Nach der Ankunft auf St. Maarten geht es direkt weiter mit WinAir auf
die Nachbarinsel Saba. "The unspoiled Queen", wie das Eiland von
der Bevölkerung genannt wird, macht Ihrem Namen alle Ehre. Doch
mehr hierzu in meinen Reiseerlebnissen.
Zweimotorige Propellermaschine für den Inselverkehr
In einer Höhe von gerade mal 5000 Fuß fliegt die Twin-Otter
der Winair in 12 min von St. Maarten nach Saba. Nach einigen
Flugminuten sehe ich bereits den Mount Scenery, den höchsten Berg
des Königreichs der Niederlande. Die Insel rückt näher
und ich
kann den „berühmten“ Flughafen, mit dem kleinsten kommerziellen
Landefeld im internationalen Flugverkehr, gut erkennen. In einer
steilen Linkskurve entlang der schroffen Küstenlinie, nimmt der
Pilot die Piste
ins Visier und drückt die Maschine auf die Miniatur-Landebahn, die
in etwa die Größe des Flugfeldes eines Flugzeugträgers
hat. Ein beeindruckender Anflug, der die Vorfreude auf die kommenden
Tage deutlich verstärkt.
Glenn Holme, der Tourismusdirektor von Saba, erwartet mich am Flughafen
um mit mir eine kleine Inseltour durchzuführen. Vom Juancho
Yrausquin Airport führt „The Impossible Road“ (die einzige
Inselstrasse – siehe Geschichte
der Inseln) zu dem Ort Hells Gate. Weiter
an dichtbewachsenen Steilhängen schlängelt sich die
„Hauptverkehrsader“ den Berghügel entlang, wo wir nach einigen
Minuten Windwardside erreichen.
Windwardside ist die zweitgrößte Siedlung der Insel mit dem
größten Angebot an Hotels, Restaurants und
Gästehäusern. Hier in dieser malerischen Ortschaft werde ich
die nächsten Tage bei El Momo
verbringen. Die weißen
Holzhäuser mit den roten Ziegeldächern inmitten
üppigstem Grün und genialem Blick auf die karibische See
lassen einen großen Entspannungsfaktor vermuten.
Windwardside vom Gipfel des Mount Scenery aus
Unser Weg führt uns nun auf die andere Seite der Insel und wir
erreichen „The Bottom“ – die älteste Stadt der Insel und
gleichzeitig Hauptstadt, sowie Sitz des Inselgouverneurs. The Bottom
liegt im ehemaligen Vulkankegel von Saba.
Um 1640 siedelten die ersten Kolonisten auf Saba im Bereich Mary’s
Point wo auch heute noch alte Brunnenanlagen zu finden sind. Doch schon
nach kurzer Zeit wurde die erste Stadt im Vulkankegel gegründet
und The Bottom genannt.
In The Bottom befindet sich auch die Medizinische Universität von
Saba, der größte Wirtschaftsfaktor der Insel. Bis zu 300
Studenten aus USA, Kanada, Südamerika und weiteren Staaten
studieren hier die verschiedenen Sparten der Medizin. Besonders im
Bereich der Bakterien- und Virenforschung sind hier Internationale
Kapazitäten unter den Professoren zu finden.
The Bottom (li) und Residenz des Gouverneurs
Der Straßenverlauf führt uns nun nach Fort Bay, dem einzigen
Hafen der Insel. Hier befinden sich u.a. die „Filialen“ der 3
Tauchschulen der Insel deren Hauptquartiere alle in Windwardside
liegen. Glenn führt mich in die Bar am Hafen und wir lassen uns
ein eisgekühltes Caribe, ein schmackhaftes lokales Bier, durch
die Kehle laufen.
Noch ist alles ruhig in Fort Bay, in den Monaten September und Oktober
befinden sich fast keine Touristen auf der Insel. Einzig ein Tauchboot
von Sea Saba ist am Pier vertäut, damit werde ich morgen ausfahren.
