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Stephan K.PADI DM, CMAS***, SSI XR, Apnoe 1, Eistauchen

Entsättigungszeiten

Hallo Leute,
Ein Freund und ich streiten uns über Entsättigungszeiten bei Tauchern mit unterschiedlichem Gewicht (gleicher Tauchgang).

Ist ein "magerer" Taucher schneller entsättigt als ein "fetter" Taucher?
Bzw. kann ein magerer Taucher deshalb länger unter Wasser bleiben?
Wenn es Unterschiede gibt, sind diese dann gravierend oder minimal?
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15.07.2001
Hallo Stephan,

Die Aufsättigungs- bzw. Entsättigungszeiten mit Inertgasen wie zB Stickstoff , Helium (Trimixtauchgängen) ist sehr wohl abhängig von der Menge an Fettgewebe im Körper.

Die Auf- bzw. Entsättigung verläuft exponentiell - gemessen wird dies in der sogenannten Halbwertszeit. Kurz ausgedrückt bedeutet Halbwertszeit die Zeit in der der Wert einer Größe - hier Sättigungsgrad - sich verdoppelt (Aufsättigung beim Abtauchen) bzw. auf die Hälfte seines ursprünglichen Werts zurückgegangen ist (Entsättigung beim Auftauchen).

Die verschiedenen Körpergewebe haben höchst unterschiedliche Halbwertszeiten. Schnelle Gewebe wie zB das ZNS oder Rückenmark haben eine Halbwertszeit von 4 bis ca. 18 Minuten, langsame Gewebe wie zB Knochen oder auch Fettgewebe sind in den Halbwertszeiten bei ca. 300 bis 600 Minuten anzusiedeln.

Der Unterschied in der Schnelligkeit bzw. Langsamkeit eines Gewebes resultiert im Prinzip hauptsächlich durch die Durchblutungsrate. Je besser Gewebe mit Blut versorgt wird, desto kürzer ist die Halbwertszeit. Fettzellen sind relativ schlecht durchblutet - deshalb langsam.

Auf das Tauchen bezogen kann man ableiten, dass Fettgewebe zwar langsamer in der "Ansammlung" von Inertgasen reagiert - aber dieses auch langsamer wieder abgibt. Etwas überspitzt ausgedrückt könnte man sagen, dass die Dekompressionszeiten bei sehr fettleibigen Menschen länger sein wird, als bei Menschen ohne Fettgewebe.

Die Tauchcomputer und Tabellen geben uns Mittelwerte an - die auf einen großen Teil der Bevölkerung sicher anzuwenden sind. Geht man an die Grenzen der Tabellen oder des Computers, können Risikogruppen - wie zB Fettleibige, Raucher, Dehydrierte Personen - durchaus in den kritischen Bereich rutschen - und eine Dekompressionskrankheit erleiden.

Safe Diving
Stephan K.PADI DM, CMAS***, SSI XR, Apnoe 1, Eistauchen
16.07.2001
Danke für die ausführliche Antwort.
Da aber auch ein magerer Taucher noch einige Fettzellen hat, bleibt eine Frage noch bestehen.
Sind zwischen magerem (wenig Fettzellen) und fettem Taucher große Unterschiede?
Eigentlich haben ja beide Taucher Fettzellen, die sich im Prinzip gleich langsam entsättigen.
Wenn sich also alle Fettzellen gleich verhalten, dann müsste es egal sein ob man fett oder mager ist.
Natürlich gibt es bei fetten Leuten mehr und andere Probleme(Fettembolie, usw.), aber hier geht es nur ums Entsättigen.
Vielen Dank im Voraus
16.07.2001
Hi Stephan,

der Unterschied bei mehr Fettgewebe ist einfach der, dass mehr Stickstoff in diesem Gewebe gesättigt sein kann - bei schlanken Tauchern = wenig Fettzellen = weniger Stickstoff in dieser Art Geweb gesättigt.

Wird nun strikt an den Obergrenzen eines Computers ausgetaucht - und wir haben einen sehr übergewichtigen Taucher - kann die Anzahl der Stickstoffbläschen, die nun (nach dem TG) aus den Geweben abgegeben werden eine kritische Größe übersteigen die zu einem Dekompressionsunfall führt.

Beim schlanken Taucher sind - da weniger Fettzellen vorhanden - weniger Bläschen in diesen Geweben abzugeben - die kritische Größe wird nicht erreicht - no problem.

Alles klar ?
Stephan K.PADI DM, CMAS***, SSI XR, Apnoe 1, Eistauchen
16.07.2001
THX
Alles klar.
Zwar entsättigt sich das Fettgewebe bei beiden gleich schnell, aber der Magere ist schneller im "Grünen Bereich", weil er dank mangels Fett auch insgesamt weniger Stickstoff im "langsamen Gewebe" hat
Daraus folge ich:
Wenn es Tauch-Computer gäbe, bei denen man seinen Fettanteil, bzw. seine eigenen Gewebeverteilung eingeben kann, dann könnte man das Tauchen noch mehr optimieren. Allerdings, wer weiß schon wie er aufgebaut ist und eine falsche Eingabe könnte zu Gefahren führen.
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