Geschrieben am 23.08.2001 von Michaela Völker

Der nordamerikanische Ochsenfrosch - eine Bedrohung unserer heimischen Tierwelt?

© Text: Michaela Völker

© Fotos: Andreas Kirschner / Rick Cameron

Nach einigen Berichten in den Medien über Ochsenfrösche, die sich in Frankreich unkontrolliert ausgebreitet haben und den Bestand heimischer Amphibien stark gefährden, schreckte ein Bericht in einer badischen Lokalzeitung Ende Juli auch die hiesigen Naturschützer und Behörden auf.

Jungtier

Biologie des Ochsenfrosches

Der Förderkreis Sporttauchen bekam davon Kenntnis und ging der Sache nach.

Zunächst konnten wir feststellen, dass es sich bei der Meldung keinesfalls um eine Zeitungsente handelt. An dem betroffenen See konnten wir eine größere Population von Ochsenfröschen in verschiedenen Entwicklungsstadien, von der ca. zweijährigen Larve (Kaulquappe) bis zum fertig entwickelten Jungfrosch, vorfinden. Durch Zählungen bei inzwischen eingeleiteten Fangaktionen der Naturschutzbehörde wurde festgestellt, dass es sich um mehr als 20.000 Tiere handeln muss.

zwei Kaulquappen

Was macht diesen Frosch so „gefährlich“, dass Naturschützer und Behörden sofort auf sein Auftreten in größeren Populationen reagieren?

Wie in „Biologie des Ochsenfrosches“ beschrieben, ernährt er sich hauptsächlich von anderen (kleineren) Amphibien und von deren Futtertieren. Dadurch dezimiert er direkt und indirekt seine kleineren Verwandten, die einheimischen Amphibien. Durch seine Größe und die Lebensweise hat er nur sehr wenige Fressfeinde zu fürchten. Die großen Waller, Zander und Hechte sind in seinem bevorzugten Lebensraum - sehr flachen Uferzonen - kaum zu finden.

Es gab auch in der Vergangenheit schon Berichte über vereinzelt vorkommende Ochsenfroschlarven in verschiedenen Seen. Die Naturschutzbehörde ging aber bis jetzt davon aus, dass die Tiere sich bei uns nicht oder kaum fortpflanzen können. Außerdem liegt auch die Vermutung nahe, dass es sich bei einigen Beobachtungen um Larven der Knoblauchkröte gehandelt hat. Diese werden ebenfalls sehr groß (bis ca. 20 cm) und sind in der Larvenform von den Ochsenfröschen für den Laien fast nicht zu unterscheiden.

Nun hat es sich allerdings gezeigt, dass die Ochsenfrösche sich sehr wohl bei uns vermehren können und das sogar mit beachtlicher Rate. Die gefundenen Larven sind ca. zwei Jahre alt und werden ab dem nächsten Jahr selbst für Nachwuchs sorgen können. Aus diesem Grund war jetzt Eile geboten, um den Schaden so weit wie möglich zu begrenzen. Man muss vor dem Hintergrund der neuen Erkenntnisse wohl auch die bereits bekannten Bestände noch einmal genauer überprüfen, um evtl. rechtzeitig Gegenmaßnahmen einleiten zu können, falls auch dort eine Vermehrung stattfindet.

Deshalb eine Bitte an alle Taucher und Naturschützer:

Wenn ihr „Riesenkaulquappen“ entdeckt, meldet dies bitte den entsprechenden Behörden oder dem Förderkreis Sporttauchen, damit die Art durch Fachleute bestimmt werden kann. Bei Bedarf werden dann Maßnahmen eingeleitet.

einzelne Kaulquappe

Unternehmt bitte nicht selbst etwas. Lasst die Tiere im Wasser, denn:

1. EineVerwechslung mit der gefährdeten Knoblauchkröte ist sehr wahrscheinlich.

2. Jeder, der mit Ochsenfröschen handelt oder sie in heimischen Gewässern aussetzt, macht sich wegen Faunenverfälschung strafbar.

3. Die Ochsenfrösche werden durch das Tierschutzgesetz geschützt und müssen entsprechend behandelt werden. Da spielt es keine Rolle, ob sie hier unerwünscht sind oder nicht. Das bedeutet unter anderem: Es ist gesetzlich verboten und damit unter Strafe gestellt, diese Tiere zu fangen (sie unterliegen dem Artenschutz und sind somit gem. Anhang 2 der Artenschutzverordnung besonders geschützt). Ein Fang dieser Tiere kann nur durch das zuständige Regierungspräsidium angeordnet werden.

Die Autorin : Michaela Völker

Und hier noch ein paar Bilder von ausgewachsenen Ochsenfröschen, zur Verfügung gestellt von Rick Cameron (www.racphoto.com)


Infos

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