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Tauchen wir heutzutage unsicher?
Abgesandt von Nowotaucher Registriertes Mitglied am 19.03.2008 - 12:09:

Ich möchte hier in der Runde mal die Frage stellen, ob wir heutzutage wirklich unsicherer tauchen als z.B. vor 20 Jahren, u.a. weil wir uns darauf verlassen dass die heutige Ausrüstung besser ist als früher.

Anlass für diese Frage ist eine andere Diskussion, die inhaltlich ziemlich entglitten ist. Ich möchte daher versuchen hier eine sachliche Diskussion anzuregen, was auch bedeutet, dass Aussagen soweit möglich mit Fakten hinterlegt werden sollten. Beispiele aus der eigenen Erfahrung sind natürlich auch erwünscht.

Worum geht es mir im Speziellen:
- Sind die heutigen Tauchprofile unsicherer?
- Verlassen wir uns zu sehr auf unser Tauchequipment?
- Akzeptieren wir leichtfertig das Risiko?
- Planen wir unsere TG unzureichend?
- Fehlt heutigen Tauchern das Wissen / Verständnis über die notwendigen Themen?

Ich würde mich freuen, wenn es zu einer anregenden und vor allem sachlichen Diskussion kommt.

Gut Luft,

Andreas



Antwort von ich tu´s schon wieder ... am 19.03.2008 - 12:24
Da ich noch keine 20 Jahre tauche, kann ich eigentlich nicht mitreden ... mit stellt sich aber spontan die Frage, wer mit WIR denn überhaupt gemeint sein kann.
Eine Verallgemeinerung kann es m.E. nicht geben und zwischen schwarz u. weiß (um passend zu Ostern mal bei den Schafen zu bleiben) gibt es sicherlich ganz viele `Schattierungen`.
Für meinen Teil würde ich die Fragen mit Nein beantworten ...
Antwort von Weltenbummler Registriertes Mitglied am 19.03.2008 - 12:37
@Andreas,
Ich denke, heutzutage ist vieles zu übertechnisiert, speziell in den Händen von Anfängern.
- Jackets mit Flight Control - wofür soll man noch tarieren können.
- Luftintegrierte Compis - wozu muss ich noch einen Tauchgang planen (aber wenn plötzlich Strömung aufkommt, ist die Luft schneller alle als angezeigt).
- Jo-Jo Tauchgänge - der Compi rechnet das schon.
- Fehlendes Grundwissen über Druckverhältnisse, Nullzeiten, Repititivtauchgängen, etc.
- Eigene Überschätzung - das bisschen Strömung kann doch nicht viel schlimmer sein als im Baggersee.
- Nach 10 TGs schon die Videokamera in der Hand.
- Gruppenzwang - ich muss auch beim Elphinstone durchtauchen.

Am besten kannst du all diese Fakten bei Safaris im Roten Meer kennenlernen.

Gruß
Weltenbummler
Antwort von jolakos am 19.03.2008 - 12:50
Hallo Andreas,

ich würde es an meinem eigenen Beispiel beschreiben.

-über 60% meiner Tauchgänge waren Solo TGs,
-verschiedene Drills immer geübt und beherrscht
-abblasende Automaten kamen vor, wußte aber was zu tun ist
-technik auf dem Stand was man heute in der Tech Szene als Gold-Standard nennen würde
-alles doppelt abgesichert
- sehe mich als eine Psychisch sehr gefestigte Person
....und so weiter und so weiter.......

Fakt ist, dass ich mein Leben in einem nur 18 Meter tiefen Tümpel beinahe gelassen hätte, weil nicht die Technik, sondern Ausnahmsweise die Psyche versagt hat.

Und das hätte mir auch schon vor 20 Jahren passieren können,
Somit ist die Antwort auf die Frage aus meiner Sicht ganz klar NEIN.


Antwort von Euregiotaucher Registriertes Mitglied am 19.03.2008 - 12:55
Hallo Andreas,

ich denke nicht das wir unsicherer Tauchen als vor 20 Jahren ... ich denke - die Technik und das Material - ist über die Zeit weiterentwickelt worden.

Um es mal hart auszudrücken:
Die Rechnebeispiele in den Computern werden mit jeder Neuauflage eines Tauchcomputers neu aufgelegt ... Und wie oft neues auf dem Tauchermarkt ist brauch ich nicht zu erwähnen.

Aktuell in Sachen Tabelle wäre dann hier u.a. die Deko 2000 ... Wir haben grad schon 2008 also ist die Tabelle 8 Jahre alt - und steht in einem Verhältniss zum aktuellen Tauchcomputer - such dir einen aus - von mehreren Jahren aktueller Erkenntnisse.

