Die Ostsee-Erlebniswelt in
Heiligenhafen lockt mit 25 Aquarien, führt durch die
Entwicklungsgeschichte der Ostsee und die Historie der Fischerei
Es wird kein neuer „Tauchertempel“, so wie das Meereszentrum Fehmarn
mit seinen imposanten Tropen-Aquarien. Die Ostsee-Erlebniswelt liegt
nur knapp 18 Kilometer vom Meereszentrum mit den bekannten Tunnel- und
Haibecken entfernt, fühlt sich aber auch keineswegs als
Konkurrenz. Wie auch, denn seit Anfang diesen Jahres betreiben die
Fehmarn-Macher auch die Ostsee-Erlebniswelt ein wenig außerhalb
von Heiligenhafen. In 25 Becken und Aquarien präsentieren sie hier
ein völlig anderes, aber dennoch sehr spannendes Thema: die
Ostsee. Aquarienleiter Niko Sähn und Meeresbiologe Mark
Schulz sehen sich eher als eine Ergänzung zu dem, was die Kollegen
auf Fehmarn präsentieren.
Die Ostsee, das größte Brackwassermeer der Welt, hat einiges
zu bieten. In dem neuen Kaltwasseraquarium und Museum wird der Besucher
auf mehr als 1000 Quadratmetern durch die Entstehung und Geschichte der
Ostsee geführt und erfährt einiges zur Historie der
Fischerei. Ebenso spannend ist es, auf weiteren 1000 Quadratmetern in
den Schaubecken und Aquarien die Artenvielfalt der Ostsee zu erleben.
Die Räume, in denen sich die Erlebniswelt befindet, sind etwas
ganz Besonderes, denn sie sprühen vor Geschichte. Schon das
Entrée in die große Anlage entführt den Besucher ein
wenig in die Zeit des Kalten Krieges zwischen Ost und West. Die
Ostsee-Erlebniswelt ist in einem Relikt aus unruhigen Zeiten
entstanden, denn bis zur Wende war in dem großen
Gebäudekomplex auf dem Klaustorfer Berg eine Spezialeinheit der
Bundeswehr damit befasst, mit Hightech-Antennen und komplizierten
Abhöranlagen den Funkverkehr der Einheiten des Warschauer Paktes
jenseits des Eisernen Vorhangs abzuhören. Der Berg war nicht nur
seit jeher ein wunderschöner Aussichtspunkt, von dem man bei guter
Wetterlage weit hinaus auf die Ostsee bis Lolland und ostwärts bis
in die Mecklenburger Bucht blicken konnte, sondern er beherberte auch
ein von der Nato gut gehütetes Geheimnis.
Auf dieser Erhebung baute der Bund einen geheimen Gebäudekomplex
für seine Abhörexperten. Streng bewacht von einer eigenen
Garnison und hermetisch abgeriegelt durch hohe Sicherheitszäune.
Zentrum dieses Lauschpostens war der 75 Meter hohe Abhörturm in
dem auf zwei Ebenen die Abhörspezialisten mit gewaltigen Antennen
dem Funkverkehr der gegnerischen Marine und der NVA lauschten; leider ist der Turm aus Sicherheitsgründen nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Nach dem
Fall der Mauer wurde diese kleine Festung nicht mehr benötigt und
die Macher des Meereszentrum Fehmarn erwarben das Anwesen.
In der neuen Ausstellung präsentieren sie nun eine Zeitreise durch
die verschiedenen Stationen der Ostsee und zeigen den Nachbau des
urzeitlichen Kreidemeers sowie die Fossilien des Ostseestrandes. Eine
Eishöhle veranschaulicht den Einfluss der Eiszeit auf die
Entwicklung der Ostsee bis zu ihrer heutigen Form. Das unterschiedliche
Gestein und die verschiedenen Küstenformen bringen die
Schönheit und Einzigartigkeit der Ostsee den Besuchern nahe.
Rund um die Geschichte der Fischerei gibt es einiges zu entdecken - Klick zum Vergrößern
Ein weiterer, wichtiger Bestandteil der Ausstellung ist die Fischerei,
denn gefischt wurde an der Ostsee schon immer. Eine Sammlung originaler
Fischereigeräte und Gebrauchsgegenstände eines Fischers des
letzten Jahrhunderts werden gezeigt. Filmaufnahmen aus dieser Zeit und
historische Fotografien veranschaulichen den Alltag dieses spannenden
Berufs. Auch die moderne Fischerei spielt eine wichtige Rolle im Leben
der Küstenbewohner, und es wird gezeigt, wie heute gefischt wird
und was „nachhaltige Fischerei“ bedeutet.
Die Ostsee ist das größte Brackwassermeer der Welt und damit
einzigartig auf unserer Erde. Salz- und Süßwasser treffen
aufeinander und damit völlig unterschiedlich angepasste Tiere und
Pflanzen. Das Leben im Brackwasser stellt die Lebewesen auf eine harte
Probe und nur recht wenige Tierarten kommen damit zurecht. Brackwasser,
was ist das eigentlich und warum ist Salzwasser schwerer als
Süßwasser? In der Ausstellung werden viele interessante
Fragen beantwortet und es wird gezeigt, was passiert, wenn schweres
Salzwasser das alte Tiefenwasser der Ostseebecken erneuert.
Aquarien in der Ostsee Erlebniswelt Heiligenhafen - Klick zum Vergrößern
Im Aquarium tauchen die Besucher in die Unterwasserwelt der Ostsee ein.
Das Plankton als Lebensgrundlage im Wasser, Quallen und Rippenquallen
hängen als Leuchtkästen am Weg zu den Schaubecken.
Grimmige Seeskorpione und giftige Petermännchen liegen gut getarnt
am Grund. Ein Schwarm Pferdemakrelen zieht in einem der
Zylinder-Aquarien seine Runden. Das „Silber der Ostsee“, das sind die
Meerforellen die scheinbar neugierig aus ihrem Becken heraus die
Besucher beobachten. Ein prächtig gefärbtes Pärchen
Kuckuckslippfische, sowie ein Katzenhai teilen sich ein Riffbecken mit
frechen Lippfischen.
In dem offenen Kattegatbecken schwimmt ein Rudel
Wolfsbarsche zusammen mit großen Dorschen. Am Grund liegen
Nagelrochen und riesige Steinbutt. Eine Unterwasserkamera zeigt was
sich unter der Oberfläche abspielt. Aber auch die kleinen Bewohner
kommen nicht zu kurz, gut getarnte Seenadeln verstecken sich im Seegras
indem sie die Blätter imitieren. Einsiedlerkrebse und Garnelen,
sowie Strandkrabben, Seespinnen und ein großer Hummer leben hier
als Vertreter der Krebstiere. Seeanemonen, Sonnensterne und Seesterne
vervollständigen die Unterwasserlandschaft.
Es gibt hier also genug zu lernen und zu entdecken. Ein Besuch ist empfehlenswert.
Ostsee-Erlebniswelt:
Bäderstrasse 6a-f, 23775 Klaustorf bei Heiligenhafen.Tel.:
04371-4416
Die Ostsee-Erlebniswelt ist täglich geöffnet von 10 bis 18
Uhr (März-Oktober). Ab November bis Februar von 10 bis 16 Uhr.
Eintritt Erwachsene: 10 €,
Kinder 7€. Vergünstigte Karten für Rentner, Studenten und
Familien.
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