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Tauchführer - Scapa Flow - Zeitgenössisches zur Versenkung



Zeitgenössisches zur Versenkung

HUNNENFLOTTE VERSENKT

VERSENKUNGSBEFEHLE DES ADMIRALS GEFUNDEN

5000 HUNNEN IM WASSER

UNTERWASSEREXPLOSIONEN

Die Hunnen versenkten am Samstagnachmittag durch das öffnen der Seeventile und dem wegschlagen der Verankerungen der wasserdichten Schotts die in Scapa Flow in dem großen Marinehafen der Orkneys internierte Flotte nachdem sie eine rote Flagge und die kaiserliche Flagge gehißt hatten.Gestern folgten Explosionen.Die Bomben mit Zeitzündern dazu müssen aus Deutschland gekommen sein.
Es dürfte klar sein,daß die Versenkung der Schiffe das Ergebnis einer Verschwörung ist.Admiral von Reuter dürfte auf Befehl aus Berlin gehandelt haben.Samstag war ursprünglich als Entscheidungstag über die Waffenstillstandsverhandlungen festgesetzt worden.Die Hunnen hatten aber nichts von der 48-Stündigen Verlängerung der Unterzeichnungsfrist für den Waffenstillstand gehört.

Nachdem die Deutschen ihre Schiffe versenkt hatten und in ihren Booten an Land rudern wollten wurde aus einem unserer Kleinfahrzeuge das Feuer eröffnet und dabei fanden sechs Deutsche den Tod, zehn wurden verwundet. Andere ertranken in dem entstehenden Tumult,wieder andere erreichten schwimmend die Inseln der Orkneys. Die Hauptstreitmacht der Britischen Flotte war abwesend und führte während der Versenkungsaktion der Hunnen ein Manöver durch.Lediglich einige Kleinfahrzeuge war auf Patrouille in Scapa wie auch eine patrouillierende Einheit britischer Flugzeuge.

Nach den Vorgaben des Waffenstillstands die von dem Alliierten Marinerat aufgestellt und vom Rat der Vier bestätigt worden waren, waren die Briten nicht berechtigt an Bord der Deutschen Schiffe Wachen aufzustellen oder die Deutsche Besatzung zu entfernen. Die Deutsche Flotte wurde unter dem Kommando von Vizeadmiral von Reuter belassen.

Den Deutschen wurde erlaubt, jeden Tag einmal miteinander zu Reden. Dies erfolgte unter zuhilfenahme eines kleinen Bootes.Einmal im Monat durfte mittels eines Versorgungsschiffes mit Deutschland Kontakt aufgenommen werden.Die Post wurde durch uns zensiert.
 

DIE BEFEHLE DES EX-KAISERS

Ein Exemplar der Versenkungsbefehle für Admiral von Reuter wurde gefunden.Er sagte,er erteilte sie,weil bei Kriegsbeginn der Kaiser angeordnet hatte,daß kein Kriegsschiff in feindliche Hände fallen dürfe.Daher glaubte er nach dem was er in der Zeitung las,daß die Waffenstillstandsverhandlungen abgebrochen wurden.Vor einigen Wochen reiste er unter dem Vorwand von Krankheiten in dieser Sache nach Berlin.Vermutlich hat er mit der Deutschen Admiralität die Versenkung der Flotte dabei arrangiert.

Er muß diesen Befehl unter Umgehung unserer Zensur oder durch Geheimsignale an die ihm unterstellten Schiffe weitergeleitet haben.Die Deutschen Schiffe lagen aber auch so nahe beieinander,daß es schwierig gewesen wäre diese von einer gegenseitigen Kontaktaufnahme abzuhalten.

Der Hinweis,daß die Deutschen Besatzungen immer bei eintreffen des Versorgungsschiffes ausgetauscht wurden, wird offiziell von der Britischen Admiralität verneint.Diese verkündet,daß in der Zusammensetzung der Besatzungen keine Änderungen erfolgten. Auf den großen Schiffen befanden sich ca. 150 bis 200 Mann, und auf den Zerstörern 12 bis 20 Mann.Insgesamt macht dies fast 5000 Deutsche die sich bei der Versenkung im Wasser oder in den Rettungsbooten befinden.

Vierzehnhundert der Hunnen-Seeleute wurden gestern bei Nigg an der Ross-Shire - Küste von zwei britischen Zerstörern angelandet und in Hütten untergebracht die von 200 Seaforth-Highlandern bewacht wurden. Die Versenkung der Flotte ist ein schweres Verbrechen gegen die Kriegsgesetze die unter Todesstrafe die Zerstörung von Kriegsmaterial während des Waffenstillstandes verbieten.

