Die Deutsche Armanda
gehört nun uns! Sie ergibt sich unbeschädigt der Royal Navy.
Im Forth bietet sich eine historische Szenerie.
Admiral Beatty signalisiert:
Die Deutsche Flagge ist bei Sonnenuntergang einzuholen!
Vor Jahren sagte der Ex-Kaiser,
daß die Zukunft Deutschlands auf dem Wasser liege. Er baute ein Flotte
auf,die nach uns die größte war.Gestern wurden die neuesten
dieser Schiffe durch die Royal Navy unbeschädigt zur Aufgabe
in den Firth of Forth geleitet. Nach dem Ankern signalisierte Admiral Sir
David Beatty: "Die Deutsche Flagge ist bei Sonnenuntergang einzuholen und
darf ohne Genehmigung nicht wieder gesetzt werden!" Am Abend dankte die
ganze britische Flotte und die amerikanischen und französischen Schiffe
Gott für den Sieg der Gerechtigkeit.
Von der HMS Royal Sovereign / 1. Schlachtgeschwader der Grand Fleet,
Mittwoch Abend:
Hier herrschte keine Aufregung - nur eine gespannte Erwartung der
erinernswerten Dinge die da kommen mögen - als an diesem Nachmittag
Admiral Beatty seine Befehle erteilte und die riesige Flotte unter diesem
Kommando sich für das in-See-gehen vorbereitete.
Die Schiffe lagen bewegungslos im grauen Wasser im düster werdenden
Licht eines winterlichen Vorabends; Klappbuchsen morsten ihre geheimnisvbollen
Botschaften über die See. Die Deutsche Flotte kam uns in jedem Moment
mit einer Geschwindigkeit von 10 Knoten zur Übergabe bereit entgegen.
Per Funk wurden ihr Befehle erteilt und Fragen der Deutschen Kommandanten
wurden beantwortet. Einige fragten sich,wie wohl die Gefühle der Deutschen
Offiziere und ihrer Männer wären.
In der Grand Fleet bezweifelte man die Bereitschaft einiger Offiziere
die Schiffe einfach so zu übergeben; vielmehr befürchtete man
daß einige vielleicht versuchen würden einen letzten Schlag
zu führen und so ehrenvoll in Pulverdampf unterzugehen.
Die Deutschen Besatzungen waren dafür bekannt nicht besonders
tapfer zu sein, trotzdem rechnete man mit der Tat von einigen Verzweifelten
und hatte deshalb einige spezielle Vorbereitungen getroffen.
Die Grand Fleet näherte sich den Deutschen mit den Kreuzern
und schnellen Fahrzeugen an der Spitze. danach sollten die Deutschen, eingerahmt
von zwei mächtigen Kampfschiff-Linien rechts und links zum Internierungsort
gebracht werden.Ganz so wie zwei Polizisten die rechts und links eskortierend
einen Übeltäter zur Polizeistation bringen.
Der Kreuzer HMS Cardiff war damit beauftragt worden, die Bewegung
der deutschen Schiffe zu dirigieren und vorweg zu dampfen. Sollte von Deutscher
Seite ein Akt des Verrats untenommen werden,so war der Abstand der Deutschen
mit der Lücke von drei Seemeilen zu den britischen Schiffen zu groß,als
daß eine Rammung oder ein Torpedo hätte Erfolg haben können.
Bevor man nun mit der Deutschen Hochseeflotte zusammentraf, wurden
die Besatzungen auf ihre Kampfstationen gerufen.Dort sollten sie kampfbereit
verbleiben bis andere Befehle gegeben würden. Über der Deutschen
Flotte patroullierten die Flugzeuggeschwader der nahegelegenen Stützpunkte
um auch so Vorkehrungen gegen eine Überraschung und Verrat zu treffen.
