Plattfische - Da bin ick jetzt awa platt!

Plattfische - Da bin ick jetzt awa platt!


Sie kommen recht häufig vor, sind aber gut getarnt und werden so von uns Tauchern selten entdeckt. An der Fischtheke hingegen sieht man sie sehr oft und gerne. Aussehen tun sie, als ob sie in eine Fischstäbchenpresse oder unter eine submarine Straßenwalze geraten wären. Wie kommt es denn dazu? Und: was gibt es eigentlich über die plattgedrückten, aber leckeren Fische zu wissen?

Bericht von Harald Mathä

Am Anfang sehen Plattfische so aus wie alle anderen echten Fische auch. Oben ist oben und die Rückenflosse dran. Unten ist unten und, wie es sich gehört die Bauchflossen. Rechts und links sind dann noch die Brustflossen und etwas darüber die beiden Augen auf jeder Seite des Kopfes, vorne das Maul und ganz hinten die Schwanzflosse.

Die rechte Seite sieht wie das Spiegelbild der linken aus. Das nennt der Fachmann bilateral-symmetrisch. Noch schwimmen sie aufrecht im Wasser wie andere prominenten Flossenträger auch.

Aber so normal kleine Plattfische auch noch aussehen mögen: Gute Schwimmer sind sie nicht, weil ihnen die Schwimmblase fehlt. Das stört sie aber weder in ihrer Kindheit noch später, weil sie eben überzeugte Bodenbewohner sind.

Infobox Plattfische

Englisch: flatfish
Ordnung: Pleuronectiformes
675 Arten in 134 Gattungen, 14 Familien, 2 Unterordnungen
Größe: Von wenigen cm bis weit über zwei Meter
Aussehen: Charakteristisch platt und gut getarnt
Lebensraum: Meist reine Bodenbewohner
Verbreitung: In allen Meeren, im Brackwasser und bis ins Süßwasser
Verwechslungsmöglichkeit: Höchstens anderes im Untergrund eingebuddeltes Getier


Metamorphose!


Doch noch in jungen Jahren, genauer gesagt als Küken mit nur wenigen cm Länge, fangen die kleinen Plattinger an sich dramatisch zu verändern. Die Verwandlung könnte Kafkas Feder entsprungen sein: Ein Auge wandert an der Rückenflosse vorbei oder unter dieser durch. Der Schädelknochen, die Nasenöffnungen und anderes mehr folgen dieser Wanderung. Aus dem rechts-links wird ein oben-unten. Bei Schollen und Seezungen erfolgt diese unheimliche Verwandlung meist auf die rechte Körperseite, bei Butten nach links. Der Körper flacht zusätzlich ab, auch Muskeln werden verlagert. Die eine Seite, jetzt neue Oberseite färbt sich dunkel, die andere Seite, nun Unterseite - hell. Nur das Gehirn bleibt in seiner ursprünglichen Lage. Wie es die 90° Verdrehung des Fisches verarbeitet, ist noch wenig erforscht.

Ist die Metamorphose (Umwandlung, Umgestaltung) abgeschlossen, hat man einen flachen Fisch vor sich, der sich durch Farbpigmente an seiner Oberseite perfekt an den Untergrund anpassen kann. Nach dieser Verwandlung können sie natürlich nicht mehr wie ein richtiger Fisch schwimmen, da sie sonst laufend mit der Fresse im Schlamm landen würden. Daher bewegen sie sich mit einer wellenförmigen Bewegung des ganzen Körpers wie ein fliegender Teppich fort. Wie die Fransen eines Teppichs sehen jetzt auch die Rücken- und Bauchflossen aus. Da Plattfische keine Schwimmblase haben, ist Fortbewegung ganz schön anstrengend und geht ziemlich auf die Gräten. Daher schwimmen sie auch immer nur ein Stückchen und buddeln sich wieder im Untergrund ein oder verlassen sich auf ihre Tarnung. Eine Rechnung, die meist aufgeht.