Wert der Flotte: £70,000,000.

Der Wert der Hunnenflotte betrug mehr als 70 Mio Pfund Sterling.Sie sollte sich durch den Friedensvertrag zur alleinigen Verfügung der Alliierten ergeben.Ihre Internierung fand am 21. November statt,als sie auf Admiral Beattys großartige Flotte vor Rosyth traf und in den Hafen geleitet wurde.Anschließend wurde sie unter Bewachung in einem Konvoi nach Scapa Flow geleitet, wo sie bleiben sollte bis sich ihr Schicksal entschieden hätte.Über ihren Verbleib herrschten unterschiedliche Ansichten.Die Amerikaner und die Britische Admiralität bevorzugten eine Versenkung im Atlantik,während die Franzosen und Italiener davon nichts wissen wollten.

Die Aussichten einer eventuellen Bergung hängen vom Ausmaß der Beschädigungen ab,die die Schiffe durch die Beschädigungen erlitten haben bei der Versenkungsaktion der Hunnen.Dort wo die Sprengladungen im Inneren explodierten mag eine Hebung schwierig sein.jedoch bei den Schiffen, wo nur die Flutventile geöffnet wurden könnten Taucher herabgeschickt werden diese zu schließen und das Wasser außenbords zu pumpen.Die Tiefe an der Versenkungsstelle beträgt zwischen 20 und 40m. Er befindet sich nicht in der Hafenzufahrt oder an einem der Ankerplätze wo unsere großen Schiffe normalerweise ankern.Alle Kriegsschiffe sind mit Flutventilen ausgestattet um im Notfall die Trimmung zu ändern oder Teilflutungen vorzunehmen wzB. um Feuer zu löschen.
 

EINE AUßERGEWÖHNLICHE SZENERIE

STOLZE HUNNENOFFIZIERE

ERZÄHLT VON EINEM MARINE-AUGENZEUGEN

SCAPA FLOW , Samstag Abend

Scapa Flow, das während der letzten viereinhalb Jahre die Hauptbasis der Britischen Flotte gewesen war, und in dessen Gewässern seit dem letzten November die Deutsche Hochseeflotte interniert gewesen ist, war heute der Schauplatz eines der größten dramen in der Weltgeschichte. Für jemanden der das Privileg genossen hat die Vorgänge auf dieser nördlichen Basis während der letzten vier Jahre mitzubekommen waren eindrucksvolle Bilder nicht ungewöhlich.Diese waren allesamt jedoch gar nichts gegen das,was heute geschah.

Der Morgen verging ohne besondere Vorkommnisse.Die Sonne schien und kein Anzeichen verriet, daß nur einige Stunden später der Frieden der Basis durch die dann gegen Mittag einsetzenden Ereignisse gestört werden sollte.Um diese Uhrzeit wurde berichtet,daß ein Deutsches Schlachtschiff im Sinken begriffen sei.Fast gleichzeitig damit hißte jedes Deutsche Schiff die Deutsche Flagge am Hauptmast.Manche setzten zugleich auch eine rote Flagge am Vormast.Die Besatzungen begannen sofort die Schiffe in kleinen Booten zu verlassen.Bald erwies sich,daß es sich hierbei um eine geplante Aktion handelte die nun ausgeführt wurde.

Nach dem, wie die Schiffe sanken war es offensichtlich daß die Seeventile geöffnet wurden.In einer erstaunlich kurzen Zeit begannen die großen und kleinen Schiffe tieferzusinken.Seitens unserer Marine wurde jede erdenkliche Maßnahmen ergriffen um die sinkenden Schiffe noch auf den Strand zu setzen.Im Falle der Zerstörer geschah dies auch mit beträchtlichem Erfolg.
 

GEKENTERT UND VERSENKT

Gegen 13.00 Uhr bot sich ein Anblick bar jeder Beschreibung.Was noch eine Stunde zuvor eine richtige Flotte gewesen war die ruhig vor Anker lag war nun eine Ansammlung kenternder und im sinken begriffener Schiffe, deren Bewegungen bereits vom Schicksal bestimmt wurden.Hier verschwand ein Zerstörer in einer Dampfwolke, dort setzte ein Schlachtschiff zu seiner letzten Fahrt in Richtung Meeresgrund an und versank in in einer gischtenden Woge.
Ein weiteres sank mit dem Heck voraus,ein anderes dreht sich solange auf die Seite bis der Kiel sichtbar wurde. Die Derfflinger, Hindenburg, von der Tann, Moltke, und Seydlitz - einst Stolz der Deutschen Marine - sanken nebeneinander.Letztgenanntes Schiff dreht sich sogar auf den Rücken und liegt nun so,daß der Kiel immer noch aus dem Wasser ragt.

