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Frage zu (Auslands-)arbeit als TL
Abgesandt von Pug Registriertes Mitglied am 04.07.2006 - 12:07:

Hallöchen,

wohl zum 100. Mal, aber ich hätte da n paar Fragen zur Arbeit als LT.
Dass man dabei nicht reich wird ist klar, aber das ist mir auch nicht wichtig. Die Frage ist eher: Wie lange kann man den Job machen und was danach? Wie sind Eure Erfahrungen als TL im Ausland?

Grüße schon mal und Danke für jedwede Antwort

Pug



Antwort von Michael Fisch Registriertes Mitglied am 04.07.2006 - 13:04
Auslandsarbeit als LT. ist bei weiten nicht so gut wie Auslandsarbeit als Oberst, aber immer noch viel besser als bei eine einfache Gefreiter.

Michael
Antwort von D-32 Registriertes Mitglied am 04.07.2006 - 13:22
LT = Leuchtturm: Wie lange? Bis zum finalen Verrosten bzw. Verlust der Standfestigkeit. Was danach? Schrottplatz - China - Schmelzofen - Eisenbahnschiene

TL: Wie lange? Bis du tauchuntauglich, für die Fungesellschaft zu alt, krank bist oder einfach die Schnauze voll hast. Was danach: Bei sehr guter Führung und rechtzeitig aufgebauten Kontakten vielleicht ein Job im Innendienst der Veranstalter. Oder rechtzeitig Frau mit reichem Hintergrund heiraten und am besten im Ausland bleiben, bevor du alt und krank ohne eigene Zahlungen an unseren Sozialkassentropf kommst. Oder ultimative und finale Fütterung des Big White?

Eigene Erfahrung: Bin gern im Ausland auch als TL, weil ich weiß, dass ich nach ein paar Wochen wieder an meinen Arbeitsplatz zurückkehren kann. Bei so einem Job auf Monate und Jahre hört der Spaß bald auf.
Antwort von Jan_7 Registriertes Mitglied am 04.07.2006 - 13:39
@ pug
kann mich d-32 da anschließen. wenn du für längerer zeit (sprich mehr als 2, 3 jahre)im ausland der tätigkeit als tl nachgehen willst um dann zurückzukehren und in ein "normales" berufsleben eingebunden werden willst, wird es nicht gerade einfach werden.
mal eine kleine auszeit so 1, 2 Monate finde ich persönlich (auch aus eigener Erfahrung) deutlich die bessere möglichkeit. zumal sehr viele tls, beim ersten auslandsarbeitsausflug sehr schnell feststellen das ihre erwartungen doch weit von der realität abweichen!

schöne grüße,
jan
Antwort von bikefresh Registriertes Mitglied am 04.07.2006 - 14:50
Hai Pug, such Dir erstmal einen Job für ein paar Wochen und schnuppere rein. Jeden Tag tauchen ist auf die Dauer harte Arbeit, das Drumherum noch gar nicht gerechnet. Nach Feierabend solltest Du schnell von der Basis/dem Hotel verschwinden, Deine Gäste laden Dich sonst am Stück zum Dekobier ein, das mögliche Ende hat D-32 schon erwähnt. Ich mach meinen TL-Job nur noch just for fun (um in Übung zu bleiben) hier in Deutschland nebenbei. Fun-TG gibts dann im Urlaub, wo ich mich definiv nicht als TL oute, sonst kriegt man noch ne Horde Anfänger aufs Auge gedrückt
Antwort von Tauchprofi Registriertes Mitglied am 04.07.2006 - 17:05
TL im Ausland ........Das war auch mal ein Traum den ich mir Ende der 80er dann auch erfüllt habe. Gut vorbereitet und nach 10 jähriger Taucherfahrung im Süß und Salzwasser mit 400 TG am Buckel traute ich mich auf die Malediven. Ich wechselte den Kliniksalltag auf einer Intensivstation mit dem Leben als TL auf einer 200x150 Meter großen Malediveninsel. Ein Job der von 7:00 - 24:00 7 Tage die Woche ging. Mein Vorgänger auf der Insel war froh dass er das Island nach 4 Wochen verlassen konnte, dann war ich mit Kompressorboy und ab und zu mal einem Assi und bis zu 60 Tauchern alleine. 4 - 6 Tauchgänge am Tag waren inklusive Ausbildungstauchgänge an der Tagesordnung, abends erwartete das Management noch Unterhaltung der Gäste.Nebenbei baute ich mangels ärztlicher Versorgung noch eine kleine "Buschklinik " in der Tauchbasis auf. Zu diesem Zeitpunkt gab es weder Wasertaxi noch Helikopter und der nächste Arzt war 6 Stunden Dhonifahrt in Male erreichbar.
Süßwasser gabe es nur aus dem Korallenstock stark schwefelhaltig und kalt zum Duschen , heute warmes und kaltes entsalztes Süßwasser in ausreichender Menge.
Trotz aller wiedriger Umstände und sehr Vielen Entbehrungen war es eine super Zeit ( 2J) die ich in meinem Leben nicht missen möchte.