Die ganze Stärke der Grand Fleet wurde eingesetzt. Fünf Schlachtgeschwader
und ein weiteres amerikanisches (6.) Schlachtgeschwader unter dem Kommando
von Rear-Admiral Rodman. Zwei Geschwader Schlachtkreuzer und sechs Geschwader
Leichter Kreuzer mit acht Flottillen Zerstörer rundeten das Bild ab
und ergaben eine überwältigende Übermacht.
So sollte die Marschordnung der Deutschen Flotte sein:
In einer Linie mit Abständen von 600 yards sollten zunächst
die fünf Schlachtkreuzer
Seydlitz, Hindenburg, Derfflinger, Moltke und Von der Tann dampfen.
Dahinter die Schlachtschiffe Friedrich der Grosse (Auf ihr hatte
Admiral von Reuter seine Flagge gesetzt), Konig Albert, Kaiser, Kronprinz
Wilhelm, Kaiserin, Bavern, Markgraf, Prinz Regent Luitpold, Grosser Kurfurst.
Hiernach die sieben Leichten Kreuzer Karlsruhe, Frankfurt, Emden,
Nurnberg, Brummer, Köln, Bremse.
Im Anschluß hieran marschierten die 50 Zerstörer.
Den deutschen Schiffen war befohlen worden die Geschütze in
Ruhestellung festzuzurren, so daß sie sofort Aufmerksamkeit erregen
würden,sollte sich ein Geschützrohr bewegen.Weiter war ihnen
aufgetragen worden einen westlichen Kurs bei 10 Knoten zu steuern der sie
zum treffpunkt mit der britischen Flotte vor dem Firth of Forth bei 56°11`N/01°20W
um 08.00 Uhr bringen sollte. Nachdem die deutschen Schiffe nun im Firth
of Forth angekommen sind,sollen sie bei Inchkeith ankern und es werden
zwei Untersuchungen an den Schiffen vorgenommen. Die erste soll sicherstellen,daß
die Munitionsmagazine leer sind.Die zweite soll untersuchen, ob Sprengfallen
angebracht sind oder sonst irgendwelche Tricks im Spiel sind.
Die letzte Reise
Donnerstag
Gegen ca. drei Uhr morgens lichteten wir den Anker und stachen als
das die Linie anführende Schlachtgeschwader in See. Es war eine wolkige
aber schöne Nacht ohne Nebel. Die großen schwarzen Rümpfe
glitten ruhig durch das Wasser.Wir fuhren unter den schmiedeeisernen Verzierungen
der Forth-Brücke hindurch, wobei unser herabgelassener Toppmast diese
fast zu berühren schien.
Alle Vorbereitungen für den Fall eines Uboots- oder Zerstörerangriffs
wurden ergriffen. Wir fuhren lautlos durch die verschiedenen Netzsperren
die den Firth beschützten, auch durch das äußerste bei
der Mai-Insel -letztere immerhin knapp 12 Kilometer lang.
Ca. 50 Kilometer außerhalb von Rosyth wurde ein Minenräumgeschirr
außenbords gefiert- eine der neuen Techniken die der Krieg hervorgebracht
hatte.Auf der oberen Brücke sah man den Nachtverteidigungsoffizier
seinen Platz am Zielgerät einnehmen, wo sich auch die Bedienelemente
für die Suchlichter und der Geschütze zur Ubootsbekämpfung
befanden.
Aber aus dem ruhigen schwarzen Wasser tauchte kein Feind auf, dampften
doch auch immerhin zwei lange Reihen britischer und amerikanischer Kriegsschiffe
mit einer Geschwindigkeit von 12 Knoten zum Treffpunkt. Die einzigen vernehmbaren
Laute kamen vom Wachoffizier der Ruderanweisungen gab."Der Resolution folgen!"
(Unser Vorderschiff), "Steuern sie 78°!" (Kompaßkurs),"Kurs halten!","76","Übersteuern
sie nicht!" Die Richtungsanzeiger im schummerigen Kompaßgehäuse
schwangen sanft vor und zurück. In dem Licht des Kompaßgehäuses
sah das Vorschiff aus wie ein flaches Eisen und die Resolution vor uns
sah aus wie eine dunkle schwarze Masse.