Apropos Tarnung! Viele Plattfische besitzen an ihrer Oberfläche Farbpigmentzellen, die sie je nach Farbe und Struktur des Untergrunds öffnen oder schließen können. So werden sie praktisch unsichtbar. Militärs arbeiten seit vielen Jahren an Techniken, um diese Tarnungskünste für ihre Tötungsmaschinen nutzen zu können.



Lebensraum und Nahrung


Plattfische sind meist reine Bodenbewohner die sich im Sand und Schlick eingraben und auf Beute lauern. Sie ernähren sich ausschließlich carnivor, das bedeutet, dass sie kein Grünzeug mögen und ein saftiges Steak- ääähm... ein leckeres Fischchen oder Garnelchen, Algen und anderem Gemüse eindeutig vorziehen. Durch ihre flache Form können sie weit ins Flachwasser vordringen. Bevorzugt lassen sie sich von der Flut weit in die Gezeitenzone tragen. Dort jagen sie all die Wattbewohner, die sich während der Ebbe eingegraben hatten und mit wieder steigendem Wasserspiegel aus ihren Verstecken kommen.

Limitierend für die Beutegröße ist bei allen Plattingern die Größe der Maulspalte. Verschiedene Plattfische mit gleich großem Maul befinden sich so in einer Art Nahrungskonkurrenz. Das mag uns wenig jucken, sondern der Plattfische Problem zu sein. Für die Fischereiindustrie ist dies überaus interessant, weil die weniger wertvollen Plattfische so den wertvollen die Nahrung streitig machen können. Nur gut, dass sie nichts dagegen tun können... Nur wenige Plattfische, wie der Heilbutt jagen auch im Freiwasser nach Fischen.



Prominente Plattfische



  • Die Scholle (Pleuronecter platessa) auch Goldbutt genannt, wird 40-70 cm groß. Sie ist weiß mit gelben Punkten.

  • Der Steinbutt (Scophthalmus maximus) wird maximal 50-70 cm lang. Er ist grau gepunktet und seine Flossen haben braune Punkte.

  • Der Heilbutt (Hippoglossus hippoglossus) wird auch „Scholle“ genannt. Der bräunliche Fisch kann über zwei Meter lang werden. Das schafft er heute aber kaum noch, da er zuvor in einem Netz landet.

  • Die Flunder (Platichthys flesus) wird umgangssprachlich auch als "Butt" bezeichnet. Der bis 50 cm lange Fisch im "Flecktarn" jagt auch gerne im Brackwasser und wandert Flüsse hoch.

  • Die Seezungen (Solea spp.) haben alle mögliche Farben und werden höchstens 60 cm lang. Meist bleiben es aber tellergerechte 35 cm. Bei Gefahr imitieren manche unserer Seezungen das giftige Petermännchen.




  • Wirtschaftliche Bedeutung und Gefährdung


    Viele Plattfische sind bei Feinschmeckern höchst begehrt. Sie sind auf der Speisekarte der Hafenkneipe in Stralsund ebenso zu finden wie in Gourmettempeln von Paris. Ihr Fleisch ist fest, grätenarm und lecker. Zudem sind sie auch einfach zu filettieren. Gefangen werden sie von Sportanglern mit der Rute. Das ist eine faire und umweltschonende Methode.

    Weit weniger sportlich und umweltfreundlich ist der industrielle Fang der Plattfische. Hierzu werden sie mit Schleppnetzen vom Meeresgrund gescheucht und landen zwischen deren Maschen. Bei dieser Fangmethode wird der Meeresboden richtiggehend umgepflügt. Kein Stein bleibt auf dem anderen, alles wird niedergerissen. Zurück bleibt eine öde Wüste am Meeresgrund. Aber was tut man nicht alles um die Kühlregale der Supermarktketten mit gesundem Fisch zu füllen... Diese industriellen Fangmethoden werden seit Jahrzehnten von Umweltschutzorganisationen angeprangert.

