Wracktauchen - Sicheres Tauchen an und in versunkenen Schiffen Autoren: Horst Dedrichs/Andrej Priboschek
Aus der Reihe "Tauchpraxis" im Müller-Rüschlikon-Verlag ISBN 3-275-01395-5
Das Buch (gebunden, 175 Seiten, viele Photos und Graphiken, 26€) ist Anfang April in den Buchhandel gekommen, also noch brandneu. Allein schon von der äußeren hochwertigen Aufmachung ist der Preis allemal gerechtfertigt, da habe ich gerade im Tauchbereich schon ganz andere Sachen gesehen (Broschüren mit unleserlicher Bebilderung für -zig Euro).
Zum Inhalt: Das Buch ist in vier Kapitel eingeteilt: Kap.1-"Das ist Wracktauchen", das einführende Kapitel, in dem an einer Beispieltauchexpedition das Wracktauchfeeling rübergebracht wird, grundsätzliche rechtliche und moralische Themen (das Wrack als Grabstätte, Wrackplüderei) angesprochen werden sowie das orten und identifizieren von Wracks angesprochen wird. Kap.2-"(K)eine Materialschlacht", hier werden Punkt für Punkt die Ausrüstungs und deren Konfiguration durchgegangen. Beispiele werden gezeigt und mögliche Konfigurationen vorgestellt, wobei im Hinblick auf die Vielschichtigkeit des Wracktauchens (vom geschützt liegenden 25m Wrack im roten Meer bis zum 100m Wrack im Atlantik mit Strömung, Tide und was einen Taucher sonst noch so beschäftigen kann) nicht die eine, universell richtige Konfiguration propagiert wird, sondern Platz für individuelle und tauchgangspezifische Aspekte gelassen wird. Kap.3-"Die Sicherheit geht immer vor", am Beispiel eines für die beiden Taucher (Chris und Chrissy Rouse) tödlich verlaufenen Tauchgang zum U-Boot U-869 werden die potentiellen Gefahren des Tauchens gerade an tiefer leigenden Wracks aufgezeigt und anschließend in die Themen Gasmanagement, Mischgas, Tauchgangsplanung und Ausbildung eingestiegen. Kap.4-"Die spannendsten Wracktauchgänge der Welt", hier werden nach Tauchgebiet/-region geordnet die Besonderheiten dieser Tauchgebiete an Beispielwracks (wie kam es zum Untergang, Beispieltauchgang heute) vorgestellt und die markantesten Wracksaufgeführt. Außerdem werden wesentliche Infos zum Tauchgebiet jeweils in einer Übersichtstabelle zusammengefasst (Tauchzeit, Temperatur, Sicht, Strömung Fauna+Flora, Schwiereigkeitsgrad) Der Umfang der Kapitel variiert von 14 Seiten (Kap.1) bis knapp 70 Seiten (Kap.4). Sie sind aufgelockert durch fünf als "Expertenmeinung" eingeschobene Interviews zu den Themen "Am Anfang steht immer die Recherche" (Uli Rose), "Vereisen des Atemreglers: Was tun?" (Burckhard Jentzsch), "Auskühlung vermeiden" (Dr. Claus Muth), "Darauf sollten Sie beim Lampenkauf achten" (Reiner Hartenberger) und "Neue Freiheit durch Nitrox und Trimix" (Bernd Aspacher). Abgerundet wird das Ganze durch ein kurzes Literaturverzeichnis am Schluß, wobei zu den Tauchgebieten jeweils in den Übersichtstabellen spezielle Literaturhinweise gegeben sind.
Meine Bewertung: Dieses Buch richtet sich vor allem an Taucher, die sich über das Wracktauchen und was dazu gehört ein Bild machen wollen. Nichttaucher und absolute Newbies werden vielleicht die im Buch enthaltenen Informationen nicht ganz erfassen können. Andererseits wird der erfahrene Wracktaucher, der schon mit weiterführender Ausbildungs- und Fachliteratur vertraut ist, nicht allzu viel wirklich Neues entdecken, da bringt es eher die Zusammenstellung. Um es noch mal klar zu sagen: dies ist kein Ausbildungsbuch, sondern eine umfassende Einführung ins Thema Wracktauchen, die aber auf die notwendige Ausbildung verweist und auf die Ausbildungsmöglichkeiten am Beispiel PADI/CMAS für den Sporttauchbereich (Luft bis 40m) und am Beispiel TDi für den weitergehenden Bereich (Mischgas, tiefer als 40m) verweist.
Daß einer der Autoren (Horst Dedrichs) Geschäftsführer der Tauch- und Reisewelt in Mönchengladbach ist, fällt im Buch allenfalls auf, wenn man sich die Kontaktadressen am Ende des dritten Kapitels ansieht. Ansonsten ist es sachlich und neutral gehalten. Die Beschreibung der Wracks ist ohne Positionsangaben erfolgt, dies Buch soll zwar Appetit fürs Wracktauchen machen, dient aber nicht der Vorbereitung konkreter Tauchgänge.
Ein Kritikpunkt bleibt: Ich habe den Eindruck, dass dieses Buch trotz seiner Qualitäten stellenweise (zumindest im vierten Kapitel) zu sehr mit der heißen Nadel gestrickt ist. Zum Beispiel auf der Seite 114 folgender Satz: "Um dort unten den berüchtigten Tiefenrausch zu vermeiden, atmen wir Nitrox, ein Helium-Luft-Gemisch." Einem aufmerksamen Lektor wäre wohl aufgegangen, dass da wohl eher Heliox hätte stehen müssen. Oder zum Untergang der Seattle auf Seite 106: "Im April 1945 geriet das Schiff ins Kreuzfeuer zwischen Deutschen und Norwegern …" Wie z.B. in der 29. Redaktionsausgabe im TaucherNet nachzulesen, geschah dies während der Landungsoperation "Weserübung" im April 1940.
Vielleicht bin ich da ja etwas sehr pingelig, aber da in der Wracktaucherei nun mal sorgfältige Arbeit zählt, ziehe ich für die Hudelei im 4. Kapitel dem ansonsten empfehlenswerten Buch eine Flosse ab.
Bewertung :
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