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Tauchführer - Kuba - Cristóbal Colón





(C) 2001 Oliver Meise
-Keine Gewährleistung-


U.S. Naval Historical Center Photograph

Bei diesem 100m langen Wrack handelt es sich um die Überreste des 1895 in Auftrag gegebenen 18,2m breiten spanischen 6.840ts-Kreuzers Cristóbal Colón. Nach dem Stapellauf bei der Werft "Cantieri Sestri Ponenti de Ansaldo" bei Genua in Italien im September 1896 wurde er im Mai 1897 fertiggestellt. In Ermangelung eigener Erfahrungen mit der neuen Schiffsbautechnik hatten die Spanier nämlich das Schiff im Ausland in Auftrag gegeben. Weil es sich bei dem Kriegsschiffentwurf um einen so guten Wurf handelte, taten es andere Marinen den Spaniern nach. So kommt es, daß die Cristóbal Colón Schwesterschiffe überall auf der Welt hatte: Die Giusseppe Garibaldi, die Varese und die Francesco Ferrucio in Italien, die General Garibaldi, General San Martin, General Belgrano und die General Puyrredon in Argentinien, sowie die Kasuga und die Nisshin in Japan.
Nach Indienststellung trat das Einmast-Schiff Cristóbal Colón unter dem Kommando von Kapitän Emilio Diaz Moreu mit 542 Besatzungsmitgliedern zum Kap Verden-Geschwader.


U.S. Naval Historical Center Photograph

Die Hauptbewaffnung bei diesem Schiff sollte aus zwei 25,4cm-Geschützen in einem Doppelturm auf dem Vorderdeck bestehen. Wegen Streitigkeiten mit dem Hersteller Armstrong wurden diese aber nicht ausgeliefert, so daß das Schiff ohne seine Hauptbewaffnung in den Krieg ziehen mußte!!!
An Stelle der Armstrong-Geschütze befanden sich lediglich Holzattrappen......


U.S. Naval Historical Center Photograph

Die Sekundärbewaffnung bestand aus zehn 15,2cm-Geschützen und sechs 12cm Schnellfeuergeschützen sowie zehn 5,7cm Nordenfelt Schnellfeuergeschützen. Hinzu kamen dann noch zehn 3,7cm-Geschütze und zwei 2,2cm MG`s, sowie fünf Torpedorohre. Die Antriebsanlage erzeugte 14.000PS, wirkte auf zwei Schrauben und ermöglichte eine Maximalgeschwindigkeit von 19,5 Knoten bzw. eine Reichweite von 8.300 Seemeilen bei einer Reisegeschwindigkeit von zehn Knoten. Die Panzerung war bei diesem Kriegsschiff, verglichen mit seinen Zeitgenossen, relativ gering. An der Seite und den Geschütztürmen maximal 15cm Compound-Stahl, an Deck maximal 3cm. Auch dieses Schiff gehörte zur spanischen Flotte von Admiral Cervera die in den Spanisch-Amerikanischen Krieg geriet.


U.S. Naval Historical Center Photograph

Zusammen mit den anderen Schiffen des Kap Verden-Geschwaders brach es am 3. Juli 1898 aus dem Hafen von Santiago aus. In der allgemeinen Konfusion gelang es dem schnellsten Schiff des Kap Verden-Geschwaders zunächst einiges an Entfernung zu gewinnen, jedoch ging nach einiger Zeit die gute Kohle aus, und es mußte auf minderwertigen Brennstoff zurückgegriffen werden -wodurch die Geschwindigkeit drastisch fiel. Außerdem machte der Kapitän den Fehler, dem Küstenverlauf allzu nah zu folgen. Hierbei übersah er den geographisch als Bogen ausgelegten Küstenverlauf auf der Karte. Statt dem Schiff zu folgen, brauchte man sich nur auf direktem Wege am das Bogenende zu begeben und das feindliche Schiff erwarten. Genau dies tat die US-Flotte in Gestalt der USS Brooklyn, USS Texas und USS Oregon. Um 14.00 Uhr kam die Cristóbal Colón in Sicht. Die USS Oregon begann die Cristóbal Colón einzugabeln und es war abzusehen, daß eine der nächsten tonnenschweren Salven in den Schiffsrumpf der Cristóbal Colón einschlagen würden.
Da wegen der fehlenden schweren eigenen Artillerie kein ernsthaftes Gefecht angenommen werden konnte, gab der Kapitän durch Niederholen der Flagge und das Abfeuern des Lee-Geschützes den Kampf auf.
Weil aber das Schiff auch nicht in Feindeshand fallen sollte, steuerte der Kapitän sein Schiff auf die Felsen in der Nähe der Mündung vom Turquino-Fluß -ca. 70 Seemeilen westlich von Santiago bei El Uvero- und ließ zusätzlich noch die Seeventile öffnen. Schnell kam eine US-Prisenmannschaft längsseits und wollte den Kreuzer wieder flottmachen. Zu diesem Zweck wurde die Cristóbal Colón ohne weitere Untersuchungen von den Felsen gezogen. Hierbei kenterte und sank das Schiff.


