Geschrieben am 08.04.2008 von Dr. Hani El Bal
Quo Vadis -
Die moderne Tauchausbildung in Ägypten
Von der praxisnahen Tauchausbildung zum vorsätzlichen Betrug am Kunden


Anke und Thomas haben sich vor Urlaubsbeginn gründlich vorbereitet und informiert. Sie kennen den Transfer im heimischen Deutschland genauso, wie der weitere Ablauf ihrer Reise. Am Urlaubsort angekommen, können sie sich von dem angebotenen Service aus der Reisebeschreibung überzeugen. Sie sind über den Hotelservice und das Angebot gut informiert und wissen schon recht genau, was Sie in ihrem Urlaub so alles unternehmen wollen. Kurz um, Sie haben sich gründlich vorbereitet um ihren Urlaub so sorgenfrei und erholsam als möglich zu verbringen.
Das alles klingt bis zu diesem Zeitpunkt doch sehr verständlich.

An einem der folgenden Tage möchten Anke und Thomas dann aber doch mit ihrem Tauchschein/Tauchausbildung beginnen. Etwas früher als geplant. Und mit dieser Entscheidung, zu einer Tauchsausbildung, können Tauchschüler sehr schnell mit unschönen Situationen konfrontiert werden.


Tauchschüler?…auf was beide achten sollten…

Durch Ihre Information vorab, konnten sich Anke und Thomas schon ein kleines Bild davon machen, was sie gerne erwarten würden. Einfache Anhaltspunkte für Anke und Thomas, um bei der Beurteilung ihrer Tauchschule nicht fehl zu schlagen:
• Den gesunden Menschenverstand benutzen;
• Ist der Erste Eindruck positiv, wird der kommende Verlauf ebenso ansprechend sein. Natürlich ist dieser Eindruck individuell und von Person zu Person auch verschieden.
• Die Tauchausbildung in der eigenen Sprache wählen! (Muttersprache)
• Zudem soll eine gewisse Ordnung/System, Sauberkeit vorhanden sein. Nicht nur durch Abzeichen, Flaggen oder sonstige Aushänge von Tauchverbänden.
• Allgemeiner Zustand der Tauchausrüstung, der optische Eindruck;
• Reinigungsbecken für Tauchausrüstung, Nassraum zum aufbewahren der Ausrüstung;
• Kompressorraum/Füllraum und optischer Endruck der Tauchflaschen.

Ein weiterer Anhaltspunkt ist mitunter auch der Preis. Je preiswerter der angebotene Tauchkurs ist, je minderwertiger und unqualifizierter ist meist auch die Ausbildung. Von entsprechenden Sicherheitsaspekten einmal ganz zu schweigen. Nicht selten fehlen bei „Billig-Tauchkursen“, Grundausrüstungen auf der Tauchbasis, einfachste Sicherheitsregeln werden vorsätzlich umgangen oder schöngeredet. Von Lehrausrüstungen und Lehrmaterial einmal ganz zu schweigen.


Wie steht’s aber um meinen Tauchausbilder?

Soweit so gut! Sollte man meinen.
Und dennoch…eine sehr kritische und unsaubere Art der Tauchausbildung hat sich, vor allem in den letzten 2 Jahren, in den bekannten Urlaubsregionen durchgesetzt. Und das, ohne von Tauchverbänden, Verantwortlichen und Mitgliedern, beanstandet zu werden:
Eine Tauchausbildung ohne die fundierte Ausbildung von den scheinbaren „Tauchlehrern“ selbst!
Damit herrschen sehr gravierende Sicherheitsmängel und gröbste Verstöße bei entstehenden Tauchunfällen/Tauchsituationen.

Von einer Versicherungsdeckung der entsprechenden Tauchbasis einmal ganz abgesehen.
Apropos schweigend: Schweigend dazu sind auch die meisten der internationalen Tauchverbände. Es wird nicht gerade gerne in den „täglichen Tauchbetrieb eingegriffen“. Um sich die Mitgliedsbasen nicht zu arg zu verkraulen. Die Tauchbasis will man nicht als Mitglied und damit als Geschäft an der Kundenfront zu verlieren. Richtig schön politisch also, könnte man fast schon meinen. Jedoch auf dem Rücken der vertrauenden Touristen, Neukunden und Gästen der Region.
Zum anderen, wird dabei auch sehr gerne von einer „Selbstschutz-Versicherung“ seitens der Verbände, argumentiert. Also nur wer versichert ist (Tauchbasis- und Tauchlehrer) hat dann auch entsprechenden Schutz bei entsprechenden Vorfällen. Dass dies in der Praxis so nicht wirklich funktioniert, versteht sich schon fast von selbst. Maßnahmen und Ideenreichtum diese Regelungen zu umgehen sind schon sehr einfallsreich. Die nationale Rechtssprechung setzt dem Ganzen noch einen Punkt drauf.


Was heißt dies aber nun letztendlich für unsere zwei Tauchanfänger?

