Ist uns das Plündern angeboren?
(gefunden auf http://www.esys.org/news/sos.html)
Schweiz nimmt Vorreiterrolle beim Schutz von Wracks ein (14.12.2004)
Mehr Schutz für ein altes Wrack:
Das Schweizer Amt für Archäologie wurde jetzt dazu ermächtigt, Tauchgänge auf dem historischen Dampfer "Jura" ab sofort nur per Sondergenehmigung zuzulassen. Grund der Einschränkung war, dass er seit einigen Jahren vermehrt von Sporttauchern aufgesucht und auch geplündert wird. Da entsprechend davon ausgegangen wird, dass infolge der Aktivitäten von Sporttauchern wichtige Zeugnisse zur Geschichte des Thurgaus und der Seefahrt auf dem Bodensee verloren gehen, wurde die Tauchbeschränkung erlassen. Der Bodensee ist nach archäologischen und schriftlichen Quellen seit langer Zeit ein viel befahrenes Gewässer. Sowohl im oberen wie im unteren Teil des Bodensees und im Seerhein finden sich Wracks von Schiffen unterschiedlicher Epochen. Die Spanne reicht von Einbäumen aus der Jungsteinzeit über spätmittelalterliche und neuzeitliche Ledinen bis hin zu Dampfern des 19. Jahrhunderts. Allen Wracks kommt eine hohe wissenschaftliche und kulturhistorische Bedeutung zu. Um die "Jura" als ein solches kulturhistorisches Objekt von hoher industriearchäologischer Bedeutung der Nachwelt zu erhalten, hat der Regierungsrat die Besitzverhältnisse nun geklärt und das Schiff unter Schutz gestellt.
Die faktische Inbesitznahme erfolgte nun gestützt auf zwei Artikel des Schweizer Zivilgesetzbuches, die u.a. besagen, dass herrenlose Naturkörper oder Altertümer von erheblichem wissenschaftlichem Wert in das Eigentum des Kantons übergehen, in dessen Gebiet sie gefunden worden sind. Dieser Artikel ist nicht nur auf archäologische Objekte im herkömmlichen Sinn anwendbar, sondern auch auf Gegenstände, die erst im Laufe des Mittelalters oder der letzten Jahrhunderte im Boden verschwanden oder vergraben wurden. Das Gesetz besagt weiterhin, dass das kulturgeschichtliche Erbe, insbesondere auch erhaltenswerte Objekte zu schützen und zu pflegen seien. Mit der Unterschutzstellung ist der Weg nun frei für fachgerechte Maßnahmen.
Der Raddampfer "Jura" war am 12. Februar 1864 um 11 Uhr im dichten Nebel vor Bottighofen vom Dampfer "Zürich" gerammt worden und binnen vier Minuten gesunken. Ein Matrose kam ums Leben, ein Schiffsjunge erlitt einen Armbruch. Die Passagiere und der Rest der Besatzung retteten sich auf die "Zürich". Von der Ladung an Seiden- und Baumwollstoffen schwamm ein grosser Teil auf, während angeblich rund fünf Tonnen Eisenwaren und das Gepäck der Passagiere mit dem Schiff untergingen. Die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft ergaben, dass die beiden Kapitäne ihre Pflichten erfüllt hatten. Die Verfahren wurden eingestellt.
