Gelbwangenschildkröte (groß) in heimischen Gewässer Abgesandt von Nemesis-2 am 22.04.2008 - 10:03:
Hallo,
habe am Wochenende beim Tauchen im heimischen Gewässer (BRD-Nordrheinwestfalen) eine ca 15cm große Gelbwangenschildkröte gesehen.
Nun meine Frage: Überleben diese schon das kältere Klima bei uns und wie ist es eigentlich mit der störung des heimischen ökosystems?
gruß
carsten
Antwort von Rudi-Klaus am 22.04.2008 - 10:38 Hallo Karsten
im "Grünen See" bei Ratingen lebt seit ca.6 Jahren ein Pärchen Gelbwangen-Schildkröten.
Bei einem TG habe ich ihn in ca. 6m Tiefe vor dem Steg der DLRG-Station getroffen.
GL rudi-klaus
Antwort von Christian_J am 22.04.2008 - 11:22 Hallo Carsten,
für einige Jahre können die Tiere bei uns mit günstiger Witterung überleben. Meiner Erfahrung nach streben sie aber einen zu kurzen Winterschlaf an. Eigentlich sollte man die Tiere daher im Haus überwintern, sonst kann es durch zu frühes aufwachen zum Tod kommen!
Viele Grüße, Christian
Antwort von Tümpi am 22.04.2008 - 12:23 Ich hab wahrscheinlich die selbe gesehen
Antwort von FoolishFarmer am 25.04.2008 - 07:32 Gerade in NRW kenne ich so einige Gewässer in denen Gelb- und Rotwangenschildkröten schon seit Jahren leben und überwintern.
Vor einigen Jahren hab ich sogar einmal miterlebt wie eine Rotwangenschildkröte mitten auf der Wiese eines Angelvereins ein Gelege gegraben und abgelegt hat.
Der entsprechende Experte vom Kölner Zoo war gar nicht mal sonderlich überrascht - meinte aber, dass aus den Eiern aufgrund der fehlenden Temperaturen eh nichts werden würde... und so war es auch.
Antwort von Bibe am 25.04.2008 - 15:09 Überleben tun diese Reptilien schon, und das Ökosystem beeinträchtigen sie kaum bis gar nicht denn: Sie pflanzen sich in freier Wildbahn nicht fort!
Sonst wären sie wohl schon seit längerem ein fester Bestandteil unserer Fauna.
Das von euch beschriebene "Pärchen" wurde wohl nur gemeinsam ausgesetzt und ist aneinander gewöhnt.
Wie sämtliche Reptilien verfallen sie bei entsprechend niedrigen Temperaturen zwingend in eine sogenannte WinterSTARRE. Wie gesagt, diese ist zwingend, das bedeutet bei entsprechen niedrigen Temperaturen ist es den Tieren unmöglich, "aufzuwachen" und zu sterben.
Grüße von einem ebenfalls Christian
Antwort von Christian_J am 02.05.2008 - 22:24 Hallo Christian,
leider können z.B. Rotwangenschildkröten doch zu früh aufwachen und dann sterben. Weiß ich aus eigener Erfahrung. Allerdings war ich damals noch ein Kind und es gab kaum Warnhinweise in der Literatur. Wenn ein Schwellenwert überschritten wird, wachen die Tiere auf. 2 Tage später kann es wieder frieren und das Tier stirbt. 1 Tier konnte ich aus der Eisdecke befreien und langsam erwärmen. Es hat überlebt. Es gibt ja viele Paper zum Thema Frosttoleranz bei Schildkröten, aber das hat mich damals sehr beeindruckt.
Winterschlaf ist so eine Sache. "hibernate" kann man schon als Winterschlaf übersetzen und thats what turtles do! Viele Grüße, Christian
Antwort von Bibe am 07.05.2008 - 22:13 Da magst du recht haben, stark schwankende Temperaturen sind dem Metabolismus der Schildkröten mit Sicherheit nicht sehr förderlich, wenn´s warm wird lösen sie sich aus der Winterstarre (Reptilien und Amphibien), doch kaum ist der Motor langsam hochgefahren, da wirds auch schon wieder kalt. Sie verfallen automatisch in den Torpor, ihre körperlichen Aktivitäten, sprich ihr Stoffwechsel wird AUTOMATISCH mit sinkender Temperatur heruntergefahren, bei einigen Fröschen geht die Atmung sogar komplett zurück auf 0! (Hautatmung)
Dazu sind die Schmuckschildkröten der gattung Trachemys (=Pseudemys) nicht befähigt, sie halten also nur bis zu einer bestimmten Minusgradzahl durch. Sie benötigen also eine Vorbereitungszeit, um sich geeignete Orte zur Überwinterung zu suchen, an denen sie keinen extremen Temperaturen unter Null (am besten um den Gefrierpunkt) ausgesetzt sind).
Bei einigen Arten wird das Gefrieren von Körperflüssigkeiten durch die Bildung von Glykoproteinen verhindert (ähnlich Glysantin im Kühlkreislauf des Motors) oder den Zellen wird zu Verhinderung von Eiskristallbildung einfach das Wasser entzogen. Es werden also Gefrierschutzmoleküle wie Glucose oder Glycerin eingelagert.
Hibernation heisst tatsächlich Winterschlaf, den halten jedoch nur endotherme Wirbeltiere (manche Vögel und manche Säuger).
Auch bei diesen sinkt die Temperatur auf meist 1-2°C (manche sogar knapp unter O°C)Doch haben sie eine höhere Stoffwechselrate als Reptilien und Amphibien, sie ernähren sich in dieser Zeit vom vorher zugelegten Speicher im Körpergewebe (Winterspeck, wie ich ihn selbst hab lol)
Und dann wäre da noch die Winterruhe, jeder kennt´s von den Eichhörnchen, welche sich für den Winter einen Vorrat anlegen. Diese schlafen also nur recht lange und können den Schlaf jederzeit aktiv unterbrechen zur Nahrungsaufnahme.
Doch wie erwähnt sind Reptilien nicht fähig, bei zu niedrigen Temperaturen "aufzuwachen". Wie du aber schreibst, können sie sich bei erhöhten Temperaturen aus der Winterstarre lösen und verlassen ihren Unterschlupf, sinken die Temperaturen danach wieder unter Null, können sie durchaus daran sterben.(Stress, kein Gefrierschutz mehr durch Unterschlupf oder gegebenen Falls durch Gefrierschutzmoleküle)
Ach übrigends, in der poikilothermen (wechselwarmen) Lebensweise der Schildkröten und dem damit verbundenen vergleichsweise reduzierten Stoffwechsels begründet sich mitunter deren hohe Lebenserwartung.
so, Klugscheissermodus aus , im Grunde hast ja recht, aber wenn man schon vom fach ist, diskutiert man halt gern darüber
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