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 Geschrieben am 27.01.2009 von Harry
Kehrt ein neuer Besen wirklich besser durch den Wüstenstaub?

Neues vom Roten Meer. DiveInside auf der "boot 2009" im Gespräch mit Hesham Gabr von der ägyptischen Chamber for Diving and Water Sports (Stand A80).


Hesham Gabr ist ein Self-made-Man und an agiert auf vielen Schauplätzen. Seinen Camel Dive Club gründete er vor mehr als zwei Jahrzehnten. Heute ist aus der kleinen Tauchbasis ein florierendes Unternehmen am südlichen Sinai geworden. Neu dazu gekommen ist jetzt die Geschäftsführung der CDWS (Chamber for Diving and Water Sports).


Hesham, auch dein Tag hat nur 24 Stunden. Wie bekommst du das alles auf die Reihe?
Tolle Teams im Camel Dive, den Bars, Restaurants und dem Red Sea Board entlastet mich. Aber ich muss zugeben, dass mich die neuen Aufgaben bei der CDWS sehr fordern. Schließlich wollen wir in den nächsten drei Jahre wirklich Grundlegendes bewegen.

Was macht die CDWS?
Die Chamber for Diving and Water Sports, kurz CDWS, ist die Vereinigung der Tauchbasen und Wassersportzentren in Ägypten. Unsere Aufgaben sind die Selbstregulierung dieses Teils des Tourismus gemäß den internationalen Standards und Normen, Qualitätsverbesserung im Tauchtourismus, Sicherstellung der höchsten Sicherheitsstandards, nachhaltiger Schutz unserer natürlichen Ressourcen sowie die Förderung von Ägypten und besonders des Roten Meeres als Reiseziel.

Wie viele Tauchunfälle gibt es eigentlich jährlich im Roten Meer?
2008 gab es in Ägypten 193 gemeldete Tauchunfälle. Bei etwa 12 Millionen Tauchgängen von fast 1,3 Millionen Tauchern. (Anm.: Das sind 0,016 Promille. Das Risiko nach DAN auf einen Tauchunfall beträgt 0,1 Promille)

Wie viele davon waren tödlich?
27

Warum wird eben dieser Frage sonst immer ausgewichen?
Ich weiß auch nicht warum. Tauchen ist eine der sichersten Outdoor- Sportarten. Viel sicherer als Schifahren oder Mountainbiken beispielsweise.

In anderen Ländern stehen Hubschrauber der Küstenwache oder des Militärs zur Rettung schwer verletzter Taucher zur Verfügung. Warum nicht in Ägypten?
Da kann ich dir nur zustimmen. Die CDWS hatte aber bereits einige Gespräche mit der SAR des Militärs und wir haben uns auf eine Vorgangsweise geeinigt, wenn ein Hubschrauber zur Rettung eines Verunfallten benötigt wird. In der Zwischenzeit hat die CDWS alle Tauchplätze kartiert und mit den entsprechenden Codes versehen, die auch beim ägyptischen Militär verwendet werden. Abgesehen davon hat der Minister für Tourismus Mittel zugesagt, um ein Call-Center einzurichten, um Tauchunfälle in angelegenen Gebieten koordinieren zu können. Das Projekt könnte bereits Mitte 2009 Realität werden.

Der Tauchguide an Bord ist für die Gäste die wohl wichtigste Ansprechperson. Er ist vielleicht Tauchlehrer, aber kein Seemann. Werden Tauchguides für Tauchsafaris speziell ausgebildet?
Nicht mehr als sie während ihrer normalen Ausbildung lernen. Meist arbeiten Tauchguides jahrelang in ihrem Job und sammeln Erfahrung bei der täglichen Arbeit auf den Tauchbooten. Gute Guides können danach auf Safariboote "aufrücken".

Bei den Tauchbasen wurde eine Qualitätsoffensive gestartet. Die TÜV Audits sind voll im Gange. Wie ist der aktuelle Stand?
Wir setzen dabei die ISO 24803:2007 für Tauchanbieter um. Diese ist in der europäischen Norm EN14467:2004 verankert. Dier Fortschritt geht langsam, aber stetig voran. Die Prüfer wurden ab April 2008 ausgebildet. Im Oktober hatten wir dann 35 Firmen geprüft und zertifiziert. Momentan sind es 44 Anbieter an der Festlandküste und 83 am südlichen Sinai. In der zweiten Jahreshälfte 2009 sollen die Audits abgeschlossen sein. Eine Liste der zertifizierten und somit auch offiziellen Tauchbasen kann auf der Homepage der CDWS online eingesehen werden: http://www.cdws.travel/

Kommen danach die Tauchboote in das Visier der Auditoren?
Damit haben wir bereits begonnen! Zwölf Safariboote arbeiten bereits im Einklang mit den ISO- Standards.


Apropos! Die Sicherheit auf Safaribooten in Ägypten ist derzeit in aller Munde. Die Safariboote sind schwimmende Luxushotels. Vollklimatisiert, mit Mahagoni, Whirlpool und viel mehr. Von der Sicherheitsausstattung her sind die Schiffe aber meist weit unter internationalen Standards wie beispielsweise nach SOLAS.
Wir sind uns einig, dass die CDWS einiges an Altlasten sowie eine unorganisierte Safariboot Branche geerbt hat. Vieles liegt daran, dass die Safariindustrie in den letzten zwei Jahrzehnten, ohne angemessene Sicherheitsrichtlinien, enorm angewachsen ist. Lobend erwähnen möchte ich aber, dass inzwischen die ägyptische Schifffahrtsbehörde weit höhere Sicherheitsstandards verlangt. Zum Thema SOLAS kann ich leider nichts sagen. Wahrscheinlich, weil ich keine Safariboote besitze oder betreibe.


Es gibt gesetzliche Mindest-Standards für die Sicherheitsausrüstung auf einem Tauchboot in Ägypten. Diese Ausstattung hängt davon ab, in welcher Entfernung zur Küste das Boot operiert. Das macht durchaus Sinn. Aber: Kann die Besatzung mit dieser Ausrüstung auch umgehen?
Die Schifffahrtsbehörde und wir arbeiten auch an diesem Thema. Wir vereinbarten, mit Fortbildungskursen für Kapitäne und Maschinisten für Safariboote, die in abgelegenere Tauchgebiete fahren, zu beginnen. Diese Kurse haben es in sich: Sie dauern drei Monate für die Kapitäne und zwei Monate für die Maschinisten. Dabei werden auch die Kenntnisse und Fertigkeiten im Umgang mit der Sicherheitsausrüstung trainiert. Der erste derartige Kurs hat übrigens am 8. Dezember 2008 in Hurghada begonnen!

Wie es aussieht, wirbelt der neue Besen wirklich ganz schön viel Staub auf!
Danke für das Interview und weiterhin viele Meilensteine!


Ich danke!

Mehr Informationen finden sich auf der Homepage der CDWS: http://www.cdws.travel/

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