In diesem Zusammenhang ist auch der aktuelle Umgang mit dem Wrack der "Titanic" interessant. Gerade sagte der Entdecker des Wracks, Robert Ballard, ihm blutete das Herz, als er während seiner jüngsten Expedition in diesem Jahr sah, was aus dem Luxusliner am Meeresgrund nach fast 20 Jahren Tourismus und wissenschaftlicher Arbeit geworden ist. Die Schäden durch den stetigen Besucherstrom in der Tiefe seien nicht zu übersehen: So hat der Dampfer bereits das Krähennest verloren, von dem aus der Eisberg gesichtet wurde, mit dem die "Titanic" in der Nacht zum 15. April 1912 zusammenstieß. Auf Deck gebe es zahlreiche Spuren von Kollisionen von Tauchbooten mit dem Wrack, die die fragile Struktur schnell verfallen lassen. Es gebe Löcher in Deck und Aufbauten, die von U-Booten verursacht wurden und modernen Zivilisationsmüll. Zudem werde das Wrack von skrupellosen Souvenirjägern geplündert. Die Touristen liebten das Wrack "zu Tode", klagte Ballard, der das Schiff 1985 gemeinsam mit einem Kollegen im Atlantik fand. Bis Ballard den gesunkenen Luxusliner vor knapp 20 Jahren in 3600 Meter Tiefe entdeckte, war das Wrack ungestört gewesen. Er selbst hatte stets versucht, einen Touristenrummel am Wrack, an dem mittlerweile sogar Hochzeiten gefeiert werden, zu vermeiden. Um Schaulustige zu verbannen, hat Ballard nun eine Kampagne zum Schutz der "Titanic" gestartet. Großbritannien unterzeichnete im November 2003 ein internationales Abkommen, das die "Titanic" vor Touristen und Souvenirjägern bewahren soll. Im Juni setzten auch die USA ihre Unterschrift darunter. Ballard hofft, dass neben Frankreich und Kanada auch Russland folgen wird, von wo aus nach wie vor zahlreiche Expeditionen zu dem Schiffswrack starten.
Passend zur Ballardschen Klage berichtete die Zeitung The Times jetzt über die Vermarktung eines Parfüms, das in einem Flakon aus der Tiefe geborgen wurde. Es war ursprünglich von dem deutsch-jüdischen Einwanderer Adolphe Saalfield kreiert worden, der in der ersten Klasse der "Titanic" nach New York reisen wollte. Als das Schiff unterging, konnte sich Saalfield zwar durch einen Sprung in eines der Rettungsboote retten, doch seine Tasche mit den Parfümfläschchen versank. Vor vier Jahren wurden die Flakons aus dem Wrack geborgen. Experten fanden heraus, aus welchen Stoffen das Parfüm zusammengesetzt war: Das ist wie Kriminaltechnik, sagte der Parfümhistoriker David Oybus jetzt. "Wir brauchen nur ein paar Tropfen, und dann können wir alle Bestandteile identifizieren und das Parfüm neu erschaffen". Der Duft sei eine Mischung aus Rosen und Veilchen. Am 10. Dezember wurde das Parfüm beim Internationalen Wissenschaftsfestival in Edinburgh erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Es wird möglicherweise den Namen Herz des Ozeans tragen, nach einer Kette, die Schauspielerin Kate Winslet in dem Film "Titanic" von James Cameron" trug.
Die RMS Titanic Inc., die momentan das alleinige Bergungsrecht innehat, rechtfertigte ihre Arbeiten damit, dass die "Titanic" `wie weiche Schokolade` zerfiele. Schon in wenigen Jahren könnte sie nur noch ein unförmiger Rosthaufen auf dem Meeresgrund sein. Dennis Cochrane, historischer Berater der Gesellschaft, äußerte in der "Times" seine Einschätzung, dass das Schiff nur noch kurze Zeit zu leben habe. Die Bordwände hätten die Stabilität von Pappkarton. In den nächsten Jahren könnte der abgerissene Bug einstürzen. Das Heck sei wie `morsches Holz in einer Sägemühle`. Deck um Deck werde zusammenbrechen. `Wir würden unserer Verantwortung vor der Welt nicht gerecht werden, wenn wir einfach zusehen würden, wie diese Teile verrotten.` Arnie Geller, der Präsident von «RMS Titanic Inc», sagte: `Da unten liegen noch unschätzbare Werte, und wir sind entschlossen, so viel wie möglich raufzuholen.` So will die Gesellschaft unbedingt versuchen, die Marconi-Funkstation zu bergen, mit der das Schiff in der Unglücksnacht am 15. April 1912 SOS funkte. Videobilder hatten gezeigt, dass der Apparat an einigen dünnen Drähten von der Decke eines Innenraumes hängt. Allerdings ist derzeit unsicher, ob dieser Raum noch existiert. `Die Wände drum herum sind so stabil wie nasses Zeitungspapier`, sagte der Pressesprecher der Gesellschaft, Greg Zink.
