Volker Clausen,
Besitzer der Orca Dive Clubs und passionierter Rebreathertaucher.
DiveInside: Volker, das große Rebreatherevent
in Safaga ist von den Tauchern klasse angenommen worden. Du hattest
eine Topbesetzung von der Herstellerseite vor Ort, die neuesten
Geräte zum Testen und eine sehr gute Resonanz von den Gästen
aus sechs Nationen. Restlos zufrieden? Volker Clausen: Ich bin nie
restlos zufrieden, aber es war schon eine tolle Veranstaltung, die es
meines Wissens weltweit in dieser Form noch nicht gegeben hat. Es
zeigte vor allem auch, dass wenn die Inhalte stimmen, die Taucher auch
kommen und aktiv teilnehmen.
D.I.: Was meinst du konkret mit „den richtigen
Inhalten“? V.C.: Nun zunächst einmal
hatten wir ja Leute wie Dave Thompson, Mitentwickler des Buddy
Inspiration und des JJ und Pauly Raymaekers, Inhaber von rEvo hier, die
zu den Top-Entwicklern und Herstellern der Rebreatherszene zählen.
Dann war da das Team von Poseidon Schweden, das insgesamt sechs
Testgeräte des neuen Discovery MK VI aufgeboten hat. Und diese
Leute haben mit ihren Präsentationen und Vorträgen den
Gästen das Thema „Rebreather“ auf einem extrem hohen Niveau
dargestellt. Dann kam ja auch noch ein wenig Abenteuerstimmung auf, mit
dem 190-Meter Testtauchgang von Manfred Führmann und seinem Team
mit dem neuen JJ-Rebreather. Und letztendlich waren da ja auch
noch die beiden charmanten Mädels, die in dem
fünftägigen Lehrgang auf dem Poseidon Discovery MK VI den
Beweis angetreten haben, dass man als Rebreathertaucher nicht geboren
wird, sondern das doch tatsächlich lernen kann. Und zwar auch
dann, wenn man „nur“ Sporttaucher ist und technisch überhaupt
keine Vorkenntnisse mitgebracht hat.
D.I.: Glaubst du, dass das Tauchen mit
geschlossenen Systemen jetzt vermehrt nachgefragt werden wird und auch
im Sporttauchbereich Einzug hält? V.C.: Es wird sicherlich nicht
das Tauchen mit offenen Systemen in absehbarer Zeit ablösen. Aber
es ist ein Trend festzustellen, dass das Rebreathertauchen vor allem
erfahrenere Taucher zunehmend reizt. Und mit dem Poseidon Rebreather
gibt es nun erstmals auch ein Gerät, das man Einsteigern und unter
bestimmten Voraussetzungen auch Anfängern durchaus an die Hand
geben kann.
D.I.: Sind die denn die Zielgruppe für
eine Technik, die kaum unter 6.000 € zu haben ist. V.C.: (grinst). Ja! Bei mir
ja! Denn gerade aus diesem Grund habe ich ja den Rebreather-Pool
gegründet um diesen Interessenten den Weg zum Rebreathertauchen
leichter zu öffnen. Denn mit dem Pool kann jeder Interessierte
zunächst einmal relativ preiswert testen, ob das überhaupt
etwas für ihn ist. Und auch wer nur gelegentlich einmal
„blasenfrei“ tauchen möchte, wird sonst nie zum Rebreathertaucher
werden, denn dem stehen dann doch die relativ hohen Anschaffungskosten
entgegen.
D.I.: Kann eine Tauchbasis denn solche hohen
Investitionen in Leihgeräte überhaupt wirtschaftlich
verkraften? V.C.: Na ja, das ist
natürlich zunächst einmal eine relativ hohe Investition. Die
rechnet sich natürlich nur, wenn die Geräte im Pool auch mit
einer entsprechend hohen Auslastung vermietet werden können.