Scapa Flow war nun gefleckt mit kleinen Booten voll mit Menschen die in einer dramatischen Plötzlichkeit die fraglichen internierten Schiffe versenkt hatten. Als die erste Bootsladung von einem kleinen Motorfahrzeug längsseits der HMS Victorious gezogen wurde, befahl der Deutsche Offizier im Boot einen Gruß auszubringen, worauf seine Männer mit drei kraftvollen "Hochs!" antworteten.
Nach und nach kamen noch weitere Boote jeder machart, jedes mit einer Bootsladung deutscher besetzt.Nachdem sie an Bord der HMS Victorious gebracht wurden,füllte sich bald ihr Vorderdeck mit Männern und Bündeln.
 

HUNNEN-MANIEREN

Ein Deutscher Offizier kam an Bord und trug seinen Säbel.Anscheinend wollte er eine eindrucksvolle Zeremonie der Übergabe veranstalten.Ein anderer Offizier der das Kommando über eine Division der versenkten Flotte innegehabt hatte sagte:"Wir sind keine Bolschewisten. Heute wurde der Friedensvertrag unterzeichnet.Wir hatten unsere Befehle und haben sie ausgeführt."Sie waren sich nicht bewußt,daß die Waffenruhezeit um weitere 48 Stunden bis Montags 19.00 Uhr verlängert worden war.Beim Anbordkommen und dem gegenseitigen Grüßen der Offiziere von den verschiedenen Schiffen war ein kontinuierliches Hackenschlagen vernehmbar.

Daß die Deutschen auf das heutige Ereignis gut vorbereitet waren, zeigte sich an der Menge von Ausrüstung die sie bei sich hatten.Einige Matrosen brachen unter der Last der mitgebrachten Bündel die fast größer waren als sie selbst fast zusammmen.In ihrem Gepäck hatten sie so ziemlich alles was man sich so vorstellen kann-vom Banjo bis zu Hunden. Offiziere und Mannschaften schienen zu hoffen,daß keines der Schiffe gerettet werden könnte.

Ein Deutscher Offizier,mit einem Eisernen Kreuz dekoriert, sagte: "Schaut wie die Deutsche Marine mit wehenden Flaggen untergeht!" Aber dies war nicht der Fall,waren doch unsere Männer dabei die meisten Schiffe zu entern und die Flaggen niederzuholen,bevor sie sanken.

Was die Aussichten auf eine Bergung einiger Schiffe angeht,so sind sie sicherlich möglich. Keines ruht in wirklich tiefem Wasser.Das auf-Strand-setzen war eine schwierige und manchmal gefährliche Sache.Ein Zerstörer sank,als er gerade an Land gezogen wurde.Unsere Männer an Bord hatte kaum Zeit rechtzeitig in Sicherheit zu springen,als er schon versank. Umgefähr 20 der intgernierten 50 Zerstörer wurden auf den Strand gesetzt.Was die Deutschen Schlachtschiffe,Schlachtkreuzer und Kreuzer angeht,sind nicht mehr als drei noch nicht ganz versunken-soviel zur Zeit bekannt ist.

Während des nachmittags wurden die Deutschen Besatzungen von HMS Victorious an unsere Kriegsschiffe im Flow überstellt.Was noch heute Morgen ein dichtgedrängter Ankerplatz war, ist heute Abend eine traurige Wasserfläche, aus der sich hier und da der Mast eines gesunkenen Deutschen Schiffes erhebt und so den letzten Ruheplatz einer Einheit der einstmals so stolzen und mächtigen Hochseeflotte anzeigt.

Eine ziemliche Menge Deutscher sind ertrunken,getötet oder verletzt worden-so glaubt man.
Insgesamt sollen ca. 4000 Deutsche beteiligt gewesen sein.



Ca. 2000 Seeleute wurden dann auf fünf Schlachtschiffen zum Cromarty Firth gebracht, von wo aus sie nach einigen Monaten Kriegsgefangenenlager nach Deutschland gebracht wurden. Englischerseits wurde versucht Admiral von Reuter vor ein Gericht zu stellen, aber selbst der höchste Rechtsoffizier der Royal Navy war der Ansicht daß man dies nicht machen könne,da es sich nicht um eine Flotte gehandelt hat die sich ergeben habe,sondern um eine internierte Flotte.

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18.05.2008 13:33 Taucher Online : 205
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