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Beinahe ertrinken
Abgesandt von MrDust Registriertes Mitglied am 28.06.2010 - 21:42:

Hallo zusammen,

Ich habe mich vor kurzem gemeinsam mit einem Freund im Schwimmbad unseres Divecenters für meine OWD Ausbildung vorbereitet.
Gegen Ende des Tauchganges habe ich nochmals das Ausblasen des Lungenautomaten geübt. Bei dieser Übung dürfte mir aus welchen Gründen auch immer Wasser in die Lunge gekommen sein. Ich konnte auf einmal schlagartig nicht mehr ein bzw. ausatmen und hatte eine drückendes Gefühl auf der Lunge. Ich wusste zuerst nicht wie mir geschieht, ich dachte zuerst ich hätte keine Luft mehr in der Flasche, ein Blick auf den Druckmesser bestätigte jedoch das Gegenteil. Zum Schluss blieb mir nicht mehr als schlagartig aufzutauchen, mein Buddy war zu diesem Zeitpunkt am anderen Ende des Beckens.
An der Oberfläche konnte ich ca. für 30 sek. nicht atmen, danach löste sich das drückende Gefühl auf meiner Lunge und ich konnte wieder normal durchatmen. Das ganze passierte mir auf eine Tiefe von ca. 3-4m. (Gott sei Dank habe ich vor dem Ausblasen des Lungenautomaten brav die Luft ausgeatmet, sonst hätte ich mir vielleicht auch noch einen Lungenriss beim hastigen auftauchen geholt)
Auf anraten der Tauchlehrer dort fuhr ich dann ins Krankenhaus und ließ mich mal durchchecken (EKG, Lungenröngten, Blutabnahme.. usw.). Gott sei Dank bestätigte mir der Arzt, dass alles in Ordnung ist.
Ich frage mich trotzdem nur im Nachhinein, wie so etwas passieren konnte, das ganze ging so schnell, ich kann nach wie vor nicht ganz begreifen wie und was da eigentlich passiert ist. Wollte nur mal von euch wissen, ob hier jemand schon mal eine ähnliche Erfahrung gemacht hat!?
Im übrigen habe ich mich nicht abschrecken lassen und meine 4 Freiwassertauchgänge trotzdem 2 Tage später problemlos absolviert.

Lg,





Antwort von gadoog Registriertes Mitglied am 28.06.2010 - 21:58
Dein natürlicher Reflex lasst es kaum zu, Wasser in deine Lungen zu lassen. Ein Krampf in deiner Luftröhre blockte für dein Eigenschutz (einfach beschrieben). Vergleichbar beim hinfallen auf den Rücken beim Eislaufen oder schwerem Sturz beim Skifahren.
Erst wenn all deine natürlichen Reflexe ausgeschaltet sind, tritt in der Regel Wasser in die Lungen.

Keine Regel ohne Ausnahmen!
Antwort von Trimixuae Registriertes Mitglied am 28.06.2010 - 22:08
Hallo,
hier wird ein s.g. Stimmritzenkrampf beschrieben, siehe hier:
Hier klicken
Nicht ganz ungefaherlich ab einer gewissen Tiefe da der Krampf ein Lungen-Barotraume verursachen kann.
Reiner
Antwort von MrDust Registriertes Mitglied am 28.06.2010 - 22:40
Hm... das klingt sehr plausibel
D.h. also möglicherweise durch das Schlucken vom Poolwasser (als Fremdkörper), dass meine Stimmbänder wahrscheinlich berührte, bekam ich einen Krampf, versteh ich das richtig!? (vereinfacht gesprochen).
Habt ihr da einen Tip, wie man dem vorbeugen kann bzw. hatte ich da einfach nur Pech? Ich versuche seitdem aufjedenfall beim Ausblasen des Lungenautomaten statt auf den duschknopf zu drücken mir etwas Luft aufzusparen und in den Automaten hineinzupusten.
Ich wünsche dieses Gefühl aufjedenfall keinem von euch, ist echt ziemlich grausam . Wenigstens bin ich nicht in Ohnmacht gefallen und hab mir den hier erspart
Antwort von gadoog Registriertes Mitglied am 29.06.2010 - 00:09
Ich kenns......

