Sollte bei einer Tauchtauglichkeitsuntersuchung nach PFO gesucht werden? Abgesandt von MaxH am 29.04.2004 - 00:32:
Hallo!
Ich will bald hier meinen Schein machen und muss dafür auch zum (Tauch-)Arzt.
Jetzt liest man in letzter Zeit doch vieles über das PFO und das dadurch erhöhte Risiko auf DCS.
Auf einigen Seiten wird aber doch empfohlen, dass bei einer Standard-Tauchtauglichkeitsuntersuchung nicht auf PFO gecheckt werden sollte.
Ist das sinnvoll? Sollte nicht immer auf PFO untersucht werden? Kann ein "normaler" Taucharzt die Untersuchung überhaupt machen und wie sieht diese aus?
DANKE
Antwort von Stephan K. am 29.04.2004 - 07:26 Eigentlich gehört ein EKG dazu. Ein Kardiologe kann da schon einiges erkennen.
Bzw. Lunge röntgen, EKG, Lungenfunktion usw. werden teilweise von anderen Fachärzten gemacht.
Die Frage ist eher, ob du eine vernünftige Untersuchung machen lässt, oder dir nur "einen Stempel" abholst.
Antwort von Matthias E. am 29.04.2004 - 10:30 25% der Menschen in Europa haben ein offenes Foramen Ovale, also auch 25% aller Taucher. Damit gibt es keine Probleme, da ja sicher 99,99% der betroffenen Taucher gar nichts davon Wissen. Ein offenes FO stellt aber unter Umständen ein leicht erhöhtes Risiko da, dekompressionskrank zu werden.
Wer sich aber an alle Regeln hält, seinen gesunden Menschenverstand beim Tauchen benutzt und elementare Regeln (Nicht Tauchen bei Erkältung HUSTEN!, Sicherheitsstopp, lange Dekopausen, Auftauchgeschwindigkeit) hält, sollte weder mit noch ohne FO Probleme bekommen. Meines Wissens nach ist diese Untersuchung von keiner Instanz als Bestandteil der Tauchtauglichkeit empfohlen.
Zur Untersuchung:
Hier wird meistens eine Ultraschallsonde in die Speiseröhre eingeführt. Der Patient muss einen Schlauch schlucken, ähnlich wie bei einer Magenspiegelung.
Diese Untersuchung ist aufwendig, teuer und für den Patienten sehr unangenehm. Die Durchführung wäre für Sporttaucher unverhältnismäßig.
Antwort von Amoebe am 29.04.2004 - 19:25 Mein Taucharzt empfiehlt die TEE und führt diese auch durch. Die Untersuchung ist sicherlich unangenehm und aufwendig, worin sich die aktuelle Diskussion über die PFO-Diagnostik erklärt. Dennoch gilt sie angeblich als aussagekräftigste diagnostische Maßnahme bei PFO.
Eine weitere Methode ist wohl auch die Feststellung von Gasbläschen in der Schlüsselbeinarterie mittels Doppler-Sono nach vorangegangener Kompression in der Kammer. Mehr kann ich dazu leider nicht sagen. Wer genaues weiß, möge mich aufklären.
Das ist ja mit Kanonen auf Spatzen schießen - absolut übertrieben und unnötig!
Wie Matthias o.a. hat, ist verantwortungsvoller Umgang mit dem Gas Stickstoff weitaus wichtiger.
Weiters stellt sich die Frage, wenn ein PFO tatsächlich diagnostiziert würde - was wäre dann anders....???
Langsam aufsteigen, 3min auf 3m, etc. etc. und all die anderen bekannten "Sicherheitspolster" - das machst Du hoffentlich ja auch so...
Antwort von aufsicht am 30.04.2004 - 06:36 @ MaxH
1. zunächst muss mal gesagt werden, dass sich die tauchärzte nach meinem kenntnisstand weitgehend einig sind, dass durch ein PFO das risiko beim tauchen erhöht wird.
2. bei einer ordentlichen (!) tauchtauglichkeitsuntersuchung kann ein PFO nicht festgestellt werden.
3. die eindeutige diagnose stellt dir ein kardiologe mittels ultraschalluntersuchung, mit hilfe eines gespritzten mittels, welches in der rechten herzkammer sichtbare bläschen erzeugt (durch pressen bei einem PFO dann auch in der linken...)
