Qualitätsvorsprung durch RAW-Format? Abgesandt von Ulf am 07.08.2007 - 13:48:
Hallo Ihrs!
Bei mir steht in nächster Zeit mal wieder eine neue digitale UW-Knipse an (nachdem meine Canon den Geist aufgab).
Will ja nur halbwegs gescheite Bilder "knipsen" ohne größere Ansprüche eines Fotoprofis. Nur hatte ich öfters gemerkt, dass die Bilder, die ich gemacht habe (Baggersee & Asien) noch viel weniger Farben enthalten, als das Auge es sieht.
Wie groß ist denn in dieser Hinsicht der Unterschied zwischen den Speicherformaten RAW und JPG? Hat jemand ein konkretes Beispiel, das die Qualitätsunterschiede verdeutlicht?
Bin für jeden Tipp dankbar!
Gruß
Ulf
Antwort von Hechtflüsterer am 07.08.2007 - 14:04 Moinmoin,
ja, man hört überall und ständig, dass nur das RAW-Format schöne Bilder ermöglicht. Das stimmt so jedoch nicht. Bei einem JPEG werden, platt gesagt, alle Bildinformationen durch durch die Komprimierung der Daten "stärker fixiert", d.h. einer Nachbearbeitung mit z.B. Photoshop (Tonwertkorrektur, Farbbalance, Kontrast, etc.) werden engere Grenzen gesetzt. Die unbearbeiteten Bilder an sich unterscheiden sich aber optisch nicht voneinander. Und bei der Nachbearbeitung habe ich mit dem JPG Format bisher stets gut arbeiten können.
Für einen Gelegenheitsknipser reicht JPG allemal!
Gruß, Basti
Antwort von Hechtflüsterer am 07.08.2007 - 14:19 Hast Du die Canon im Automatikmodus benutzt? Dann wählt die Kamera meist eine offene Blende und die Kontraste gehen flöten. Ich hatte dadurch früher vermehrt blasse Bilder... Inzwischen habe ich eine Kamera mit manueller Wahl der Blende und die Bilder sind bereits unbearbeitet viel kontrastreicher.
Abhilfe bei blassen Bildern schafft im Einzelfall eine Tonwertkorrektur, aber meist verstärkt sich dann auch das Bildrauschen (grisselig-körniger Blauverlauf im Wasser z.B.) Man muss da immer einen Kompromiss finden (das aber auch bei RAW )
1. Die guten Bilder macht (vor allem anderen) der Fotograf
2. Ohne externen Blitz und im Weitwinkelbereich ist eine leichte Nachbearbeitung meist notwendig, damit die Farben "rüberkommen".
(Aber nicht immer gleich volle Lotte Rot rein oder kategorisch die vorgeschlagene "Autotonwertkorrektur" akzeptieren)
Danke für den Hinweis mit der manuellen Blendenwahl!
Ja, ich hatte den Automatik-, Standard- oder Anfängermodus, wie sonst ebenfalls...- wenn man von der Makroeinstellung einmal abseht.
Leider ließ sich mit "Tonwertkorrektur, Farbbalance, Kontrast" in Shotopop nichts bzw. kaum mehr retten. Zumindest nicht annähernd so, wie es das Auge unterwasser sah.
Antwort von micmen am 07.08.2007 - 15:36 Im Gegensatz zu JPEG, etc. ist RAW kein standardisiertes Dateiformat, sondern das weicht von Hersteller zu Hersteller ab. Und nicht die RAW-Daten jedes Herstellers werden von Programmen/Tools unterstützt, mit denen man die Fotos in ihr Endformat bringen kann.
Die Chips, die in DigiCams das Bild festhalten, sind nicht farbneutral und produzieren außerdem ein mehr oder weniger großes Farbrauschen. Erst die Elektronik der Kamera wandelt die Farben in die "echten" Farben um (soweit sie das kann) und rechnet das Rauschen heraus. Dabei werden auch verschiedene Einstellungen (wie z.B. der Weißabgleich) mit berücksichtigt, die beim Speichern im RAW-Format ignoriert werden:
Da wird nämlich alles 1:1 so gespeichert, wie es der jeweilige Chip liefert.
RAW ist also nur etwas für Perfektionisten, die am PC Bild für Bild richtig Arbeit investieren, um aus einem Foto das Maximum herauszuholen.
Wenn man die Fotos einfach nur ohne Qualitätsverlust speichern will, ist also das TIFF-Format besser als RAW (bei TIFF rechnet die Elektronik der Kamera auch schon die Bilder sauber, komprimiert sie aber nicht vor dem Speichern).