Quelle: Tim Schwabedissen
Schweiz nimmt Vorreiterrolle beim Schutz von Wracks ein (14.12.2004)
Mehr Schutz für ein altes Wrack:
Das Schweizer Amt für Archäologie wurde jetzt dazu ermächtigt, Tauchgänge auf dem historischen Dampfer "Jura" ab sofort nur per Sondergenehmigung zuzulassen. Grund der Einschränkung war, dass er seit einigen Jahren vermehrt von Sporttauchern aufgesucht und auch geplündert wird. Da entsprechend davon ausgegangen wird, dass infolge der Aktivitäten von Sporttauchern wichtige Zeugnisse zur Geschichte des Thurgaus und der Seefahrt auf dem Bodensee verloren gehen, wurde die Tauchbeschränkung erlassen. Der Bodensee ist nach archäologischen und schriftlichen Quellen seit langer Zeit ein viel befahrenes Gewässer. Sowohl im oberen wie im unteren Teil des Bodensees und im Seerhein finden sich Wracks von Schiffen unterschiedlicher Epochen. Die Spanne reicht von Einbäumen aus der Jungsteinzeit über spätmittelalterliche und neuzeitliche Ledinen bis hin zu Dampfern des 19. Jahrhunderts. Allen Wracks kommt eine hohe wissenschaftliche und kulturhistorische Bedeutung zu. Um die "Jura" als ein solches kulturhistorisches Objekt von hoher industriearchäologischer Bedeutung der Nachwelt zu erhalten, hat der Regierungsrat die Besitzverhältnisse nun geklärt und das Schiff unter Schutz gestellt.
Die faktische Inbesitznahme erfolgte nun gestützt auf zwei Artikel des Schweizer Zivilgesetzbuches, die u.a. besagen, dass herrenlose Naturkörper oder Altertümer von erheblichem wissenschaftlichem Wert in das Eigentum des Kantons übergehen, in dessen Gebiet sie gefunden worden sind. Dieser Artikel ist nicht nur auf archäologische Objekte im herkömmlichen Sinn anwendbar, sondern auch auf Gegenstände, die erst im Laufe des Mittelalters oder der letzten Jahrhunderte im Boden verschwanden oder vergraben wurden. Das Gesetz besagt weiterhin, dass das kulturgeschichtliche Erbe, insbesondere auch erhaltenswerte Objekte zu schützen und zu pflegen seien. Mit der Unterschutzstellung ist der Weg nun frei für fachgerechte Maßnahmen.
Der Raddampfer "Jura" war am 12. Februar 1864 um 11 Uhr im dichten Nebel vor Bottighofen vom Dampfer "Zürich" gerammt worden und binnen vier Minuten gesunken. Ein Matrose kam ums Leben, ein Schiffsjunge erlitt einen Armbruch. Die Passagiere und der Rest der Besatzung retteten sich auf die "Zürich". Von der Ladung an Seiden- und Baumwollstoffen schwamm ein grosser Teil auf, während angeblich rund fünf Tonnen Eisenwaren und das Gepäck der Passagiere mit dem Schiff untergingen. Die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft ergaben, dass die beiden Kapitäne ihre Pflichten erfüllt hatten. Die Verfahren wurden eingestellt.