Ich denke nicht das die Frage lauten muss. Tauchen wir unsicherer als vor 20 Jahren - sondern das die Frage lauten muss: Tauchen wir risikobereiter als vor 20 Jahren

Unsicherer denke ich nicht - risikobereiter auf jedem Fall ... wie der Weltenbummler ja schon schrieb ...

Mit Computer am Limit Nullzeit immer vorbeischrabben ... Die Erkenntnisse der Jahre in der Technik ebnen uns den Weg Limits im Vorfeld sichtbar zu haben - den Hinweis darauf das in wenigen Augenblicken aus dem Tauchgang ein Dekotauchgang werden wird - Hinweise wielang ich wo bitte zu verweilen hab für die Pausen beim Aufstieg ...

Wie gesagt - im Prinzip tauchen wir sicherer - aber risikobereiter ...

In diesem Sinne
Uwe
Antwort von vucub-caquix Registriertes Mitglied am 19.03.2008 - 13:03
Ich glaube eher das sich Risiken verlagert haben.. Ich tauche nicht seit 20 Jahren, aber wenn ich so manchen von Pressluft TGs auf 70m als Normalität vor 20 Jahren sprechen höre, dann hört sich auch das nach Risiken an.. Darüber hinaus ist die Technik sicher verlässlicher geworden (beosnderes die Regler).
Um die Frage zu klären würde ein Blick in die Statistik helfen.. Ich hab das nicht in Detail getan, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass das Ergebniss wäre, das tauchen allgemein (sowas wie Unfälle/Tauchgänge) sicherer geworden ist.
BSAC z.B. hat ziemlich komplette Statistiken und auch im Ehm ist ein bisschen was zusammen gefasst; wenn ich mich richtig erninnere mit dem oben genannten Ergebniss.
Antwort von Doris Registriertes Mitglied am 19.03.2008 - 13:04
Sicherheit hängt kaum von der Ausrüstung ab, sondern hauptsächlich vom Verhalten des Tauchers.
Besonnenen Vorgehen und dem Können entsprechende Tauchgänge schließen meiner Meinung nach schwere Unfälle aus, abgesehen natürlich von den vielzitierten Herzinfarkten u.ä.
Antwort von JochenG Registriertes Mitglied am 19.03.2008 - 13:11
Doris, leider muß ich Dir widersprechen. Auch wenn viele es wohl nicht hören Möchten, ist doch die Ausrüstung auch für die Sicherheit verantwortlich. Ein Beispiel:
Taucher X hat keine Ahnung, was bei einem abblasenden Automaten zu tun ist. So - nun taucht er aber im schönen kalten Bergsee. Gute Ausrüstung minimiert das Risiko in diesem Fall, Opfer seiner Unwissenheit zu werden - ich sage minimiert, nicht verhindert.

Genau so, wie ein Computer hilft (sofern man ihn ablesen kann), den TG etwas flexibler zu gestalten - was aber nicht bedeutet, daß man nicht auch ohne Computer den TG berechnen können sollte...

Ich tauche auch noch keine 20 Jahre - aber Geschichten, die mir "alte Taucherhasen" erzählen.. uiuiuii

LG,
Jochen
Antwort von tl3 Registriertes Mitglied am 19.03.2008 - 13:16
Hallo Andreas,

Nein!

Als ich vor 17 Jahren meinen ersten Tauchurlaub in Kroatien gemacht habe, war ich der einzige der einen Tauchcomputer (DC11) hatte. Von den 10 Tauchen hatte außer mir noch zwei Taucher ein Jacket.
Vier hatten einen „Klodeckel“ und drei hatten keine Tarierhilfe.
Die hälfte der Taucher hatte sich auf ihre Reserve an der Flasche verlassen, also ohne Fini.
Es hatten auch nicht alle einen Tiefenmesser, aber sehr wohl eine Uhr.
Nach den ersten TG wurde eine Flasche Rotwein geöffnet und kreisen lassen, als Dekowasser.
Es war noch sehr verbreitet, das Alkohol eine Deko verhindert.
Demzufolge haben wir auch jeden Abend mit Bier und Wein versucht eine Deko zu bekämfen.
Und wir haben intensiv gekämpft.
Auch wahren 50-60m TG keine Seltenheit. Und das zwei bis drei mal am Tag. Jeden Tag.