    Mit mehr oder weniger Erfolg, denn die EU flirtet bekanntlicherweise gerne mit der Fischereilobby, besonders mit der spanischen. Ein ziemlich morbider Fetisch, wie wir meinen! Auch die IUCN ist sich offenbar nicht ganz sicher, was die Gefährdung der begehrten Plattfischarten angeht. Beispielsweise 60.000 Tonnen Seezungen soll es in den europäischen Meeren noch zu holen geben. Dann ist Schluss.




    Esst mehr Fisch war mal!


    Besser: Esst gezielt Fisch und lasst euch nicht von der Werbung der Lebensmittelkonzerne manipulieren. Die Meere sind fast leer, nur damit Klein Hänschen und Tante Paula Fischstäbchen mit Majo futtern können. Viele Fischarten wurden schon an den Rand der Ausrottung gedrängt. Doch Fisch gilt als gesund. Aber welchen Fisch darf man noch guten Gewissens kaufen?

    Infos zu diesem Thema findet man beispielsweise beim Fischratgeber des WWF. Die Flossenträger im Meer, auch unsere Plattfische, werden es euch danken!



    Sex!


    Kein Platz mehr! Aber stellt euch einfach mal zwei Bettvorleger bei der Fortpflanzung vor! :))


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    Bisherige Bewertungen:

    Von kwolf1406 Registriertes Mitglied am 15.12.2012 - 08:29
    Flott geschrieben, leider mi vielen Schreibfehlern. Sehr gut der dennoch ernste Hinweis auf die desaströsen Fischereimethoden, die z.B. auch Nordsee und Mittelmeer nachaltig zerstören und plündern.
     
    Von Anfr220 Registriertes Mitglied am 14.12.2012 - 11:01
    Flott geschrieben und gefällt mir!
     
    Von Isurus Registriertes Mitglied am 11.12.2012 - 18:52
    Etwas weniger "flapsig", dafür etwas besser recherchiert - dann würde der Artikel auch deutlich besser erscheinen. Man mag es kleinkariert nennen, aber: Viele Artnamen sind falsch geschrieben. Was das "Wegfressen" von Nahrung anderer Fische durch Plattfische und die damit offenbar entstehende Konkurrenz zu anderen, kommerziell genutzten Fischen soll, erschliesst sich mir nicht und ergibt im Textzusammenhang auch irgendwie keinen Sinn. Am schlimmsten ist jedoch das hahnebüchene Gehetze gegen "die kommerzielle Fischerei" am Ende des Artikels. Wieso muss ein Artikel über Plattfische in so ein Geschreibsel abdriften? Fakt ist: Es gibt auch zertifizierte Fischereien auf Plattfische, es werden auch Plattfische mit stationären Netzen gefangen. Klar ist nicht alles eitel Sonnenschein, aber die abgedroschene Greenpeacepolemik am Schluss ist nun mal schlichtweg in vielen Bereichen falsch und macht den Artikel unterm Strich m.E. schlecht!
     
    Von Stefan G. Registriertes Mitglied am 11.12.2012 - 17:09
    Plattfische: gut geschrieben. Sex? hier ist noch Platz: Im Oktober 2012, Ägypten, Hausriff Nakari, Nachttauchgang. Jede Menge Seezungen im Lampenlicht, ganz nah, überhaupt nicht scheu, wohl wegen der Hormone. Ein Exemplar schwimmt senkrecht bis einen Meter über den Grund, sieht tatsächlich aus wie ein fliegender Teppich in Miniatur. Ein zweites kleineres Exemplar kommt dazu, kurzer flatternder Tanz Bauch an Bauch und schon ist es vorbei. Die Szenerie wiederholt sich mehrfach. War schön anzusehen, nein, bin kein Voyeur. ;-)
     

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