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Angstgrenze ...? Gibt es sowas?
Abgesandt von Scubatronic Registriertes Mitglied am 31.05.2007 - 21:12:

Hi Leute,

Als ich mit meiner Karriere als Taucher angefangen habe, hatte ich unheimlichen Respekt vor der Tiefe. Den hab ich zwar heute noch, aber die Erfahrung bringt es mit sich, dass man sich Stück für Stück immer weiter bringt.
Jedoch ist mir letztens am Blausteinsee aufgefallen, dass ich ab einer gewissen Tiefe (ca.18-20m) immer auf meinen TC schaue und dann einen kleinen Moment drüber nachdenke,... "jetzt gibts kein Zurück mehr"...kurz gegrübelt und weiter gehts dann... Neugier ist zu groß
Aber nun meine Frage... Wie kommt es, dass ich genau auf den selben Tiefen immer auf den TC schaue? Bzw. immer dann diesen Gedanken habe?

Vorallem ist aber interessant, warum so viele Menschen Angst vor der Tiefe haben? Ich hab von meinem TL gehört, dass manche "Kannten" (1,90m groß...breit wie ein Panzerschrank, kein Fett am körper) bibbernd und völligst verängstigt aus dem Wasser rausgekommen sind. Mein TL meinte nur, dass hätte was mit Umkehreffekt zu tun, also wer draußen ne große Klappe hat ist unterwasser ein angsthase wie es kein zweiter wäre.
Gibts das? Umkehreffekt?...
Womit hängt diese Angst zusammen, dass das immer genau auf 20m ist? bzw. dass dies so die grenze ist?
Am Anfang hatte ich auch meine Bedenken, aber nach den ersten Tauchgängen Tiefer als 25m kam ich gut damit zurecht.
Oder Bilde ich mir diese Erscheinung nur ein?

Vllt. mal ein paar Meinungen von anderen Tauchlehrern oder höher brevetierteren Spezialisten, alten Hasen ... oder wie auch immer. Das würde mich mal brennend interessieren?

... Scubatronic



Antwort von kwm Registriertes Mitglied am 31.05.2007 - 22:06
Angst ist individuell, daher glaube ich nicht, das man Deine Frage sinnvoll beantworten kann.
Antwort von Euregiotaucher Registriertes Mitglied am 31.05.2007 - 23:26
Hai Scubtronic

wahrscheinlich Einbildung und Zufall.
Mein Geburtstag ist der 08.11 ... und fast jeden Morgen schau ich auf den Wecker und es ist 8:11 Uhr. Mach den Versuch mal ohne Compi ... dein Buddy soll den Mitnehmen - schau mal ob da auch die Angstgrenze da ist wenn du keine Kontrolle per Compi hast ... aber nicht übermütig werden - lass dich von Ihm kontrollieren - sagen wir bei 25 m
Antwort von Abu Kafan am 31.05.2007 - 23:28
Vieleicht hast Du in Deiner Ausbildung gelernd, daß 20 Meter jene Grenze ist wo man bei Problemen noch auftauchen kann.
Vergiss Deine Angst und plane grudsätzlich keine TG unter 20 Meter, suche Tauchplätze mit guter Sicht und warmen Wasser.
Versuch mal das südliche Rote Meer(da kannst Du immer den Grund sehen) und ich bin mir sicher die Angst verschwindet wie von selbst.
Antwort von scuba_steffi Registriertes Mitglied am 31.05.2007 - 23:29
Also speziell zum Blausteinsee kann ich dir nur sagen, dass ich da auch abwärts der 20m-Plattform kein wirklich "gutes" Gefühl habe. Das habe ich aber wirklich nur da. Nicht im Gardasee, wo ich auf fast 40m war, nicht im Meer, wo 40m und tiefer nicht die Regel, aber auch kein Problem ist. Warum das so ist....keine Ahnung

