Mondfische - Geheimnisvolle Weltmeister

Mondfische - Geheimnisvolle Weltmeister


Die schwimmenden Köpfe der Meere sind einzigartig. Da sie aber weder schmecken, noch kommerzielle Bedeutung haben, hielt sich das Interesse an ihnen sehr in Grenzen. Viel wurde spekuliert, aber bisher wurde wenig über den mehrfachen Weltrekordhalter geforscht.

Bericht von Harald Mathä

Sonne, Mond und Mühlsteine


Ihr wissenschaftlicher Name Molidae leitet sich vom lateinischen "mola" ab, was Mühlstein bedeutet. Aber nicht einmal auf den paradiesischen Eilanden von Yap nennt man ihn "Stone money fish", was da naheliegend wäre. Das heißt jetzt aber nicht, dass Mondfische schwimmen wie Mühlsteine, beschreibt aber die Form besser als unser Name "Mondfisch". Das englische "sunfish" ist da auch nicht besser gewählt. Egal, über blöde Fischnamen kann man sich ohnehin nur wundern oder nächtelang diskutieren...

Tarierkünstler



Infos Mondfische


Englisch: Sunfisch
Familie: Molidae
Arten: 3
Bekanntester Vertreter: Mola mola
Größe: bis über 3 Meter hoch und fast ebenso lang
Gewicht: bis über 2 Tonnen
Aussehen: charakteristisch diskusförmig
Lebensraum: Hochseebewohner, der auch mal an der Küste vorbeischaut
Verbreitung: weltweit in warmen Meeren
Verwechslungsmöglichkeit: Nein!
Einen Mondfisch zu sehen ist ein besonderes Erlebnis. Es scheint ein riesiger Kopf mit oben und unten einer Flosse drauf durch das Wasser zu torkeln, als ob er besoffen wäre. Der schuppenlose Körper ist in eine mehrere Zentimeter dicke, ledrige Haut gehüllt. Das Innere besteht aus einer gallertartigen Masse und Knorpeln statt Knochen, auch Gräten genannt. Trotzdem ist er ein Knochenfisch - da kenn sich noch einer aus!

Da die Schwimmblase fehlt, "tariert" sich ein Mondfisch durch sein schwabbeliges Innenleben neutral aus. Er hat eine Dichte von 1,03 g/cm3, was genau der von Meereswasser entspricht. Das hat den großen Vorteil, dass diese Masse im Gegensatz zur Luft in der Schwimmblase mit zunehmender Tiefe nicht komprimiert wird und an Auftrieb verliert. So muss er nicht nachtarieren, was mangels Inflator auch gar nicht möglich wäre.

Dreifacher Weltmeister?


2,3 Tonnen Lebendgewicht: Das ist soviel wie ein VW-Bus. Kein anderer Knochenfisch bekommt mehr auf die Waage und das ist der erste Weltrekord, der ihn ins Guinness Buch der Rekorde brachte. Vielleicht stammt ja daher der lateinische Name mit dem Mühlstein? Obwohl er der schwerste Knochenfisch ist, werden andere Fische größer: Der bizarre Riemenfisch beispielweise oder der praktisch ausgestorbene europäische Hausen, ein Stör. Wer jetzt einwirft, dass Wale und manche Haie doch viel größer und schwerer werden, darf sich gleich mal zu einem Bio-Kurs einschreiben.



Doch weit genug abgeschweift und zurück zum zweiten Weltrekord: Ein Weibchen stößt pro Laichvorgang mindesten 300 Millionen Eier aus! Dennoch wimmeln unsere Meere nicht vor Mondfischen, weil die meisten Eier und Larven im Magen von anderen Fischen landen.

Ein weiterer Rekord dürften Wachstum und Gewichtszunahme sein: Die 0,25 cm kleinen Larven wachsen zu meterlangen großen Fischen heran. In Gefangenschaft schaffte ein kleiner Mondfisch in nur 15 Monaten eine Gewichtszunahme um 373 kg. Was 0,82 kg/Tag bedeutet. Womit die den Kleinen da im renommierten Monterey Bay Aquarium gemästet haben ist der Literatur* nicht zu entnehmen. Pizza, Burger, Bier und Schokolade vielleicht? In Freiheit legt Mola mola jedenfalls bedeutend weniger schnell zu.

* Literaturtipp: The biology und ecology of the ocean sunfish Mola mola: a review of current knownledge and future research perspectives. Edward C. Pope et al. Rev Fish Biol Fisheries, 2010, 20, 471-487

Kommerzielle Bedeutung


Mondfische haben eine zentimeterdicke, lederzähe Haut. Darunter liegt eine wabbelige Masse aus Gelatine, die von Knorpeln und Organen durchzogen ist. So wie das aussieht dürfte es auch schmecken. Das ist ihr Glück, denn so haben Molidae keinen kommerziellen Wert und werden nicht gezielt befischt.

Trotzdem landen sie in großen Mengen als Beifang auf den Fischkuttern. Interessant sind sie nur in Ostasien, wo sie Bestandteil der traditionellen chinesischen Medizin sind. Aber was ist das nicht? Grüne Kugelschreiber und Auspufftöpfe, vielleicht?

Futter!


Mondfische haben ein kleines Maul, das meist offen steht. Die Zähne sind wie bei den namensgleichen Fischen papageienschnabelähnlich miteinander verwachsen. Nun wäre ein solches Maul perfekt dazu geeignet Korallen zu knacken oder Muscheln und Krebstiere zu zermatschen. Doch Molidae ernähren sich von Quallen und anderem glibbrigen Zeug – das dachte man zumindest bis man ernsthafter begann zu forschen. Dabei stellte sich heraus, dass Mondfische auch Schlangensterne, Muscheln, allerhand andere Fische und Herumtreibendes mümmeln.