Wielange Du das körperlich machen kannst ....gute Frage. Ich hatte nach den 2 Jahren lange genug Schmerzen ...... Es gibt leider auch Kollegen die es mit der Gästeunterhaltung und Alkoholgenuss zu ernst nahmen, die packten es gesundheitlich nicht lange. TL ist ein Dienstleistungsberuf und Du wirst relativ schnell an der Zufriedenheit Deiner Kunden merken ob Du dafür geeignet bist.

Schlage Dir aus dem Kopf das dieser Job immer Friede Freude Eierkuchen bedeutet oder mit einem schicken Mädel im Arm liegend das Bacardi Feeling aufkommt.Wenn die Kunden vor der Türe stehen und in Ihrem verdienten Urlaub tauchen möchten und Du mal nicht so fit drauf bist, heist es trotzdem ...... Tauchen!

Willst Du dann der beruflichen Taucherei im Ausland dann wieder den Rücken kehren und in die Heimat fahren, dann fangen bei vielen die Probleme erst wieder an. Was tun, Wo gibt es einen Job, langt mein Geld für die erste Zeit zum Überleben auf dem hohen preislichen Niveau in Europa? Es ist schon ein Unterschied ob Du für ein Bier auf den Philipinnen 30 Cent oder in D 2,50 EUR in der Kneipe zahlst. Die Lebenshaltungskosten können Dein Erspartes schnell auffressen.

Träume sollte man leben........., schlieslich hat man nur ein Leben...

Du solltest Dir einen begrenzten Zeitramen dazu vorgeben. Eine Hintertür zum Widereinstieg in der Heimat solltest Du Dir immer offen lassen.
Kläre Deine Versicherungsmöglichkeiten Krankenversicherung, Berufsunfähigkeit,Haftpflicht, Rente ( falls Du sie noch kriegst) ab. Seine Existenz für die Taucherei aufzugeben ist es nicht wert!

Viel Erfolg

Mike



Antwort von D-32 Registriertes Mitglied am 04.07.2006 - 17:28
@ Mike

Deinen Beitrag sollte man eigentlich an prominenter Stelle in diversen Internetforen präsentieren, ferner auch in die Printmedien einstellen! T-Net-Redaktion!!!

Sachlich, klar, fundiert, so manchem in DE beruflich erfolglosen oder einfach nur träumenden Jungspund viele Illusionen raubend ... nix mit der werbegepriesenen "weltweiten Karriere" und immer eine hübsche Blondine im Arm haben!

Nebenbei mal die Einfach-Rechnung: Deine 60 Taucher auf der Insel bringen heute (sofern die Insel überhaupt noch so viele Taucher hat) bei nur 2 TG/Tag dem Basisinhaber mindestens 1200 Euro in die Kasse, plus Kurse, bei denen er auch den Reibach macht. Der Kompressorboy bekommt einen Mini-Einheimischenlohn, der Assi ist oft ein Arbeit-gegen-Ausbildungs-Knecht, der auch fast nichts kostet. Damit mutiert das Dasein des angestellten TL zur modernen Sklaverei, den Reibach machen Hotel (teure Miete oder Umsatzbeteiligung) und Basisbesitzer.

Jo
Antwort von 2deep4U Registriertes Mitglied am 04.07.2006 - 17:49
Hallo Pug,
Tauchprofi hat auf sehr anschauliche Weise eines der Leben eines TL im Ausland geschildert - und alles ist wahr! Es geht zwar auch anders - aber das schaffen die wenigsten. Grundsätzlich zur Frage wie lange kann man das machen - du solltest klare Ziele haben und das muss Basisleitung und zum Schluss eigene Basis sein! Es ist ein Dienstleistungsgewerbe und ein harter Job, wenn du es gut machen möchtest. Ich kenne einige die seit 15 Jahren und länger "nur" als TL arbeiten und glaub mir entweder sind die total frustriert oder an der Flasche und eine Rückkehr in ein "normales" Berufsleben ist für diese fast unmöglich. Wohlgemerkt ich spreche von Leuten die ich persönlich kenne und kann mir vorstellen das es auch altgediente TL`s im Ausland gibt die glücklich und zufrieden sind. Aber reich wirst du als TL sicher nicht, wenn du Glück hast und gut bist kommst du grade mal über die Runden. Mal für ein, zwei Jahre und dann zurück nach BRD kann schwierig werden, kommt auch auf deinen jetzigen Job drauf an. Aber eins rate ich dir auf jeden Fall: bleibe weiter Kranken und Rentenversichert!!
Gruss
Bubblefree
Antwort von Tauchprofi Registriertes Mitglied am 04.07.2006 - 18:02
@jo
wenn ich mal viel Zeit habe schreibe ich vielleicht auch ein Buch )
nach 30 Jahren Taucherleben kommt da schon die eine oder andere Episode zusammen oder wie wärs mit einer TV Soap

Aber momentan muss ich meine Brötchen noch mit harter Automatenschrauberei verdienen.


