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M/Y Conquest II Geschrieben am 25.10.2001 von Herta Bassauer
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Wer einmal richtig tauchen will, der begibt sich auf eine Tauchsafari. Tauchschiffe angefangen von der MY Ghazalla I, MY Admera bis hin zu Rudi Kneips schon etwas antiquierter Number One – die Journalisten unserer Tauchzeitschriften schwärmen nur so von Komfort, Betreuung durch Kapitän, Crew und Guides dieser herrlichen Schiffe.
Es sollte meine 5. Safari werden und da alle versprochenen Voraussetzungen bis jetzt immer erfüllt wurden, fuhr ich auch diesmal voller Vorfreude nach Marsa Alam. Ich wollte den Süden des Roten Meeres erforschen. Unser Schiff sollte eigentlich die MY Polly sein, im Jahre 2000 vom Stapel gelaufen. Doch wurde uns kurz vor Antritt der Reise mitgeteilt, dass man sich von der Polly getrennt habe und das Ersatzschiff, die Conquest 2, den gleichen Standard hätte bzw. sogar noch besser wäre.
Die Fahrt nach Marsa Alam sollte 4 Stunden dauern, ca. 17.00 Uhr wären wir dort gewesen. Allerdings mussten wir aus nicht bekannten Gründen in einem Restaurant in Hurghada 3 Stunden verbringen, dann suchte man einen Freeshop, in dem man Bier kaufen konnte, da an Bord außer Wasser und Cola keine Getränke zur Verfügung stehen würden. Der Freeshop öffnete nicht zur angegebenen Zeit, es gab also kein Bier auf der Conquest und wir kamen müde und gefrustet ca. 22.00 Uhr an. Mit dem Zodiak des Nachbarschiffes wurden wir und Gepäck an Bord gebracht, unser Zodiak lag luftlos auf der Tauchplattform. Als ich den Salon betrat, sah ich sofort, die Conquest hatte schon ein paar Jährchen auf dem Buckel. In den Kabinen ging keine Klimaanlage, sie wurde erst nach lauten Protesten meinerseits angestellt. Allerdings funktionierte sie nur in 7 von 9 Kabinen und ich hatte eine von den beiden defekten erwischt. Zum Glück erklärte sich ein lieber Tauchkamerad von Manta Mainz zum Tausch bereit. Von den 5 Nasszellen funktionierte in einer die Dusche nicht, in der nächsten waren Klo u. Dusche in Einzelteile zerlegt, in der dritten lief kein Wasser im Waschbecken, in der vierten brannte kein Licht, in der fünften stand man mit den Füßen im Wasser, wenn die Spülung lief. Die Türen ließen sich nicht schließen. Von den zwei Kompressoren funktionierte nur einer und ein Sonnensegel sowie eine Rettungsinsel u. Notfallkoffer gab es auch nicht. In der ersten Nacht fiel die ganze Elektrik aus, Klimaanlage und Licht, es war stockdunkel, auf die Toilette musste man sich vortasten, man lag schlaflos im eigenen Saft.
Am anderen Morgen stellte sich heraus, dass das Tauchlehrerpärchen, sie eine große dünne Holländerin namens Lily, er ein kleiner Ägypter namens Adel, selbständige Freiberufler waren, und das Schiff ebenfalls nicht kannten. Sie waren für diese Woche für uns angestellt worden.
Der Kapitän war nicht an Bord, irgendwann ca. 8.30 erschien er dann wohl, denn wir legten danach endlich ab. Wir fanden uns mehr oder weniger langsam mit den Gegebenheiten, die nicht zu ändern waren, ab. Manfred, der die Reise wieder für uns organisiert hatte, schickte in 3 Raten eine Nachricht zur Chartergesellschaft, doch was wollte die auf hoher See noch erreichen. Angeblich hatte der Verantwortliche dieser Firma das Schiff vorher besichtigt und für gut befunden. – Na – ja!
Nun konnte uns nur noch der Tauchbetrieb aus dieser Misere retten. Lily versprach uns, wir würden nicht enttäuscht werden. Und die ersten beiden Tage war ja auch alles, abgesehen vom dauernden Stromausfall, wenn man seine Lampe laden wollte, in Ordnung.
Doch dann hatte wohl unser Pärchen die Lust verloren. Wir kamen um 6.30 Uhr erwartungsvoll zum 1. Tauchgang, angesetzt für 7.00 Uhr, auf Deck, wer lag im Salon im Tiefschlaf, Lily und ihr Adel. Um 9.00 schliefen die beiden immer noch, bis Manfred endlich einen Weckversuch startete. Adel verfiel zu allem Unglück noch in eine Krankheitsphase, die immer dann zu Ende war, wenn es etwas zu essen gab. Danach lag er wieder, erbarmungswürdig anzusehen, auf dem Sofa.
Die Krönung war dann eine Havarie. Der Kapitän hatte zielbewusst das einzige kleine Riff, was weit und breit im Wasser war, angesteuert und seinen herrlichen Kahn schön mittschiffs mit dem Kiel auflaufen lassen. Wir saßen fest und kamen nicht mehr los. Alle dilettantischen Versuche scheiterten. Zum Glück war ablaufendes Wasser und so wurde die Aktion auf 3.00 nachts, Wasserhöchststand, verschoben.
Doch wir machten aus der Not eine Tugend und betrachteten beim Nachttauchgang die Situation von unten. Wir hatten ein neues Riff entdeckt und waren begeistert. Von intakten Korallen, Bewuchs bis hin zur span.Tänzerin, es war wunderschön. Auch wurde hier meine Angst etwas gemindert, als ich feststellen konnte, dass keine Planken verletzt waren.
Leider litt die Stimmung an Bord durch die widrigen Umstände, die sich ja immer mehr aufbauten, als dann auch der Tauchbetrieb nicht mehr stimmte, sehr. Der eine fraß alles in sich hinein, andere ließen lautstark ihren Frust raus. Das einzig schöne waren die Tauchplätze. Unter Wasser konnte man seine Probleme für eine kurze Zeit vergessen.
Zu allem Unglück war dann noch der angeblich 10000 l fassende Süßwassertank leer, die beiden Wasseraufbereiter waren entweder defekt oder gar nicht vorhanden.
Zum Glück hatte Pharao seine Rache diesmal etwas ruhen lassen. Es wäre wohl sonst zur Katastrophe gekommen, bei diesen maroden sanitären Anlagen.
Doch soll uns dies nicht abhalten, im Jahre 2002 wieder zu starten. Wir haben bereits bei einer anderen Gesellschaft ein Schiff geordert und denken optimistisch, es kann ja nur besser werden. Herta Bassauer
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