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Gezieltes Apnoetraining für Gerätetauchen
Abgesandt von Trockifluter Registriertes Mitglied am 01.01.2013 - 15:47:

Hallo zusammen,

ich würde gerne gezieltes Apnoetraining durchführen, um beim Gerätetauchen insbesondere Notsituationen mehr Zeit zum Reagieren zu haben.

Die Idee ist folgende, korrigiert mich, wenn sie falsch ist:
Wenn ich in quasi jeder Situation (auch unter Belastung) für min. 30sec die Luft anhalten kann, gibt mir das in Notsituationen einen deutlichen Sicherheitsgewinn um bspw. den Atemregler zu wechseln, dem Buddy den Atemregler abzugeben, etc.

Die Frage ist nun, wie trainiere ich den "unter Belastung"-Aspekt? Ich werde in den geschilderten Situationen ja nicht unbedingt die standardmäßige Apnoe-Vorbereitung durchführen können.

Gibt es gezieltes hierfür Training oder sollte man einfach "normales" Apnoetraining durchführen?

Vielen Dank für eure Ideen und Antworten.

gruß Daniel




Antwort von Lasso123 Registriertes Mitglied am 01.01.2013 - 16:20
ich hoffe die Frage ist echt ernst gemeint. Jeder Taucher sollte mind. 30 sec die Luft anhalten können!!!!

Ganz einfach: Luft komplett aus der Lunge abatmen und tauchen gehen.

Merke: Trainiere nie alleine !!!

SK Apnoe I, könnte auch helfen...
Antwort von Anomander Rake Registriertes Mitglied am 01.01.2013 - 16:52
Ich glaube, dass Du prinzipiell (er)klären musst, was Du möchtest.

Geht es Dir um das reine "Luftanhalten" im Sinne von Atemregler verlieren, Wechselatmung etc.?

Oder meinst Du die Situation, dass auf einmal keine Luft mehr kommt (Du also ausgeatmet hast) und Du in einer "ohne-Luft"-Situation zu Deinem Buddy, einem anderen Luftspender oder an die Oberfläche kommen musst?

Generell solltest Du auch im ausgeatmeten Zustand ein paar Meter unter Wasser schwimmen können (Dein Buddy sollte ja in der Regel auch nicht zu weit weg sein), ein Notaufstieg aus der Tiefe sollte auch erstmal kein Problem sein, da Du selbst ausgeatmet immer noch ein Restvolumen in der Lunge hast, welches sich beim Aufsteig ausdehnen wird und im schlimmsten Fall könntest Du beim Aufstieg aus Deinem Inflator atmen. Ok, aus dem Inflatoratmen sollte man vorher mal trainiert haben, sonst wird es nicht so lustig...

just my two cents...
happy bubbles
Antwort von Trockifluter Registriertes Mitglied am 01.01.2013 - 17:44
Hallo zusammen,

erstmal Danke für eure Antworten.

In der Tat ging es mir um nicht Standardsituationen.
Mit Vorbereitung sind bspw. 50m Streckentauchen mit Gummiflossen für mich kein Problem. Nur was nützt mir das, wenn wie Anomander Rake geschrieben hat, nach dem Ausatmen keine Luft mehr kommt?

Und genau für diese Situationen will ich mich gezielt vorbereiten und suche dafür Trainingstipps.

gruß Daniel
Antwort von Anomander Rake Registriertes Mitglied am 01.01.2013 - 18:36
Ich glaube, dass es wie bei allen Dingen einfach auf die Übung ankommt.

Theoretisch kannst Du einfach mal nach dem Ausatmen bewusst nicht atmen. Dann schau einfach mal, wie lange es dauert bis Du das Gefühl hast atmen zu müssen. Dann machst Du das Gleiche aber unter Belastung (Treppen steigen etc.)

Im nächsten Schritt gehst Du in den Pool und probierst es dort aus. Natürlich sollte ein Buddy immer dabei sein und Dich überwachen, für den Fall der Fälle.

Wenn Dir das dann noch nicht reicht, lass Deinen Buddy Deine Flasche abdrehen, während Du im Pool rumdümpelst. Dies sollte dann eigentlich genau das sein was Du willst: ohne Vorbereitung in eine Ohne-Luft-Situation zu geraten.

Überlege Dir vorher, welche Schritte Du im Falle einer Ohne-Luft-Situation durchführen können willst und musst. Und übe diese, und übe und übe, und wenn Dir das alles noch nicht reicht, lass Deinen Buddy Deine Flasche im See (Flachwasser) abdrehen.

