Geschrieben am 02.08.2010 von Harald Apelt
Meinung der Rebreather-Profis zum Thema "Poseidon Mk VI für Sporttaucher"
(Ergänzung zum DiveInside Bericht Rebreather-Event in Safaga)

Volker Clausen
Paul Raymaekers
Neil Matthews
Dave Thompson
Manfred Führmann
Dr. Michael Klemm

Interviews:

Volker Clausen, Orca Dive Clubs
Volker Clausen, Besitzer der Orca Dive Clubs und passionierter Rebreathertaucher.

DiveInside: Volker, das große Rebreatherevent in Safaga ist von den Tauchern klasse angenommen worden. Du hattest eine Topbesetzung von der Herstellerseite vor Ort, die neuesten Geräte zum Testen und eine sehr gute Resonanz von den Gästen aus sechs Nationen. Restlos zufrieden?
Volker Clausen: Ich bin nie restlos zufrieden, aber es war schon eine tolle Veranstaltung, die es meines Wissens weltweit in dieser Form noch nicht gegeben hat. Es zeigte vor allem auch, dass wenn die Inhalte stimmen, die Taucher auch kommen und aktiv teilnehmen.

D.I.: Was meinst du konkret mit „den richtigen Inhalten“?
V.C.: Nun zunächst einmal hatten wir ja Leute wie Dave Thompson, Mitentwickler des Buddy Inspiration und des JJ und Pauly Raymaekers, Inhaber von rEvo hier, die zu den Top-Entwicklern und Herstellern der Rebreatherszene zählen. Dann war da das Team von Poseidon Schweden, das insgesamt sechs Testgeräte des neuen Discovery MK VI aufgeboten hat. Und diese Leute haben mit ihren Präsentationen und Vorträgen den Gästen das Thema „Rebreather“ auf einem extrem hohen Niveau dargestellt. Dann kam ja auch noch ein wenig Abenteuerstimmung auf, mit dem 190-Meter Testtauchgang von Manfred Führmann und seinem Team mit dem neuen JJ-Rebreather.  Und letztendlich waren da ja auch noch die beiden charmanten Mädels, die in dem fünftägigen Lehrgang auf dem Poseidon Discovery MK VI den Beweis angetreten haben, dass man als Rebreathertaucher nicht geboren wird, sondern das doch tatsächlich lernen kann. Und zwar auch dann, wenn man „nur“ Sporttaucher ist und technisch überhaupt keine Vorkenntnisse mitgebracht hat.

D.I.: Glaubst du, dass das Tauchen mit geschlossenen Systemen jetzt vermehrt nachgefragt werden wird und auch im Sporttauchbereich Einzug hält?
V.C.: Es wird sicherlich nicht das Tauchen mit offenen Systemen in absehbarer Zeit ablösen. Aber es ist ein Trend festzustellen, dass das Rebreathertauchen vor allem erfahrenere Taucher zunehmend reizt. Und mit dem Poseidon Rebreather gibt es nun erstmals auch ein Gerät, das man Einsteigern und unter bestimmten Voraussetzungen auch Anfängern durchaus an die Hand geben kann.

D.I.: Sind die denn die Zielgruppe für eine Technik, die kaum unter 6.000 € zu haben ist.
V.C.: (grinst). Ja! Bei mir ja! Denn gerade aus diesem Grund habe ich ja den Rebreather-Pool gegründet um diesen Interessenten den Weg zum Rebreathertauchen leichter zu öffnen. Denn mit dem Pool kann jeder Interessierte zunächst einmal relativ preiswert testen, ob das überhaupt etwas für ihn ist. Und auch wer nur gelegentlich einmal „blasenfrei“ tauchen möchte, wird sonst nie zum Rebreathertaucher werden, denn dem stehen dann doch die relativ hohen Anschaffungskosten entgegen.

