Friedliches Riffleben ? Abgesandt von hket am 26.06.2008 - 09:32:
Ich habe schon einige Male Haie gesehen, aber noch nie ein komisches Gefühl bekommen - die passen irgendwie nicht in mein Panikschema.
Vor Muränen hatte ich immer Angst, bis ich in einem Korallencanyon von einer überholt wurde: Ich hatte nur meinen Shorty an und erschrak, als ich das etwas an meinem Bein spürte. Die Muräne störte sich überhaupt nicht an mir und drängte sich einfach an mir vorbei.
Im Wrack der Rosali Moller bin ich durch eine Luke senkrecht nach oben getaucht, ziemlich eng zwischen 3 Rotfeuerfischen hindurch. Ich habe auf jede Bewegung verzichtet und etwas eingeatmet, als ich dann komplett durch war, fühlte ich mich wieder besser.
Sind denn alle blutrünstigen Storys nur Hollywood-Ergüsse, oder muss man sich nur zur falschen Zeit am falschen Ort befinden, um von Barakudas zerfleischt zu werden ?
Gibt es ausser den Flossenbeisser Attacken der Drückerfische Angriffe auf friedliche Taucher ?
Helmut
Antwort von jf am 26.06.2008 - 09:47 Hin und wieder beißt ein Hai mal zu, oder auch Nemo zerfleischt Dir das Gesicht, eine Anemone kann dir was ganz übles antun und die eine oder andere Koralle fängt langsam an sich auch gegen Flossentritte zu wehren.
Behalte Deine Hände am Mann und pass auf dein Gerödel auf, stecke den Kopf nicht zu sehr in die kleinste Riffspalte, dann machst Du nix falsch und nix kaputt dann kommt auch niemand der dich zerfleischt. Mal abgesehen von dem Quotenhai... aber lt. Statistik gewinnst Du eher den Jackpot und wirst vom Blitz getroffen.
Antwort von Doris am 26.06.2008 - 10:06 Hallo Helmut,
ich habe Doktorfische gesehen, die um einen respektvollen Abstand ersucht haben. Ich denke, wenn die Taucher nicht Platz gemacht hätten wäre Blut geflossen.
Antwort von shuttle am 26.06.2008 - 10:07 "auch Nemo zerfleischt Dir das Gesicht" ... vor allem "zerfleischt" ... die gehen meist an die Maske, einer buddine hat mal einer in die Hand gebissen, nach mehreren Bluttranfusionen war sie wieder stabil
Helmut: im Prinzip sind die meisten Tiere Defensiv und froh, wenn du ihnen nichts tust, vor allem nicht bedrängst (siehe Steve Irwins Stachelrochenexperiment). Die Hauptgefahr sehe ich bei Quallen, hatte einmal eine Portugiesische Galeere nach dem Auftauchen in einem Hafen vor mir und konnte die Tentakel nicht orten. Das war eigentlich das einzigste Mal, dass ich wirklich Angst hatte (zu Recht, zuvor erwischte es dort einen Engländer der fast draufging).
Antwort von Hechtflüsterer am 26.06.2008 - 10:53 Moin Helmut,
ein interessantes Thema, wie ich finde. Ich habe mir auch schon oft Gedanken über die friedliche Koexistenz gemacht, die scheinbar Unterwasser herrscht. Meiner Meinung nach hat das vor allem drei Ursachen:
1. Es gibt im Meer, insbesondere im Korallenriff sehr viele unterschiedlichste Lebewesen vereint auf engstem Raum.
2. Das Leben im Meer existiert bereits sehr viel länger als an Land, daher konnten sich viel komplexere Beziehungen und Umgangsformen herausbilden
3. Das Entscheidende: Fortbwegeung im Meer ist dreidimensional und man kann sich viel leichter aus dem Weg gehen, als an Land.