Wie in vielen Fällen werden Anke und Thomas ihre Tauchausbildung beginnen. Sie werden auf das Äußere der Tauchbasis vertrauen. Auf das wesentliche nach ihrer Meinung nach. (siehe unter Empfehlung) Einer guten Tauchausbildung kann somit eigentlich nichts mehr im Wege stehen.
Die Wahl des Tauchverbandes steht dabei noch eher im Hintergrund. Beide Tauchanfänger, Anke und Thomas, vertrauen zuerst ihrer Bezugsperson: Ihrem Tauchlehrer. Der sie nicht nur als Vertrauensperson, sondern auch als kompetenter Ansprechpartner, während des Tauchkurses begleiten wird. Zudem werden Anke und Thomas ihre Tauchausbildung auch an seiner Person messen. Sie werden die ausgewählte Tauchbasis somit regelrecht „persönlich“ bewerten. Hier, sicherlich ein großes Plus, für gute Mitarbeiter und Tauchlehrer einer Tauchschule.

Was aber, wenn Anke und Thomas, doch aus eigenem Interesse nach einem Nachweis seitens des Tauchausbilders fragen?

Nicht selten erntet man damit Unverständnis. Gar forsche Antworten, Unfreundlichkeiten und etliches mehr sind dann nicht selten die Reaktion.
„Habe ich gerade nicht dabei…“ oder „…zeig ich euch morgen…“ eine der interessanten Antworten von Tauchausbildern in spe. Denn was vielfach gerne übersehen wird, dass überdurchschnittliche viele „Tauchausbilder“, gar keine Ausbildung für ihre Tätigkeiten haben. Gar keine Ausbilder sind oder sein dürften!
Sie sind oftmals selbst noch Tauchanfänger, sind nicht korrekt geführte Mitglieder in nationalen- oder Internationalen Tauchverbänden. Haben keinerlei entsprechende Ausbildung für ihre Arbeit mit Tauchanfängern. Dass nun wiederum einige Tauchverbände zunehmend weniger Qualität in ihrer Tauchlehrerausbildung ansetzen, wird natürlich generell gerne bestritten. Es ist zudem nicht gerade sehr förderlich für die gesamte Situation. Schließlich verlassen sich ja alle Beteiligten auf die erstellten Standart und Regelwerke der Verbände.

Obwohl eine Einführung von einem entsprechenden praxisnahen Kontrollsystem/Überprüfung grobe Abhilfe und einen Überblick schaffen würde. (z.B. wie in Frankreich oder Spanien) Nicht selten sind Mitarbeiter der verschiedenen Verbände in gewissen Abständen vor Ort. Mit etwas mehr liebe zum Geschäft könnte sehr viel geholfen werden.

Das zertifizieren (bestätigen der Tauchausbildung via Brevet/Zertifikat) ihrer Tauchausbildung wird, nicht selten, durchaus ein anderer Kollege vornehmen. Vielleicht sogar in einer anderen Tauchbasis. Das Prozedere ist an der Tagesordnung und kommt NICHT selten vor. Der Tauchausbilder im Tauchkurs ist nicht immer selbst im Besitz der entsprechenden Genehmigung des jeweiligen Tauchverbandes. Somit können selbsternannte Tauchausbilder, oder auch Tauch–Instruktoren anderer Tauchverbände, täglich ihrem Betrug am Kunden sehr ungestört wahrnehmen. Dass Tauchbasiseigentümer und Manager dies verwischen, selbst auch wissen, macht alles nicht gerade erträglicher.

Selbst der heimische Metzger oder Einzelhandel, Anwalt oder Arzt, hat nicht selten einen Meisterbrief oder eine Nachweis seiner Qualifikation und den damit verbundenen erfolgreichen Abschluss (Befähigung) in den Geschäftsräumen für jedermann zugänglich gemacht.


„Schnuppern“ ganz einfach gemacht…

Auch im Fall des sogenannten „Schnuppertauchen“ oder „Intro – Diving“ fällt seit Jahren einiges in eine ähnliche Spalte. Tauchanfänger sind doch tatsächlich mit Laien unter Wasser unterwegs. Tauchunfälle aller Art schon an der Wochenordnung, meist vor Ort nur verzweifelt belächelt oder fassungslos bestaunt.
Die Zerstörung der Unterwasserwelt ist dabei mehr als gravierend und vielerorts unübersehbar. Die Spitze der Riff-Terminatoren: Völlig überforderte Fotografen und Videofilmer. Denn Videofilmer und Fotografen versprechen den Tauchbasen ein schnelles Geld und gehen äußerste Fahrlässig mit der Unterwasserwelt um. Eine Tauchausbildung der Digital-Helden: Nop. Geht gar nicht!


Wie kann aber so etwas angehen!?