Mike
Antwort von seadancer Registriertes Mitglied am 04.07.2006 - 19:16
Mike hat die ganze Sache sehr anschaulich geschildert. Die meisten, die als TL mit grossen Träumen und Erwartungen ins Ausland gehen, schmeissen nach ca. 6 Monaten das Handtuch. Von irgendwelchen Standards kannst Du mal träumen. Um als angestellter TL ein halbwegs würdevolles Dasein führen zu können, solltest Du mehrere Sprachen fliessend sprechen ( kein gebrochenes Englisch, wie in Ägypten üblich ), einen Automaten oder Kompressor ohne Probleme reparieren können und ein yacht-master certificate haben. Wenn ein Gast Dich zum 10.000sten mal fragt: wieso machst DU das und wie lange noch, dann antwortest Du eben zum 10.001ten Mal ganz brav. Du solltest ein sehr hohes Mass an Entusiasmus mitbringen, sonnst kannst Du bald kein Boot mehr sehen. Ich mache das nun seit 1988 weltweit und gedenke nicht, so schnell damit aufzuhören.

sunny greetings...........
Antwort von D-32 Registriertes Mitglied am 04.07.2006 - 22:11
Ergänzung:
Wenn ein angestellter TL wirklich gut ist und dann berechtigterweise auch das ihm gebührende Stück vom Einnahmekuchen haben will, wird er schnell gegen junge TLs ausgetauscht, die froh über den Job sind, weil voller Illusionen (Werbung) und billig.

Kaum eine Basis setzt doch heute noch auf langjährig bewährtes Team. Stammkunden brauchen keinen TL, Rest der Gäste sind genauso Eintagsfliegen wie dann der Staff. Was sich erhöht sind nur die Preise pro Tauchgang.
Antwort von seadancer Registriertes Mitglied am 05.07.2006 - 00:19
Da muss ich D-32 recht geben. Die Mädels und JUngs arbeiten dann für ein Sklavengehalt und werden innerhalb kürzester Zeit verheizt, da bleibt der Spass und das Engagemanet dann sehr schnell auf der Strecke. Der Sicherheit ist das natürlich nicht dienlich und die Gäste werden abgefertigt. 20 Tagesgäste auf einem verfaulten Holzdampfer von einem schlecht eingearbeiteten Assi durchgezogen. Hauptsache immer brav in die Liste eintragen, wer wie lange getaucht ist, damit der Schein gewahrt bleibt, falls doch mal was passiert. Seht euch also den Laden, bei welchem Ihr euch bewerben wollt, vorher genau an, am Besten inkognito.
Antwort von D-32 Registriertes Mitglied am 05.07.2006 - 00:46
@ seadancer

Auch dir sei gesagt: Stimmt zu 100 %!

Aber viele hoffnungsfrohen und von der Mr.-Strahleginsen + superhübsche Blondine-Werbung angelockten jungen, frischgebackenen Instructoren haben ihre letzte Bar-Reserve mobilisiert, um Instructor zu werden. Die haben nix mehr übrig für Rundreisen zu diversen Basen weltweit, sondern sind froh, wenn auf 50 Bewerbungen ein Hungerlohnangebot kommt, das sie annehmen, weil zu Hause Hartz-IV und für 1 Euro/Stunde Hundekacke wegfegen droht.

Früher hieß es: Wer nichts wird, wird Wirt.
Heute: Wer in den Arbeitsmarkt nicht reinpasst, wird Instructor. Und das merkt man leider immer mehr in Gesprächen mit solchen Leuten, die spätestens beim Thema Tauchmedizin schnell enden.

Und die ganz wenigen Jobs, wo nicht verheizt wird und das Umfeld sowie Gehalt stimmt, gehen unter der Hand per Empfehlung weg. Ich habe demnächst wieder eine Kandidatin, die jetzt schon, auf eigenen Wunsch limitiert auf 5 Monate, ihren Job ab Februar in einem Top-Resort mit Top-Basis sicher hat. Sie wäre mir auch menschlich und von den Fähigkeiten her zu schade, als Durchgangsposten verschlissen zu werden.