4. die untersuchung ist überhaupt nicht unangenehm, kostet allerdings ca. 250 bis 300 taler.
5. vergiss das von den belesenen kollegen beschriebene schlauchschlucken und auch die vorherige kompression in der kammer - sorry leute - das ist wirklich großer käse !
6. wenn das geld nicht allzu knapp ist, würde ich an deiner stelle eine solche untersuchung machen lassen. falls positiv, wären nämlich einige verhaltensmaßregeln um einiges geanauer zu beachten. wenn man dies dann auch befolgt, ist das tauchen auch mit PFO o.k.!
immer gut luft !!
Antwort von Amoebe am 30.04.2004 - 11:29 Meines Wissens nach liefert die transösophageale Echokardiographie eine sichere Diagnose, wobei sich diese Untersuchungsmethode die anatomische Beziehung zw. Speiseröhre und dem re Vorhof zunutze macht, was einen "besseren Blickwinkel" für den Untersucher ergibt (und dieser sei wohl transthorakal nicht zu erreichen). Es wundert mich, dass ich nur wenig über die transthorakale Variante zur PFO-Diagnostik finden konnte.
Im Übrigen ist die TEE sicherlich nur eine Ausnahme-Untersuchung - ich wollte nicht den Eindruck erwecken, auf Spatzen schießen zu wollen.
Unabhängig von allem sollte ein sicheres Tauchprofil ohnehin immer eingehalten werden.
Über die Doppler-Methode kann ich leider nichts genaueres sagen, ich weiß aber, dass sie in größerem Umfang von DAN durchgeführt wurde. Ich geh mal suchen...
die TEE oder die Doppleruntersuchung sind z.Zt. die wichtigsten diagnostischen Verfahren zur Festellung eines PFO. Bei der Doppleruntersuchung wird dem Probanden ein Kontrastmittel (Echovist(R) = Luft mit Lactose aufgeschäumt) injiziert, das über einen kurzen Zeitraum im Körper transportiert wird (baut sich wieder ab, also absolut unschädlich). Anschließend wird mittels Ultraschall über der Schlüsselbeinarterie oder hinter dem Ohr in einer Kopfarterie vor und nach Kompression des Brustkorbes (Valsalva etc.) nach Bläschen gefahndet. Sollten welche nachweisbar sein, lässt das auf einen shunt zwischen arteriellem und venösen Kreislauf schließen, was aber nicht zwangsläufig ein PFO sein muss. So oder so ist dieser shunt aber für den Taucher nicht gesundheitsförderlich.
In den letzten mir vorliegenden Studien von DAN zeichnet sich ab, dass Taucher mit PFO eine höhere Wahrscheinlichkeit haben DCS 2 mit cerebraler (Gehirn) Symptomatik zu entwickeln, obwohl sie sich vermeintlich an die Tauchregeln gehalten haben. Das kann auch nach 500 oder 1000 TG ohne Vorfälle passieren. Desweiteren scheinen Tätigkeiten nach dem TG einen weit wichtigeren Beitrag zur Problematik zu erbringen als der sprichwörtliche Druckausgleich, (Besteigen einer Bootsleiter in voller Montur, Schleppen des PTG zum Auto, alleine Absetzen der Flaschen ...).
Inwieweit sich ein PFO durch Belastungen "bilden" oder wieder "zurückbilden" kann, wurde leider nur an sehr wenigen Probanden untersucht, lässt aber noch interessante Ergebnisse erwarten.
So oder so ist die Untersuchung auf PFO noch keine Voraussetzung für eine Tauglichkeit, auch noch nicht bei gewerblichen Tauchern. Sie ist aber empfohlen, bevor man extrem dekompressionspflichtige Profile ("technisches Tauchen", häufiges Tauchen in große Tiefen ...) oder den Status des (gewerblichen) Tauchlehrers (größere Wahrscheinlichkeit der Notaufstiege in Übung und Realität, Vieltaucher ...) anstrebt.
Meine Doppleruntersuchung hat mich weniger gekostet als eine mittelmäßige erste Stufe, aus diesem Gesichtspunkt muss jeder selbst entscheiden, ob einem das die Ausgabe wert ist.
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