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Dekostopp warum entspannen?
Abgesandt von Jasmin am 11.03.2004 - 15:46:

Hallo,

ich habe schon häufiger gehört, dass man bei einem Dekostopp möglichst entspannt bleiben soll und nicht durch körperliche Anstrengung das Atemvolumen steigern soll. Mit der Begründung, dass man dadurch weiter mit Stickstoff aufsättigen würde. Mein Problem dabei ist, wenn ich auf eine Dekostufe komme und dort pausiere, dann Sind meine Gewebe doch mehr gesättigt, als sie es auf dieser Stufe sein können, d.h. während der Pause sinkt die Sättigung bis zu dem Grad bis die Partialdrücke in den Geweben und der Atemluft wieder ausgeglichen sind. Durch Anstrengung kann man diese Partialdrücke und damit das Konzentrationsgefälle baer nicht beeinflussen, deshalb müsste man bei gesteigerter Atmung doch eigentlich schneller entsättigen und nicht noch mehr aufsättigen, oder?!?



Antwort von Stephan K. Registriertes Mitglied am 11.03.2004 - 16:21
Gesteigerte Atmung wäre schonmal Hyperventilation, was auch Probleme (Blackout) bringen könnte. Zusätzlich wäre das eine weitere Kraftanstrengung, was auch nicht so toll wäre. Ausserdem würdest du vermehrt trockene Luft atmen, die dich dehydrieren würde. Meinen Luftvorrat (auch bei Dekostop oder Sicherheitsstop) einfach wegzupumpen finde ich nicht sinnvoll, vielleicht bin ich oder ein anderer um jedes Bar froh.

So gesehen sind es viele Gründe für normale Stops und zu viele mögliche Probleme bei gesteigerter Atmung.


Eine Formulierung von dir gefällt mir nicht.
Zitat: "dann Sind meine Gewebe doch mehr gesättigt, als sie es auf dieser Stufe sein können"
Der Dekostop sollte auf einer Tiefe stattfinden, wo deine Gewebesättigung (bei Einrechnung der Tiefe/Druckes) nicht 100 % übersteigt, weil ansonsten der Stickstoff ausperlt.
z.B. 120 % Gewebesättigung wären an der Oberfläche ein Problem, aber auf 6m Tiefe OK. Deshalb wartest du in 6m Tiefe bis die Sättigung nachlässt.

Antwort von HolgerS Registriertes Mitglied am 11.03.2004 - 19:54
@ Jasmin
Im Prinzip geht Deine Denke schon in die richtige Richtung. Auf dem Dekostopp ist Dein Gewebe über dem Normalzustand hinaus gesättigt, so daß ein verstärkter Stoffwechsel zu einer schnelleren Entsättigung führt.
Ein schnelleres Atmen allein nutzt jedoch nichts, da dadurch die Partialdrücke der Gase in den Atemwegen sich nicht verändern und das Bottleneck "Blutkreislauf" keinen schnelleren Gastransport aus dem Gewebe zu den Lungen bewerkstelligt.
Einzig und allein ein verstärkter Stoffwechsel wird hier nutzen. Dadurch kann verstärkt Inertgas aus dem Gewebe in den Blutkreislauf diffundieren, um von dort in den Lungen letztendlich abgeatmet zu werden.

Einen Haken hat das ganze jedoch: körperliche Anstrengung ist die Ursache von Mikroblasen (Tribonucleation), die eben dann durch das hoch gesättigte Gewebe schnell an Größe zunehmen können - und dann eben das Inertgas nicht mehr an den Blutkreislauf abgeben können, sondern innerhalb des Gewebe gasförmig gefangen halten. Das führt zu einer noch langsameren Dekompression, ebenso zu hohem DCS-Risiko!
Deshalb sollte man starke Anstrengung vermeiden! Leichte Bewegungen sind hier vermutlich das Richtige (leicht flosseln).

Stephan´s Argumente sind hier schlicht falsch, zumal beim "richtigen" Dekompresionsvorgang natürlich die Gewebesättigung über "normal Null" sein müssen, denn sonst wäre die treibende Dekompressionskraft "Diffusionsgradient" nicht vorhanden (0<= M <= 1 für Puristen). Erst bei einer Übersättigung (M>1) "funkt" es.

Ich hoffe das hilft

HolgerS
Antwort von Stephan K. Registriertes Mitglied am 11.03.2004 - 22:13
@HolgerS
Welche Argumente meinst du?
Das mit der Entsättigung?
Antwort von Sail&Dive Registriertes Mitglied am 11.03.2004 - 23:19
@ HolgerS

wenn ich dann auf der deko stufe ein stickstoffärmeres gemisch atme würde ich dann meinen gradienten noch vergrößern; (denke mal dass ist der trick wenn ich etwa reines o2 auf 6m nehme)


dann wär aber vermehreter stoffwechsel eigentlich umso nützlicher um mehr sticktoffreiches blut richtung lunge zu transportieren, wo ich ja auf grund des maximalen konzentrationsgefälle mehr abatmen kann - oder



lg, sail&dive
Antwort von Aufsicht am 12.03.2004 - 00:56
HolgerS und Stefan K. haben natürlich irgendwie beide völlig recht, aaaaaber:

RUHIG UND GLEICHMÄSSIG ATMEN ... das lernt man schon als Anfänger im OWD-Kurs. Warum kommen immer wieder ein paar Oberschlaue auf die Idee, dass das falsch sein könnte?!

Antwort von gunther Registriertes Mitglied am 12.03.2004 - 08:13
@ aufsicht,
wer nicht Fragt bleibt Dumm, und der OWD ist ja nun auch nicht das Ende der Weisheit.