Dort unten war es immer noch totenstill,sah man einmal ab von gelegentlichen
Fußgeräuschen, Trompetenstößen in der Ferne und dem
leichten Brummen der Schiffsmaschine. Die Dämmerung brach an, die
wundervollste davon obendrein in der Geschichte der Marinegschichte, dazu
bestimmt noch nie dagewesene Geschehnisse zu bezeugen. Die Deutschen verspäteten
sich, sie hatten auf einem Schiff Kondensatorprobleme, was zu einer geringeren
Geschwindigkeit der ganzen Deutschen Flotte führte.Die Wolken hoben
sich und verhießen ein perfektes Wetter. Gegen acht Uhr stand die
Deutsche Flotte in einer Entfernung von 70 Kilometer.
DER LETZTE AKT
ALLE GESCHÜTZE FEUERBEREIT
Um 9.30 Uhr kamen sie in Sicht. Wir hißten unsere weiße
Kriegsflagge an jeder erdenklichen Stelle des Schiffs - eine Vorsichtsmaßnahme
die man vor der Schlacht ergreift.
"Haben wir Frieden?" Alle Ferngläser auf der Brücke waren
auf die Deutschen gerichtet,die man nun schwach am Horizont sehen konnte.Nebel
hing immer noch trotz der Sonne am Himmel.Wir waren bei einem der großartigsten
Momente der Geschichte anwesend - etwas so einem wie dem,als Cäsar
den Rubikon überschritt und das weitere Geschick der Welt beeinflußte.
Es herrschte Frieden.Langsam, mit einer Geschwindigkeit von 10 bis
11 Knoten, kamen die Deutschen die große Straße der Kriegsschiffe
heran, die vorbereitet worden war sie zu eskortieren.
Die Eskorte wurde von dem Britischen Kreuzer Cardiff angeführt
und von einem unserer Luftschiffe aus der Luft überwacht, ganz so
wie wenn ein Krimineller sich willig zur Exekution führen läßt.
Hinter der Cardiff führte der Schlachtkreuzer Seydlitz die Deutsche
Flotte an,gefolgt von den anderen vier deutschen Schlachtkreuzern und den
übrigen Kinderschlächtern. Scheinbar befanden sie sich in bewundernswerter
Ordnung und hielten perfekt die Formation. Sie bewegten sich mit der Regelmäßigkeit
eines Uhrwerks und führten zum letzten Mal die Deutsche Flagge.Am
Hauptmast der Seydlitz befand sich die Admiralsflagge des Deutschen Verbandsführers.
Die Flotte kam still in der Mitte der Eskorte ohne Salut und Flaggengruß
an.Die Farbe glänzte in einem seltsamen Kupferrotstich in der Sonne,
so als ob Blutflecken plötzlich sichtbar würden -obwohl die Hauptbemalung
in einem grünlichen Grau gehalten war und etwas dunkler als unser
eigener Anstrich erschien.Hinter den Schlachtkreuzern kamen die Schlachtschiffe,neun
große Schiffe die großartig gebaut waren und wie die Schlachtkreuzer
perfekt ihre Formation hielten.
Auf Friedrich dem Großen flatterte die Vizeadmiralsflagge
mit einem scharzen Balkenkreuz und zwei schwarzen Bällen am Toppmast.
Die Prozession der Schiffe war Begräbnisähnlich in ihrer
Stille. Daß sich diese großartige Kampfgruppe auf diese Art
und Weise ergeben sollte war etwas,woran die Welt nicht gedacht hätte,
etwas was noch vor vier Monaten die meisten Menschen für unmöglich
erachtet hatten.
