Der nordamerikanische Ochsenfrosch - eine Bedrohung unserer heimischen
Tierwelt?
© Text: Michaela
Völker
© Fotos: Andreas Kirschner / Rick Cameron
Nach einigen Berichten in den Medien über Ochsenfrösche, die
sich in Frankreich unkontrolliert ausgebreitet haben und den Bestand heimischer
Amphibien stark gefährden, schreckte ein Bericht in einer badischen
Lokalzeitung Ende Juli auch die hiesigen Naturschützer und Behörden
auf.

Der Förderkreis Sporttauchen bekam davon Kenntnis und ging der
Sache nach.
Zunächst konnten wir feststellen, dass es sich bei der Meldung
keinesfalls um eine Zeitungsente handelt. An dem betroffenen See konnten
wir eine größere Population von Ochsenfröschen in verschiedenen
Entwicklungsstadien, von der ca. zweijährigen Larve (Kaulquappe) bis
zum fertig entwickelten Jungfrosch, vorfinden. Durch Zählungen bei
inzwischen eingeleiteten Fangaktionen der Naturschutzbehörde wurde
festgestellt, dass es sich um mehr als 20.000 Tiere handeln muss.

Was macht diesen Frosch so „gefährlich“, dass Naturschützer
und Behörden sofort auf sein Auftreten in größeren Populationen
reagieren?
Wie in „Biologie des Ochsenfrosches“ beschrieben, ernährt er sich
hauptsächlich von anderen (kleineren) Amphibien und von deren Futtertieren.
Dadurch dezimiert er direkt und indirekt seine kleineren Verwandten, die
einheimischen Amphibien. Durch seine Größe und die Lebensweise
hat er nur sehr wenige Fressfeinde zu fürchten. Die großen Waller,
Zander und Hechte sind in seinem bevorzugten Lebensraum - sehr flachen
Uferzonen - kaum zu finden.
Es gab auch in der Vergangenheit schon Berichte über vereinzelt
vorkommende Ochsenfroschlarven in verschiedenen Seen. Die Naturschutzbehörde
ging aber bis jetzt davon aus, dass die Tiere sich bei uns nicht oder kaum
fortpflanzen können. Außerdem liegt auch die Vermutung nahe,
dass es sich bei einigen Beobachtungen um Larven der Knoblauchkröte
gehandelt hat. Diese werden ebenfalls sehr groß (bis ca. 20 cm) und
sind in der Larvenform von den Ochsenfröschen für den Laien fast
nicht zu unterscheiden.
Nun hat es sich allerdings gezeigt, dass die Ochsenfrösche sich
sehr wohl bei uns vermehren können und das sogar mit beachtlicher
Rate. Die gefundenen Larven sind ca. zwei Jahre alt und werden ab dem nächsten
Jahr selbst für Nachwuchs sorgen können. Aus diesem Grund war
jetzt Eile geboten, um den Schaden so weit wie möglich zu begrenzen.
Man muss vor dem Hintergrund der neuen Erkenntnisse wohl auch die bereits
bekannten Bestände noch einmal genauer überprüfen, um evtl.
rechtzeitig Gegenmaßnahmen einleiten zu können, falls auch dort
eine Vermehrung stattfindet.
Deshalb eine Bitte an alle Taucher und Naturschützer:
Wenn ihr „Riesenkaulquappen“ entdeckt, meldet dies bitte den entsprechenden
Behörden oder dem Förderkreis
Sporttauchen, damit die Art durch Fachleute bestimmt werden kann. Bei
Bedarf werden dann Maßnahmen eingeleitet.

Unternehmt bitte nicht selbst etwas. Lasst die Tiere im Wasser, denn:
1. EineVerwechslung mit der gefährdeten Knoblauchkröte ist
sehr wahrscheinlich.
2. Jeder, der mit Ochsenfröschen handelt oder sie in heimischen
Gewässern aussetzt, macht sich wegen Faunenverfälschung strafbar.
3. Die Ochsenfrösche werden durch das Tierschutzgesetz geschützt
und müssen entsprechend behandelt werden. Da spielt es keine Rolle,
ob sie hier unerwünscht sind oder nicht. Das bedeutet unter anderem:
Es ist gesetzlich verboten und damit unter Strafe gestellt, diese Tiere
zu fangen (sie unterliegen dem Artenschutz und sind somit gem. Anhang 2
der Artenschutzverordnung besonders geschützt). Ein Fang dieser Tiere
kann nur durch das zuständige Regierungspräsidium angeordnet
werden.
Die Autorin : Michaela
Völker

Und hier noch ein paar Bilder von ausgewachsenen Ochsenfröschen, zur Verfügung gestellt von Rick Cameron (www.racphoto.com)





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