Seit meinen ersten Tauchgängen bin ich fasziniert davon, wie klein Hack- und Fluchtdistanzen Unterwasser daher sind. Diese lassen m.M. nach alles so "harmonisch" wirken. Man muss schon in der Höhle einer Muräne rumfingern, um sie gegen sich aufzubringen. Es genügt meist, sich gebieterisch vor einem Hai aufzubauen, um ihm zu zeigen, dass man der "Macker" ist, und er einen in Ruhe lassen soll. Bisher hat jeder Drückerfisch bei forschem Zurückschnappen / -treten die Attacke auf sich beruhen lassen.
Analog gilt dies wohl aber auch für tropische Regenwälder, wo die Fülle an Lebewesen auch sehr eng aufeinander hockt.
Ist natürlich nur mein Senf dazu, aber ich fand das Thema wie gesagt schon immer interessant und freue mich auf weitere Einschätzungen und Meinungen
Gruß, Basti
Antwort von boesewicht am 26.06.2008 - 10:57 "Es genügt meist, sich gebieterisch vor einem Hai aufzubauen, um ihm zu zeigen, dass man der "Macker" ist, und er einen in Ruhe lassen soll."
Ich hatte bisher leider noch nicht das Vergnügen auf Haie ... - sollte dies mal sein, dann hoffe ich, das dem Hai dieses Vorgehen auch bekannt ist und er sich auch daran hält
Antwort von hket am 26.06.2008 - 10:59 ... passive Gefahr, davon aber eine ganze Menge.
Gewiss - Seeigel, Petermännchen, Quallen, Korallen und Co. - die meinte ich aber nicht.
Auch die Revierverteidigung erkennt man mit etwas Aufmerksamkeit und hält eben Abstand.
(Da war ein Fledermausfisch in Hurghada, der emsig `seine` Koralle verteidigte. Als ein Schwarm Süsslippen vorbeikam ist er fast ausgeflippt)
Aber wo sind die wahren Tiefseemonster, die Taucherfressenden Monster unter den Jägern ?
Liegen die grossen Gefahren beim tauchen wirklich darin, von einer Schildkröte oder einem Delfin angerempelt zu werden ?
Helmut
Antwort von Hechtflüsterer am 26.06.2008 - 11:04 @boesewicht
Normalerweise sind Haie ohnehin eher ängstlich, hat man den Eindruck. Man kann froh sein, wenn v.a. größere Haie so nah heran kommen, dass sie mehr sind als eine Silhoette (z.B. graue Riffhaie an den Brothers). Wenn man dann "Buh" macht, sind sie sofort weg. Also wird man eher was mit "Ei, lieber Hai, komm doch her. ich tu Dir auch nix... büddebüdde!"
Als ich das andere Posting schrieb, dachte ich an meine Begegnung mit zwei großen Longimanus am Elphinstone. Man konnte nicht beide zugleich im Blieck haben und sie waren SEHR neugierig. Da hab ich mich senkrecht im Wasser aufgestellt und bin auf sie zugeschwommen. Es gab mir umgehend das Gefühl, dass sie die "Ansage" verstanden hatten.
Viel Glück beim Finden von Haien - tolle Tiere!
LG, Basti
Antwort von Hechtflüsterer am 26.06.2008 - 11:11 @hket
Würde ich so sagen, ja.
Antwort von Hechtflüsterer am 26.06.2008 - 11:17 Obwohl: Humboldtkalmare sollen nicht so nett sein
Und im Mara-Fluss würde ich auch nicht tauchen wollen, wenn die Krokodile auf die Gnus warten
Antwort von shuttle am 26.06.2008 - 11:38 boesewicht: kann Basti nur bestätigen (nach vielen Hai-Interaktionen): "das Vorgehen", dass dem Hai bekannt ist, ist das Beute wegschwimmt, also abhaut. Schwimmst du jedoch als relativ großes blubberndes Ding auf ihn zu, zieht er erst mal Leine (nur flichtwege sollte er haben und zwar dreidimensional). Es ist schwerer einen Hai anzulocken, als ihn auf Abstand zu halten.
gutes buch zum Thema: "Hier klicken"
Antwort von boesewicht am 26.06.2008 - 12:47 Danke
dann hoffe ich mal auf einen entspr. Haikontakt (evtl. Oktober Mexico) und auch darauf, das dem Hai dieses Verhalten auch bekannt ist
Nicht, das der auf den Gedanken hat, das da ein Stück Sushi angeschwommen kommt ... - Essen auf Rädern, anstelle Räder (weil Unterwasser) natürlich halt Flossen ...