Als ich anfing zu tauchen, hatte ich überall so meine Ängste ab 20-30m, das hat aber mit steigender Erfahrung nachgelassen. Aber im Blausteinsee...da bin ich ab 20m nicht wirklich glücklich...Angst würde ich das keinesfalls nennen, zumal ich es wirklich großartig finde, an der Boje dort ins Grün abzufallen. Aber irgendein klitzekleines Unwohlsein bleibt.
Antwort von Scubatronic Registriertes Mitglied am 31.05.2007 - 23:38
Angst kann man das auch nicht nennen, das war jetzt aber viel mehr eine allgemeine Frage, die nicht auf mich bezogen war. Ich selber habe keine angst mehr... hatte das nur bei meinen ersten 3 Tauchgängen über 20m.Seitdem aber auch nicht mehr.
Mich beschäftigte nur das was mein TL meinte und ob es ähnliche Fälle gibt. Weil ich denke mir mal, dass auch andere TL`s hier aktiv sind oder?

@kwl ... das war jetzt einfach nur eine Frage die mich beschäftigt hatte, ich denke mal dass dazu ein Forum da ist. Jeder hilft jedem mit seiner Erfahrung weiter. Da ich selber auch noch nicht sehr erfahren bin, denke ich mal, dass meine Frage durchaus berechtigt ist. Ergo ... Dachte ich, ich frag mal nach! ?
Man lernt nie aus...

naja... nun bin ich mal gespannt, was andere noch so dazu meinen...

Scubatronic
Antwort von kandy3 Registriertes Mitglied am 01.06.2007 - 06:15
Hi
kenne den Blausteinsee nicht, ist zu weit von mir entfernt. Aber ich könnte mir vorstellen das der See ähnlich in der Sicht und in der Temperatur ist wie andere tiefe Seen. Wie evtl. Starnberger oder ähnliche.
Da wirds so ungefähr bei 20 Meter dunkel und kalt, damit auch für Warmwasser- oder Urlaubstaucher etwas ungewohnt.
Es ist ein etwas mystischer Eindruck in den grünen dunklen Tiefen. Für den einen ist das schön für einen anderen evtl. beängstigend.
Bei mir steigt die Aufmerksamkeit für meine Buddys. Und ich ertappe mich dabei das ich diese dann sehr genau beobachte wie sie reagieren und atmen. Frage dann immer wieder nach deren Luftvorrat und überprüfe insgeheim deren Reaktion.
Hat wohl die Ursache darin das gerade in diesen Seetyp die einen oder anderen Automaten Probleme machten und so mancher Buddy in passive oder aktive Panik verfallen ist und der TG dann zur Rettungsaktion ausartete.
Antwort von Kein_Nick_eingefallen Registriertes Mitglied am 01.06.2007 - 07:56
Die Grenze zwischen Angst und selbsterhaltender Vorsicht ist fließend. Das von Dir beschriebene Gefühl kenne ich auch, es animiert mich dazu nochmal darüber nachzudenken, ob ich wirklich weiter (tiefer) tauchen möchte. Vielleicht geht`s mir ja heute nicht so gut, vielleicht setzt die N2-Narkose heute früher ein, wat weiß ich. Kurz in mich reingehört und weiter geht`s. Ein bißchen Vorsicht hat noch keinem geschadet. Wenn ich aber vor irgendwas richtig Angst bekäme, würde ich es vermutlich bleiben lassen (ich gehe grundsätzlich nicht in Höhlen, finde ich Scheisse, macht mir keinen Spass, warum sollte ich also).

Das ist übrigens auch keine Brevet-Frage, eher schon Erfahrung. Vermutlich auch zu einem großen Teil persönliche Veranlagung, mancher ist halt mutiger als andere.

Merke: Es gibt alte Taucher und es gibt mutige Taucher, aber es gibt keine mutigen alten Taucher
Antwort von tl3 Registriertes Mitglied am 01.06.2007 - 08:03
@ Scubtronic

„Mein TL meinte nur, dass hätte was mit Umkehreffekt zu tun, also wer draußen ne große Klappe hat ist unterwasser ein angsthase wie es kein zweiter wäre.“

Das mit dem Umkehreffekt glaube ich nicht.
Ich kenne Taucher, die sind über und unter Wasser Angsthasen.
Aber eine „gesunde“ Angst ist gut. Das vermittelt Respekt und lässt dich nicht Übermütig werden.
Das hat die Natur sehr praktisch eingerichtet. Es dient dem Selbstschutz.

