Bewustlos, 40 Meter und in einem Wrack ?? Was nun ?? Abgesandt von Mirco am 27.06.2001 :
Hi..
Mir ist neulich beim Wracktauchen eine Idee durch den Kopf geschossen.
Was passiert wenn mein Buddy plötzlich unmächtig wird und das bei 40 Metern und in einem Wrak. Ich werde mindestens 10 Minuten bis an die Oberfläche mit ihm brauchen. 10 Minuten ohne Luft für ihn.
Meine Idee war nun, kaltes wasser unterkühlt den körper (schreibe jetzt nur klein, geht schneller)und ein unterkühlter körper fährt seinen stoffwechsel runter usw. das heißt also er brauch weniger sauerstoff und kann länger ohne auskommen, richtig ??
Meine Idee ist wenn ich es schaffe seinen Anzug so weit zu öffnen das er genug wärme verliert und seine Körpertemp. herabgesetzt wird, hat er vielleicht eine bessere Überlebenschance. Es gibt Studien, wo Kinder die ins Eis eingebrochen sind bis zu 20 Minuten unterwasser waren und keine bleibenden schäden zurückblieben.
Was haltet Ihr davon ??
Mfg mirco
Antwort von Micha am 27.06.2001 Uebles Horroszenario.
Ob das mit der Hypothermie funktioniert, weiss ich nicht, aber der Koerper braucht ja seine zeit, bis er abkuehlt, selbst wenn es eiskalt ist.
Das Thinsulate waermt auch nass noch einigermassen.
Solange Dein Buddy den Automat drin hat, kannst Du Ihn mit etwas Uebung damit mit Gas versorgen indem Du ihn "purgest".
Das kann aber auch Schaeden verursachen und will geuebt sein.
Eine gute Vorstufe ist ueberhaupt mal das bergen eines "Tekkies" zu ueben.
Sporttaucher sollte ja nicht zu tief IN einem Wrack sein
aus der Medizin sind mir zahlreiche Fälle bekannt, bei denen, wie Du richtig argumentierst, Kinder durch die Hypothermie, eine längere Zeit unter Wasser waren und anschliessend erfolgreich reanimiert werden konnten. (Beachte, sie wurden reanimiert, also wiederbelebt!!!!)
Allerdings sind mir keine Fälle bekannt, in denen dies ein "erwachsener Organismus" erfolgreich überstanden hätte.
Weiterhin stehen folgende Aspekte zur Diskussion:
Bewustlos ohne Spontanatmung? Du wirst es nicht glauben, aber auch hier ist unter Wasser eine Mund zu Nasenbeatmung möglich.
Bewusstlos mit erhaltener Spontanatmung, dann kann man wie oben beschrieben, durch die Fixierung des Reglers mit der Hand, eine adäquate Atmung sicherstelen.
Bewusstlos ohne vorhandene Reflexe hier besteht die Gefahr, dass der Bewustlose Erbrochenes bzw. Wasser aspiriert (kein Schluckreflex) und es dadurch zu einem Lungenödem kommt.
Die sicherste Methode, natürlich kommt es auch auf die Art und die Länge des Tauchgangs an, den Bewustlosen eine Chance zu geben, ist ihn, mit im Mund fixierten Regler, möglichst schnell an die Oberfläche zu bringen.
Sicherlich spielen hier 1000 Faktoren eine Rolle
Ist es ein Höhlentauchgang, ein TG auf dem offenen Meer ohne Möglichkeit in bestimmter zeit eine evtl. benötigte Dekokammer zu erreichen, müssen zum auftauchen möglicherweise versch. Gase und dadurch Regler gewechselt werden, etc.
Zum Abschluss, bei einem Erwachsenen geht man davon aus, dass bei einer cerebralen Ischämie (resultiert aus einem Kreislaufstillstand) von 5 Minuten, irreperable Schäden am Gehirn entstehen.
Wie Du siehst ist Bewustlos nicht gleich Tod.
Bei den kindern, die oben angesprochen wurden, handelte es sich jeweils um einen absoluten Kreislaufstillstand, was bei einem bewustlosen Taucher nicht der fall ist!
Sicherlich sollte man eine Wrackbesuch so planen das man für den Notfall ein par Seitenausgänge hat.
Auch sollte man nicht zu tief tauchen, 40 meter sind hier mit normaler Ausrüstung sicher satt und genug.
Von solchen Expirimenten wie du sie beschrieben hast, würde ich abraten.
Bring den Buschen so schnell wie möglich nach oben, und achte darauf dass der Regler im Mund bleibt.
Wracktauchen:
- Wir suchen uns eine Route mit einigen uns bekannten Notausstiegen, und nehmen bei einem uns unbekannten Wrack einen erfahrenen Guide mit der das Ding gut kennt.
- Je tiefer man tauchen möchte desto kürzer sollte der Weg ins Wrack sein, denke auch daran dass die nicht ewig Luft hast, und eventuell ein bisschen Deko machen musst. Auch das sollte man immer mit einplanen.
- Wichtig: Die Ausrüstung sollte eng am Körper angebracht sein,lass nichts baumeln, um sich nicht irgendwo zu verheddern. Auch Handschuhe sind im Wrack pflicht!Und nimm eine Reservelampe mit.
- Mach kurze Flossenschläge deutlich über dem Grund, denn viele Wracks sind voller Schlick!
Hangel dich lieber um komplizierte Ecken mit den Händen, anstatt mit den Flossen wilde Manöver auszuführen.
Denn: Wichtig ist die gute Sicht beim Rückweg.
So solltest du schnell mit deinem kranken Buddy aus dem Ding rauskommen.
Für einen Aufstieg aus ca. 40 Meter Tiefe reichen dann etwa 2-3 Minuten.
Hoffentlich habt ihr dann aber nicht allzuviel Dekopflicht. Zur Not denke ich ist es besser wenn eine zweite Gruppe das Wrack etwas flacher erforscht, und ihr mit der ein Notsignal vereinbart habt. Die können deinen Atemlosen Freund dann nächlich hochbringen, wärend du auf 6m hocken bleiben kannst um zu entgasen.
Aber dass ist alles nur Teorie , meisst wird das Alles ziemlich chaotisch ablaufen, und mann kann glücklich sein wenn einem so etwas nicht passiert.
Viel Spass im Wrack!
Gut Luft - und mimm immer genug mit davon...
Ingo
Antwort von LE am 07.07.2001 Leider aus eigener Erfahrung mit einem Tauchkameraden kann ich dir nur eine rasche Rückkehr an die Wasseroberfläche empfehlen. Jeder Versuch jemanden unten so maßiv zu unterkühlen (~ 25-27°C Körperkerntemperatur)kostet unnötig Zeit, die hypoxische Hirnschäden zu folge haben. Versuche aber trotzdem die Notaufstiegsgeschwindigkeit von 18 m/min ungefähr einzuhalten, da du keinem hilfst, wenn du selbst bewußtlos bist oder einen Lungenriß hast!!!
Unser Kamerad war bei ~ 10°C Wassertemp. auf 27 Meter. Bei einsetzenden Atemstillstand und anschließenden Notaufstieg, reichte die kurze Zeit nicht aus, sein Leben trotz idealer Rettungsmaßnahmen zu retten.
Ich wünsche jedem Taucher, daß er nie so eine Erfahrung machen muß !!!
Gut Luft !!!
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