Als wir uns dem Ankerplatz näherten kam von Admiral Beatty folgendes
Signal:
Die Grand Fleet traf heute morgen um 9.20 Uhr fünf Schlachtkreuzer,
neun Schlachtschiffe, sieben leichte Kreuzer und 49 Zerstörer der
Hochseeflotte die sich zwecks Internierung ergab und nach dem Firth of
Forth gebracht wurde. Um 11.40 Uhr signalisierte er: Die Deutsche Flagge
wird heute bei Sonnenuntergang eingeholt und ohne Erlaubnis nicht wieder
gehißt!
Um 12.30 Uhr kam das,was man als das letzte Signal des Krieges angesehen
werden kann:
Wegtreten von Kampfstationen!
HUNNEN-ZERSTÖRER AUF MINE GELAUFEN
LEICHTER KREUZER IN DEN HAFEN GESCHLEPPT
Mir ist zu Ohren gekommen,daß einer der 50 Zerstörer die
sich auf dem Weg zum Ergeben befanden einer, V30 auf eine Mine gelaufen
und gesunken ist.Der Kreuzer Köln verspätete sich wegen Kondensatorproblemen
und wurde für einen Teil der Reise von einem der deutschen Schlachtkreuzer
geschleppt.
Die Rückkehr der Flotte mit ihren Prisen zum Firth war eines
der außergwöhnlichsten Ereignisse die der Mensch sich vorstellen
kann. Kilometerweit erstreckte sich die Linie der sich mit höchster
Präzision bewegnenden Britischen Schiffe über die See.Dabei glänzte
die Farbe und das Messing in der Sonne und über allem flatterte die
glorreiche weiße britische Marinekriegsflagge und das ganze Spektrum
von Farben in Form von aufgesteckten Signalflaggen.
Es herrschte zwar kein Überschwang oder ein Verlangen auf dem
unterlegenen Feind herumzutrampeln,aber man fühlte von Herzen eine
Befriedigung, daß trotz der grausamen Verluste der Sieg errungen
und der Krieg gewonnen werden konnte.Wiedereinmal war wie schon in Nelsons
Tagen die Britische Marine gleichzeitig Schwert und Schild der Freiheit
gewesen.
Als die Royal Sovereign östlich von Inchkeith ankerte, sahen
wir die Deutsche Schiffe die uns voraus geschickt worden waren aus der
Nähe. In der Entfernung sahen sie großartig aus -wie sie in
der Sonne lagen.Aus der Nähe betrachtet sahen sie aber schäbig
und verschlissen aus. Offiziere und Mannschaften standen in Grüppchen
an Deck und betrachteten uns ängstlich und zeigten dabei Zeichen großer
Niedergeschlagenheit.
Die Schiffe des ersten Schlachtgeschwaders mit der Royal Sovereign
unter ihnen, jubelten Admiral Beatty zu,als er sie das Flaggschiff -die
immens große Queen Elizabath-passierten. Der Admiral stand dort in
der Abendsonne und winkte in dieser letzten Feier der Grand Fleet.
Bei Sonnenuntergang wurde die Deutsche Flagge eingeholt und der Admiral
setzte ein letztes Signal ab: Es ist meine Absicht einen Dankgottesdienst
abzuhalten -heute um 18.00 Uhr für den Sieg den der Allmächtige
Gott die Streitkräfte ihrer Majestät erringen ließ.Ich
empfehle jedem Schiff das gleiche zu tun.
Die Deutschen Schiffe wurden während der nächsten Tage
nach Scapa Flow verbracht, dem großen Hafen bei den Orkneys- ca.
350 Kilometer von Rosyth entfernt wo sie bis zum Frieden interniert werden.Eine
Rückgabe an eine Nation die ihre Marinekräfte derart mißbraucht
hat, scheint in unserer Flotte vollkommen unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher
wird sie unter den Alliierten aufgeteilt- Großbritannien,Frankreich
und den USA. Die Besatzungen - mit einer Ausnahme von einigen Offizieren
und Männern die als Wartungsmannschaften hierbehalten werden - werden
nach Deutschland zurücktransportiert.
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