Nachrichten aus einem unbekannten Universum Frank Schätzing 1. Auflage 2006, 522 Seiten (plain text) ISBN 3-462-03690-4, Verlag Kiepenheuer & Witsch, 19,90 €
Frank Schätzing wird vielen durch seinen Thriller ´Der Schwarm´ bekannt sein. Sein neues Buch ´Nachrichten aus einem unbekannten Universum´ ist aber keine Fortsetzung von ´Der Schwarm´ und auch kein Roman, sondern ein eigenständiges Werk und eigentlich ein Fachbuch-
- ein Fachbuch über das Meer. Es fängt eigentlich vor dem Urknall an und endet bei Leergefischten Weltmeeren. Ein Fachbuch, ja! Ein Fachbuch noch dazu über wissenschaftliche, biologische Themen, bei denen den Meisten von uns nach wenigen Zeilen die Augen zufallen würden und das Buch weglegen würden. Aber hier schafft der Autor die Gratwanderung oder den Spagat zwischen wissenschaftlich korrekter Wissensvermittlung und - österreichisch ausgedrückt - viel ´Schmäh´ andererseits. Darf man diesen ´Schmäh´ salopp als ´große Kölner Klappe und Humor´ übersetzen? Ich denke Ja!
Die ersten Seiten war ich noch etwas irritiert über die überaus saloppe Schreibweise. Danach hab ich das Buch im Urlaub aber förmlich ´gefressen´. Und: Mehr als nur einmal schallend über die erfrischenden ´Frechheiten´ aufgelacht und auch Nächtens gelesen, bis mir die Augen vor Müdigkeit schon zufielen.
Immer wieder begegnen im Buch ´Miss Evolution´, die ´Rote Königin´ und ´Lurchi´ in den Kapiteln. Sie sind sozusagen eine Art von rotem Faden durch das Buch und - nicht zuletzt - die der (unser eigensten) Evolution!
Zwei Leseproben:
Frühe Beispiele für den prähistorischen Städtebau finden sich bereits vor 3,5 Milliarden Jahren, womit Stromatholiten zu den ältesten von Lebewesen erbauten Strukturen überhaupt gehören... ... Pompeji ist versunken, Venedig wird untergehen, aber bewohnte Stromatholiten findet man selbst heute noch, etwa in der Shark Bay in Westaustralien. Die wussten eben noch zu bauen! Inzwischen hat die UNESCO die Kalkmetropolen zum Weltkulturerbe erklärt, was die Cyanobakterien sicher freuen würde, wenn es ihnen nicht am Arsch vorbeiginge. (aus Kapitel: Von Schneebällen und Luftmatratzen)
...Denn wehe der Mensch verlangt nach Krill. Allenthalben würde man ihn servieren. Krillhäppchen und Krillsüppchen stünden auf den Speisekarten der gestirnten Gastronomen, im Sommer gäbe man Krillparties, und für den großen Hunger würden Krillteller angeboten. (aus Kapitel: Kleindarsteller)
Inhalt (auch sehr salopp ;-)
VORGESTERN: Berlin
GESTERN: Regenzeit Land in Sicht Die Handtasche der Evolution Eine Zelle macht Karriere Sex Von Schneebällen und Luftmatratzen Zu den Waffen! Heißkalt Die spinnen, die Geologen! Frischer Fisch Exitus Willkommen im Jurassic Park U-Boote vor Gondwana Zu viele Könige Das Fiasko mit dem Fiasko Waltag Der Tag, als das Meer verschwand Tod eines Killers
HEUTE: Hinterm Mond Beulen im Meer Wellensalat Betrachtungen über ein Desaster Stau am Kap der Guten Hoffnung Warum Bakterien keine Vornamen haben Kleindarsteller Ein Tag in der Stadt Die Typen mit der großen Klappe Gejagte Jäger Das Imperium der Armleuchter Im Tiefgeschoß der Schöpfung Ist da jemand? Intelligenzbestien Akte X
MORGEN: Paddy und die virtuellen Lämmer Heile Welten Kleine Wattwanderung Technolution Die Reise der Aquanauten Lurchis Rückkehr Wasserwelten
ÜBERMORGEN: Das unbekannte Universum
Wer nach der Lektüre dann immer noch nicht weiß, was das Hadal oder Tillite sind, kann dies im Glossar nachschlagen!
Fazit: Wieder habe ich es nicht geschafft, eine kurze und knackige Buchrezension zu schreiben, aber ein Buch dessen wissenschaftlicher Inhalt wirklich Spaß macht. Nahrung fürs Hirn, erfrischend angerichtet. Sehr, sehr viel, was es über das Meer zu wissen gibt! Definitive Leseempfehlung meinerseits!
Bewertung :
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