Aber halte einfach deine Zungespitze an die Öffnung deines Mundstücks und atme vorsichtig und langsam ein, nach dem du den Automaten ausgeblasen hast. ( Dusche oder Ausblasen) So merkst du sofort, ob noch Wasser in deinem Automaten ist. Hörst du ein gurgeln beim einatmen, drück nochmals den Duschknopf.
Wichtig ist, das du dabei aufrecht bist und nicht über Kopf.......sonst wirds etwas kompliziert
Antwort von Weltenbummler Registriertes Mitglied am 29.06.2010 - 01:05
@MrDust,
Wie Trimixuae schon treffend beschrieben handelt es sich um einen Stimmritzenkrampf. In der Umgangssprache auch als "trockenes Ertrinken" oder "Schwimmbadtod" bekannt. Kommt im normalen Leben auch über Wasser vor, wenn man sich mit Flüssigkeiten oder auch Feststoffen "verschluckt" - dann hängt man da und japst und ein kräftiges Schulterklopfen hilft meistens.
Im oder unter Wasser ist das nicht so einfach und kann bis zum Tod führen (Traurige Gedanken an unsere frühere Freundin Jessica.

Gruß
Weltenbummler
Antwort von Mike1976 Registriertes Mitglied am 29.06.2010 - 08:07
Zitat: "Das ganze passierte mir auf eine Tiefe von ca. 3-4m."

Würde bei einem Stimmritzenkrampf eigentlich schon für ein Barotrauma der Lunge reichen. Dennoch ist nix passiert, also war es wirklich der benannte Krampf?
Antwort von Mike1976 Registriertes Mitglied am 29.06.2010 - 08:08
Zitat: "Bei dieser Übung dürfte mir aus welchen Gründen auch immer Wasser in die Lunge gekommen sein."

Hast Du denn gemerkt, dass Du Wasser eingeatmet hast, oder vermutest Du es nur?
Antwort von Mike1976 Registriertes Mitglied am 29.06.2010 - 08:30
Ich will ne EDIT-FUNKTION

P.S.: Es könnte sich auch um einen Bronchospasmus gehandelt haben.
Antwort von Wurzelzwerg Registriertes Mitglied am 29.06.2010 - 09:34
@MrDust

Wende einfach den Trick mit der Zungenspitze, wie von gadoog beschrieben, an.
Diesen sollte allerdings Dir schon Dein Tauchlehrer genannt haben.
Oder mache es, wie Du es geplant hast und hebe Dir immer eine gewisse Restmenge an Luft auf, um den Atemregler auszublasen.

@Mike1976
Natürlich kann es ein Stimmritzenkrampf gewesen sein, ohne Schäden, da MrDust oben schreibt, er habe, wie gelernt, während er den Regler nicht im Mund hatte ausgeatmet.
Daher kann, selbst bei noch halb gefüllter Lunge, aus 3-4m, wegen eines Stimmritzenkrampfes, kein Barotrauma der Lunge auftreten.
Gegen einen Bronchospasmus spricht, dass er plötzlich überhaupt nicht mehr Atmen konnte. Bei einem Bronchospasmus käme es zu einer Erhöhung des Atemwiderstandes und nicht zu einer völligen Unfähigkeit zu atmen.

Allen freie Atemwege wünscht

Der Zwerg
Antwort von Mike1976 Registriertes Mitglied am 29.06.2010 - 10:27
@Wurzelzwerg:

Hm, wenn MrDurst wirklich einen Krampf bei ausgeatmeter Lunge bekommen hätte, hätte er dann in der genannten Zeit nicht schon längst ohnmächtig werden müssen?

Die Situation unter Wasser, sagen wir mal 5-10 Sek., dazu die Panik = erhöter Sauerstoffbedarf. An der Oberfläche noch 30 Sekunden Atemstillstand...

Auch dürfte es bei wenigen Tropfen eingeatmetem Wasser nicht zu einem Stimmritzenkrampf kommen, höchstens zu einem Hustenreiz. Stimmritzenkrampf bei "wachen" Personen ist sowieso ein strittiges Thema. Ich sehe die Diagnose "Stimmritzenkrampf" hier mehr als kritisch.


Antwort von Weltenbummler Registriertes Mitglied am 29.06.2010 - 15:51
@Mike1976,
Da irrst du dich - ein paar Tropfen Wasser reichen manchmal aus!!

Gruß
Weltenbummler
Antwort von MrDust Registriertes Mitglied am 29.06.2010 - 15:53
@ Mike1976: Ich vermute, dass ich Wasser eingeatmet habe, kann dies aber nicht bestätigen, es kam mir halt so vor, aber ich bin medizinisch eher mehr ein Laie. Die 30 Sekunden an der Oberfläche kann ich nicht ganz bestätigen, die sind rein Hypothetisch, ich war leider mit anderen Dingen beschäftigt als auf die Stopuhr zu sehen. Vielleicht warens auch nur 10-15 Sek.