Unter Umständen lohnt es sich auch das Thema Luftversorgung (wenn Du dann beim Buddy bist) noch einmal zu überdenken. Jeder sollte in seiner Ausbildung gelernt haben wie man zum Beispiel Wechselatmung durchführt. Aber kaum jemand hat das mal über längere Zeit und unter Stress wirklich durchgeführt. Im PADI-DM gibt es eine Übung dazu, Ausrüstungstausch unter Wechselatmung. Versuch einfach mal mit Deinem Buddy im Pool / See eine Strecke X unter Wechselatmung zu tauchen. Genauso sollte klar sein, dass Du beim Auftauchen nach einer ohne-Luft-Situation nicht mal eben Auftrieb über den Inflator herstellen kannst... Wechselatmung sollte eigentlich auch nur die letzte Möglichkeit sein, aber es kann ja immer Mal auch der Oktopus des Buddies ausfallen...

Je mehr Routine sich einstellt, desto eher wirst Du hoffentlich auch im Notfall dann entsprechend handeln können. Wie viele Leute machen einen Rescue-Kurs und können danach noch nicht mal einfachste Dinge im Notfall anwenden...analog dazu der Kurs Lebensrettende Sofortmassnahmen, den man für den Führerschein braucht...

Im Rahmen der Problemlösung wird oft die Abfolge Stoppen - Atmen - Denken - Handeln trainiert. In Deinem Problemfeld wird das Atmen schonmal rausfallen. Damit bleibt nur das Denken und Handeln, Stoppen wirst Du Deine UW-Tätigkeit wahrscheinlich von ganz alleine wenn erstmal der Regler keine Luft mehr gibt.

Im Rahmen des "Denkens" (Problemanalsye), wäre für mich dann die Frage, wer ist näher, der Buddy oder die Oberfläche. Laut Lehrbuch sollte dann natürlich der Buddy näher sein und entsprechend auch in der Lage Luft zu spenden. Aber das musst Du Dir alles selbst überlegen, und je nach Situation kann sich die Antwort auch entsprechend ändern.

Wie immer gibt es sicherlich zu jeder Frage viele Antworten und noch mehr Ideen. Du musst für Dich die beste Lösung raussuchen.

Im See tauchen meine Frau und ich immer nebeneinander (max 2m auseinander), aber im Urlaub wird daraus auch schonmal ein größerer Abstand (Fotografie, Strömung, Tauchformation etc), daher ist es im See für mich keine Frage wie ich an Luft komme. Ob ich auch im Meer als erstes zu meinem Buddy schwimmen würde weiss ich nicht. Noch war ich nie in dieser Situation.

just my two cents...
happy bubbles
Antwort von galm Registriertes Mitglied am 01.01.2013 - 18:50
"ich hoffe die Frage ist echt ernst gemeint. Jeder Taucher sollte mind. 30 sec die Luft anhalten können!!!! "

Ganz ehrlich, wenn ich sowas lese ...

Das hat lange nichts damit zu tun "einfach" nur Luft anzuhalten. Jeder Mensch wäre körperlich in der Lage 1min auch unter Stress die Luft anzuhalten, vor allen dann wenn er "Muss". Die Sache ist es halt nicht der totalen Panik zu verfallen.

Und das trainiert man am besten damit gewisse Notsituationen zu üben. Das bringt dir am Ende wesentlich mehr als irgendwie die Luft anzuhalten

Eine gewisse körperlich Fitness ist natürlich immer von Vorteil !

Antwort von Franziskus144 Registriertes Mitglied am 02.01.2013 - 00:24
Ich persöhnlich bin kein freund der Devise: "bla bla wenn du nicht mindestens 75 Meter Streckentauchen, danach dein Gerät in 20m Wassertiefe zusammenbauen und anschließend bei Liegestützen die Baderegeln herunterbeten kannst ist es unverantwortlich zu tauchen..."

Für jeden Taucher sollte ein gewisses Maß an Fittnes selbstverständlich sein, als Richtwert würde ich den Silbernen Rettungsschwimmer heranziehen.

Anomander Rake hat ja bereits angesprochen wie wichtig die Vorbereitung auf Standardtnotfälle ist.

Der O2-Vernichter schlechthin ist Panik, daher sollten Übungen ordentlich "Stresspotential" enthalten und nicht auf Höchstleistungen, sondern auf Ruhe hin trainiert werden.

Also:

- (unerwarteten) Luftmangel managen
- Buddy wird unerwartet (aber angekündigt!) ohnmächtig und sackt ab
- Automat vereist
- ...