Dafür sind ja mehrere Orca Dive Clubs am Pool beteiligt und am
Ende ist es ein logistisches Problem, das wir aber glauben, in den
Griff zu bekommen.
D.I.: Welche Leistungen bietet ihr über
den Pool denn genau an? V.C.: Als Mitglied des Pools
hat der Taucher einen Anspruch auf maximal sechs aufeinanderfolgende
Tauchtage mit einem unserer Kreislaufgeräte auf einer der
beteiligten Orca-Tauchbasen weltweit. Die Jahresmitgliedschaft
kostet 180 Euro und beinhaltet die sechs Tauchtage mit einem Rebreather
freier Wahl an dem vom Mitglied gewünschtem Orca Dive Club incl.
kostenloser Pressluftfüllungen. Es ist bei erneuter Zahlung
möglich die Mitgliedschaft auch innerhalb eines Jahres ein zweites
Mal zu nutzen. Zurzeit sind die Orca-Basen im Sinai, Rotes Meer,
Mauritius und Bali beteiligt. Im Pool befinden sich jetzt die
Geräte Poseidon “Discovery MK VI”, von Ambient Pressure
Diving das “Inspiration” und das “Evolution” sowie das “rEvo III
Hybrid“. D.I.: Viel Erfolg mit deiner neuen Kreisel-Idee.
Paul Raymaekers (46) gründete
2003 in Brügge die Firma „rEvo“, produziert und vertreibt die zwei
Geräte „rEvo I“ und rEvo II“ vornehmlich an ambitionierte
Rebreathertaucher.
Diveinside: Paul, du baust mit dem „rEvo“ selbst seit
Jahren einen Rebreather. Wie bewertest du das Discovery MK VI. Top oder
Flop? P.R.: Zu dem Gerät selbst
will ich mich gar nicht so konkret äußern. Was es kann und
was nicht, wird sich in der nächsten Zeit zeigen. Ich bin
mir aber nicht sicher, ob es die von Poseidon anvisierte Zielgruppe
überhaupt gibt. Ich denke nicht, dass sich eine größere
Anzahl von Sporttauchern dieses Gerät anschaffen wird, um am Ende
so zu tauchen, wie Sporttaucher es eh gewohnt sind: mit Tiefen- und
Tauchzeitlimits. DI: Und was ist mit dem Rebreatherpool? P.R.: Der könnte
möglicherweise die Lösung bringen. Ambitioniertere Taucher,
die nur drei- oder viermal im Jahr Rebreather tauchen wollen, für
die ist der Pool optimal. Ob dann der Poseidon-Rebreather das richtige
Gerät ist, möchte ich bezweifeln. D.I.: Was ist das Discovery für euch
anderen Hersteller: Wettbewerb oder Türöffner in eine andere,
neue Zielgruppe? P.R.: Wohl beides ein wenig.
Discovery-Käufer sind zunächst einmal nicht unsere
Zielgruppe. Aber später, wenn sie ambitioniertere Tauchgänge
machen wollen, könnten sie es werden. Ich allerdings habe zum
Beispiel noch nie einen Kunden gehabt, der nicht Dekotauchgänge
gemacht hat. D.I.: Eine positive Bereicherung der
Rebreather-Zielgruppe also? P.R.: Nicht so ohne weiteres.
Ich sehe da eine Gefahr, für uns alle. Ich bin grundsätzlich
dagegen, zu kurze Rebreatherkurse anzubieten. Die Ausbildung der
Rebreathertaucher muss auf einem absoluten Topniveau stattfinden und
nicht mal so eben in zwei, drei Tagen nebenbei im Urlaub stattfinden.
Hier dürfen die Ausbildungsorganisationen nicht den Weg des
schnellen, leicht verdienten Geldes beschreiten. Sie müssen
gemeinsam für mehr Qualität in der Ausbildung sorgen, sonst
könnte es auch passieren, dass es vermehrt Zwischenfälle
gibt, die dann auf die Geräte an sich und letztendlich auf uns
Hersteller zurückfallen werden.