Jo
Antwort von seadancer Registriertes Mitglied am 05.07.2006 - 10:27
@ all!!

hier scheint doch der Eine, oder Andere hochkarätige TL unter euch zu sein. Auf meinem letzten Urlaubstrip habe ich ein Juwel entdeckt, bei welchem das ganze Drumherum stimmt und man wäre der Erste am Platze. Infrastructur stimmt und die Gäste sind zahlungskräftig. Ich müsste mein jetztiges Projekt verkaufen, um dort anzufangen. Das möchte ich aber nicht.

Nun auf diesem Wege: Wer lust hat, ein fach e-mail an mich, dann gibt`s Info.

solong........
Antwort von bikefresh Registriertes Mitglied am 05.07.2006 - 13:12
@all: Mega-Merci, auch wenn einigen Leuten jetzt vielleicht der letzte Traum zerstört wurde. Aber ich habe auch im Freundes-/gute-Bekanntenkreis einige Top-TL´s am Thema Alkohol/Gesundheit scheitern sehen. Und das waren durchaus verantwortungsbewußte Leute, aber irgendwann ist der Frust stärker als alles andere. Ich gönne aber jedem gern eine glückliche Ausnahme.
Antwort von bikefresh Registriertes Mitglied am 06.07.2006 - 00:33
Nachtrag für Pug: "Frischlingen" wird gerade gern in Ägypten ein Rudel Anfänger an die Backe genagelt. Da kannst Du dann erstmal schön Erfahrungen sammeln Die Steigerung ist ein Rudel russischer Tauchanfänger, von denen am Abend vorher 80% zu tief in die Vodka-Flasche geschaut haben.
Aber wichtig ist vor allem, wenn Du bis jetzt noch nicht abgeschreckt bist, folgendes: Lass Dich nie auf einen Job ohne gültige Arbeitserlaubnis/Papiere ein! Im Zweifelsfall bist Du der Angeschmierte. Gerade in Thailand sollen diesbezüglich in der letzten Zeit die Sitten extrem rauh geworden sein. Auch das Urlaubersicht-Super-Sommer-Feeling zwischen einheimischen Staff und Dir wird evtl. hinter den Kulissen ganz anders aussehen. Vielfach haben die Guides (inkl. Dir) ein Festgehalt + einen Betrag X je geguideten Taucher. Wenn jetzt aber Deine Landsleute lieber mit Dir tauchen wollen, als mit dem einheimischen Guide, wird das die Basis zur Kundenzufriedenheit (meist) mitmachen. Das führt dann aber zu "Futterneid" der lokalen Jungs, da ihnen ja Einkommen verloren geht. Deshalb nochmal mein Tipp: Such Dir erstmal einen "Ferienjob", bei dem Du reinschnuppern kannst. Wenn Du gut bist und Du das länger machen willst, kommen die Angebote von selbst. Nur sind auch da die guten Plätze schnell weg. Bei einer guten Basis (eher Glücksgriff) machst Du maximal zwei Trips + Ausbildungs-TG pro Tag. Die Chancen dafür stehen bei einer Basis unter deutscher Leitung in einem renomierten Hotelkomplex in Ägypten eher am Besten (Nachteil siehe oben). In Asien/Malediven sieht es meist anders aus (siehe Bericht vom Tauchprofi).
Antwort von silversea am 14.07.2006 - 15:15
also pug ich möchte dir auch dringend raten erstmal "schnuppern" zu gehen. ich habe dieses "schnuppern" gerade hinter mir. ich war gerade 4 monate in ägypten und habe zuerst den divecon und dann gleich den TL-kurs gemacht. es war ne absolut geile zeit und ich bin jetzt wirklich stark am überlegen, ob ich den TL zu meinem beruf machen will. ich weiss nach den 4 montan schon ungefähr was auf mich zukommen könnte und muss allen oben recht gehen. so malerisch wie er immer dargestellt wird, ist dieser job bestimmt nicht! es ist harte arbeit und eigentlich ein 24 stunden job und man erlebt so einiges. aber ich bin trotzdem jeden morgen gern aufgestanden und hatte immer meine freude an der ausbildung und dann auch am "job". aber das muss jeder selber herausfinden und bevor man einfach alles gleich an den nagel hängt in deutschland oder schweiz oder wo auch immer, sollte man es sich wirklich gut überlegen und auch eine rückkehr versichern.

wenn alles klappt, werde ich schon im oktober wieder am meer sein ;) mein traum ist es eben mal eine eigene basis zu haben. diesen traum habe ich seit ich klein bin und ich hoffe er erfüllt sich eines tages. den ersten stein dazu habe ich jetzt gelegt.

wünsch dir viel glück bei deinem entscheid. ich hab seeeehr lange hin und her überlegt.

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