Forschung


Da sie nicht von kommerziellem Interesse sind, gab und gibt es für Forschung kaum Geld. Vieles blieb lange im Dunkeln. So zeigte sich, dass die scheinbar tollpatschige Fortbewegung der Molidae doch recht effektiv ist. Die beiden großen Flossen oben und unten am "Kopf" scheinen sich hektisch und viel zu schnell zu bewegen. Doch Versuche im Strömungskanal zeigten, dass diese Fortbewegungsart effizienter ist als man dachte. Mondfische unternehmen ausgedehnte Wanderungen durch die Weltmeere, das zeigten mit GPS-Sendern markierte Exemplare. 2.000 Kilometer in drei Monaten sind dabei keine Seltenheit.



Pickel und so


Mondfische trieben manchmal flach an der Meeresoberfläche und scheinen sich dabei zu sonnen. Was sie dabei wirklich tun ist unklar. Unwahrscheinlich ist aber, dass sie dabei ihren Teint bräunen. Vielleicht sollen das Sonnenlicht und die UV-Strahlung Parasiten vertreiben. Denn Parasiten die sie peinigen, haben Mondfische mehr als genug. Da es im offenen Meer keine Putzerstationen gibt, wo sie sich von den Plagegeistern erleichtern lassen könnten, springen Molidae manchmal mit großem Schwung aus dem Wasser und lassen sich wie Wale flach auf die Meeresoberfläche platschen um so die Parasiten zu entfernen.

Theorien besagen, dass die angebliche Vorliebe der Fische für Quallen&Co innere und äußere Parasiten begünstige. Ganz so wie die Anzahl der Pickel beim Menschen mit dem Schokoladenkonsum zu korrelieren scheint.

Nachspiel


Lange wusste man nur wenig über den schwersten Knochenfisch der Welt, der so schwer wird wie ein Kleinbus. Mindestens 300 Millionen Eier soll das Weibchen jedes Mal ablaichen!

Ob das Männchen ebenso weltrekordmässig dazu ejakuliert, ist leider noch nicht erforscht. Aber dann! Etwas Geld für Forschung wird doch noch drin sein, um mit den Ergebnissen ins Buch der Rekorde zu kommen, oder?



Video zum Thema:



Das Kurzvideo zeigt die Sichtung eines Mondfisches vor der Küste von Elba (vor Scoglietto Nord) in ca. 37m Tiefe. Die seltsam wirkenden Schwimmbewegungen sind auf der Aufnahme gut zu erkennen.



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Bisherige Bewertungen:

Von FrankHB Registriertes Mitglied am 06.06.2013 - 13:03
-nur Flossenbewertung-
 
Von Frankyboy21 Registriertes Mitglied am 18.04.2013 - 18:03
Super geschrieben, weiter so! Wenn ich es ernster will, gehe ich in ein Seminar oder Kloster!
 
Von toronto Registriertes Mitglied am 31.03.2013 - 12:36
...dazu noch die Orte, an denen Taucher vielleicht auf diese faszinierenden Wesen stoßen könnten und der Bericht wäre fast perfekt.
 
Von Urs011 Registriertes Mitglied am 23.03.2013 - 06:40
-nur Flossenbewertung-
 
Von Blubber 2 Registriertes Mitglied am 10.03.2013 - 12:54
Ich finde den Beitrag so und auch wie er formuliert ist einfach klasse!Die Welt ist doch ernst genug oder?
 
Von Zentaucher Registriertes Mitglied am 26.02.2013 - 21:03
Mir gefällt der Artikel. Der Autor hat echten Mutterwitz. Humorlose Menschen können das als "bemüht witzig" klassifizieren, beweisen damit aber eigentlich nur ihren Neid. Hier soll ja kein Biologieunterricht erteilt, sondern Interesse geweckt werden (obwohl der Überzahl von Biologielehrern solch ein Mutterwitz gut täte - mein Biolehrer in der Mittelstufe WAR witzig und deshalb war es 3 Jahre lang mein Lieblingsfach). Kurzweilig und humorvoll rübergebrachte Information wird nachweislich viel aufmerksamer gelesen, das weiß jeder pädagogisch interessierte Mensch. Kritisch wird es nur, wenn die "Richtigkeit" dem Witz geopfert wird, aber das ist ja hier gar nicht der Fall. Mach weiter so, Harald! In einem Land, wo Didi Hallervorden und ähnliche Plumpquatschlinge Fernsehquote machen, hat man immer noch nicht breitflächig verstanden, was Humor ist. Wem es nicht gefällt, soll halt Wikipedia lesen.
 
Von Isurus Registriertes Mitglied am 24.01.2013 - 08:28
Ein wenig mehr Recherche und folglich höherwertige (und richtigere) Informationen anstelle von wiederholt peinlich sexualisiertem anzüglichem "Altmännerhumor" (wie er unerfreulicherweise in diversen Biologieartikeln des Autors zu lesen ist und weiter unten ebenfalls richtig als zu bemüht lustig beschrieben wird) hätten auch diesem Artikel gut getan.
 
Von KaiB. Registriertes Mitglied am 14.01.2013 - 11:36
Schließe mich der Meinung an: Mir kommt das auch zu gewollt witzig vor, das wirkt schon verkrampft! Ein bischen weniger "bin ich nicht lustig?" und ein wenig mehr Infos hätten dem Bericht gut getan.
 
Von JuMP Registriertes Mitglied am 10.01.2013 - 10:14
Für mich zu ´flapsig´ geschrieben, um noch informativ und vor allen Dingen ´seriös´ zu wirken (das darf man natürlich auch ganz anders sehen)
 

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