Fort Bay, Hafenanlage von Saba
Nach der Inselrundfahrt bringt mich Glenn in mein Quartier bei El Momo.
Angelika und Oliver, die Hausherren der Anlage, begrüßen
mich
herzlich und führen mich durch die bezaubernde gartenähnliche
Wohnanlage.
Angelika und Oliver sind vor einigen Jahren als Tauchlehrer in die
Karibik gekommen und haben auf Saba Ihr Traumziel gefunden.
Mittlerweile tauchen die beiden nur mehr zur Entspannung, das Hotel ist
natürlich eine Vollzeitbeschäftigung.
El Momo befindet sich etwas ausserhalb von Windwarside im Ortsteil
Booby Hill. Sieben Wohnbungalows, Esszimmer und Empfang sind auf einem
dichtbewachsenen Hügel angeordnet. Der Blick aus den Bungalows ist
schier umwerfend. Unter mir liegt die Südküste von Saba und
dahinter erstreckt sich die tiefblaue Karibik, ein Platz zum
Träumen und Entspannen.
Ausblick vom "Esszimmer" El Momo
El Momo eingebettet in eine Grünanlage
Ein Glas Wein auf meiner Veranda unter den funkelnden Sternen der
Karibik ist die letzte Tat für heute und beschert mir die richtige
Bettschwere. Die Nacht bei El Momo ist erfüllt von
Geräuschen. Es sticht ein „Pfeifen“ hervor, ähnlich dem
Zwitschern von Kolibris (hier handelt es sich um kleine
Baumfrösche), das mich sanft in den Schlaf wiegt.
Der neue Tag beginnt mit einer Spezialität von Angelika, dem
Frühstück. Von Brot, Marmelade und Joghurt aus eigener
Fertigung, frischen Früchtetellern und deftigeren Genüssen a
la Schinken und Eiern bleibt kein Wunsch offen.
Als ich soeben mein Mahl beendet habe, setzt sich eine abenteuerliche
Gestalt an meinen Tisch. Bekleidet mit Tarnhose, Stiefeln und
Netz-T-Shirt, sowie einem beeindruckend großem Messer an der
Seite und einer Machete auf den Rücken geschnallt – sitze ich
James „Crocodile“ Johnson gegenüber. James ist der Herr der
Wanderwege auf Saba. Er ist zuständig für die Pflege des
Nationalparks rund um den Mount Scenery, einem unberührten
Regenwald.
Heute Vormittag wollen James und ich eine Tour rund um die Insel
durchführen; der Pfad wird uns von Hells Gate über Mary’s
Point fast bis zu The Bottom führen. Die Wandertouren auf Saba
sind ein absolutes Muss – Details über den
Trip findet Ihr
hier.
Zum Abschluss der Wanderung, einige 100m vom Ende des Pfades entfernt,
kehren wir bei Queens Garden
ein. Das Hotel und Restaurant, gehobener
Klasse, befindet sich am Rand von The Bottom. Der Ausblick von der
Terrasse und den Zimmern / Suiten ist auch hier einfach
umwerfend.
Zum Mittagessen bestellen wir Fisch „Cajun“ Style und karibischen
Salat. Dem
Koch lasse ich meine Empfehlung zukommen, das Mahl war einfach
köstlich. Eine echter Tipp für Liebhaber exzellenter
Küche.
Terrasse von Queens Garden
Im Anschluss an das
Mittagessen fahre ich direkt zum Hafen um auf einem der Boote von Sea Saba
einzuchecken. Sea
Saba hat zwei Tauchboote, die "Sea Dragon"
wird gerade für die neue Saison auf Hochglanz gebracht.
An Bord der 14m Jacht „Giant Stride“,
zugelassen für 25 Taucher, es werden aber maximal 10-12 Personen
mitgenommen, befinden sich Sauerstoff, Notfallkoffer und Funk. Die
nächste Druckkammer ist direkt am Hafen von Saba und kann, da die
Tauchgebiete sehr nah sind, auch von den entfernten Plätzen in
maximal 15 min angelaufen werden.