Neil Matthews (54) aus Nottingham
lebt seit 13 Jahren in Deutschland in Wallertheim. Er ist
Geschäftsführer von IART (International Association of
Rebreather Trainers) und überwachte den ersten IART
Ausbildungskurs am Discovery MK VI in Safaga.
DiveInside: Ihr habt die Ausbildung am Discovery bei
IART mit aufgenommen und den Kurs für die Ausbildung von
Sporttauchern entwickelt. Gab es da nach dem Testfall in Safaga neue
Erkenntnisse? Neil Matthews: Das war schon
eine optimale Gelegenheit, um sehr detailliert festzustellen, ob die
Ausbildung von wenig erfahrenen Sporttauchern anders angegangen werden
muss, als die Ausbildung auf anderen geschlossenen Systemen.
D.I.: Und, wie war das Ergebnis? N.M.: Wir haben hier deutlich
gesehen, dass gerade bei der Ausbildung für den Sporttauchbereich
sehr hohe Anforderungen gestellt werden müssen. Vor allem wenn
Beginner und im CCR-Tauchen völlig unerfahrene Sporttaucher
ausgebildet werden sollen.
D.I.: Warum? Sind die zu blöd dafür?? N.M.: Nein, so meinte ich das
nicht. Nur das Tauchen mit geschlossenen Systemen ist etwas anderes,
als das Tauchen mit offenen Systemen. Bei Anfängern stehen
Probleme, wie der richtige Sitz des Gerätes, die immer wieder voll
laufende Maske und andere, für routiniertere Taucher belanglose
Probleme im Vordergrund. In einem solchen Ausbildungsstatus nun auch
noch mit dem vergleichsweise komplexeren System eines Rebreathers zu
beginnen, halte ich für schwierig. IART vertritt deshalb die
Meinung, dass eine fundierte Basisausbildung im offenen System und der
obligate Nitroxkurs stets vorangehen sollten.
D.I.: Und dann wäre dieser CCR ein System
für den Sporttauchbereich? N.M.: Tja, da tue ich mich ein
wenig schwer damit, das so zu unterstreichen.
D.I.: Warum? N.M.: Ich glaube nicht, dass
das Gerät mit der heutigen Form der Elektronik so stabil ist, dass
man sich darauf blind verlassen kann. Wir wissen nicht, welche
denkbaren Situationen in das System bisher noch nicht integriert
sind. Auch wenn suggeriert wird, dass die Automatik alles perfekt
regelt, müssen die Taucher das Gerät in all seinen komplexen
Strukturen verstanden haben und beherrschen. Das hat aber meines
Erachtens auch zwingend zur Folge, dass die Rebreathertaucher des
Discovery MK VI genauso umfassend ausgebildet werden müssen, wie
alle anderen Rebreathertaucher auch.
D.I.: Dann also besser nicht eine
Ruckzuck-Ausbildung mit Tenor: „Anlegen, reinspringen und
wohlfühlen“ ? N.M: Das hielte ich für
fatal und würde m.E. zwangsläufig Unfälle nach sich
ziehen. Wir sollten gemeinsam überlegen, ob die Ausbildung am
Discovery nicht besser zweistufig eingeführt wird. Das würde
in Stufe eins eine maximale Tauchtiefe von 20-25 Metern bedeuten und in
Stufe zwei unter Hinzunahme einer Stageflasche dann Tiefen bis 40 Meter
erlauben. IART ist nämlich der Meinung, dass die Bailoutflasche
von nur 3 Litern bei 40 Metern Tauchtiefe im Falle von Komplikationen
zu knapp ausgelegt ist. Natürlich kann man mit 600 Barlitern einen
geordneten Aufstieg aus 40 Metern Tiefe hinbekommen. Wir sollten aber
auch bedenken, dass dieser Luftvorrat nicht nur für optimale
Bedingungen im Warmwasser ausreichen soll, sondern auch in kalten Seen
in stressigeren Situationen z.B. mit einem Partner mit offenem System
ausreichend Luft für einen sicheren gemeinsamen Aufstieg inklusive
Tarierung liefern muss. Genau aus diesen Gründen nehmen die
meisten Rebreathertaucher auch eine Stageflasche mit, wenn sie sich zu
ausgedehnten oder tieferen Tauchgängen aufmachen. Das
höchstmögliche Maß an Sicherheit sollte unser
gemeinsamer Maßstab sein, an dem wir uns alle beim Tauchen
orientieren.