D.I.: Kann eine Tauchbasis denn solche hohen Investitionen in Leihgeräte überhaupt wirtschaftlich verkraften?
V.C.: Na ja, das ist natürlich zunächst einmal eine relativ hohe Investition. Die rechnet sich natürlich nur, wenn die Geräte im Pool auch mit einer entsprechend hohen Auslastung vermietet werden können. Dafür sind ja mehrere Orca Dive Clubs am Pool beteiligt und am Ende ist es ein logistisches Problem, das wir aber glauben, in den Griff zu bekommen.

D.I.: Welche Leistungen bietet ihr über den Pool denn genau an?
V.C.: Als Mitglied des Pools hat der Taucher einen Anspruch auf maximal sechs aufeinanderfolgende Tauchtage mit einem unserer Kreislaufgeräte auf einer der beteiligten  Orca-Tauchbasen weltweit. Die Jahresmitgliedschaft kostet 180 Euro und beinhaltet die sechs Tauchtage mit einem Rebreather freier Wahl an dem vom Mitglied gewünschtem Orca Dive Club incl. kostenloser Pressluftfüllungen. Es ist bei erneuter Zahlung möglich die Mitgliedschaft auch innerhalb eines Jahres ein zweites Mal zu nutzen. Zurzeit sind die Orca-Basen im Sinai, Rotes Meer, Mauritius und Bali beteiligt. Im Pool befinden sich jetzt die Geräte Poseidon “Discovery MK VI”,  von Ambient Pressure Diving das “Inspiration” und das “Evolution” sowie das “rEvo III Hybrid“.
D.I.: Viel Erfolg mit deiner neuen Kreisel-Idee.

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Paul Ryamaekers, rEvo
Paul Raymaekers
(46) gründete 2003 in Brügge die Firma „rEvo“, produziert und vertreibt die zwei Geräte „rEvo I“ und rEvo II“ vornehmlich an ambitionierte Rebreathertaucher.

Diveinside: Paul, du baust mit dem „rEvo“ selbst seit Jahren einen Rebreather. Wie bewertest du das Discovery MK VI. Top oder Flop?
P.R.: Zu dem Gerät selbst will ich mich gar nicht so konkret äußern. Was es kann und was nicht, wird sich in der nächsten Zeit zeigen.  Ich bin mir aber nicht sicher, ob es die von Poseidon anvisierte Zielgruppe überhaupt gibt. Ich denke nicht, dass sich eine größere Anzahl von Sporttauchern dieses Gerät anschaffen wird, um am Ende so zu tauchen, wie Sporttaucher es eh gewohnt sind: mit Tiefen- und Tauchzeitlimits.
DI: Und was ist mit dem Rebreatherpool?
P.R.: Der könnte möglicherweise die Lösung bringen. Ambitioniertere Taucher, die nur drei- oder viermal im Jahr Rebreather tauchen wollen, für die ist der Pool optimal. Ob dann der Poseidon-Rebreather das richtige Gerät ist, möchte ich bezweifeln.
D.I.: Was ist das Discovery für euch anderen Hersteller: Wettbewerb oder Türöffner in eine andere, neue Zielgruppe?
P.R.: Wohl beides ein wenig. Discovery-Käufer sind zunächst einmal nicht unsere Zielgruppe. Aber später, wenn sie ambitioniertere Tauchgänge machen wollen, könnten sie es werden. Ich allerdings habe zum Beispiel noch nie einen Kunden gehabt, der nicht Dekotauchgänge gemacht hat.
D.I.: Eine positive Bereicherung der Rebreather-Zielgruppe also?
P.R.: Nicht so ohne weiteres. Ich sehe da eine Gefahr, für uns alle. Ich bin grundsätzlich dagegen, zu kurze Rebreatherkurse anzubieten. Die Ausbildung der Rebreathertaucher muss auf einem absoluten Topniveau stattfinden und nicht mal so eben in zwei, drei Tagen nebenbei im Urlaub stattfinden. Hier dürfen die Ausbildungsorganisationen nicht den Weg des schnellen, leicht verdienten Geldes beschreiten. Sie müssen gemeinsam für mehr Qualität in der Ausbildung sorgen, sonst könnte es auch passieren, dass es vermehrt Zwischenfälle gibt, die dann auf die Geräte an sich und letztendlich auf uns Hersteller zurückfallen werden.