Im Angebot der Sea Sabas ist auch Nitrox in den Standardgemischen 32%
und 36%. Getaucht wird mit 80cuft Alu Flaschen (ca 11 lt) und INT
Anschlüssen. Ausrüstung kann komplett ausgeliehen werden.
Auch DIN / INT Adapter sind genügend vorhanden.
Unser erster Tauchgang führt uns in die Nähe von Diamond Rock
an einen Küstennahen Tauchplatz. Es erwartet mich ein farbenfrohes
Spektakel aus Korallen, Schwämmen und jeder Menge Jungfisch. Sogar
ein Anglerfisch ist gut getarnt zu meiner Begrüßung
aufgetaucht.
Anglerfisch in perfekter Tarnung
Bereits dieser erste Tauchgang zeigt deutlich was mir bereits vorab
zugetragen wurde. Die Gewässer um Saba sind farbenfroh und voller
Leben – keinerlei Schädigung durch Schleppnetze, kommerzieller
Fischerei oder Raubfischerei. Auch die gefürchtete Korallenbleiche
hat die Tauchgebiete verschont. Die Tauchplätze rund um Saba sind
durch den Marine Park geschützt, eine Investition die besonders
für uns Taucher eine fantastische Unterwasserwelt bedeuten. Einen
vergleichbaren Korallen- und Fischreichtum sieht man leider
mittlerweile selten.
Farbenpracht in den Gewässern um Saba
Zurück in meinem Quartier zeigt mir Angelika einen der Mitbewohner
der Anlage von El Momo. Ein stattliches Exemplar eines Leguan
räkelt sich in der karibischen
Abendsonne. Gut getarnt sitzen die friedlichen Echsen auf Ästen
und sind nur mit "scharfem" Blick zu erkennen. Auch große
Landkrabben mit einem Durchmesser von 15cm sind in der
weitläufigen Gartenanlage zu finden. Wahrlich ein paradiesischer
Ort, ideal zum Abschalten und genießen der Natur. Abends
verwöhnt uns Angelika mit Kürbiscremsuppe und Fisch in
Limonensauce. Bei einem Glas hausgemachtem Bananenrum unter funkelnden
Sternen beschliessen wir diesen Tag.
Am nächsten Morgen wollen wir eigentlich die berühmten
Pinnacles betauchen. Pinnacles, so werden die
Unterwasserfelsformationen von Saba genannt, sind gestockte Lavaberge
die aus 3-stelligen Tiefen in den 20 – 30m Bereich aufsteigen. Leider
ist die Strömung an den ausgewählten Tauchplätzen so
stark, das wir uns entschließen ein Alternativprogramm
anzufahren. Wir versuchen unser Glück bei den Felsen von
„Man o' War Shoals“ einer Doppelfelsformation in der Nähe von
Diamond Rock.
Diamond Rock, Muräne und Krabbe am Man o' War Shoal
(Click zum vergrössern)
Dieser Tauchplatz besteht aus zwei mächtigen Fels- und
Korallenblöcken, jeweils ca 25m im Durchmesser, im Bereich von 30
bis 6 m Wassertiefe. Was für ein Alternativprogramm – das Leben
sprudelt hier wie in einer Fischfarm. Schwärme aus Tropenfischen
der verschiedensten Arten, Muränen, Langusten und wieder diese
wunderbare Farbenpracht aus Korallen und Schwämmen. Ich kann mich
nicht Sattsehen an diesem kleinen Paradies und die 1,5 Std vergehen wie
im Flug.
Eindrücke am Man o' War Shoal
(Click zum vergrössern)
Das heutige Abendprogramm findet im Musicclub „Hpnotiq“ in "The Bottom"
statt. Einer der beiden Nachtclubs der Inseln, mit Live Programm. Es
spielt Bankie Banx, eine karibische
Musik Größe, der u.a.
bereits mit Bob Dylan Platten aufgenommen
hat. Bankie spielt eine melodiöse Mischung aus Reggae, Traditional
und sanftem Rock – gepaart mit einer eindrucksvollen Stimme. Wenn Ihr
die Chance habt, besucht Bankie
auf Anguilla (ca 15 Flugminuten entfernt) in seinem Club – für
Musikliebhaber eine klasse Gelegenheit.