Dave Thompson entwickelt und baut
schon seit 1987 Rebreather. Er war maßgeblich mit am
Entstehen des Buddy Inspiration beteiligt und hat jüngst den neuen
Rebreather von J.J. als Co-Designer mit gestaltet.
Diveinside: Dave, fast zeitgleich mit „JJ“
führte Poseidon den Discovery Rebreather für Sporttaucher
ein. Was hältst du von diesem neuen Ansatz? Dave Thompson: Ich wünsche
Poseidon damit viel Glück, wenngleich ich meine Zweifel habe, dass
das Konzept aufgeht.
D.I.: Wieso? D.T.: Poseidon hat in die
Entwicklung des Gerätes viel Geld investiert. Ich habe aber meine
Zweifel, dass es seinen Markt finden wird. Denn: was hindert
Sporttaucher daran so viel Geld in ein neues Gerät zu investieren?
Ich sag es Ihnen: Es ist der Preis! Wer nur gelegentlich Rebreather
tauchen will wird eine Investition von fast 6000 Euro nicht
tätigen.
D.I.: Was wollen Sporttaucher dann? D.T. Ich denke dass viele
Sporttaucher es so machen, wie ich auch. Wenn ich mit meiner Frau in
Urlaub gehe, bleibt mein Rebreather zuhause. Für gemütliche
20- oder 30-Meter-Tauchgänge brauche ich keinen Rebreather. Da
nehmen wir eine 12-Liter-Flasche und dann wird Spaßtauchen
gemacht.
D.I.: Und warum bist du dem Rebreathertauchen
dann so verfallen?
D.T. Das will ich dir sagen: Wenn ich zum Beispiel die Britannic
betauchen will, dann brauche ich ein Gerät, das auch in
großen Tiefen zuverlässig arbeitet und das mir die Grundzeit
maximiert. Und das hat mit Sporttauchen nichts zu tun.
D.I.: Ist der Rebreather also nichts für
Sporttaucher? D.T.: So kannst du das nicht
sagen. Wir sind doch alle Sporttaucher. Taucher sollten sich aber nie
alleine auf die Technik verlassen. Die vollautomatischen Geräte
blinken, schlagen Alarm und vibrieren, das ist okay, aber ich denke,
dass jeder Taucher seine Geräte auch verstehen und selbst steuern
müssen kann. Wenn er das nicht kann, sollte er nicht mit einem
Rebreather ins Wasser gehen.
DI.: Aber beim Auto klappt es doch auch mit
der automatischen Steuerung der Technik. D.T.: Du kannst ein Auto nicht
mit einem Rebreather vergleichen. Die Elektronik im Rebreather ist eine
lebenserhaltende Funktion. Wenn die Steuerung der Einspritzung beim
Auto versagt, bleibt die Kiste stehen. Fertig. Versagt unter Wasser
deine Rebreather-Elektronik hast du ein essentielles Problem. Und um
das zu handeln braucht es Taucher, die ihre Geräte verstehen und
mit ihnen tief vertraut sind.
D.I.: Also intensives Durchdringen der Technik? D.T.: Ja, ja! Das Geheimnis
ist das richtige „Mindset“ zu kreieren. Und wenn das nicht gelingt,
steht zu befürchten, dass es bei weiter steigenden Unfallzahlen
demnächst auch bei uns gesetzliche Regulierungen geben wird.