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Neil Matthews, Geschäftsführer IART
Neil Matthews
(54) aus Nottingham lebt seit 13 Jahren in Deutschland in Wallertheim. Er ist Geschäftsführer von IART (International Association of Rebreather Trainers) und überwachte den ersten IART Ausbildungskurs am Discovery MK VI in Safaga.

DiveInside: Ihr habt die Ausbildung am Discovery bei IART mit aufgenommen und den Kurs für die Ausbildung von Sporttauchern entwickelt. Gab es da nach dem Testfall in Safaga neue Erkenntnisse?
Neil Matthews: Das war schon eine optimale Gelegenheit, um sehr detailliert festzustellen, ob die Ausbildung von wenig erfahrenen Sporttauchern anders angegangen werden muss, als die Ausbildung auf anderen geschlossenen Systemen.

D.I.: Und, wie war das Ergebnis?
N.M.: Wir haben hier deutlich gesehen, dass gerade bei der Ausbildung für den Sporttauchbereich sehr hohe Anforderungen gestellt werden müssen. Vor allem wenn Beginner und im CCR-Tauchen völlig unerfahrene Sporttaucher ausgebildet werden sollen.

D.I.: Warum? Sind die zu blöd dafür??
N.M.: Nein, so meinte ich das nicht. Nur das Tauchen mit geschlossenen Systemen ist etwas anderes, als das  Tauchen mit offenen Systemen. Bei Anfängern stehen Probleme, wie der richtige Sitz des Gerätes, die immer wieder voll laufende Maske und andere, für routiniertere Taucher belanglose Probleme im Vordergrund. In einem solchen Ausbildungsstatus nun auch noch mit dem vergleichsweise komplexeren System eines Rebreathers zu beginnen, halte ich für schwierig. IART vertritt deshalb die Meinung, dass eine fundierte Basisausbildung im offenen System und der obligate Nitroxkurs stets vorangehen sollten.

D.I.: Und dann wäre dieser CCR ein System für den Sporttauchbereich?
N.M.: Tja, da tue ich mich ein wenig schwer damit, das so zu unterstreichen.

D.I.: Warum?
N.M.: Ich glaube nicht, dass das Gerät mit der heutigen Form der Elektronik so stabil ist, dass man sich darauf blind verlassen kann. Wir wissen nicht, welche denkbaren Situationen in das System bisher noch nicht integriert sind.  Auch wenn suggeriert wird, dass die Automatik alles perfekt regelt, müssen die Taucher das Gerät in all seinen komplexen Strukturen verstanden haben und beherrschen. Das hat aber meines Erachtens auch zwingend zur Folge, dass die Rebreathertaucher des Discovery MK VI genauso umfassend ausgebildet werden müssen, wie alle anderen Rebreathertaucher auch.

D.I.: Dann also besser nicht eine Ruckzuck-Ausbildung mit Tenor: „Anlegen, reinspringen und wohlfühlen“ ?
N.M: Das hielte ich für fatal und würde m.E. zwangsläufig Unfälle nach sich ziehen. Wir sollten gemeinsam überlegen, ob die Ausbildung am Discovery nicht besser zweistufig eingeführt wird. Das würde in Stufe eins eine maximale Tauchtiefe von 20-25 Metern bedeuten und in Stufe zwei unter Hinzunahme einer Stageflasche dann Tiefen bis 40 Meter erlauben. IART ist nämlich der Meinung, dass die Bailoutflasche von nur 3 Litern bei 40 Metern Tauchtiefe im Falle von Komplikationen zu knapp ausgelegt ist. Natürlich kann man mit 600 Barlitern einen geordneten Aufstieg aus 40 Metern Tiefe hinbekommen. Wir sollten aber auch bedenken, dass dieser Luftvorrat nicht nur für optimale Bedingungen im Warmwasser ausreichen soll, sondern auch in kalten Seen in stressigeren Situationen z.B. mit einem Partner mit offenem System ausreichend Luft für einen sicheren gemeinsamen Aufstieg inklusive Tarierung liefern muss. Genau aus diesen Gründen nehmen die meisten Rebreathertaucher auch eine Stageflasche mit, wenn sie sich zu ausgedehnten oder tieferen Tauchgängen aufmachen. Das höchstmögliche Maß an Sicherheit sollte unser gemeinsamer Maßstab sein, an dem wir uns alle beim Tauchen orientieren.