  Library of Congress Photo LC-D4-21522,
Prints and Photographs Division, Detroit Publishing Company Collection

Heute liegt das Schiff in der Brandungszone in einer Tiefe von ca. 12m mit dem einen Ende und auf ca. 31m mit dem anderen Ende. Noch vor etwa 18 Jahren ragten Teile der obengelegenen Schiffswand aus den Wellen. Der Zahn der Zeit, die Stürme und der Brandungsschwell haben aber die Konstruktion mit der Zeit immer mehr ineeinander zusammenfallen lassen. An der "Zerlegung" des Schiffs waren auch die Bewohner des nahegelegenen Örtchens El Uvero beteiligt. Im Mangelland Kuba wurde hier der Rohstoff Eisen für den täglichen Bedarf aus diesem Wrack geholt und in alle möglichen Alltagsgegenstände zurechtgehämmert.
Wenn man sich nun über dem Wrack befindet und in das smaragdgrüne Naß springt, durchtaucht man zunächst den Bereich des Brandungsschwells. Ist man durch diese Zone hindurch, bessert sich die Sicht und man kann bereits den Rumpf des Schiffes auf dem sandigen Meeresgrund sehen. Am besten steigt man hier wegen der Brandung Hand über Hand an einem Ankertau ab. Am Rumpf angekommen, verdrückt man sich dann auch am besten auf die der Küste abgewandte Seite um dem vom Strand zurückschlagenden Brandungsschwell zu entgehen. Hier ist es dann relativ ruhig und man kann damit beginnen das Wrack zu erkunden.
Flora und Fauna haben sich dieses Wrack erobert. Es ist hübsch bewachsen und auch die üblichen F.v.D. (Fische vom Dienst) haben sich in und am Wrack niedergelassen. Da die Brandung das Deck des auf der Seite liegenden Schiffes zT. großflächig abgelöst hat, kann man auch in das Wrack hineintauchen. Hier ist aber die entsprechende Vorsicht, Erfahrung und Ausbildung angesagt! Man muß dabei beachten, daß das Wrack ja nun schon über 100 Jahre hier liegt und nicht mehr allzu stabil sein dürfte. Vor Ort kann man dann noch einige Messingbullaugen finden, Teile der Maschinenanlage mit den Kesseln, Eisenleitern und zT. sogar einige Messinghülsen. Die 12cm-Geschosse dieser Messinghülsen wurden bei der Seeschlacht von Santiago von den Geschützmannschaften der Cristóbal Colón auf die Verfolger abgefeuert. Im weiteren kannman dann noch die weiteren Abteilungen und Überreste des Schiffsrumpfes mit seinen einzelnen Abteilungen und Aufbauten betauchen. Insgesamt ein interessantes Wrack.

GPS-Position:
19°53'N / 76°45`E

Vorsicht: Von Gerät zu Gerät gibt es bei der Ermittlung der GPS-Daten immer Unterschiede.Bei Annäherung an das Riff ist entsprechende Vorsicht zu beobachten und weniger die GPS-Anzeige zu betrachten als vielmehr die tatsächliche Nähe zum Riff zu überwachen!!!!!!!

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