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Rebreather: Fragen über Fragen
Abgesandt von Diebels74 Registriertes Mitglied am 25.04.2007 - 09:00:

Moin moin,

ich hab mich mal ein wenig zum Thema Rebreather belesen. Leider kenn ich niemanden persönlich, der davon nen Plan hat, bzw. wo man sich mal gezielter informieren kann als hier im Forum. Manche Fragen wurden schon angeschnitten und (zumindest teilweise) beantwortet, zu anderen hab ich gar nix gefunden. Meist sind die Antworten sehr spezifisch und für einen "Laien" schwer zu verstehen ohne bestimmte Vorkenntnisse.Vielleicht kann mir als Laien ja hier der/die ein oder andere mal auf die Sprünge helfen.
1. Ab wann kann man ins Auge fassen "blasenfrei" zu tauchen (Wieviel Erfahrung sollte man gesammelt haben bevor man mit nem Rebreather loslegt...???)
2. Welches System für was ??? (Offen, geschlossen, halboffen, was setze ich für welche Tauchgänge am vorteilhaftesten ein und wieso??)
3. Wer bietet Kurse zum Rebreathertauchen an (Organisationen), welche Kurse sind zwingend und welche sinnvoll bzw. was wird da in etwa an Informationen/Lerninhalten vermittelt ???
4. Hat jemand vielleicht eine Kostenaufstellung: Was kostet Rebreathertauchen (Keine Anschaffungskosten, eher die Folgekosten (Revisionen, Wartung, Atemkalk, Gase usw.))???
5. Welche Erfahrungen habt Ihr mit der Zeit gesammelt ??? (Gibts auch negatives zu berichten ???)

Vielen Dank im voraus !!!

Greetz
Diebels



Antwort von DarkShark Registriertes Mitglied am 25.04.2007 - 10:16
Also, es gibt sogar eine (kleine) Tauchsport- Organisation, die ATEC, die einen Rebreather- OWD(!) inkl. Nitrox 60%- Brevet anbietet (oder angeboten hat). Soviel zum Thema: wieviel Erfahrung brauche ich? Ich selbst habe jedoch erst nach ca. 100 TGs mit der "Kreiselei" begonnen...

Die Frage ob "offen, geschlossen oder halb- geschlossen" läßt sich nicht immer so eindeutig beantworten, ohne den Zweck/ das Ziel Deiner Tauchgänge zu kennen. CCR (geschlossene Kreisel) gehören sicher eher in den Tech- Bereich. Hier überwiegen einfach die Vorteile einer möglichen langen (Tauch)- Einsatzdauer, Gaslogistik, Dekoproblematik, etc.

SCRs sind dagegen eher etwas für den ambitionierten Sporttaucher. Quasi etwas zum Einstieg. Mögliche sinnvolle Einsätze finden sich jedoch auch bei der U/W- Fotografie (weniger bis keine Blasen...).

Die "offenen" klassischen Geräte brauche ich hier wohl nicht weiter zu erwähnen. Interessant ist jedoch, daß alle Tiefenrekorde bislang durch Einsatz dieser konventionellen Technik gehalten werden.

Zu den Betriebskosten: wenn Du Deine Flaschen nicht gerade kostenlos füllen läßt (Club, Verein, eigener Kompressor, etc.) wirst Du ca. 4- 12 Euro pro Flasche (12- 15l) "normaler" Luft zahlen und für 2TGs/Tag auch etwa 2Flaschen benötigen.

Für eine 5l- Nitrox- Buddel (EAN50) zahle ich zwischen 3 und 10 Euro, dazu kommen vielleicht 7,- EUR für Atemkalk. Damit kann ich mit einem SCR auch zwei anständige TGs hinbekommen. Du siehst: erstens gibt es beträchtliche Preisspannen und zweitens, innerhalb dieser Spannen kostet "Offen" etwa genau so viel wie "SCR".

Übrigens kann man auch ähnliche "Verbrauchsrechnungen" für CCRs mit Trimix anstellen. Vergleiche einfach mal den enormen Helium- Bedarf eines "durchschnittlichen" Tech- TGs mit dem Bedarf an Diluent- Gas bei einem CCR.

