@holger.thurm
Ich bin zwar kein Taucherarzt, sondern "nur" TL. Aber ich denke, bei Deinem Sohn sprechen aus meiner Sicht direkt zwei Gründe gegen das Tauchen. Der eine ist ganz generell sein Alter, der andere sein Asthma.
Ich empfehle Dir zunächst einmal folgende allgemeine Lektüre zum Thema "Kindertauchen":
http://www.diveinside.de/ausgabe_15.html (hier der Artikel Kindertauchen)
http://www.taucher.net/forum/tauchen_ab_12___ausb1958.html
Zum Thema Asthma speziell möchte ich zunächst einmal Priv.-Doz. Dr.med. Kay Tetzlaff aus "Moderne Tauchmedizin" 1.Aufl. 2007, S. 526, zitieren: "Das Problem für Asthmapatienten beim Tauchen besteht insbesondere in dem erhöhten Risiko einer Lungenüberdehnung, da Asthma mit dem vermehrten "Air Trapping" einhergeht. Zusätzlich stellt die sehr trockene und in der Regel auch kalte Luft aus den Tauchflaschen einen bronchialen Reiz dar, der bei entsprechender Überempfindlichkeit der Atemwege zum Asthmaanfall führen kann. Hohe Strömungsgeschwindigkeiten des Atemgases auch in den kleinen Atemwegen bewirken ihrerseits eine Einengung der Atemwege. Diese Mechanismen können durch Anstrengung beim Tauchen noch verstärkt werden."
Ansonsten führt er im Weiteren aus, dass Asthma heutztage keine absolute Kontraindikation fürs Tauchen mehr darstellt, sondern der Beurteilung im Einzelfall bedarf. Ähnlich äußert sich auch Ehm zu dieser Frage.
Abschließend, zum Nachdenken, ein kleines Beispiel aus meiner Tauchlehrerpraxis. Die Sache ist schon ca. 20 Jahre her und passierte in meinen Anfangsjahren als TL. Damals hatten wir in der Tauchschule für die ich arbeitete einen Kunden, der am Einschreibeabend auf seinem Selbstauskunftsbogen angab, dass er in der Vergangenheit ein Lungenproblem hatte. Im Gespräch stellte sich heraus, dass er vor ca. 10 Jahren einen Spontanpneumothorax hatte. Seitdem war er beschwerdefrei. Wir schickten ihn zu einem renommierten Taucherarzt (kein Lungenspezialist!). Dieser verweigerte die Erteilung der Tauchtauglichkeit, da die Historie eine absolute Kontraindikation darstelle. Nun, unser Kunde wollte aber unbedingt Tauchen; wir wollten Geld verdienen. Also empfahlen wir ihm zu einem Lungenspezialisten zu gehen. Dies tat er auch. Der Lungenspezialist war allerdings kein Taucherarzt, aber immerhin Fliegerarzt. Nach gründlicher Untersuchung erteilte er die Tauchtauglichkeit. Unser Kunde absolvierte nun ohne irgendwelche Probleme den kompletten Kurs, mit Ausnahme der abschließenden Freiwassertauchgänge. An dem Wochenende an dem diese durchgeführt wurden, war er verhindert. Nun waren zufällig in dem gleichen Kurs auch zwei hauptamtliche Rettungsassistenten aus unserer Stadt als Kursteilnehmer. Einen davon traf ich wenige Wochen später und er begrüßte mich mit den Worten: "Was meinst Du, wen wir heute morgen mit Blaulicht abgeholt haben?" Es war unser Kunde aus dem Kurs. Nach über 10 beschwerdefreien Jahren hatte er erneut einen Spontanpneumothorax. Jetzt stell Dir mal vor, dass wäre während der Poolausbildung oder gar während der abschließenden Freiwassertauchgänge passiert!



Das gleiche Risiko besteht auch jederzeit beim Asthma. Seitdem bin ich jedenfalls, sowohl mit den Selbstauskunftsbögen meiner Kunden, als auch mit ärztlichen Tauchtauglichkeitsbescheinigungen sehr viel kritischer und lehne im Zweifelsfalle, selbst bei attestierter Tauchtauglichkeit, die Ausbildung ab. In solchen Fällen habe ich lieber von vorneherein einen Kunden weniger, als im nachhinein einen toten Kunden. Da solltest Du mal drüber nachdenken.



Ich kann insofern @boesewicht, andi_diver und scuba_steffi nur zustimmen. Du solltest besser mal Deiner Lungenfachärztin vertrauen. Ich glaube auch kaum, dass Du einen Arzt finden wirst, der Deinem Sohn die Tauchtauglichkeit bescheinigen wird. Bis jetzt habt Ihr schlicht und einfach Glück gehabt.