Bei erfolgreichem Haikontakt werde dies gerne posten - ansonsten meine Angehörigen ...
Antwort von Hechtflüsterer am 26.06.2008 - 12:59 Hmpf, mitten beim Laden erschien bei mir (in Dubai) wieder mal "Sorry, this video is no longer available", aber es handelt wohl von Humboldt-Kalmaren und der Anfang sah vielversprechend aus.
Humboldt-Kalkmare sind zwar absolut faszinierende Tiere, aber die können ganz schön frech werden, wie ich schon in vielen Dokumentationen gesehen habe. Attackieren sich gegenseitig, schießen irre schnell umher und haben in einer mir bekannten Doku auch schon mal den Protagonisten der Doku in die Tiefe ziehen wollen. Sind scheinbar meist recht unentspannt und auch ganz schön groß!
Aber wie oft geht man mitten im Ozean im Freiwasser tauchen...
Antwort von shuttle am 26.06.2008 - 13:24 Bösewicht: Oktober? leider schon etwas spät, sonst hättest du am Golf oben nahezu garantiert die größten Haie (Walhaie) und da musst du nur auf die Schwanzflosse aufpassen. Manchmal sind sie jedoch vereinzelt noch da. Frag auf jeden Fall nach. Näheres gerne per p.m.
Antwort von boesewicht am 26.06.2008 - 13:45 @Hechtflüsterer - sehr schöne Tiere - diese Humboldt-Kalmare
Antwort von Achmed am 26.06.2008 - 14:05 Helmut
und du nicht dirfen vergessen gräsliche Wassernixgeheuer: sein Candiru.
Doris mir erzählt viel bese sein so ich jetzt habe Angst vor Bade
Achmed
Antwort von hket am 26.06.2008 - 14:18 @ Achmed:
lass mal gut sein, der Candiru hat doch gerade erst bei den Ninja Turtles angedockt.
Der Ansatz von Hechtflüsterer erscheint mir vielversprechend:
Ist es wirklich die Nähe am Riff oder im Regenwald,
wo das Fressen und gefressen werden so allgegenwärtig ist, dass es schon wieder friedlich erscheint ?
Das könnte dann bedeuten, dass dort wo wenig lebt die Jagt umso gnadenloser ist: Wie agressiv sind die Steppen- und Wüstenbewohner, wie gefährlich ist es im Eismeer im Gegensatz zum heimischen Wald ?
Aber um nochmal zum Thema zurückzufinden:
Sind UW-Jäger Angriffe tatsächlich so selten wie Blitztreffer ?
Wurde eigentlich schon einmal ein Orca Angriff auf Menschen beobachtet ? (nicht im Becken)
oder allgemein Wale ?
Lass Helmut in Ruhe!
Kein Wort mehr und ganz schnell Abmarsch in den Keller.
Antwort von Hechtflüsterer am 26.06.2008 - 15:39 @hket
Ich würde es an der Hack- und Fluchtdistanz festmachen. In der offenen Steppe oder unseren heimischen Wäldern haben sich die Tiere wahrscheinlich an große Distanzen gewöhnt, flüchten also eher und wirken dementsprechend einfach scheuer. Zudem sollte man einem Nashorn wohl auf große Distanz nicht "zu nahe" kommen, sonst würde es sich bedroht fühlen und angreifen.
Dem müsste man wohl aber die aktive Jagd gegenüberstellen, also die Gefährlichkeit größerer Tiere für den Menschen und deren echte Absicht uns zu "ermurksen".