Manfred Führmann (52) ist eine
der führenden Persönlichkeiten der deutschen Rebreatherszene.
Der in Plattling lebende Niederbayer hat zahlreiche Tiefenrekorde
aufgestellt, unter anderem den tiefsten Tauchgang mit dem Buddy
Inspiration mit Chris Ullmann (Präsident IART) und Volker Clausen
(Chef der Orca Dive Clubs) auf 224 Meter.
DiveInside: Zunächst einmal Glückwunsch zu
deinem erfolgreichen Testtauchgang mit dem „JJ“-Rebreather am 12. Juni
am Panoramariff bis auf 190 Meter. Manfred Führmann: Ja
vielen Dank, das war ein ganz klasse Tag: Tauchpartner,
Sicherungsteam, die Gastgeber vom Orca Dive Clubs und das Wetter - es
passte einfach alles perfekt.
D.I.: Wie gefiel dir das Rebreather-Event und
was sagst du zu dem neuen Ansatz von Poseidon mit der Vorstellung des
Discovery MK VI, einen Rebreather für Sporttaucher. M.F.: Ich war ja jeden Tag mit
auf den Booten mit den Eventgästen und die Atmosphäre
war schon einmalig. Wann hat man auch schon einmal so viele
Rebreathertaucher zusammen auf einem Haufen. Ich hatte mit meinen
Vorbereitungstauchgängen ja schon genug zu tun, deshalb bin ich
auch nicht dazu gekommen, mit dem MK VI einmal ins Wasser zu gehen. Ich
habe aber, soweit es ging, die Ausbildung der Anfängerinnen und
das Testtauchen beobachtet.
D.I.: Und wie ist dein Urteil? M.F.: Hochachtung an
Poseidon, das ist mutig, dass sie sich da herangetraut haben. Wenn das
Gerät in der vorliegenden Form nur bis 20 Meter Tiefe eingesetzt
wird und darüber bis 40 Meter nur mit Stageflasche getaucht werden
wird, denke ich, dass es eine interessante Alternative für
Sporttaucher sein könnte. Das Gerät ist darüber hinaus
für einen technischen Taucher keine Alternative, weshalb es auch
nicht zur irgendwelchen Interessenkollisionen kommen wird.
D.I.: Also ein Quantensprung für den
Sporttaucher? M.F.: Guter Scherz! (lacht)
Nein, soweit würde ich nicht gehen wollen. Ich bin aber
überzeugt, dass derjenige, der mit dem Gerät das Tauchen
lernt, am Ende bei einen ambitionierteren Rebreather landen würde.
Ich glaube auch, dass sich die Rate der Dekounfälle im
Sporttauchbereich reduzieren würde. Und auch die
Unterwasserfotografen unter den Sporttauchern würden komfortabler
und länger tauchen können.
D.I.: Also alle jetzt die Tauchausrüstung
einmotten und einen Rebreather kaufen? M.F.: Das würde ich gerne
empfehlen, nur wer kann es sich heute erlauben, für 6.000 € einen
Rebreather zu kaufen?
D.I.: Also ist das Discovery eine Totgeburt? M.F.: Nein. Das glaube ich
nicht, denn da gibt es ja immer noch die Idee mit dem Rebeather-Pool.
Der ist die Lösung und ich denke, dass Poseidon gut daran
täte, das Gerät bei den Tauchbasen unterzubringen.
D.I.: Noch einmal zurück zu deinem
Tauchgang. Wie ist es um die Psyche bestellt, wenn man solche Abenteuer
unternimmt. M.F.: Das ist
natürlich etwas anderes, als das, was Sporttaucher machen. Aber in
den acht Minuten Abstiegszeit bis auf die Zieltiefe, wenn man an diesem
wundervollen Riff hinab gleitet, stellt sich ein einmaliges
Gefühl ein. Und das Panoramariff hat seinen Namen nicht nur bis in
eine Tiefe von 40 Metern verdient. Und trotz höchster
Konzentration schleicht sich immer dieses unwirklich schöne Bild
des Riffs in die innere Gefühlswelt hinein und und erzeugt eine
positive emotionale Melange, die ihresgleichen sucht.
