Hallo Carsten,das war aber ein schönes (weil sachliches) und ausführliches Statement. Tatsächlich gibt es bei PADI schlechte Divemaster und Tauchlehrer, mehr als in anderen Verbänden. Allerdings gibt es dort auch mehr gute Divemaster und Tauchlehrer als in anderen Verbänden.
Die schwarzen Schafe können aber nicht Basis für die Bewertung eines Verbandes sein (mir wurde glaubhaft versichert, daß man CMAS-Tauchlehrer werden kann ohne jemals unter Wasser gewesen zu sein, es wäre nur etwas teurer). Schon eher ist interessant, wie ein Verband mit seinen schwarzen Schafen umgeht. Die Qualitätssicherung bei PADI mag ihre Mängel haben, aber wo gibt es eine bessere (oder überhaupt eine)?
Eine theoretische Abschlussprüfung gibt es bei PADI-Kursen, denn anders kann nicht festgestellt werden, ob das notwendige Wissen vorhanden ist. Aber wo ist der Sinn bei einer praktischen Prüfung, wenn Lehrer und Prüfer ein- und dieselbe Person sind? Wenn ich während des Kurses gesehen habe, daß jede einzelne geforderte Fertigkeit beherrscht wird, weil ich nämlich immer erst fortfahre, wenn das der Fall ist, warum muß ich mir das dann am Ende nochmals vorführen lassen? o.k. Manchmal mach ich es aber trotzdem.
Erfahrung kann man übrigens genauso kaufen wie KnowHow. Natürlich nicht persönliche Erfahrung, um die ging es hier gar nicht, sondern um die Kompetenz eines Verbandes, Tec-Diver auszubilden. Ich kenne übrigens einige PADI-Mitglieder, die schon seit langer Zeit Instruktoren in irgendwelchen Tec-Bereichen sind (Tief, Höhle, Mischgas). Von unserem allseits bekanntem und geschätzten Tauchkameraden aus Lörrach ganz zu schweigen.
In diesem Zusammenhang ist auch mal das PADI-Tiefenlimit zu relativieren. PADI verbietet niemandem (auf welcher Basis auch?), so tief zu tauchen wie er will. Es wird nur klasklar, deutlich und mehrfach darauf hingewiesen, daß ein OWD nur bis 18m, AOWD ff. bis 30m ausgebildet ist. Daß ab 30m mit Stickstoffnarkose zu rechnen ist und deshalb allerspätestens bei 40m Schluss sein sollte.
Darüber hinaus wird jeder PADI-Schüler über weitere Einschränkungen informiert, muss sogar die Kenntnisnahme durch seine Unterschrift bestätigen: Daß er ausgebildet ist, zusammen mit einem Partner unter Bedingungen zu tauchen, die gleich oder besser sind als im Kurs und daß für andere Bedingungen weiteres Training erforderlich ist. Er bekommt auch erläutert, was unter "Bedingungen" zu verstehen ist: Tiefe, Sicht, Temperatur, Strömung,...
In jeder PADI-Tauchschule, die ich kenne, gibt es sonntägliche Tauchausfahrten, bei denen unter Tauchlehrerbegleitung (kostenlos!) getaucht werden kann. Außerdem gibt es jede Menge Spezialkurse, dazu AOWD und Rescue (mit MFA).
Und schon sind wir wieder bei der Frage, was wir denn nun anprangern wollen: Daß PADI zuviel oder zu wenig ausbildet? Wenn PADI den "SCUBA-Diver" brevetiert, der nur mit Tauchlehrerbegleitung ins Wasser darf, was ist daran schlecht? Was ist dann am Grundtauchschein gut?
Ich habe mal meine Logbücher durchforstet: Von den ersten 60 Tauchgängen waren 3 ohne Tauchlehrerbegleitung. Zweimal Baggersee bis 5m und einmal Malediven bis 13m. Bezahlt habe ich OWD, AOWD und Rescue. Der Spezialkurs Trockentauchen war im Trockipreis inbegriffen. In dieser Zeit war ich am Walensee, Walchensee, Plansee, Bodensee, in Hemmoor, an diversen Baggerseen und auf den Malediven.
Die Ausbildung im Verein mit der Ausbildung auf einer Urlaubsaustauchbasis zu vergleichen ist unfair. Wie stellen denn Urlaubstauchbasen anderer Verbände ausreichende Erfahrung sicher? Jede seriöse Urlaubstauchbasis wird ihre Schüler dazu ermuntern unter Tauchlehreraufsicht weitere Erfahrung zu sammeln.
Es muss auch mal festgehalten werden, daß mit der Zunahme der PADI-Taucher die Unfallzahlen, sowohl in Relation zur Anzahl Taucher, als auch zur Anzahl Tauchgänge zurückgegangen sind. Nur absolut sind die Zahlen (logischerweise) gestiegen (Quelle: DAN). Klar ertrinken 10 mal mehr PADI-Taucher als VDST-Taucher. Da es aber 20 mal mehr PADI-Taucher gibt, spricht das für und nicht gegen PADI. Von "gefährlicher Mentalität" kann man angesichts dieser Verhältnisse nicht sprechen.
Kasimir
P.S.
Pivoting und dabei das Jacket-mit-dem-Mund aufblasen ist eine Pflichtübung in der OWD-Ausbildung.