Zu den Kursen kann man sagen, daß die jeweiligen Hersteller von Rebreathern eigentlich auch immer eine Schulung auf "ihrem" Gerät voraussetzen. D.h. Du wählst den Verband/ Kurs/ TL nach vorhandenem Angebot und Deinem bevorzugtem Equipment aus...

Negatives gibt es natürlich auch zu berichten, insbesondere die "vielen" Tauchunfälle schrecken vielleicht ab (Inspiration- Taucher sterben übrigens scheinbar häufiger als normal an plötzlichem "Herzversagen").

Eine sorgfältige Analyse zeigt jedoch, daß diese Unfälle/ Zwischenfälle zumeist in Grenzbereichen, d.h. typische Tech- TGs, auftreten. Hier besteht natürlich immer und vornherein ein erhöhtes Risiko. Kommen dann noch "systemspezifische" Risiken hinzu, kann es leider brenzlig werden.

Statistisch betrachtet würde ich einen "normalen" RB- Tauchgang jedoch nicht als übermäßig riskant einstufen.

Gruß,

D.S.
Antwort von stefanotto Registriertes Mitglied am 25.04.2007 - 13:13
Moin Diebels,

Nachtrag zur Ausbildung: Diese gibt es von einer ganzen Masse an Organisationen, zu der oben genannten kann ich nichts sagen, kenne aber gute Ausbilder von PADI, ANDI, CMAS, die das Tema gut rüberbringen.

Atemkalksorte wird vom Kreiselhersteller vorgeschrieben (CE), andere Sorten funktionieren auch. Habe zum Beispiel gute Erfahrungen mit Spherasorb im Dolphin gemacht.
Kalkverbrauch ist abhängig von der Wassertemperatur und auch Deiner Kondition. Da kannst Du von 1,5 - 2 Std. Tauchzeit pro Kilo Kalk rechnen. Kalkpreise sind unterschiedlich und hängen auch von der Ahnahmemenge ab. Spherasorb liegt bei ca. 5€ pro Kilo.

Zum Tema welchen nehmen: Einfach mal verschiedene Probetauchen, wenn man Kreiseln will. Habe selbst 4 verschiedene ausprobiert, bevor ich mich entschieden habe. Danach habe ich mir erst einen Kurs ausgesucht und meinen Kreisel erworben.

PS.: Offen Tauchen ist billiger und einfacher, verzeiht auch mal kleine Handhabungsfehler.
Für mich het Kreiseln aber einige vorteile, nicht nur wegen der Fotographie.

Stefan
Antwort von Extrem Diver Registriertes Mitglied am 25.04.2007 - 13:17
@ DS

ATEC = allgemein verpönt das wohl schlechte Ausbildung.

Dein Aufteilen SCR zu CCR kann ich nicht teilen. SCR werden für extremste technische Tauchgänge eingesetzt, siehe WKPP, EKPP.

Darüber hinaus sind RB Tauchgänge immer gefährlicher: hypoxie, Hypercapnie, etc. alles Risiken die bei OC nicht auftreten könne.

ED

Antwort von DarkShark Registriertes Mitglied am 25.04.2007 - 14:45
@ED

O.K. keine Regel ohne Ausnahme, allerdings bezeichnet sich der Fragesteller selbst als Einsteiger (Einsteigewilliger) mit "Fragen über Fragen", da muß man vielleicht nicht gleich mit pSCRs und div. Varianten kommen und damit für vollständige Verwirrung sorgen.

Ich bin dagegen eher von typischen "Sport"- SCRs wie z.B. den Dräger- Geräten ausgegangen und habe eine Abgrenzung zu CCRs wie BI, usw. gesucht.

Zur Qualität einzelner Verbände werde ich keine Wertung abgeben (80% aller Threads enden hier in dem üblichen Grabenkrieg) . Es sollte hier nur die "extreme" Außenseiter(?)- Meinung eines Verbandes dargestellt werden, bei der sogar eine RB- OWD(!)- Ausbildung zumindest in Erwägung gezogen wurde.