Ich denke, so sicher wie heute ist man früher nicht getaucht.
Antwort von Nowotaucher Registriertes Mitglied am 19.03.2008 - 13:38
Hallo zusammen,

von hinten nach vorne:
@Doris: "Sicherheit hängt kaum von der Ausrüstung ab, sondern hauptsächlich vom Verhalten des Tauchers."
Ich denke, das ist der entscheidende Punkt, der an dem man am meisten ansetzen muss, wenn man Unfälle vermeiden will. Letztlich sind alle schweren Unfälle (auch ich nehme jetzt hier ausdrücklich unvorhergesehene körperliche Probleme aus) das Resultat falschen Verhaltens. Das kann bedeuten, dass der Taucher nicht angemessen (in Bezug auf sein Können) taucht oder dass er nicht angemessen auf einen Zwischenfall reagiert.

@vucub-caquix
In genau diese Richtung denke ich auch. Wenn man sich die Statistiken über die Jahre ansieht und bedenkt, dass wie viel mehr Leute jetzt tauchen, als sogar vor 10 Jahren, ist der Prozentsatz der verunglückten Taucher deutlich nach unten gegangen.
Ich tauche auch noch keine 20 Jahre, habe aber bei Personen die ich kenne auch festgestellt, dass bei vielen dieser sehr altgedienten Taucher zumindest früher die besagten 70m auf Luft zum Tagesgeschäft gehörten. Dies lässt sich auch durchaus in Newsgroups und Foren wie dem Taucher.Net beobachten. Ich denke, dass diese Art Taucher heutzutage sehr viel seltener geworden ist. Ich behaupte jetzt einfach mal, dass es zwei große Gruppen gibt:
1) Gelegenheits- und Urlaubstaucher die selten über 30m tauchen.
2) Regelmäßige Allwettertaucher, die häufig Tauchgänge bis 50m und/oder Dekotauchgänge machen, sich aber im allgemeinen mit dem Tauchen und den damit verbundenen Risiken stärker auseinander setzen.

Alles andere sind eher Randgruppen. Ich gebe zu, dies ist stark verallgemeinert.

@Uwe: " Mit Computer am Limit Nullzeit immer vorbeischrabben" - meiner Meinung nach eine der größten Gefahren bei der Gruppe 1 und einer der Gründe, warum ich tendenziell diese Gruppe für gefährdeter halte. Wobei hier zu sagen ist, dass Tauchunfälle die der Gruppe 2 passieren in der Regel gravierendere Folgen haben (wieder verallgemeinert, natürlich)
"im Prinzip tauchen wir sicherer - aber risikobereiter" Würde ich so gar nicht mal sagen. Risikobereit bedeutet, dass Du ein erhebliches Risiko siehst und etwas trotzdem machst oder eine generelle Ahnung vom Risiko hast, Dich damit aber nicht auseinander setzt.
Ich sehe mich nicht als risikobereit, obwohl ich mich zur Gruppe 2 zähle. Das bedeutet, dass ich vor einem anspruchsvollen Tauchgang eine Risikoanalyse mache, anschließend die Risiken bewerte, zu begrenzen versuche und anschließend entscheide, ob das Restrisiko vertretbar ist.

@jolakos: Ja so etwas, wie Dein Beispiel meinte ich. Ich glaube es zeigt sehr gut, dass wir uns über die mentalen Gegebenheiten beim Tauchen ziemlich Gedanken machen müssen, denn so etwas kann jedem passieren.

@Weltenbummler: Genau deswegen glaube ich auch, dass die erste Gruppe so stark gefährdet ist. Allerdings muss man hier glaube ich auch sehr stark nach Persönlichkeit unterscheiden. Ich habe viele Urlaubstaucher getroffen, die zwar nicht die super Fähigkeiten hatten und auch in der Theorie vielleicht nicht auf dem neuesten Stand waren, aber die sich auch ihrer Grenzen sehr bewusst waren und dementsprechend getaucht sind. Und das ist auch ok.

@ich tu´s schon wieder ...: Ja ich stimme Dir zu, Verallgemeinerungen kann es nicht geben, weil es einfach hauptsächlich grau zwischen Schwarz und Weiß gibt. Aber trotzdem kann man und muss man bei Diskussionen auch etwas verallgemeinern, weil man sonst nur von Einzelfällen spricht.