Vor allem, bei den vielen Bestimmungen seitens der Tauchverbände gegenüber dem Tauchausbilder. Dass natürlich auch Freiräume zur „Freien-Missgestaltung“ auftreten, sollte uns nicht auch noch wirklich weiter stören. So lange die entsprechende Sicherheit gegeben ist, kann man eventuell noch getrost darüber hinwegsehen. Wenn aber vor allem die Sicherheit, der Service und der Spaß zu kurz kommen, entsteht ein unseriöses Vakuum für den Kunden. Eigentlich ein glatter Betrug um eine Leistung, die mit der Kursgebühr doch bezahlt wurde. Wobei nur Betrug schon wieder ein Lob wäre. Denn den Preis bezahlen alle Anbieter vor Ort mit.

Werden Beschwerden oder Vorgänge zur Sprache gebracht, wird der Einzelne totgeschwiegen, missachtet oder einfach nur belächelt. Selbst bei Anhörungen, Verhandlungen oder gar öffentlichen Diskussionen vor Ort. Selbst als Mitarbeiter. Mobbing hat selbst hier leider Einzug gehalten. Nicht selten werden Menschen, welche sich sogar damit an die Öffentlichkeit wagen, extrem bedroht!
Dabei sind Kapitalbeschädigungen, Ausweisungen aus den jeweiligen Urlaubsorten mit Arbeitsverbot, Verfolgung und Androhung von Landesverweis und auch Morddrohungen schon an der Tagesordnung.



Die Schwierigkeit dabei…!

Daher sind Tauchausbilder, mit aktuellen Mitgliedserneuerungen und einer korrekten Versicherung bei ihrem Tauchverband, generell dazu verdammt, alle schwarzen Schafe mitzufinanzieren. Mit zu tragen durch ihre teuren Jahresbeiträge.
Die korrekt arbeitenden Tauchausbilder/Instruktoren und Mitglieder der einzelnen Verbände halten die Systeme die genutzt werden aber tatsächlich erst am laufen. Und die werden bei Beschwerden dann auch noch ignoriert.
Diese Situation ist so nicht länger akzeptabel und haltbar!

Dabei sind durch Verkauf von Zertifikaten, Merchandising und Artikeln, diese Verbände erst auf Dauer existent.

Und zum Thema Zertifikat/Zertifizierungs-Gebühren der verschiedenen Tauchverbände: Da kann man sich urplötzlich doch mit anderen Mitbewerbern einigen. Da werden Zertifikate/Tauchbrevets zu horrenden Summen hochgeschaukelt. Als Durchschnitt wird pro Person und Zertifikat/Brevet schnell eine „Gebühr“ von 45.-€ und mehr verlangt. Gegenüber dem Tauchschüler wird dann auch noch auf Ausbildungsunterlagen, in Form von CD, DVD oder Lehrbuch, ganz verzichtet. Der Preis bleibt eben heiss.


Zertifizierung - Nein danke

Als weitere Möglichkeit hat sich schlussendlich auch noch eine steigende Anzahl von gut gefälschten Zertifikaten in den Destinationen durchgesetzt. Egal welcher Verband, versucht wird alles. Als Favoriten haben sich kleinere Tauchverbände beliebt gemacht. Abends an der Bar oder in der örtlichen Disco einfach mal eingekauft. Ob als Tauchanfänger, erfahrener Taucher, Tauchlehrerassistent oder Tauchinstruktor selbst. China lässt gut grüßen. Die Hauptsache gut, wenn auch nur gut gefälscht. Und selbst die großen der Tauchbranche, haben enorme Schäden in jüngster Zeit, durch Fälschungen und Plagiate erfahren.


Quo Vadis…?

Wohin also? Nicht nur als Tauchsport. Auch als Einsteiger und Tauchanfänger? Als Tauchprofi oder…?
Im Internet und auf Webseiten haben sich teils ja schon mal als Anlaufstelle für unsaubere Geschäftsmethoden entwickelt. Vielleicht liegt eine Lösung doch näher als gedacht. Der Versuch wird es zeigen.

Was natürlich immer hilft ist eine Empfehlung der Bekannten aus dem Tauchfachgeschäft. Dem Freund aus einem örtlichen Tauchverein, oder seinem Urlaubs-Tauchgebiet. Vielleicht ein Anruf bei einem der vielen Tauchschulen vor Ort, zu Hause. Selbst Hallenbäder, Freizeitparks haben Tauchen als Spaß entdeckt. Im Zeitalter des Internets, nicht wirklich ein großes Hindernis.
Fest steht jedoch: Helfen muss man sich leider zunächst eher selbst. Durch nationale Auflagen von Verbänden und Regeln ist der Betrug am Kunden nicht beendet. Gerade in Ländern ohne einheitliche Rechtssprechung ist jeder Einzelne Tauchgast selbst gefragt. Verantwortung übernehmen und dies auch nach außen für jeden zugänglich machen. Informieren schlichtweg. Aber keineswegs nur blinde Beschwerden!

Und, wenn dann Anke und Thomas all dies überstanden haben, werden auch sie erstaunt feststellen: Es hat sich doch gelohnt! Unter Wasser - in eine andere Welt eintauchen. Wenn auch mit etwas mehr Startschwierigkeiten als geplant ;-)













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