D.I.: Kann das süchtig machen? M.F.: (Überlegt einen kleinen Moment und
man merkt, dass er kurz nachdenkt, ob er lieber ausweichen soll, oder
die Frage einfach ehrlich beantwortet. Dann kommt die Antwort mit einem
strahlenden Lächeln) JA!!!
Dr. Michael Klemm (49) lebt in
München und taucht seit 34 Jahren. Er ist VDST TL*** und IANTD
CCR-Trimix-Instructor-Trainer und gilt mit seinen inzwischen mehr als
1500 geloggten Rebreather-Tauchgängen als ausgewiesener
Rebreather-Experte.
DiveInside: Michael, was hältst du von Poseidons
Vorstoß in den Rebreather-Bereich? Michael Klemm: Ich habe
Zweifel, dass es für das Gerät mit den bisherigen Features
eine ausreichend große Zielgruppe gibt. Aber: Ich
begrüße es sehr, dass es dieses Gerät gibt, denn es hat
ganz hervorragende Detaillösungen zu bieten.
D.I.: Welche meinst du? M.K.: Nun, zunächst
einmal ist mir die Konstruktion des Mundstücks sehr positiv
aufgefallen. Da ist Poseidon ein großer Wurf gelungen und das
wird über kurz oder lang so auch bei den klassischen Rebreathern
Einzug halten.
D.I.: Du meinst das Umschalten von
geschlossenem Kreislauf aufs offene System per Hebel am Mundstück
ohne Reglerwechsel in Verbindung mit der ADV-Funktion? M.K.: Ja, exakt. Und dann noch
die tolle Lösung mit der Validierung der O2-Sensor-Informationen
während des Tauchgangs. Ein herausragender Sicherheitsaspekt.
D.I.: Was bedeutet das für die arrivierten
Rebreatherhersteller? M.K.: Es belegt, dass die
Erweiterung des Herstellerspektrums und damit des Wettbewerbs neue und
hochinteressante Details hervorbringt. D.I.: Also ein Top-Gerät mit großer
Zukunft? M.K.: Langsam! Da sind schon
noch einige Aspekte, die man noch überdenken sollte. Die
Vollautomatik dieses Gerätes mit der Suggestion „alles ist sicher“
ist in der Praxis und psychologisch nicht ganz Ohne. Das Gerät
sollte Sporttauchern nicht so ohne weiteres in die Hände gegeben
werden. Der Rebreathertaucher, egal welches Gerät er taucht, muss
die Physik und die physiologischen Hintergründe kennen.
D.I.: Was heißt das? M.K.: Für mich scheint es
besonders wichtig zu sein, dass sichergestellt wird, dass gerade mit
einem solchen Gerät eine sehr qualifizierte und fundierte
Ausbildung durchgeführt wird. Und damit fängt das Problem ja
schon an.
D.I.: Inwiefern? M.K.: Na, dazu braucht man auch
die Tauchlehrer, die genau das können. Und die gibt es zurzeit nun
einmal nur in sehr begrenzter Anzahl.
D.I.: Wie beurteilst du die Chancen des
Gerätes im Sporttauchermarkt? M.K.: Der Preis von rund 6.000
€ mit Tarierblase lässt bei mir Zweifel aufkommen, ob sich bei dem
limitierten Einsatzspektrum eine ausreichend große
Käuferschaft findet. Ich würde mir aber eine
Weiterentwicklung des Gerätes für den Tek-Bereich
wünschen und glaube, dass es dann seinen Markt finden kann.
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