Mit jemanden, der von sich behauptet, er kennt keine Angst, solltest du nicht tauchen.
Jedenfalls nicht, bis du erfahren genug bist, die Situation selber richtig einzuschätzen.

TL3
Antwort von gunther Moderator am 01.06.2007 - 08:17
Hi,
Angst hat man vor dem Unbekannten.
Panik ist die Angst ein Problem nicht lösen zu können.
Beide Grenzen können verschoben werden. Speziell die Panik-Grenze oder besser die Panik-Toleranz ist durch Wissen und Übung deutlich zu verschieben. Genau hier setzt die Auflgabe eines verantwortungsbewussten TL ein, er bringt seine Schüler Schritt für Schritt weiter.

Die große Klappe ist ein kompensations Gehabe, der Taucher versucht seine Angst (oder Furcht = Furcht hat man vor bekanntem) mitGehabe zu überspielen und sich selber Mut zu machen.
Der Satz: "eh geil ích liebe tiefe TG." ist oftmals eine Frage, mit der Hoffnung, dass alle ja sagen, denn dann kann es nicht so schlimm sein.
Der Schüler vergewissert sich also, dass der Buddy die Situation im Griff hat. Für mich als TL sind solche Sätze immer ein "Vorsicht" Signal.

Gunther
Antwort von Doris Registriertes Mitglied am 01.06.2007 - 08:32
Ich finde "kein Nick" hat es sehr pssend ausgedrückt, zumindest was mich angeht.

Sobald dieses mulmige Gefühl auftritt tauche ich deutlich vorsichtiger. U.U.kann es auch mal dazu führen einen Tauchgang zu beenden.
Antwort von Namen sind Schall und Rauch am 01.06.2007 - 08:59
Jeder weis, dass es nicht unser Lebensraum ist und wir nur mit Hilfsmittel in diesem Überleben können.

Im Unterbewusstsein, spielt sich das in unseren Köpfen ab.
Wenn wir im Meer tauchen, fällt es in der Regel nicht so sehr auf, gute Sicht- wir sehen den Grund und die Oberfläche, im See ist es anders.
Alles nur grün und dann kommen innerlich ein paar Gedanken auf.

Schätze damit hat es zu tun
Antwort von Patrick B Registriertes Mitglied am 01.06.2007 - 09:29

Hallo allerseits,

ich finde die Ausgangsfrage wirklich interessant.

Sicher ist Respekt vor dem Unbekannten ein wichtiger "Überlebenstrieb". Wenn dieser unterdrückt oder nicht sehr ausgeprägt vorhanden ist, läuft man Gefahr häufiger in gefährliche Situation zu rumpeln. Vielleic sogar ohne sie richtig wahrzunehmen.

Ich glaube eine gute Möglichkeit ist es kontrolliert mit jemandem tiefer zu tauchen, als man später selbst tauchen möchte. Dadurch wird die Komfortzone etwas ausgeddehnt und auf den 20 oder 30m fühlt man sich später dann "richtig zuhause".

Dunkelheit, schlechte sicht, Kälte, oder eine fremde Umgebung begünstigen sicher eine flaues Gefühl in der Magengrube. Wenn sich das Gefühl nicht gibt, sollte man so vernünftig sein und den Tauchgang tiefenmäßig limiteren oder sogar abbrechen.

Viele Grüße, Patrick
Antwort von Colin Registriertes Mitglied am 01.06.2007 - 12:17
Hallo Scubatronic,

Die einfachste physiologische Erklärung, warum Du immer im gleichen Tiefenbereich das Gleiche fühlst, lautet: Stickstoffnarkose. Auch bei "nur" 20m können Symptome auftreten - wenn auch selten. Vielleicht liegt Deine Schwelle, bei den in Deinem See herrschenden Bedingungen, genau da. Natürlich guckst Du dann auch immer dann auf Deinen Tiefenmesser.