@Jasmin, schau mal in diesem Forum, hatten wir schon das thema, grundsätzlich ist es wohl eher eine Frage der Restluft, hast Du genug, gibt es keinen Grund nicht zwischen 3 und 5 Meter z.B. Dir
die Gegend anzugucken. Auf der anderen Seite, ich versuche immer entspannt zu sein, über Wasser, unter Wasser oder in der Luft, hilft den Tag zu genießen, gebe ich auf ner Deko Stufe nicht auf so was. Aber nochmal, rum paddeln und sich die Gegend angucken ist ok.
Ob und wie weit man tatsächlich mehr N2 abatmet bei höherem AMV, stell ich mal dahin, ich bleib eh immer ein paar Minuten extra, dafür allerdings wenn die Luft reicht nicht strikt auf den Stufen sondern irgentwo eher etwas tiefer.....


Viel Spaß beim Tauchen
Gunther
Antwort von Aufsicht am 12.03.2004 - 09:13
@ gunther
Yup, recht hast Du.

@ Jasmin @ guther
Wollen wir vielleicht Deinen >Dekostopp< in >Sicherheitsstopp< umtaufen?
... oder sprichst Du tatsächlich von einer Deko-Stufe - die kann ja auch tiefer sein als 3-5 m und ein kalkulierbarer Luftverbrauch ist dann noch viel wichtiger!?

Immer gut Luft
A.
Antwort von weltverbandsdeepdiver Registriertes Mitglied am 12.03.2004 - 09:42
Theoretisch ist es schon so, dass Du bei einem höheren AMV über die Zeit gesehen grössere Partialdruckunterschiede hast, bzw erzeugst.
Je mehr "frische Luft" ich nachatme, desto höher der Partialdruckunterschied. Halte ich dagegen die Luft an, werden sich die Partialdrücke irgendwann ausgeglichen haben.

Die Frage ist aber, wo ist hier der Falschenhals?

Ist es der Stickstoff, der ja abgeatmet werden soll und nicht genügend vom Venösen System zur Lunge geführt wird, ist es der Übergang der Stickstoffes in seinen gasförmigen Zustand oder ist es der Partialdruckunterschied? Die Frage kan ch Dir so nicht beantworten.

Was aber sicher richtig ist (finde aber gerade keinen Link) ist, dass Du durch übermäßige Anstrengung auf Deiner Sicherheitspause sehr viel aus Deiner Pulle saugen musst. Dieser Mehrverbrauch ist eigentlich unökonomisch (Du gehst, so nenene es Sportler, eine Sauerstoffschuld eine) Ich spreche gerade von richtiger ordentlicher Belastung! Es ist auf alle Fälle sinnvoll, dies nicht zu tun und die Luft, die Du mehr verbrauchst lieber dazu zu verwenden, länger auf Deiner Sicherheitspause zu bleiben.
Gegen eine leichte körperliche Anstrengung ist nichts zu sagen. (Wieder für Sportler ca 2 mmol Lactat oder ein wenig mehr.)


So und dann haben wir noch Harrys Argumentation und die ist vollkommen richtig und m. E. entscheidend dasfür, nicht auf der Sicherheitspause rumzuhampeln, gegen starke Strömungen zu schwimmen, etc.: Körperliche Anstrengung ist mit ein Grund, warum vermehrt Mikroblasen gebildet werden (siehe Harrys vorletzter Absatz). Also vermeiden wir das als Taucher.

Gruss

Stefan
Antwort von gunther Registriertes Mitglied am 12.03.2004 - 11:35
@ aufsicht
na ist doch egal, das Groh der Taucher hat wohl hauptsächlich 6 Meter und 3 Meter, ok schon mal 9 oder auch 12, aber wohl eher die ausnahme, und das Geschriebene gilt da genausso, warum soll ich auf Spar-Atmung schalten wenn ich ordentlich geplant habe hab ich genügend Luft.
Und ich mußte mal ca. 25 Minuten auf 3 Meter ruhen, weil ich ein Problem unter Wasser hatte, das ist so was von blöde....


Gruß
Gunther
Antwort von Aufsicht am 13.03.2004 - 03:00
@ gunther
Ähemm ... was willst Du mir damit nun eigentlich sagen ???
Falls Du tatsächlich glaubst, ein Dekostopp sei das Gleiche wie ein Sicherheitsstopp, dann wäre für Dich analog eine UW-Schreibtafel genau das Gleiche wie ein Tauchcomputer - oder wie ?!?!
Antwort von Richi am 14.03.2004 - 10:31
Also an sich spricht überhaupt nichts gegen eine leichte "sportliche" Tätigkeit (flosseln, o.ä.). Die Atmung sollte jedoch tief und regelmäßig sein - so kann am Meisten Stickstoff abgeatmet werden.
Sparatmung (CO2) als auch rasches Atmen (Hyperventilation) sind kontraproduktiv.
Antwort von Blub CH Registriertes Mitglied am 14.03.2004 - 16:29
Durch Anstrengungen kann lokal ein Druckunterschied in den Geweben entstehen und es kann so zum ausperlen von Inertgasen kommen.

das kann sein, schwimmen in starker strömung , wie erwähnt. Halten an einem Dekoseil. Oder auch das Gerät aus dem wasser heben.

Gerade Leute mit PFO bekommen genau dann Probleme, wenn sie mit dem schweren Gerät aus dem Wasser steigen und das mikroblasen gefüllte Venöseblut die Herzkammer wechselt.

Grüässli Blub

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