Die reine Aufzählung möglicher Risiken an sich ist noch keine Risiko- Analyse, so wirst Du beim OC- Tauchen z.B. auch selten Gelegenheit bekommen Kalklauge schlucken zu müssen. Eine falsche Einstellung zu den möglichen Gefahren(z.B. einfach mal "kleine" Handhabungsfehler tolerieren) des Tauchens an sich kann sowohl bei OC, als auch bei RBs fatal sein. Insofern mag ich mich der verkürzten Aussage "OC = alles easy, diving is fun" und "Rebreather = Witwenmacher oder Teufelszeug" nicht anschließen.

Gruß,

D.S.
Antwort von stefanotto Registriertes Mitglied am 25.04.2007 - 14:47
SCR kann man noch ohne Sauerstoffüberwachung (pPO2) tauchen, da die Dosierungen des Nitrox vorgeschrieben ist, und vom Hersteller so ausgelegt, dass es auch unter Belastung nicht zu einer Sauerstoffunterversorgung (Hypoxie) kommt. Das Nitroxgemisch sorgt für eine Tiefenbegrenzung, damit es nicht zu einer Sauerstoffvergiftung kommt (Hyperoxie). Um die Kohlendioxidvergiftung (Hyperkapnie) auszuschließen ist der Atemkalk bzw. seine Standzeit zu beachten.

Ein CCR, egal ob mCCR oder eCCR geht ohne sich kontrollierende Sauerstoffüberwachungen mit mindestens 2 oder 3 Sensoren und ständigem kontrollieren nichts, wenn man alt werden will. Aber ich glaube, dass führt jetzt zu weit.

Ich kann zu ATEC nichts sagen, außer - es gibt einen Ausbilder und unserer Nähe.
Hier klicken

Also Ingo, wenn Du noch fragen hast, melden.

Stefan
Antwort von @ndreas Registriertes Mitglied am 25.04.2007 - 16:13
Hallo Diebels,
im Folgenden meine durchaus subjektiven Ansichten (Andere mögen es - vielleicht mit guten Gründen - anders sehen.)

1. Einige Erfahrung - und zwar mit den Tauchbedingungen, die Du auch mit dem Rebreather vorfindest - sollten schon vorhanden sein. Ich schätze: mindestens etwa 100 Tauchgänge mit offenem System (davon einige mit Nitrox).

2. Ich nutze die Geräte wie folgt:

a) Tauchen in Deutschland, kaltes Wasser, tauche ganz selten tiefer als 20 m: offenes System, Luft. Grund: Ich komme bei diesen Tauchgängen ohnehin kaum an die Nullzeitgrenze. Eine Ausweitung der Nullzeitgrenzen, bzw. Verkürzung der Dekozeiten, die ich durch Nitrox erreichen könnte brauche ich nicht. In Deutschland sprechen zudem rechtliche Besonderheiten (Nitrox wird wie 100% Sauerstoff behandelt, extra Atemregler, extra Anschlüsse etc.) gegen den Einsatz von Nitrox. Rebreathern ist mir aus den gleichen Gründen für diese Tauchgänge zu aufwändig.

b) Tauchen im Meer, typischer Fun-Tauchgang (meist besteht ohnehin eine Tauchzeitbegrenzug auf 60 Minuten) bis etwa 30 m, kurz auf Tiefe, dann Austauchen am Riff entlang: offenes System reicht. Bei kurzer Zeit in der Tiefe und ein bis zwei Tauchgängen am Tag: Luft. Bei längerer Zeit in der Tiefe und/oder bei mehreren Tauchgängen am Tag: Nitrox (meist 32 % Sauerstoff). Grund: Der Einsatz eines Rebreathers ist für derartige Tauchgänge Luxus. Einen Vorteil habe ich allenfalls, wenn ich zum Fotografieren etwas näher an bestimmte Fische herankommen will. Ohne Luftblasen ist das bei manchen leichter. Das gilt aber bei weitem nicht für alle Fische, und außerdem sollte dann auch mein Buddy mit Rebreather tauchen. Also: recht viel Aufwand. Nitrox hat den Vorteil, dass ich mich entweder etwas länger in der Tiefe aufhalten kann (längere Nullzeiten, kürzere Deko) oder dass ich (insbesondere bei Wiederholungstauchgängen) ein größeres Sicherheitspolster habe. Aber: Ich kann nur einen von beiden Vorteilen haben. Das Sicherheitspolster habe ich nur dann, wenn ich Nitrox nach Lufttabellen tauchen und die längere Nullzeit gerade nicht ausnutze.