Gut Luft,

Andreas
Antwort von boesewicht Registriertes Mitglied am 19.03.2008 - 14:39
Unterschied heute und vor 20 jahren ...

damals waren es nicht so viele Taucher ...
damals waren die Ausrüstungen einfacher, man wußte, das die Sachen evtl. ausfallen könnten und man konnte damit aber entspr. umgehen ...
für etwaige Probleme oder Ausfälle wurde sich über Alternativen (Plan B) Gedanken gemacht ...
damals probierte man verschiedenes aus und tastete sich in den meisten Fällen langsam an seine Grenzen heran ...
die meisten damaligen Taucher hatten einiges an "Solotauchkompetenz"



heute gibt es massig Taucher ...
heute lassen sich - gerade die Anfänger - von der Werbung beeinflussen und denken nicht im Traum daran, das Ausrüstungsteile mal versagen könnten oder Regler einfrieren könnten ...
wenn Ausrüstungen oder Teile unter Wasser versagen, dann ist bei vielen Leiten überhaupt kein Plan B vorhanden und dadurch Streß angesagt ...
man verläßt sich sehr gerne auf seinen Computer und das eigene Denken wird eingeschränkt ...
man läßt sich gerne von anderen verführen (Gruppenzwang) etwas zu machen, was man eigentlich lassen würde - nach dem Motto "wenn der 50mtr. tauchen kann und tut, dann kann ich das auch ..." - das dann teilweise mit min. mitgeführter Luftmenge
heute verläßt man sich gerne und zu viel auf den Buddy ...

Man braucht sich doch nur in den ganzen Internet-Tauchforen umzusehen - da werden Tauchgänge und Abläufe durchgeführt, das es teilweise echt der Sau graust und wo einfach eine Menge Glück mitspielt, aber mit wirklich wenig eigenem Denken ...

Lieber läßt man sich von einem anderen Taucher (auf den man sich einfach verläßt) etwas zeigen oder macht mit Ihm entspr. Tauchgänge anstatt sich da einmal für eine entspr. Ausbildung bei einem Tauchlehrer anzumelden - zb. Tieftauchgänge usw.

Dekoberechnungen werden durchgeführt ohne Hintergrundwissen und teilweise unter Zugrundelegung falscher Tabellen - man taucht Pressluft und labert über Trimix-Tabellen usw.
man taucht mit Stages (Inhalt Pressluft) und atmet daraus (weil es ja so gemacht wird) und hat auf dem Rücken massig Gas entweder in Monoflaschen oder Doppelpacketen - die Logig der Aussagen wegen dem Warum - schwer nachzuvollziehen ...
Antwort von Kleiner Hans am 19.03.2008 - 14:46
Hallo Nowotaucher und wer nch da ist.
Zu deiner Frage: Tauchen unsicherer als vor x Jahren?. Absolut ja-leider.
Ich tauche seit 1980,habe knapp 1000Tg und bin Tl*,habe jahrelang als Ül ausgebildet. Wenn man in den 80gern beim Vdst(ich kannte sonst nichts auser Dlrg)die Ausbildung gemacht hat war das schon sehr gründlich und zeitintensiv,fast ein Jahr bis Bronze*. Zugegeben die Ausbildungsmethoden waren etwas rauh und erscheinen heute als brutal oder gesundheitsschädlich,( Sprung mit PTG vom 5Meter Turm,Zudrehen der Flasche beim Tauchen, Plötzliches wegreisen der Maske unter Wasser,Anlegen der Ausrüstung im Hallenbad wohlgemerkt mit Neopren usw)aber wen man das lange und immer wieder geübt hatte waren zb- Sprung von einer hohen Bordwand kein Problem, Es gab keine große Panik wenn einem die Maske von den Flossen des Vordermannes weggeschlagen wurde. Oder auf einem Tauchboot schlecht ausgebildete Taucher durch das Schiff Rollten weil sie das anziehen des Neoprenicht geübt hatten.Das sind nur ein paar Beispiele das die Ausbildug damals schon Sinn machte, wenn auch wie schon gesagt Bw mässig. Die Theorie wurde solange gelernt und geübt bis man sie konnte , und da kein finanzieller Anreitz zum schnellen durchziehen von Tauchschülrn da war hatte man Zeit. Ich habe 3 Jahre auf einer Tauchbasis Semiprof gearbeitet, was einem da an schnell und durchgezogenen Tauchern begegnet ist Schade um das viele Geld was die Leute gelassen haben, für ein Minimum an Ausbildung. Keine 100Tg und man redet schon von einerTl Ausbildung-Erfahrung machen wir hinterher..Theorie-DecoTabellen:ich hab ja einen Compi. Schöne Ausrüstungen sieht man heute, nur kann der stolze Besitzer auch damit umgehen???. Aber was rede ich Alter Mann: Neue Zeiten neue Zöpfe äh-Taucher. Ach so man vergist Wasser ist Wasser, und wir sind da nur Gast-ohne gute Ausbildung mancheiner nur kurz.
Gut Luft der ewig gestrige Hans
Antwort von kwm Registriertes Mitglied am 19.03.2008 - 15:28
Das Tauchen heute ist sicherer als das Tauchen früher und es ist unsicherer als das Tauchen in der Zukunft. Das war so, das ist so und es wird auch immer so sein.