Da muss man doch wohl sagen können: Bereits an Land gibt es nur (noch) wenige Tiere, für die wir auf der Speisekarte stehen, am ehesten ist dies wohl der Eisbär.
Unterwasser darf man wohl davon ausgehen, dass wir eigtl. in kein Beuteschema passen. Höchstens ein großer Weißer könnte uns für eine leckere, fette Robbe halten. Bis er seinen Irrtum bemerkt und von uns knochigen Menschleins angewiedert ablässt, sind wir aber meist schon am Verbluten...
Ich behaupte, es gibt UW kein Tier, dass uns aus Prinzip Böses will (vielleicht sollten sie es aber wollen ). Und was uns im Riff so friedlich erscheint, sind die geringen Fluchtdistanzen, die wir aus z.B. unseren heimischen Wäldern so nicht kennen (jedes Reh, jeder Hase ist sofort auf und davon, wenn sie Einen wittern). Weil Du die Muräne nicht bedrängt hast und trotzdem noch genug Platz für sie war, ist sie halt einfach an Deinem Bein entlang geschwommen.
Hinzu kommen wohl Unterwasser sehr komplexe Beziehungen, die sich über Jahrmillionen entwickelt haben. Ich habe noch nicht gesehen, dass Spatzen bei Löwen Zahnhygiene betreiben. Oder dass ihnen 20 Füchse vor der Nase herlaufen, weil sie hoffen, dass bei der Jagd auf ein größeres Beutetier etwas für sie abfällt.
Vielleicht doch etwas durcheinander gedacht und "verschwurbelt" [TM] , aber ich nehm die Gedanken mal so mit ins WE und denk nochmal drüber nach. Denn hier in der Wüste macht der Freitag seinem Namen alle Ehre und ich hab zu Hause noch kein Netz. Bin gespannt, was dann bis Sonntag so zu dem Thema beigetragen wurde Weil "sunday is monday"
LG, Basti
Antwort von mhess am 26.06.2008 - 21:07 Also das mit dem "Aufbauen vor dem Hai" hatte ich mir bei meinem ersten Kontakt echt vorgenommen. Aber als der mich frontal angeschwommen hat und ich ungefähr ausmalen konnte, dass er wohl nur wenig Probleme mit meiner Schulterbreite haben würde ... war alle Statistik und guten Vorsätze vergessen -> (siehe Antwort 2751)
Hat aber dann doch bei 10 m den Kurs leicht geändert...
Antwort von Kölle Alaaf am 26.06.2008 - 23:00 wenn ich manchen Taucher sich den Weg durch die Korallen bahnen sehe, der sich dabei aufstellt wie Rambo himself, dann kriege ich Panik Friede sei auf Erden
Antwort von shuttle am 27.06.2008 - 07:40 Hat aber dann doch bei 10 m den Kurs leicht geändert... -> "Hier klicken"
Antwort von mhess am 28.06.2008 - 10:24 Super Bericht! Dieser Umstand ist mir bewusst. Was ich eigentlich mit meinem Kommentar sagen wollte ist, dass es plötzlich eine ganz neue Erfahrung ist... plötzlich erkennen zu müssen, nicht mehr an der Spitze der Nahrungskette zu stehen - ehrlich gesagt ein Erfrischendes Gefühl
Ich glaube ganz bestimmt, dass Haie nicht aggressiv sind, anders als wir Menschen. Ich glaube aber auch, dass es unter Wasser Haiarten gibt bei denen wir als Mensch (mal zufällig oder aus anderen Gründen) ins Beuteraster fallen.
Antwort von Kölle Alaaf am 06.07.2008 - 01:08 Ganz selten "probiert" ein Hai mal einen Menschen (was für diesen aber - selten - zum Tod führt). Ganz häufig aber probieren die Menschen mal die Schillerlocke oder die Haifischflossensuppe, was für den Hai regelmäßig den Tod bedeutet. Insofern ist die Menschheit m.E. ziemlich "spitze" in Sachen Nahrungskette ....
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