c) Tauchen im Meer. Typischer Wracktauchgang. oder Tauchgang an einem tief liegenden Riff. D.h. Rechteckprofil, weil es nur in der Tiefe etwas zu sehen gibt. Nitrox hat den Vorteil, dass es eine längere Nullzeit bzw. kürzere Dekozeiten ermöglicht. Ich kann also länger dort bleiben, wo es etwas zu sehen gibt. Ein halbgeschlossener Rebreather mit konstanter Nitroxzufuhr (SCR, z.B. Dräger Dolphin oder Ray) hat zusätzlich den Vorteil, dass der Atemgasvorrat länger reicht. Nachteil bei beiden: Die Tauchtiefe wird durch die maximale Einsatztiefe des jeweiligen Nitroxgemisches (MOD) begrenzt (Grund: toxische Wirkung von Sauerstoff ab einem bestimmten Partialdruch. Näheres darüber lernt man in der Nitroxausbildung). Ich mache solche Tauchgänge daher lieber mit einem geschlossenen Rebreather (CCR, z.B. Inspiration oder Evolution). Bei diesen Geräten ist der Prozentsatz an Sauerstoff nicht konstant, sondern es wird - bei konstantem Partieldruck - für jede Tiefe, der höchstzulässige Sauerstoffanteil geliefert. Geeignet sind CCR-Geräte daher (bei Einsatz von Sauerstoff und Luft) für Tiefen bis ca. 50 m (habe ich auch schon getaucht). Bei Einsatz von Trimix sind größere Tiefen möglich (hier fehlt mir die Erfahrung).

Ich tauchen bei derartigen Tauchgängen u.a. mit geschlossenen Rebreathern (CCR), obwohl ich kein Tec-Taucher bin. Das Tauchen mit derartigen Geräten ist durchaus auch für Freizeittaucher erlernbar. Ich sehe die Grenze zum Tec-Tauchen, dort, wo Tauchgänge mit längeren Dekozeiten geplant werden und/oder Helium zum Einsatz kommt.

d) Tauchgänge, bei denen es auf einen großen Atemgasvorrat ankommt. Z.B. lange Dauer des Tauchgangs. Hier lohnt sich der Einsatz von Rebreathern (immer vorausgesetzt, dass auch der Buddy einen hat). Statt Doppelpack und zusätzlich Stagetanks nehme ich halt den Inspiration und einen kleinen Stagetank (als Reserve für den Notfall).

3. Kurse
Voraussetzung für das Rebreathertauchen ist immer ein Nitroxkurs. Es sollte sich nach meiner Ansicht (die formalen Voraussetzungen sind da manchmal unterschiedlich) mindestens um einen Kurs handeln, der das Tauchen mit Nitroxtabellen und einem Sauerstoffanteil bis 40% zum Gegenstand hat.

Die Ausbildung am Rebreather erfolgt spezifisch für das jeweilige Gerät (Ich habe jedenfalls bisher noch nichts von Geräte-übergreifenden Kursen gehört.) D.h. der Kurs bereitet Dich z.B. auf das Tauchen mit dem Dräger Dolphin vor und Du bist dann auch nur für dieses Gerät certifiziert. Aber: Hast Du erst einmal einen Kurs an einem Gerät absolviert, verkürzt das die Ausbildung an einem Gerät vergleichbarer Art (bei Dolphin also Ausbildung an einem anderen SCR).

Ich halte es für sinnvoll, erst die Ausbildung an einem halbgeschlossenen System zu machen und danach die Ausbildung an einem geschlossenen System. Der Einstieg fällt dann leichter. Formal ist aber auch ein Start direkt mit dem geschlossenen System möglich.

Falls Du Dir ein eigenes Geräte zulegen willst (leider alles ziemlicht teuer, vorallem natürlich CCR), reicht es, wenn Du an diesem Gerät ausgebildet bist.