Ein wolkenloser strahlend blauer Himmel begrüßt mich am
nächsten Morgen standesgemäß. Heute wollen wir endlich
einen der Pinnacles betauchen. Auf Saba
sind die zwei bekanntesten Formationen der „Third
Encounter“ und „Shark Shoal“ – beides Lavaformationen die aus schier
unendlichen Tiefen in den Bereich 20 – 30m ragen. Bild links zeigt
den Platz "Eye of the Needle" direkt neben der Plattform von "Third
Encounter". Der Tauchgang
beginnt im Freiwasser, allerdings kann man sich wie bei jedem
Tauchplatz auf Saba an den Ankerbojen orientieren.
- Third Encounter -
Click zum Vergrössern
Der Abstieg im funkelnden Blau der Karibik ist unbeschreiblich.
Schwebend im Nichts lasse ich meine Gedanken treiben, fast bin ich
enttäuscht als ich auf der tieferen Plattform des zweiten Felsen
von Shark Shoal in knapp 40m Tiefe ankomme. Die Vielfalt an Leben ist
auch hier unbeschreiblich schön, in jeder Ritze und Spalte sind
Krabbenarten, Langusten, Muränen und Schnecken zu bewundern. Ein
Schwarm beeindruckender Barrakudas zieht langsam seine Runden durch das
unendliche Blau. Einer dieser Tauchplätze, die sich lange ins
Gedächtnis einbrennen werden.
Manta im Flug durch das Blau der Karibik
Die Pinnacles mit den bodenlos abfallenden Formationen sind
auch ein guter Platz für Mantabegegnungen. Majestätisch
ziehen diese Giganten unter den Rochen Ihre Runden um die
Felstürme. Kurz darauf zieht noch ein Hai fast in Griffweite
vorbei und beschert mir weitere Glücksgefühle.
In langsamen Spiralen tauche ich an den Lavatürmen auf und bin
immer wieder über diese fantastische Vielfalt an Leben fasziniert.
Die Plattform des höheren Turms befindet sich auf 25m, hier
verbringe ich noch gut eine halbe Stunde bei der Betrachtung von
Anemonen und Nacktschnecken. Nach gut 80 min Tauchzeit bin ich
zurück am Boot.
Eindrücke am Shark Shoal
(Click zum vergrössern)
Ein gelungener Abschluß, Sabas Unterwasserwelt präsentierte sich
von der besten Seite. Als Resümee bleibt mir folgendes zu sagen:
Saba ist eine liebenswerte Insel, ideal zum "Seele baumeln lassen",
Wandern und natürlich Tauchen. Sowohl
im Regenwald als auch
Unterwasser ist eine Artenvielfalt zu bewundern die seinesgleichen
sucht. Die Eindrücke werden noch lange nach dem Besuch für
wunderbare Erinnerung sorgen. Die "Sea Sabas" haben mir mit Ihrer
unkomplizierten und freien Art des Tauchens großartige Erlebnisse
ermöglicht.
Seepferdchen in Tarnfarbe
Das "Fare-Well" Essen findet abends bei Brigadoon's, einem Restaurant
in
Windwarside, statt. Ein Lokal
das sowohl einheimische Küche als auch Spezialitäten aus
aller Welt offeriert. Patricia und Michael, das Besitzerehepaar, bieten
samstags Sushi und Sashimi an. Genau diese Köstlichkeiten geben
ein prachtvolles Abschiedsessen und wir genießen den rohen Fisch
und Reis-Röllchen bei grünem Tee.
Der Abschied von Angelika und Oliver fällt schwer, in der kurzen
Zeit hat sich eine Freundschaft mit den Hausherren von El Momo
entwickelt, ein Wiedersehen mit den beiden und "Ihrer" Trauminsel steht
schon jetzt fix in meiner Planung.