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Dave Thompson, Inspiration und J.J. Designe
Dave Thompson
entwickelt und baut schon seit 1987 Rebreather.  Er war maßgeblich mit am Entstehen des Buddy Inspiration beteiligt und hat jüngst den neuen Rebreather von J.J. als Co-Designer mit gestaltet.

Diveinside: Dave, fast zeitgleich mit „JJ“ führte Poseidon den Discovery Rebreather für Sporttaucher ein. Was hältst du von diesem neuen Ansatz?
Dave Thompson: Ich wünsche Poseidon damit viel Glück, wenngleich ich meine Zweifel habe, dass das Konzept aufgeht.

D.I.: Wieso?
D.T.: Poseidon hat in die Entwicklung des Gerätes viel Geld investiert. Ich habe aber meine Zweifel, dass es seinen Markt finden wird. Denn: was hindert Sporttaucher daran so viel Geld in ein neues Gerät zu investieren? Ich sag es Ihnen: Es ist der Preis! Wer nur gelegentlich Rebreather tauchen will wird eine Investition von fast 6000 Euro nicht tätigen.

D.I.: Was wollen Sporttaucher dann?
D.T. Ich denke dass viele Sporttaucher es so machen, wie ich auch. Wenn ich mit meiner Frau in Urlaub gehe, bleibt mein Rebreather zuhause. Für gemütliche 20- oder 30-Meter-Tauchgänge brauche ich keinen Rebreather. Da nehmen wir eine 12-Liter-Flasche  und dann wird Spaßtauchen gemacht.

D.I.: Und warum bist du dem Rebreathertauchen dann so verfallen?
D.T. Das will ich dir sagen: Wenn ich zum Beispiel die Britannic betauchen will, dann brauche ich ein Gerät, das auch in großen Tiefen zuverlässig arbeitet und das mir die Grundzeit maximiert. Und das hat mit Sporttauchen nichts zu tun.

D.I.: Ist der Rebreather also nichts für Sporttaucher?
D.T.: So kannst du das nicht sagen. Wir sind doch alle Sporttaucher. Taucher sollten sich aber nie alleine auf die Technik verlassen. Die vollautomatischen Geräte blinken, schlagen Alarm und vibrieren, das ist okay, aber ich denke, dass jeder Taucher seine Geräte auch verstehen und selbst steuern müssen kann. Wenn er das nicht kann, sollte er nicht mit einem Rebreather ins Wasser gehen.

DI.: Aber beim Auto klappt es doch auch mit der automatischen Steuerung der Technik.
D.T.: Du kannst ein Auto nicht mit einem Rebreather vergleichen. Die Elektronik im Rebreather ist eine lebenserhaltende Funktion. Wenn die Steuerung der Einspritzung beim Auto versagt, bleibt die Kiste stehen. Fertig. Versagt unter Wasser deine Rebreather-Elektronik hast du ein essentielles Problem. Und um das zu handeln braucht es Taucher, die ihre Geräte verstehen und mit ihnen tief vertraut sind.