Willst Du aber erst einmal bei verschiedenen Basen Geräte ausleihen, so lohnt es sich, bereits bei der Wahl der Ausbildung darauf zu achten, dass Du an gängigen Geräten und nicht an Exoten ausgebildet wirst. Die Liebhaber von Exoten mögen mich verprügeln, gängige Geräte sind aber nun einmal SCR: Dräger Dolphin und Ray, CCR: Inspiration und (neuerdings)Evolution. Dass das unbedingt die besten sind, will ich gar nicht behaupten. Wenn Du später an einer Basis auf ein anderes Gerät triffst brauchst du zwar noch einmal eine Einweisung, oder auch einen (abgekürzten) Kurs. Der Einstieg fällt Dir aber leichter, wenn Du einige gängige Geräte bereits kennst.

Ausbildungsorganisationen:
für Nitrox: alle einschlägigen Anbieter (egal ob PADI, CMAS oder andere, Hauptsache: guter Ausbilder und weltweite Anerkennung des Brevets)

für SCR: ANDI, wird aber auch von PADI angeboten.
für CCR: IART
Ausbildungsinhalte: Gerätekunde, -bedienung, Tauchübungen, Notfallübungen, Wechsel zwischen offenem und geschlossen System. Theorie: Hypoxie, Hyperoxie, Lungentoxizität und ZNS-Toxizität von Sauerstoff - Berechnung von ZNS% und OTU, Hyperkapnie, Caustic Cocktail

Aus eigener Erfahrung kann ich empfehlen:
für SCR: Tauchen in Tirol (Innsbruck)
für CCR (Inspiration und Evolution): Deep Blue Divers, Phuket, Thailand

4. Kosten
Mit einer Aufstellung kann ich nicht dienen. Rebreathertauchen ist halt teuer, CCR noch teurer als SCR. Sparen an der falschen Stelle ist schon beim offenen System ein Fehler. Das Rebreathertauchen verzeiht einen solchen Fehler noch viel seltener. Finger weg von vermeintlichen Schnäppchen (Selbstumgebauter Russenkreisel, Billigkalk, Crash-Ausbildung etc.).

5. Erfahrungen
Rebreathertauchen ist geil. CCR noch mehr als SCR:
Tauchen ohne Luftblasen. Mitschwimmen im Schwarm. Tanzen mit Haien. Warme, feuchte Atemluft. Luftvorrat (fast) ohne Ende - 2 Stunden Tauchgang oder länger? Kein Problem! Lange Nullzeiten bzw. kurze Deko. Tauchgänge jenseits von 40 m sind mit CCR ohne oder nur mit geringer Deko machbar.

Negatives: Rebreathertauchgänge sind aufwändig. Fehler bei der Vorbereitung können fatale Folgen haben (z.B.Den Fehler habe ich selbst gemacht: Dichtungsring beim Dolphin falsch eingesetzt. Das Gerät hat bei Überdruck- und Unterdrucktest keinen Fehler angezeigt. Beim Tauchen dann Wassereinbruch direkt am Kalkbehälter, d.h. der Atemkreislauf wurde in kürzester Zeit mit einer ätzenden alkalischen Brühe geflutet. Zum Glück ist das nur in 2 m und nicht in 20 m Tiefe passiert). Generell gilt: Der Rebreather verzeiht weniger Fehler als das offene System. Die Folgen eines Fehlers sind häufig gravierend).Die einzelnen Schritte der Tauchgangsvorbereitung einschließlich aller Tests müssen genau eingehalten werden. Das Gerät muss ordentlich gewartet und für den Tauchgang vorbereitet sein. Das alles ist ein Aufwand, der sich nicht für jeden Tauchgang lohnt.

Die Tarierung musst Du beim Rebreather-Tauchen völlig neu erlernen. Feintarierung über die Lunge geht nicht. Allenfalls geht Feintarierung durch Luftablassen über die Nase. Sonst hilft nur der Inflator.
Antwort von @ndreas Registriertes Mitglied am 25.04.2007 - 17:01
sorry. Zu früh abgeschickt.

Fortsetzung Nachteile:
Dräger Dolphin und Inspiration sind ziemlich voluminöse Kisten. Folge: Der Strömungswiderstand ist größer als mit dem offenen System. Strömungstauchgänge sind mitunter mit dem offenen System besser zu machen.

