und nicht mich. Durch die Erfahrung mit der Unterwasserwelt wird diese Änderung für mich konkret erfahrbar. Ich bin ein Gast in dieser Welt - ist das nicht eigentlich auch an Land so?! Ich benötige allerlei Zeug um überhaupt dort sein zu können. Dies bestärkt mein Gefühl ein Gast zu sein. Ich bin meinen `Gastgebern` sehr dankbar, daß sie mir diese Erfahrungen ermöglichen. Meine Haltung ist eindeutig - sie stellt die Welt in der ich Gast sein darf, mehr in den Vordergrund, als mich, der dort herum-dümpelt. Dies nehme ich mit an Land. Jedes Mal wenn ich aus meinem Anzug steige ist diese Haltung etwas stärker wahrnehmbar. Ich treffe unter Wasser Menschen und wir sprechen an Land miteinander. Na ja - nicht immer und auch nicht mit jedem.

Warum schreibe ich das alles hier? Ich glaube die meisten Tauchen haben etwas gemeinsam - sie Tauchen gerne. Ich glaube weiter, daß hier die Gemeinsamkeiten aber auch schon ihr Ende finden. Taucher tauchen gerne - aber sie Tauchen aus ganz unterschiedlichen Gründen und es gibt viele Gründe, warum jemand Tauchen möchte. Ich finde es echt genial, daß ich mit eine und der selben Aktivität, so unterschiedliche Dinge tun kann. Es ist auch genial, weil man so eigentlich nie weiß wen man vor sich hat. Ich empfinde Tauchen so, als wäre es mein `Zweites Leben` - als würde ich durch das Tauchen zwei Leben führen. Von meinen Bewegründen warum ich selbst Tauchen gehe, werde ich etwas später berichten - in einem weiteren Aufsatz.

Ich lebe ein einfaches Leben, daß seine Wirklichkeit mehr im `Innen` denn im `Außen` hat. Dies ist auch beim Tauchen nicht anders. Obwohl ich mich natürlich im Wasser bewege - wenngelich nicht mehr als wirklich nötig - spielt sich der entscheidende Part doch in meiner inneren Welt ab und - ich bin mir dessen bewußt. Ich bin schon oft gefragt worden - „...was treibest Du denn da so unter Wasser?..." . Nun - ich lebe dort - ja... ich lebe auch (noch) an Land. Aber das ist genau der Part - ICH LEBE AUCH UNTER WASSER! Ich lebe auf dem Land und unter Wasser und in beiden Welten lebe ich mehr `Innen`.
Ich habe begonnen meine Fähigkeiten unter Wasser von der Mechanik und Technik, die anfänglich ja wohl ganz normal ist, zu befreien. Als Land-Mensch habe ich keine Erfahrungen und Konzepte, vor allem aber kein Gefühl für die Welt `Unter Wasser` gehabt. Also dachte und fühlte ich auch unter Wasser, wie ein Mensch an Land. Das war/ist aber überhaupt nicht gut bzw. wenig hilfreich. Also sammelte und sammele ich Erfahrungen - Konzepte lehne ich ab - auch davon später einmal mehr. Ich glaube das die besten Taucher wie Meeres-Lebe-Wesen fühlen und handeln - zumindest wenn sie sich im Wasser befinden. Die besten Taucher sind für mich jene, die in jeder Position gut tariert sind, ihren Atem kontrolliert benutzen und - wichtig - die Welt in der sie unterwegs sind respektieren. All das tun sie aus dem - ihrem - Gefühl heraus. Sie handeln deshalb überlegen, weil sie nicht im Affekt handeln und sich trotzdem ihre Spontanität bewahren. Wie ich schon in meinem ersten Aufsatz `Meditation und Tauchen` sagte, glaube ich ganz fest daran, daß wir als Menschen sehr stark von den Erfahrungen unter Wasser profitieren werden. Allerdings gehört es wohl dazu, die Erfahrungen nicht nur zu machen, sondern sie auch zu verarbeiten - einer der Gründe warum ich hier überhaupt schreibe. Weiter glaube ich, daß es hilfreich sein wird, sich auszutauschen. Ich wünsche all jenen, die schon unter Wasser Erfahrungen sammeln, daß sie vollkommen eins mit dieser Welt werden. Jenen, die noch nicht unter Wasser leben wünsche ich einen Moment - so wie ich ihn selbst erlebte - der das Wunder des Lebens spontan sichtbar macht. Mit ein - zwei Atemzügen, in einer Welt die zwar ständig vor uns liegt, aber dennoch einfach und immer wieder übersehen werden kann.

michael muschke

Kroatien-Boot-Sonnenuntergang
Kroatien-Boot-Sonnenuntergang


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