Ich habe brav beim Regler wiedereinführen in den Mund ausgeatmet und hatte bestimmt keine komplett gefüllte Lunge. Fakt ist, dass ich nach dem betätigten des Duschknopfes mit dem Regler im Mund beim ersten Versuch Sauerstoff zu ziehen nicht mehr atmen konnte. Es muss also während der Zeit beim Drücken des Reglers irgendetwas passiert sein. Hustenreiz hatte ich seltsamerweise keinen. Erst als ich mich an der Oberfläche ein wenig beruhigte und anfing zu husten löste sich mein Krampf!
Antwort von Wurzelzwerg Registriertes Mitglied am 29.06.2010 - 19:06
@Mike1976
gerade habe ich MrDusts Posting von 15:53 gelesen.

Was mich verwundert ist, dass er keinen Hustenreiz hatte, was eigentlich normal für eine Aspiration von Wasser und einen darauf folgenden Laryngospasmus wäre.

Wahrscheinlich lässt sich der gesamte Hergang nicht rekonstruieren.


Sonnige Grüße

Der Zwerg

Antwort von BuBBleBuddy Registriertes Mitglied am 03.07.2010 - 14:00
Hallo in die Runde

@ Mike 1976 ...Die Situation unter Wasser, sagen wir mal 5-10 Sek., dazu die Panik = erhöter Sauerstoffbedarf. An der Oberfläche noch 30 Sekunden Atemstillstand...


Ich denke die hier von MrDurst geposteten Zeitangaben des geschilderten Vorgangs werden wohl nur "gefühlte" und nicht reale Zeiträume gewesen sein.

Ist dieser Effekt unter Tauchern denn weit verbreitet? Höre das erstemal davon.

MfG BuBBleBuddy
Antwort von Trimixuae Registriertes Mitglied am 03.07.2010 - 17:16
Hallo,

ich habe bisher auch nur sehr selten davon gehoehrt aber es wird ( oder wurde ) bei einigen Verbaenden in der Ausbildung erwaehnt.

Gruss, Reiner
Antwort von hket Registriertes Mitglied am 06.07.2010 - 09:55
Ich bin erstaunt, daß ein Stimmritzenkrampf unter Tauchern nicht bekannt ist, das gehört zur Grundausbildung.
Ebenso bin ich von Euren Rechenkünsten begeistert:
aus 3-4m Tiefe dehnt sich die Luft um ca. 30% aus,
bei normaler Atmung wird die Lunge aber nur zu knapp 60% gefüllt (bis zur Einatemreserve)
Nur wenn ich aktiv sehr tief einatme und dann hochgehe kommt es zu einer Überdehnung.

ps: der Stimmritzenkrampf ist ein absolut normaler Reflex beim Anatmen von Wasser, es macht keinen Sinn, diesen abtrainieren zu wollen.

Besser ist es, kontrolliert - d.h. langsam und vorsichtig - einen frischen Automaten anzuatmen.
Das gelingt am besten, wenn man über ausreichend Kondition verfügt und öfter mal Wechselatmung trainiert.

Helmut
Antwort von Blaues Wunder Registriertes Mitglied am 11.07.2010 - 15:14
Hallo Helmut,
Du hast Recht, im CMAS-Curriculum wird der Stimmritzenkrampf in der Theorie für den ** behandelt und gehört damit zur taucherischen Grundausbildung. (S. 199 von Kromp et al.)

Unser Kandidat hier war aber noch nicht ganz soweit (der Zwischenfall trat während seiner Pool-Ausbildung zum OWD äquiv. * auf), ich denke also, hier können wir mal ein wenig großzügig sein .
Allzeit gute Luft
Antwort von hket Registriertes Mitglied am 13.07.2010 - 09:30
Adresse war auch eher der Tauchlehrer:
>> Auf anraten der Tauchlehrer dort fuhr ich dann ins Krankenhaus und ließ mich mal durchchecken (EKG, Lungenröngten, Blutabnahme.. usw.). <<

Wenn der Schüler Beschwerdefrei war, hätte ein Gespräch über die wahrscheinliche Ursache dem Tauchschüler mehr geholfen als das volle Programm beim Arzt.
Dort hätte m.E. auch einfaches Abhören genügt,
EKG und Blutabnahme ist schon ziemlich spektakulär.

Helmut

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