Rebreather haben oft ein erhebliches Gewicht. Z.B. Inspiration: 30 kg(ohne Blei). Das geht manchmal auf den Rücken. Außerdem ist ein solches Gerät nicht gerade das ideale Reisgepäck.

Rebreather erfordern Logistik. Nicht an jeder Basis kann ich reinen Sauerstoff und Atemkalk bekommen. Und nicht überall hast Du einen Buddy mit Rebreather. Taucht Dein Buddy mit offenem System, so hast Du nur den halben Spaß, denn Du must Dich nach seiner Nullzeit und seinem Luftverbauch richten und er verscheucht Dir die Fische.

Bei tiefen Tauchgängen gibt es dann noch ein Problem mit der Notfall-Planung. Solange der Atemkreislauf funktioniert ist alles wunderbar. Sollte der aber ausfallen (z.B. wegen Flutung oder Versagen der Elektronik beim CCR), dann muss ich notfalls auf das offene System umsteigen (man nennt das "Bail-Out"). Im Extremfall steht mir dann eine vielleicht nur noch mit 100 bar (oder weniger)Luft gefüllte 2-Liter-Flasche (beim Evolution sind es tatsächlich nur noch 2 Liter) für einen Aufstieg (z.B. aus mehr als 30 m)zur Verfügung. Mit dem Umstieg habe ich beim CCR zusätzlich einen Gaswechsel, vom Gemisch mit hohem Sauerstoffanteil im Kreisel auf Pressluft. Damit habe ich dann sofort die volle Stickstoffwirkung, also möglicherweise Stickstoffnarkose und auch eine nicht eingeplante Dekopflicht. Nur bei den wenigsten Computern (z.B. VR3) kann ich diesen Gaswechsel eingeben. Habe ich keinen solche Computer, so muss ich die zusätzliche Stickstoffbelastung durch das Bail-Out-Gas schätzen. Das ist alles kein Spaß. Rechne mal aus, wie ein solcher Aufstieg aus mehr als 30 m mit 2 Litern und 100 bar aussieht. Rechne aber nicht mit Deinem normalen Atem-Minuten-Volumen, denn bei einem Notfall-Bailout hast du Stress und Dein Luftverbrauch gehr schlagartig in die Höhe. Zur Sicherheit sollte man also bei tieferen Tauchgängen mit noch ein Fläschchen mit Bail-Out-Gas mitführen. Je nach Tauchgang ist meist ein Nitrox-Gemisch (32 oder 36) dafür gut geeignet.

Noch ein Nachteil: Bist Du an mehreren Geräten ausgebildet, so solltest Du sie auch hin und wieder tauchen. Wie beim offenen System gilt auch hier: erst Ausbildung und dann viel Übung.nZum Tauchen in Deutschland macht für mich der Kreisel eher keinen Sinn. Etwas anderes gilt natürlich für die Fans von "Kalt, Dunkel und Tief". Tauchst Du den Kreisel nur im Urlaub, dann sollte schon mehrmals im Jahr ein mehrwöchiger Tauchurlaub drin sein. Also auch hier (wie schon bei den Geräte-, Kurs- und Betriebskosten) noch einmal die Geldfrage.

Trotzdem: Für bestimmte Tauchgänge ist der CCR ideal und ich habe auch die Ausbildung am SCR nicht bereut. Ich habe zwar keine eigenes Gerät, aber mit der Ausbildung am Dolphin, Ray, Inspiration und Evolution habe ich eine gute Auswahl an Basen, die mir das Rebreather-Tauchen ermöglichen.

Nachtrag: CCR (Inspiration) wird es wohl demnächst auch bei Butterfly Diving, Tucepi, Kroation geben. Basti, der dortige Tauchlehrer, hat gerade den Instructor gemacht und hat sich als Buddy bewährt.

Soweit so gut.

Viel Vergnügen beim Kreiseln
wünscht

@ndreas
Antwort von divesorb düsselstadt am 25.04.2007 - 19:23

*2 Stunden Tauchgang oder länger? Kein Problem!*
gewiss- 85 auf 30 macht NUR 35min. Deko. Kein Problem, der TG dauer eben 2 Sunden.

*Tauchgänge jenseits von 40 m sind mit CCR ohne oder nur mit geringer Deko machbar.*
aber selbstverständlich 65 auf 41 macht 60min. Deko. 120 auf 41 NUR 150min. Deko.