Antwort von Mr Tim am 08.08.2007 - 12:38 Hallo Ulf,
RAW hat den großen Vorteil, dass sämtliche Informationen gespeichert werden und das Bild von der Kamerasoftware nicht bearbeitet wird. Ein UW-Beispiel: Du machst auf 10m ein Bild ohne Blitz. Da ist so wenig Rot dabei, dass bei der Komprimierung das Rot einfach weggerechnet wird, weil es ohnehin für das JPG nicht gebraucht wird. Etwas, was nicht mehr da ist, kann aber auch nicht mehr verstärkt werden.
Im RAW-Format wären auch die wenigen Rotanteile noch vorhanden, so dass diese dann verstärkt werden können.
Bei RAW kannst Du im Nachhinein den Weißabgleich machen, für Unterwasser ist das genial.
ABER:
RAW ist irrsinnig groß (bei mir, Olympus SP-350 rund 12 MB). Das hat gleich zwei Nachteile, die Karte ist schnell voll, die Schreibzeit ist gut 10 sec.
RAW lohnt sich daher aus meiner Sicht eher für den See, wo man ohnehin nicht so viele Bilder macht und wo es wichtiger ist, auch noch das letzte rauszukitzeln.
Im Urlaub benutze ich RAW nicht, da ich da einfach zuviele Bilder mache. Denn gerade das ist ja der Vorteil von Digigal, dass man die Schnecke 10x fotografieren kann, um so das optimale Bild VOR der Nachbearbeitung zu bekommen. Ich halte das für einfacher als später ein weniger optimales Bild stundenlang nachzubearbeiten.
Wichtig für die neue Kamera wäre aus meiner Sicht auf jeden Fall die volle manuelle Bedienbarkeit. Da UW eine fotografische Ausnahmesituation ist, kommt keine Automatik an manuell eingestellte Bilder ran, zumindest wenn Du mit Blitz arbeitest.
Antwort von micmen am 08.08.2007 - 14:01 In diesem neuen Thread geht es (unter anderem) ebenfalls um Datenformate für Fotos: Hier klicken
Ich weiß zwar nicht so ganz, was ich von dem dort verwiesenen Artikel "Hilfe! Meine digitalen Urlaubsfotos sind weg!" halten soll, dessen Inhalt schonmal nix mit diesem Titel zu tun hat...
Ein ganzer von insgesamt nur vier Abschnitten (die eigentlich nur drei sind) behandelt ausschließlich das unglaublich komplizierte Problem, daß man nicht zu viele Bilder aufheben soll...
Und der dritte "Vorsicht vor JPEG und RAW" der vier Abschnitte ist gar nichts eigenständiges, sondern gehört voll in den vierten Abschnitt "Das richtige Format".
Jedenfalls wird dort propagiert, für die Originale der Kamera lieber TIFF als RAW oder JPEG zu benutzen.
Antwort von Ulf am 09.08.2007 - 09:25 ... und wenn nun noch jemand eine Kamera plus Gehäuse mit einem unschlagbaren "Leistungspreis" empfehlen kann... -dann wäre das Thema erledigt
Der-wo-schon-wieder-an-urlaub-denkt
Antwort von udounderwater am 14.08.2007 - 18:43 Das Thema RAW ist im Bereich der kompakten Digitalen ziemlich abgegessen, weil es nämlich kaum noch Kompakte gibt, die ein RAW aufnehmen und noch weniger, zu denen es auch noch ein UW-Gehäuse gibt. Habe umfangreich recherchiert und die Olympus SP-510 UZ gefunden, die ist aber ziemlich langsam und es gibt nur ein Ikelite-Gehäuse für um die 500 Euronen. JPEG funktioniert prima, wenn man nur im klaren Flachwasser bis ca. 5 m fotografiert (da gibt`s noch relativ viel Rot) oder mit externem Blitz. Hatte mir letztes Jahr eine Olympus-Kompakte mit Olympus-Gehäuse bei der Tauchbasis geliehen und war von den Ergebnissen
ziemlich enttäuscht. Der eingebaute Blitz ist fast wirkungslos, weil viel zu nah an der Objektivachse , so dass man fast schon besser mit vorhandenem Licht fotografiert, da müsste man aber ständig einen Weißabgleich durchführen, damit die Farben einigermaßen stimmen. Mein Fazit: Kompakt mit JPEG ja, wenn man mit einem oder besser zwei externen Blitzen arbeiten kann oder im Flachwasser bleibt.
Leider führt bei hohen Qualitätsansprüchen deshalb kein Weg an der Spiegelreflex (mit RAW) im sauteuren Gehäuse mit ebenso sauteuren Blitzen vorbei oder man nutzt die alte Analogtechnik und kauft das Zeugs gebraucht zusammen.
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