Gasanreicherung in Muskel- und Fett-Geweben Abgesandt von Hank am 23.03.2005 - 19:21:
Nun, soviel ich weiß, reichert sich Fettgewebe schneller mit Stickstoff an als Muskelgewebe.
Wie sieht es mit Sauerstoff aus, vor allem beim Tauchen mit Enriched Air?
Reichern sich hierbei Muskelgewebe schneller mit Sauerstoff an? Könnten sich auch "Sauerstoff-Bläschen" bei zu schnellem Auftauchen in den besonders mit O2 gesättigten Geweben bilden?
Du hast da einen Denkfehler. Je besser ein Gewebe durchblutet ist, desto schneller sättigt es sich auf, d.h. Muskelgewebe sättigt sich schneller auf als Fett- oder andere schlecht durchbluteten Gewebe. Allerdings geben besser durchblutete Gewebe Inertgase auch schneller wieder ab.
Sauerstoff ist kein Inertgas, das bedeutet es kann und wird verstoffwechselt werden. Deshalb ist das Tauchen mit EANx "ungefährlicher"
Dieses kannst Du bei einem Nitroxbrevet erweben, oder nachlesen. bei zweiterer Variante darfst Du das Gas dann allerdings noch nicht tauchen
Gruß Doris
Antwort von Hank am 23.03.2005 - 23:46 Klar, Du hast recht, daß Muskelgewebe besser durchblutet ist als Fettgewebe.
Wollte eigentlich schreiben:
"Nun, soviel ich weiß, reichert sich MUSKELgewebe schneller mit Stickstoff an als FETTgewebe."
Anmerkung: Fettgewebe hat einen höheren Löslichkeitskoeffizienten als Muskelgewebe.
Sollte es nun also sein, daß sich das "langsamere" Fettgewebe mit Stickstoff angereichert hat, so würden sich im Falle eines zu schnellen (Not)-Aufstiegs "Bläschen" bilden, da der N2 nicht genug Zeit hatte, um ins Blut zurück zu diffundieren und über die Atmung abgegeben zu werden.
Daher haben Fettleibige wohl auch eine größere Disposition, an der DCS zu erkranken.
Der Zusammenhang Fettleibigkeit-DCS-Sporttauchen ist aber nach meinem Wissensstand noch nicht völlig untersucht bzw. geklärt.
Aber die Frage dreht sich ja um den Sauerstoff.
Sicher, es ist ein Alertgas und entweder an Hämoglobin gebunden oder zu einem kleinen Teil frei im Plasma im menschlichen Körper zu finden.
Angenommen ein Taucher, dessen Gewebe über lange Zeit einem hohen O2-Partialdruck ausgesetzt gewesen wären (z.B. beim EANx-Tauchen), und vorausgesetzt die Sauerstofftoxizität (zum einen der ppO2 im Atemgas und auch die Aufsättigungs-/Langzeitwirkung) hätte noch nicht Wirkung gezeigt, taucht zu schnell auf:
Könnte es dann nicht sein, daß sich auch der freie Sauerstoff im Plasma sich zu "kleinsten Bläschen vergrößert"?
Die Menge ist sicher marginal und es entstehen auch keine Symptome.
Aber könte es nicht sein, daß auch der Sauerstoff zum gewissen Teil im Körper unter gewissen Bedingungen "ausperlen" kann? Oder wird der O2 im Blut direkt metabolisiert?
Die Fragestellung mag vielleicht doch eher akademischer Natur sein und kommt im normalen Sporttauchbereich sicherlich nicht zu tragen.
Aber mich interessiert`s schon. Und einen Nitrox-Schüler von mir.
Die Fragestellung kam nämlich im Anschluß an den Unterricht, konnte sie ncht ad hoc beantworten und so habe ich ihm dann mal hier diese Homepage mit den Foren gezeigt und diese Frage haben wir dann zusammen ins Netz gestellt.
Danke noch für Deine bisherige Antwort.
Hank
Antwort von tomzwo am 29.03.2005 - 10:02 In der Grundausbildung kommt immer irgendwann der Spruch von der physikalischen Lösung von Gasen in Abhängigkeit vom Druck - wir erinnern uns.
Das heisst nichts anderes als dass _sehr kleine_ Bläschen in der Flüssigkeit enthalten sind (im Idealfall nur so gross wie ein Molekül). Aus den Studien zu Dekompressionsmodellen weiss man, dass praktisch immer subklinische ("stille") Bläschen beim Auftauchen entstehen. Auch wenn eine Untersuchung ergibt, dass man per Doppler-Ultraschall keine Bläschen mehr hört/sieht, dann heisst das nicht, dass keine da sind, sondern dass sie zu klein/zu wenige sind für die Messmethode.
(für eine interessante Lektüre zum Thema kleine Bläschen empfehle ich Texte zum RGBM - Google sollte eine Menge Fundstellen liefern)
Der Trick beim passenden Auftauchen liegt darin, dem Körper die Chance zu geben, die grösser werdenden/entstehenden Bläschen schadlos über das Lungengewebe loszuwerden (vergleiche dazu auch das Thema PFO).
Es werden vermutlich auch zu einem gewissen (kleinen) Grad O2-Bläschen entstehen - der Punkt ist aber wie gross sie werden und wie lange sie existieren.
Da aber Sauerstoff metabolisiert wird (egal ob aus der Lösung oder per Hämoglobin-Transport) dürfte die Lebensdauer / maximale Grösse (siehe RGBM: die beiden hängen zusammen) so gering sein, dass sie keine Auswirkungen auf den Körper haben.
Randüberlegung: ein mit CO2 besetztes rotes Blutkörperchen tauscht sich ja im relativ direkten Kontakt mit der Luft in den Alveolen aus - da CO2 auch im Blut in Lösung geht (Bicarbonat), ist es auch denkbar, dass die angenommenen kleinen O2-haltigen Bläschen im Blut beim Kontakt mit Blutkörperchen O2 verlieren (und damit kleiner werden): CO2 geht in Lösung und O2 wird vom Blutkörperchen aufgenommen.
Der Nachweis, ob ein Bläschen aus O2, N2 oder einer Mischung besteht, dürfte eine anspruchsvolle Aufgabe sein.
Aus der Überlegung heraus, dass O2 keine negativen Wirkungen im Körper hat (bei gegebenem max pO2) kommt ja der angenommene (und bewiesene) Vorteil von EAN, bei der ein Teil des N2 durch O2 ersetzt wird.
Fazit: es kann durchaus sein, dass es das eine oder andere O2-(haltige) Bläschen gibt - es hat bloss keine schlechte Auswirkung.
Andere Meinungen/Überlegungen?
Antwort von tomzwo am 29.03.2005 - 10:09 Hab noch was vergessen: die bessere Löslichkeit in Fett stammt wohl aus den theoretischen Überlegungen zur Inertgasnarkose...? Ich vermute mal, dass die Fettlöslichkeit von Inertgasen (unter Druck) eine sehr geringe Wirkung um Zusammenhang mit DCS hat, da hier die im Fett gelösten Menge bei Reduzierung des Drucks praktisch ohne Verzögerung wieder reduziert wird (wenn denn der angenommene Zusammenhang mit den lipidhaltigen Nervenzellmembranen so simpel funktioniert, wie das im Ehm steht).
Auf die DCS-Überlegungen bezogen würde das bedeuten, dass bei abnehmendem Druck sehr schnell Bläschen im Fettgewebe entstehen würden - die typischerweise zuerst betroffenen Körperteile sind aber recht fettarm (Gelenke), dafür aber noch schlechter durchblutet als Fettgewebe.
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