Apnoe-Übungen mit TG durchzuführen, z.B. Streckentauchen mit Gerät, Gerät antauchen und anlegen sind natürlich auch sinnvoll.

lg

Franziskus
Antwort von shuttle Registriertes Mitglied am 02.01.2013 - 00:41
"Gibt es gezieltes hierfür Training oder sollte man einfach "normales" Apnoetraining durchführen? "

-> zunächst einmal bringt ein "normales" Apnoetraining sehr viel, auch für das Gerätetauchen

-> für das Geätetauchen gibt es eine ganze Reihe guter Übungen, bei denen man auch den Stresspegel langsam steigern kann. Ein Beispiel (bitte immer unter guter Aufsicht / Überwachung / Begleitung)

Ein Reel auslegen, sagen wir mal eine Strecke von 25m. Ein Partner positioniert sich mit bereitgehaltenem Zweitregler bei xx m. Man nimmt den Regler aus dem Mun (hält ihn jedoch in der Hand, so dass man jederzeit, wenn es nicht mehr geht, Luft nehmen kann) und schwimmt nun betont ruhig ohne Luft an der Leine entlang auf den Luftgeber zu und nimmt dann Luft entgegen. Man beginnt vielleicht mit 10m, steigert dann auf 15, 20, 25. Wenn das gut klappt, das ganze noch ohne Maske um den Stresspegel etwas zu erhöhen. Dann vielleicht noch Schwarzmaske etc. pp. Bringt einiges. Aber wie gesagt, gut überwachen das Ganze (eine Aufsichtsperson sollte jeweils mitschwimmen).
Antwort von ramklov Registriertes Mitglied am 02.01.2013 - 09:05
@ Trockifluter,

es wurde schon angesprochen: Du schaffst es, "in quasi jeder Situation (auch unter Belastung) für min. 30sec die Luft" anzuhalten. Das Problem ist die Panik und die kannst Du mit ganz normalem Training lernen zu beherrschen.

Apnoetraining wird in vielen Vereinen angeboten. Einen Einstieg in das Apnoetauchen bietet der Wochenendkurs SK Apnoe 1. Dort lernt man auch die fachkundige Sicherung beim Apnoetauchen.

Ansonsten einfach beim Gerätetauchen öfters Übungen einbauen, wie Ventilmanagment, Reglerwechsel oder Wechselatmung.

gruß ramklov
Antwort von kwolf1406 Registriertes Mitglied am 02.01.2013 - 14:56
Haltet mal ganz unverhofft aus der Ruhe - z.B. jetzt am Computer - die Luft an: 30 Sek. sind da ganz schön lang...
Antwort von MatV Registriertes Mitglied am 02.01.2013 - 18:33
Wenn du den Faktor Stress dazubringen möchtest, empfehle ich folgende Übung: Schnorchle an der Oberfläche ca. 60-70m zügig, sodaß du außer atem bist, und ziehe dann den Schnorchel aus dem Mund und schwimme mit angehaltenem Atem weiter. Mund unter Wasser.
Antwort von Trockifluter Registriertes Mitglied am 02.01.2013 - 22:21
Hallo zusammen,

vielen Dank für die zahlreichen, sehr konstruktiven Antworten.

Die Betonung, Standardsituationen zu üben, finde ich außerordentlich wichtig. Allerdings sollte meine Frage nach Apnoetraining diese Übungen keinesfalls ersetzen.

Die Antwort von kwolf1406 hat mir gut gefallen, denn plötzlich zieht sich die Zeit ganz schön. Und wir sitzen dabei entspannt am Computer und es ist nicht dunkel, kalt und 30m tief.

Wenn ihr noch mehr Übungen, wie von shuttle und MatV vorgeschlagen, kennt, bin ich darüber dankbar.

gruß Daniel
Antwort von kwolf1406 Registriertes Mitglied am 03.01.2013 - 10:24
Schnorchelwechselatmung: Nebeneinander eingehakt an der Oberflache mit Beinschlag schwimmen, Kopf im Wasser und zum Atmen einen Schnorchel hin- und her reichen. Ab 4 Personen nebeneinander, die nur einen Schorchel rund(!)gehen (keinesfalls hin- und her) lassen, wird es interresant!
Antwort von ramklov Registriertes Mitglied am 03.01.2013 - 17:23
@ Trockifluter,

shuttles erster Vorschlag ist bei 5m Tauchstrecke eine Übung aus der CMAS* Prüfung bei bester 1:1 Absicherung durch einen TL.

Wenn Du Apnoe üben möchtest, tue dies wegen deutlich erhöhter Risiken nicht in Verbindung mit Pressluft. Ein blödes Verschlucken zusammen mit Hochploppen und Du tust Deiner Lunge nichts gutes. Dann nimm lieber kwolf1406´s Vorschläge.

gruß ramklov
Antwort von MatV Registriertes Mitglied am 04.01.2013 - 01:42
Was schreib ich eigentlich für einen Blödsinn... Dabei war es garnicht spät. Also: Nicht den Schnorchel aus dem Mund nehmen, sondern die Maske auf die Stirn nehmen. Das Wasser an der Nase, verbunden mit der Anstrengung, aktiviert dann den Wasser-Nase Reflex (was auch sonst ), der dann glauben machen will, man könne so garnicht atmen. Auch wenn die Maskenübung zich mal geübt wurde...

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