Auch wenn ich CCR gehe, so bin ich der Meinung dass es keinen vernünftigen Grund gibt, einen RB zu tauchen.

Übrigens: bereits beim Besuch eines CCR-Kurses erlischt automatisch deine Lebensversicherung- sofern dein Versicherer es erfährt.

und willkommen zu Hause: Hier klicken
Antwort von Diebels74 Registriertes Mitglied am 26.04.2007 - 07:24
Danke @ all für die umfassenden Antworten.
Mich interessiert das Thema und eine Ausbildung in der Richtung kann ja irgendwann zumindest nicht schaden
Ob ich mir dann so ein Teil zulege oder nicht, bestimmt sowieso mein "Familienoberhaupt". Schleißlich hab ich ja das Nitrox Brevet auch schon gemacht und bis auf einmal im Urlaub eigentlich noch nicht genutzt, trotz aller Vorteile....
Zumindest hab ich jetzt dank Euch erstmal etwas mehr den Durchblick....

Greetz
Diebels
Antwort von SCR Taucher am 26.04.2007 - 10:41
Was habt Ihr den alle gegen SCR? Ich finde SCR-Tauchen absolut Geil. Was haben denn die "offenen Taucher" schon von ihren Tauchgängen außer Steinen, Felsspalten und Sediment anstarren? Vor denen flüchtet die ganze Tierwelt noch bevor sie in den Sichtbereich kommt.
Mir hat nach meinem OWD Kurs ein Freund das Rebreathertauchen beigebracht und seit dem tauche ich nur noch damit. Die Tauchbasis hier bietet sowas leider nicht an. Wer sagt Rebreathertauchen ist schwer und man muß dafür erst mal soundsoviele Tauchgänge mit normalem Lungenautomaten machen der hat für mich nen Sprung in der Schüssel oder er kennt sich wirklich nicht aus. Erst das SCR-Tauchen ermöglicht das richtige Tauchfeeling, warum soll ich da lange vorher mit Lungenautomat rumdümpeln?

Wer mit einem Rebreather nicht Tarieren kann soll es besser lassen, für den reicht ein Lungenautomat wohl aus. Die Tarierung mit einem SCR geht einem genauso in Fleisch und Blut über wie mit anderen Geräten, man muß immer zuerst ein wenig üben.

Der einzige Nachteil beim Rebreathertauchen ist dass man die Blasen des Buddys an der Oberfläche nicht sehen kann, wenn man sich einmal getrennt hat. Und das ist wirklich der einzige.
Antwort von CCR-Taucher_aus_dem_Norden am 27.04.2007 - 10:56
Ich gebe dem SCR-Taucher völlig Recht. Immer dieses Dummgeschwätze, von wegen mach erst mal 200 TG´s bevor Du das und das darfst. So ein Quatsch, wenn ich mir nen Mercedes S500 kaufe fang ich auch nich mit ner A-Klasse an und steiger mich dann. Ich hab damals Bronze (OWD) gemacht, drei Wochen später Trocki gekauft und getaucht, vier Monate später Silber, nochmal vier Monate später Advanced Nitrox und war ab dann mit 3 Stages unterwegs. Mit Rebreathertauchen hab ich nach insgesamt 102 Tg´s begonnen und dann direkt in der CCR-Klasse. Da wird die Idiotie noch deutlicher. Ein Rebreather kostet minimum 4000,- im Durchschnitt, warum sollte man dann erst mit SCR anfangen, dann alles wieder verkaufen um dann auf CCR umsteigen? Weil man dann Erfahrung hat? So ein Unsinn!!! Du hast dann Erfahrung mit dem X und kannst deshalb Y? Die Gleichung geht nicht auf. Mach Dir Gedanken über deine weitere Tauchkarriere. Was willst Du später? Willst Du hobbymäßig in Tiefen bis 30m fotografieren oder filmen? Dann reicht SCR. Willst Du Tieftauchen, evtl. mit Trimix? Dann fang direkt mit nem CCR an. Mit diesem Gerät machst Du dann alles und meiner Meinung ist es sinnvoller ein Gerät für alles zu haben. Weil an das Gerät wirst Du Dich gewöhnen und alles was man gewohnt ist beherrscht man auch (außer die Ehefrau *lach*). Für mich kam der CCR in Betracht, weil ich später mit Trimix weitermachen werde.
Antwort von Silberflosse Registriertes Mitglied am 27.04.2007 - 15:07
@ CCR-Taucher_aus_dem_Norden