D.I.: Also intensives Durchdringen der Technik?
D.T.: Ja, ja! Das Geheimnis ist das richtige „Mindset“ zu kreieren. Und wenn das nicht gelingt, steht zu befürchten, dass es bei weiter steigenden Unfallzahlen demnächst auch bei uns gesetzliche Regulierungen geben wird.

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Manfred Führmann, Rekordhalter Buddy Inspiration
Manfred Führmann
(52) ist eine der führenden Persönlichkeiten der deutschen Rebreatherszene. Der in Plattling lebende Niederbayer hat zahlreiche Tiefenrekorde aufgestellt, unter anderem den tiefsten Tauchgang mit dem Buddy Inspiration mit Chris Ullmann (Präsident IART) und Volker Clausen (Chef der Orca Dive Clubs) auf 224 Meter.

DiveInside: Zunächst einmal Glückwunsch zu deinem erfolgreichen Testtauchgang mit dem „JJ“-Rebreather am 12. Juni am Panoramariff bis auf 190 Meter.
Manfred Führmann: Ja vielen Dank, das war  ein ganz klasse Tag: Tauchpartner, Sicherungsteam, die Gastgeber vom Orca Dive Clubs und das Wetter - es passte einfach alles perfekt.

D.I.: Wie gefiel dir das Rebreather-Event und was sagst du zu dem neuen Ansatz von Poseidon mit der Vorstellung des Discovery MK VI, einen Rebreather für Sporttaucher.
M.F.: Ich war ja jeden Tag mit auf den Booten mit den  Eventgästen und die Atmosphäre war schon einmalig. Wann hat man auch schon einmal so viele Rebreathertaucher zusammen auf einem Haufen. Ich hatte mit meinen Vorbereitungstauchgängen ja schon genug zu tun, deshalb bin ich auch nicht dazu gekommen, mit dem MK VI einmal ins Wasser zu gehen. Ich habe aber, soweit es ging, die Ausbildung der Anfängerinnen und das Testtauchen beobachtet.

D.I.: Und wie ist dein Urteil?
M.F.:  Hochachtung an Poseidon, das ist mutig, dass sie sich da herangetraut haben. Wenn das Gerät in der vorliegenden Form nur bis 20 Meter Tiefe eingesetzt wird und darüber bis 40 Meter nur mit Stageflasche getaucht werden wird, denke ich, dass es eine interessante Alternative für Sporttaucher sein könnte. Das Gerät ist darüber hinaus für einen technischen Taucher keine Alternative, weshalb es auch nicht zur irgendwelchen Interessenkollisionen kommen wird.

D.I.: Also ein Quantensprung für den Sporttaucher?
M.F.: Guter Scherz! (lacht) Nein, soweit würde ich nicht gehen wollen. Ich bin aber überzeugt, dass derjenige, der mit dem Gerät das Tauchen lernt, am Ende bei einen ambitionierteren Rebreather landen würde. Ich glaube auch, dass sich die Rate der Dekounfälle im Sporttauchbereich reduzieren würde. Und auch die Unterwasserfotografen unter den Sporttauchern würden komfortabler und länger tauchen können.

D.I.: Also alle jetzt die Tauchausrüstung einmotten und einen Rebreather kaufen?
M.F.: Das würde ich gerne empfehlen, nur wer kann es sich heute erlauben, für 6.000 € einen Rebreather zu kaufen?

D.I.: Also ist das Discovery eine Totgeburt?
M.F.: Nein. Das glaube ich nicht, denn da gibt es ja immer noch die Idee mit dem Rebeather-Pool. Der ist die Lösung und ich denke, dass Poseidon gut daran täte, das Gerät bei den Tauchbasen unterzubringen.