In diesem Zusammenhang ist auch der aktuelle Umgang mit dem Wrack der "Titanic" interessant. Gerade sagte der Entdecker des Wracks, Robert Ballard, ihm blutete das Herz, als er während seiner jüngsten Expedition in diesem Jahr sah, was aus dem Luxusliner am Meeresgrund nach fast 20 Jahren Tourismus und wissenschaftlicher Arbeit geworden ist. Die Schäden durch den stetigen Besucherstrom in der Tiefe seien nicht zu übersehen: So hat der Dampfer bereits das Krähennest verloren, von dem aus der Eisberg gesichtet wurde, mit dem die "Titanic" in der Nacht zum 15. April 1912 zusammenstieß. Auf Deck gebe es zahlreiche Spuren von Kollisionen von Tauchbooten mit dem Wrack, die die fragile Struktur schnell verfallen lassen. Es gebe Löcher in Deck und Aufbauten, die von U-Booten verursacht wurden und modernen Zivilisationsmüll. Zudem werde das Wrack von skrupellosen Souvenirjägern geplündert. Die Touristen liebten das Wrack "zu Tode", klagte Ballard, der das Schiff 1985 gemeinsam mit einem Kollegen im Atlantik fand. Bis Ballard den gesunkenen Luxusliner vor knapp 20 Jahren in 3600 Meter Tiefe entdeckte, war das Wrack ungestört gewesen. Er selbst hatte stets versucht, einen Touristenrummel am Wrack, an dem mittlerweile sogar Hochzeiten gefeiert werden, zu vermeiden. Um Schaulustige zu verbannen, hat Ballard nun eine Kampagne zum Schutz der "Titanic" gestartet. Großbritannien unterzeichnete im November 2003 ein internationales Abkommen, das die "Titanic" vor Touristen und Souvenirjägern bewahren soll. Im Juni setzten auch die USA ihre Unterschrift darunter. Ballard hofft, dass neben Frankreich und Kanada auch Russland folgen wird, von wo aus nach wie vor zahlreiche Expeditionen zu dem Schiffswrack starten.
Passend zur Ballardschen Klage berichtete die Zeitung The Times jetzt über die Vermarktung eines Parfüms, das in einem Flakon aus der Tiefe geborgen wurde. Es war ursprünglich von dem deutsch-jüdischen Einwanderer Adolphe Saalfield kreiert worden, der in der ersten Klasse der "Titanic" nach New York reisen wollte. Als das Schiff unterging, konnte sich Saalfield zwar durch einen Sprung in eines der Rettungsboote retten, doch seine Tasche mit den Parfümfläschchen versank. Vor vier Jahren wurden die Flakons aus dem Wrack geborgen. Experten fanden heraus, aus welchen Stoffen das Parfüm zusammengesetzt war: Das ist wie Kriminaltechnik, sagte der Parfümhistoriker David Oybus jetzt. "Wir brauchen nur ein paar Tropfen, und dann können wir alle Bestandteile identifizieren und das Parfüm neu erschaffen". Der Duft sei eine Mischung aus Rosen und Veilchen. Am 10. Dezember wurde das Parfüm beim Internationalen Wissenschaftsfestival in Edinburgh erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Es wird möglicherweise den Namen Herz des Ozeans tragen, nach einer Kette, die Schauspielerin Kate Winslet in dem Film "Titanic" von James Cameron" trug.
Die RMS Titanic Inc., die momentan das alleinige Bergungsrecht innehat, rechtfertigte ihre Arbeiten damit, dass die "Titanic" `wie weiche Schokolade` zerfiele. Schon in wenigen Jahren könnte sie nur noch ein unförmiger Rosthaufen auf dem Meeresgrund sein. Dennis Cochrane, historischer Berater der Gesellschaft, äußerte in der "Times" seine Einschätzung, dass das Schiff nur noch kurze Zeit zu leben habe. Die Bordwände hätten die Stabilität von Pappkarton. In den nächsten Jahren könnte der abgerissene Bug einstürzen. Das Heck sei wie `morsches Holz in einer Sägemühle`. Deck um Deck werde zusammenbrechen. `Wir würden unserer Verantwortung vor der Welt nicht gerecht werden, wenn wir einfach zusehen würden, wie diese Teile verrotten.` Arnie Geller, der Präsident von «RMS Titanic Inc», sagte: `Da unten liegen noch unschätzbare Werte, und wir sind entschlossen, so viel wie möglich raufzuholen.` So will die Gesellschaft unbedingt versuchen, die Marconi-Funkstation zu bergen, mit der das Schiff in der Unglücksnacht am 15. April 1912 SOS funkte. Videobilder hatten gezeigt, dass der Apparat an einigen dünnen Drähten von der Decke eines Innenraumes hängt. Allerdings ist derzeit unsicher, ob dieser Raum noch existiert. `Die Wände drum herum sind so stabil wie nasses Zeitungspapier`, sagte der Pressesprecher der Gesellschaft, Greg Zink.
Quelle: Tim Schwabedissen

Entdecker selbst, schnell ermittelt sein.