Ein systematischer Meeresführer für Biologen und Naturfreunde Rupert Riedl Seifert Verlag, ISBN 978-3-902406-60-6 2011, Nachdruck der Ausgabe von 1983, 836 Seiten, durchgehend bebildert und illustriert, 59,90 Euro
Wenn es für das Mittelmeer so etwas wie einen Klassiker gibt, dann ist es „der Riedl“. Generationen von Studenten haben aus „dem Riedl“ gelernt und mit „dem Riedl“ bestimmt. Bis heute kommt kaum eine biologische Station am Mittelmeer ohne ihn aus, in keinem Regal eines Meeresbiologen darf er fehlen. Doch die letzte Auflage erschien 1983 und ist seit etwa 10 Jahren vergriffen. Prof. Riedl verstarb 2005. Sollten Studierende, Meeresbiologen, Aquarianer und Taucher künftig ohne entsprechende deutschsprachige Bestimmungsliteratur auskommen müssen? Ein anderes, ambitioniertes Projekt scheiterte bisher am dritten und letzten, aber entscheidenden Band. Doch Smoky Riedl und Barbara Schweder haben beschlossen, „den Riedl“ nicht sterben zu lassen. Erste Informationen, dass der Klassiker bald wieder zu haben sein könnte, gab es schon seit Jahresbeginn 2011, die Auslieferung verzögerte sich immer wieder. Doch das Warten hat sich gelohnt: seit Dezember 2011 ist „der Riedl“ wieder erhältlich!
Was erwartet den Leser? Über 800 Seiten - prall gepackt mit Informationen über alles, das im Mittelmeer kreucht&fleucht, schwimmt, treibt, strudelt, festsitzt oder sich einbuddelt. Über 2.000 Arten werden mit mehr als 30.000 Merkmalen beschrieben. 3.610 Abbildungen fassen jeweils systematische Gruppen zusammen und im Namensverzeichnis finden sich 8.750 Nennungen.
Die Gliederung ist systematisch. Die einzige und zoologisch/biologisch richtige Wahl, um in einem so umfassenden Werk auch rasch etwas zu finden. Wem dieser Aufbau nicht ganz geläufig ist: die Übersichtstafel auf Seite 20/21 ist selbsterklärend um den gesuchten unbekannten Meeresbewohner auch ohne Namen zu finden.
Wissenschaftlicher Stand des Werkes ist 1983 und früher. Seither hat sich einiges getan. Dies tut der Qualität des Buches aber keinen wesentlichen Abbruch, wenn man sich dessen bewusst ist. Beispiele: Die Mittelmeerplage Caulerpa taxifolia war damals noch unbekannt. Ihre Schwester C. racemosa beschränkte sich damals im Wesentlichen noch auf die Levante. Auch so mancher Lessep´scher Migrant war damals noch nicht angekommen oder steckte vielleicht noch im Suezkanal fest.
Was im Buch jedes Mal wieder begeistert, sind die liebevoll von Hand gezeichneten Bilder. Eindeutig sind die Erkennungsmerkmale auf den Bildern dargestellt. Kein Foto kann da mithalten. So etwas gibt es sonst heutzutage nicht mehr!
Die beschreibenden Texte zu den Arten sind kurz, prägnant und trotzdem gut lesbar. Auch für Nicht-Biologen, da zwischen den wissenschaftlichen Fachausdrücken nicht auf die deutsche Sprache vergessen wird! Keine wichtige Information fehlt, überflüssiges Gewäsch fehlt. Für Biologen sind die Informationen über Probensammlung und Präparation sehr wichtig. Uns Taucher sollte dies nicht irritieren.
Fazit Es gibt DEN deutschsprachigen Klassiker für das Mittelmeer wieder. Das Werk der Superlative hat überlebt. Ein Grund zum Jubeln für alle Biologen, Naturbegeisterten und Freunde des Mittelmeeres!
Bewertung :
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