D.I.: Noch einmal zurück zu deinem Tauchgang. Wie ist es um die Psyche bestellt, wenn man solche Abenteuer unternimmt.
M.F.:  Das ist natürlich etwas anderes, als das, was Sporttaucher machen. Aber in den acht Minuten Abstiegszeit bis auf die Zieltiefe, wenn man an diesem wundervollen Riff hinab gleitet, stellt sich  ein einmaliges Gefühl ein. Und das Panoramariff hat seinen Namen nicht nur bis in eine Tiefe von 40 Metern verdient. Und trotz höchster Konzentration schleicht sich immer dieses unwirklich schöne Bild des Riffs in die innere Gefühlswelt hinein und und erzeugt eine positive emotionale Melange, die ihresgleichen sucht.

D.I.: Kann das süchtig machen?
M.F.: (Überlegt einen kleinen Moment und man merkt, dass er kurz nachdenkt, ob er lieber ausweichen soll, oder die Frage einfach ehrlich beantwortet. Dann kommt die Antwort mit einem strahlenden Lächeln) JA!!!

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Dr. Michael Klemm, Rebreather-Experte
Dr. Michael Klemm
(49) lebt in München und taucht seit 34 Jahren. Er ist VDST TL*** und IANTD CCR-Trimix-Instructor-Trainer und gilt mit seinen inzwischen mehr als 1500 geloggten Rebreather-Tauchgängen als ausgewiesener Rebreather-Experte.

DiveInside: Michael, was hältst du von Poseidons Vorstoß in den Rebreather-Bereich?
Michael Klemm: Ich habe Zweifel, dass es für das Gerät mit den bisherigen Features eine ausreichend große Zielgruppe gibt. Aber: Ich begrüße es sehr, dass es dieses Gerät gibt, denn es hat ganz hervorragende Detaillösungen zu bieten.

D.I.: Welche meinst du?
M.K.: Nun, zunächst einmal ist mir die Konstruktion des Mundstücks sehr positiv aufgefallen. Da ist Poseidon ein großer Wurf gelungen und das wird über kurz oder lang so auch bei den klassischen Rebreathern Einzug halten.

D.I.: Du meinst das Umschalten von geschlossenem Kreislauf aufs offene System per Hebel am Mundstück ohne Reglerwechsel in Verbindung mit der ADV-Funktion?
M.K.: Ja, exakt. Und dann noch die tolle Lösung mit der Validierung der O2-Sensor-Informationen während des Tauchgangs. Ein herausragender Sicherheitsaspekt.

D.I.: Was bedeutet das für die arrivierten Rebreatherhersteller?
M.K.: Es belegt, dass die Erweiterung des Herstellerspektrums und damit des Wettbewerbs neue und hochinteressante Details hervorbringt.
D.I.: Also ein Top-Gerät mit großer Zukunft?
M.K.: Langsam! Da sind schon noch einige Aspekte, die  man noch überdenken sollte. Die Vollautomatik dieses Gerätes mit der Suggestion „alles ist sicher“ ist in der Praxis und psychologisch nicht ganz Ohne. Das Gerät sollte Sporttauchern nicht so ohne weiteres in die Hände gegeben werden. Der Rebreathertaucher, egal welches Gerät er taucht, muss die Physik und die physiologischen Hintergründe kennen.

D.I.: Was heißt das?
M.K.: Für mich scheint es besonders wichtig zu sein, dass sichergestellt wird, dass gerade mit einem solchen Gerät eine sehr qualifizierte und fundierte Ausbildung durchgeführt wird. Und damit fängt das Problem ja schon an.

D.I.: Inwiefern?
M.K.: Na, dazu braucht man auch die Tauchlehrer, die genau das können. Und die gibt es zurzeit nun einmal nur in sehr begrenzter Anzahl.

D.I.: Wie beurteilst du die Chancen des Gerätes im Sporttauchermarkt?
M.K.: Der Preis von rund 6.000 € mit Tarierblase lässt bei mir Zweifel aufkommen, ob sich bei dem limitierten Einsatzspektrum eine ausreichend große Käuferschaft findet. Ich würde mir aber eine Weiterentwicklung des Gerätes für den Tek-Bereich wünschen und glaube, dass es dann seinen Markt finden kann.

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