Und warum kann ich mit dem SCR kein Trimix tauchen?
Antwort von divesorb düsselstadt am 27.04.2007 - 18:08
nur so nebenbei... das Dolphin ist für dünnes TMX (20/35) und wenig Bottomtime in fortgeschrittenen PADI+ Tiefen bestens geeignet.
Antwort von L.Weimann am 29.04.2007 - 08:47
Hallo Divesorb Düsselstadt
Welche Flow Rate ( L/min ) verwendest Du wenn du das Dolphin mit TMX 20/35 tauchst ?
Antwort von Geddi2003 Registriertes Mitglied am 29.04.2007 - 10:42
Hi,

bevor ich das Dolphin als mCCR umgebaut habe, habe ich es regelmäßig mit Trimix getaucht, für die Deko dann reinen Sauerstoff aus der Stage in den Loop über ein T-Stück.

Der Flow verändert sich je nach Mischungsverhältnis natürlich - aber dafür gibts Formeln, die man in Excel-Sheets packen kann. Das eher unangenehme ist, dass der Helium-Gehalt im Loop abhängig vom Sauerstoffbedarf schwankt.

Auch kann man natürlich die Flowmeter nicht mehr gebrauchen - es gibt aber ja auch noch andere Möglichkeiten, den Flow zu messen.

Fazit: Gehen tuts, aber mCCR ist genialer

Gerd

Antwort von divesorb düsselstadt am 29.04.2007 - 11:22
ja, der Helium-Gehalt schwankt, jedoch nicht so dramatisch dass wir es je als kritisch angesehen haben; da wir no-dir tauchen sind He-Schwankungen um 5% nicht dramatisch.

Aktive Sterbehilfe gibt`s hier: Hier klicken
Antwort von Sebastian Müller am 01.05.2007 - 10:34
Moin Diebels74,

ich beschäftige mich schon länger mit dem Thema Kreislaufgerät und habe bereits ein SCR und eCCR testgetaucht. Bis heute habe ich mich noch nicht entschieden. Ich würde Dir empfehlen einfach mal ein paar Typen zu tauchen. Erst so kann man richtig heraus finden,welches Gerät denkbar wäre und was alles hinter dem Thema Kreiseln steckt. Und man bekommt eher ein Gefühl für die Sache. Auch gute Fachbücher sind eine Hilfe. Zum Beispiel bei Tecme über das tauchen mit ein mCCR. Man wird staunen, was alles zu beachten ist! Eines ist aber klar, so einfach einen guten Regler an die Flasche schrauben und abtauchen, geht beim Kreiseln nicht! Mal abgesehen von den Anschaffungs und Betriebskosten. In diesen Punkten ist das offnene System unschlagbar. Meiner Meinung nach gibt es drei Tatsachen die das Kreiseln interessant machen. Erstens die Ruhe unter Wasser, den tiefenunabhänigen Verbrauch und der Transport des Gerätes. Das heißt kein D7 oder D12 mehr in den Kombi hiefen, sondern gemütlich zwei 3-Liter Flaschen , oder was auch immer ( natürlich plus Bailout ). Am besten man taucht mal verschiede Systems und wiegt dann die Vor und Nachteile ab. Grundsätzlich kann man sagen, das ein SCR robuster und einfacher zu händeln ist, allerdings kommt es hinsichtlich Geräuschlosigkeit und Gasausnutzung nicht an ein CCR an. Dafür sind die Kosten für ein CCR sehr hoch ( Inspi Neu mit V-Elektronik ab 7000 euro ! )und es ist anfälliger ( siehe www.inspiration-tauchen.de ) Gerade bei einen CCR verläßt man sich voll auf die Elektronik, das ist vieleicht auch nicht jedermanns Sache !

Gruß

Sebastian

Gruß Sebastian
Antwort von fbghjklj am 20.05.2007 - 20:24
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