Manchmal spielt uns unser Unterbewustsein einen Streich. Ist Dir schon folgendes passiert: Du denkst an eine Person, die Du lange nicht gesehen hast, und genau diese ruft Dich im gleichen Moment an? Das sind Erlebnisse, die einem in Erinnerung bleiben. Du hast sicherlich schon viel öfters an Personen gedacht, die Dich dann nicht angerufen haben. Das ist aber so banal, daß Du Dich an keine Einzige dieser Situationen erinnern wirst.

So könnte es auch mit Deinem Tiefenmessercheck sein. Du fühlst Dich nicht so gut, Du siehst auf Deinen Tiefenmesser, und siehe da: schon wieder 20m! Du hast Dich darauf fixiert und die Situationen, wo es nicht so war, hat Dein Unterbewustsein in das File "Hirn\hinterste_ecke\alles_vergessen" abgelegt.

Es gibt bestimmt noch 1000ende andere Erklärungen.

Was bleibt ist ganz einfach: mache Dir Deinen eigenen Reim drauf, schätze Deine(!) Fähigkeiten richtig ein, und mach dann das Richtige!

Viel Spass beim Tauchen!

Colin
Antwort von deeperdiver am 01.06.2007 - 19:41
Ich gucke auch immer bei so 20m auf den TC.
Beim Auftauchen.
Beim Abtauchen macht das ja gar keinen Sinn, ungefähr (anhand Sicht, Helligkeit, Umgebung, ggf. Bodenaufschlag) weiß man`s ja auch so, und die Zeitangaben spielen erst am Tauchende eine Rolle.

Bei so 40m (nicht immer gleich) bekomme ich manchmal für kurze Zeit ein ungutes Gefühl, aber das vergeht rasch und wechselt zu Ruhe und (natürlich evt. trügerischer gefühlter) Sicherheit. Ich tippe auf Stickstoffeinfluss. Wie ich`s in der Tauchschule gelernt habe, gehe ich dann ganz rasch über diese gefährliche Grenze hinweg tiefer.

cu
dd
Antwort von Cl@us Registriertes Mitglied am 02.06.2007 - 10:28
Klar gibt`s `ne Angstgrenze .. liegt bei mir so um die 70 m mit Preßluft
Antwort von Ayla Registriertes Mitglied am 02.06.2007 - 10:54
hallo Scubatronic.Ich habe schon einige Taucher mit eingebautem Tiefenmesser gesehen und erlebt.Du solltest dir darüber keine negativen Gedanken machen, sondern es als etwas wirklich gutes empfinden. Wenn du dann immer nach deiner inneren Stimme tauchst, denke ich ist es wirklich super und du bist ein klasse Buddy.Ich selber habe diesen inneren Tiefenmesser nicht so sehr, aber ich schaue auch beim abtauchen regelmäßig auf meinen TM.Und es hat auch schon Tgs. gegeben, die tiefer geplant waren und dann doch nicht so getaucht wurden, weil eben diese innere Stimme gesagt hat, heute ist es genug.
Ich wünsche dir und allen anderen stets gute und genug Luft und klasse Tauchgänge.
Astrid
Antwort von 6pack Registriertes Mitglied am 02.06.2007 - 13:45
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6pack
Antwort von Schaffel Registriertes Mitglied am 05.06.2007 - 14:00
@Scubatronic
Leider hast Du uns nicht gesagt, wieviele TG Du hast, wahrscheinlich sind es noch nicht allzu viele. Angst ist immer relativ, aber generell schadet Respekt vor der Tiefe nicht. Wenn Du, wie ich annehme, noch nicht viele TG hast, kannst Du Dich langsam an Tiefen herantasten, das sollte aber ohne jeden Druck erfolgen.
Tauchen soll Spaß machen - die tieferen TG kommen mit mehr Erfahrung von ganz alleine, wenn Du weiter unten etwas siehst, das Dich interessiert.
LG Schaffel

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