Kreiselspass mit dem „Buddy Evolution“ nach zweieinhalb Jahren Pause ?!
Als ich auf der „Boot“ in Düsseldorf im Jahr 2005 eine Reise nach Ägypten gewann, wusste ich nicht wirklich, auf was ich mich einlasse. Es war ein Tauchabenteuer und ich durfte zum Abschied einen „Rebreather - Tauchschein“ mit nach Hause nehmen und einen Gutschein über eine Woche Tauchen mit dem Kreislaufgerät „Buddy Evolution“. Die „Tauchen“ berichtete in der Oktoberausgabe 2005 ausführlich darüber.
November 2007
Da ich in Deutschland nicht tauche, kam ich nie auf die Idee Kreislauftauchen jemals in Betracht zu ziehen. So vergingen über zwei Jahre. Ob ich den „Gutschein“ noch einlösen kann? Eine E-Mail der Orca - Basis bestätigte mir die Gültigkeit. Jetzt schossen mir Begriffe wie Hypoxie, Diluent, Hyperkapnie, Bailout, Head-Up-Display und ein Gewicht von 30 kg durch den Kopf.
Schon ganz aufgeregt, nahm ich vorab Kontakt mit Etienne Mackensen von A.P. Diving auf und vereinbarte einen Termin zum Schnuppertauchen im Astronauten-Becken der ESA in Köln. Dort durfte ich 20 Min. mit dem Inspiration, dem großen Bruder des Evolutions, abtauchen. Klappte gut, und somit hatte ich die Woche in Safaga im Kopf schon gebucht.
Orca-Basis, Safaga
In der Basis angekommen geht es auch gleich zur Sache, denn mein „Evolution“ ist schon vorbereitet und die „Amira-Star“ zum Ablegen bereit. Das geht mir alles viel zu schnell und meine Aufregung schlägt mir auf den Magen. „Gibt´s hier keinen Guide für mich? Ich sehe kein zweites Kreiselgerät an Bord? ( Hilfe)!“ Zu meiner Beruhigung rollt Timmi sein „Inspiration“ über den Steg, betritt das Schiff und begrüßt mich. Mein Tauchlehrer, bin ich froh! Ich bombardiere ihn mit Fragen und bekomme auf alles eine fachkundige Antwort. Wir starten zum ersten Tauchgang. Das Abtauchen funktioniert im zweiten Versuch mit etwas mehr Blei, danach ist meine Aufregung wie weggeblasen. Viele bunte Fische und „Stille“. Wie schon im ESA-Becken, keine Atemgeräusche, keine Blubberblasen, eben „Stille“. Das Tarieren klappt so gut, wie ich es nicht erwartet hätte. Nach 50 Min ist mein erster Tauchgang, ohne Übungen und ohne Fotoshooting beendet. Am Nachmittag gehen wir ein paar wichtige Übungen durch, wie z. B. auf Bailout (offenes System) umstellen und das Spülen der „Gegenlunge“. An der Basis habe ich mich ganz ausführlich und ruhig mit dem „Evolution“ auseinandergesetzt, es gereinigt, wieder tausend Fragen gestellt und mir anschließend ein Deko-Bier gegönnt. Mein erster Kreisel.- Tauchtag ist beendet und ich fand ihn erfolgreich. Mit einen Blick auf mein mitgebrachtes Jacket denke ich: Dich brauche ich nicht, diese Woche ist „Briefkasten-Tauchen“ angesagt.
Ab heute heißt es früh aufstehen, denn die Vorbereitungen des Kreislauftauchgeräts dauern. Atemkalkbehälter packen und einbauen, O2 –Flasche analysieren, beide zwei-Liter-Flaschen verschrauben und gut verschnüren, Verbindungen des Atemschlauchs mit Silikon abdichten, Kalibrieren, Überdruck und Unterdruck testen. Habe ich nichts vergessen? All das dauert und ist lebensnotwendig. Ab heute habe ich Lutz an meiner Seite, ebenfalls ein ruhiger, routinierter Instructor. Auf geht’s.
Am Panorama-Riff
Ohne Scheu schalte ich mein Hand-Set ein und checke meine Ausrüstung. Wir machen einen Drifttauchgang u. fahren mit dem Zodiac an die nördliche Riffkante. Mit Lutz treffe ich mich in 5m Tiefe zum Bubble-Check. Klappt hervorragend und dann schweben wir in die Tiefe. Bei 40 m machen wir stopp und lassen uns mit der Strömung an der Steilwand entlang treiben. So etwas Schönes habe ich noch nie erlebt. Der Blick empor zur Sonne, vorbei an riesigen Gorgonien, gehüllt in mystische Blautöne. Die Stimmung hier unten ist für mich ein ganz neues Taucherlebnis, geprägt von der Stille, der Tiefe und der langen Zeit (mehr als 30 Min.), die ich hier verbringe. Als uns dann noch ein Schwarm Doktorfische begleitet und ich mir vorkomme als gehöre ich zu ihnen, habe ich für mich als Hobbytaucherin begriffen, was es bedeutet mit einem Kreislaufgerät tauchen zu gehen. Wir verlassen langsam unsere Tiefe und treffen die anderen Taucher vom Schiff. An Bord ist heute auch Volker Clausen, von dem ich noch den ein, oder anderen Tipp bekomme. So z. B. die Verteilung des Bleis. „Du stehst ja wie ein Seepferdchen im Wasser!“ meint er. Das Evolution hat zwei weitere, integrierte Bleitaschen im Schulterbereich. Damit habe ich nun die optimale Lage. Ein kleines Lob bekomme ich noch und so geht ein wunderschöner unvergesslicher Tauchtag zu Ende.
Mit jedem Tag werde ich sicherer, die Technik macht mir keine Angst und das Packen und Reinigen geht schneller von der Hand. Doch am Middle-Reef merke ich, dass mir die Routine mit dem Kreiselgerät fehlt. Die geringe Tiefe mit Strömung macht mir zu schaffen. Der wunderschöne Korallengarten zieht etwas unbeachtet an mir vorbei, denn ich bin mit dem Tarieren beschäftigt. Wo ich sonst mit meiner Lunge arbeite, versuche ich durch halboffenes Atmen die Tarierung zu steuern. Das klappt aber noch nicht so ganz und da hänge ich schon an der Wasseroberfläche. So bringt jeder Tauchgang neue Erfahrungen mit sich.
Ich fühle mich total wohl mit dem „Evolution“. Ob an der „Salem Express“, Abu Kafan, Middle-Reef und ganz besonders am Panorama-Reef. Alle Tauchgänge waren von ganz besonderer Art. Spannendes, mystisches, einsames, blasenfreies und ruhiges Tauchen, inmitten der vielen prachtvollen Fischschwärme. So nah hatte ich sie noch nie. Karin v. Capell und Volker Clausen haben mir eine wunderschöne Woche mit dem „Buddy Evolution“ ermöglicht. Als absolute Anfängerin unter den Rebreather - Tauchern war ich in der Orca - Tauchbasis bestens aufgehoben. Gutes Equipment, auf der ganzen Basis freundliche u. hilfsbereite Guides und Staffs und ein nettes Ambiente. Das war nicht mein letzter Tauchurlaub mit dem „Evolution“.
viele, viele Schläuche
mit viel Spass zum nächsten Riff
Wie wird der Tauchgang am nächsten Wochenende? Aktuelle Sichtweiten aus hiesigen Gewässern und der ganzen Welt gibts in unseren Sichtweiten-Seiten! Natürlich kannst Du auch Deine Erfahrungen nach einem Tauchgang einpflegen und somit anderen Tauchern helfen!