Jedes technische System hat Vorgänger und Nachfolger. Jedes technische System kann versagen. Alles kann verbessert werden und wird trotzdem nie vollkommen sein.

Ich habe das Glück nicht in der Vergangenheit zu Tauchen, aber auch das Pech nicht in der Zukunft zu tauchen. Wie wir alle bin ich auf die Gegenward angewiesen. Also bleibt mir nur auf dem aktuellen Stand der Technik und Forschung zu tauchen. Ich halte diesen Stand aber für so sicher, das ich das Restrisiko unter fast allen Bedingungen zu beherschen glaube. Hier bei hilft mir eine sehr gute Ausbildung und Weiterbildung, ständiges Training, sowie eine optimal redundant zusammengestellte Ausrüstung.

Gut Luft,
Klaus

PS.: Ich hätte gerne die Technik von Morgen.
Antwort von Kölle Alaaf Registriertes Mitglied am 19.03.2008 - 17:18
Habe mich am Wochenende etwas genauer mit dem Thema beschäftigt. Ausrüstung und wissenschaftlicher Kenntnisstand - und damit Ausbildung - ist sicher besser geworden, dafür sind mehr Anfänger unterwegs (und die Fitness ist sicher schlechter wie "früher"). Statistiken hierzu jedoch recht mau, sodaß man diese Thesen nicht "beweisen" kann. Faktum ist aber, dass laut aktuellen Untersuchungen von Aquamed Tauchen zwischenzeitlich in der Unfallbewertung so auf Augenhöhe mit Bowling angekommen ist. Wichtig deshalb, daß man neben der TTU auch übersieht, was man mit seinem Gerödel so im Wasser z.B. bei Strömung und Kälte hinbringt und seine TG darauf ausrichtet.

Deshalb hierzu ein kleiner Vorschlag:

Hier klicken

13,50 Euro für den Test sollte es einem wert sein ...

Antwort von rummeltaucher am 19.03.2008 - 17:23
Ich tauche schon seit 20 Jahren. So einfach läßt es sich nicht beantworten. Heute taucht man durch den TC näher an der Nullzeitgrenze, natürlich fällt da mal eher einer durch das Netz. Tauchen ist zu einem Breitensport geworden. Dadurch sind auch Taucher im Wasser, die besser nicht dahin gehören. Die Ausbildungsanforderungen sind dem Markt, nicht aber den Anforderungen angepasst worden. Tauchen ist halt zum Geschäft geworden. Die Ausrüstung ist besser und vielfälltiger geworden. Dadurch ist das Ganze angenehmer geworden, wodurch sich wieder Taucher ins Wasser wagen, die besser nicht dahin gehören. Durch die hohen Luftlieferleistungen der Automaten hat die Vereisungsgefahr zugenommen. Das konnte durch neue Techniken und Materialien nicht immer ausgeglichen werden. Im Gegenteil, heute findet man immer mehr Kunststoff an einem Atemregler. Dafür wurde früher Tiefer getaucht.
Heute vertaut man mehr der Technik (TC, hohe Luftlieferleistungen). Früher setzte man mehr auf Ausbildung. Heute werden mehr Tauchunfälle bekannt. Das aber liegt auch an neuen Kenntnissen, sammeln von Informationen und moderner Komunikation (Internet). Wer will da schon sagen ob es heute unsicherer ist als früher.
Ich glaube Tauchen ist heute genauso ungefährlich wie früher. Durch im Durchschnitt gute Ausrüstungen habe wir die Chance sicher zu Tauchen. Macht selber was daraus.
Es sterben mehr Taucher auf der Schipiste als beim Tauchen.
Antwort von boesewicht Registriertes Mitglied am 19.03.2008 - 17:29
Moment ...

Zitat:
"Ausrüstung und wissenschaftlicher Kenntnisstand - und damit Ausbildung - ist sicher besser geworden"

würde ich jetzt so pauschal nicht unterschreiben wollen - eine gute Tauchausbildung liegt immer an dem entspr. Tauchlehrer und an der entspr. Basis.
Leider trifft man immer wieder "Spezialisten" an, die zum Tauchen ausgebildet wurden und wo man sich ernsthaft fragt, wie die in den Besitz eines Brevets gelangt sind ... - des öfteren im Ausland im Urlaub "ausgebildet", gelegentlich aber auch von einheimischen Basen "ausgebildet" ...

Die Theorie, die man bei einer Ausbildung an den Tauchschüler weitergeben könnte - die ist sicherlich mehr als früher - aber ob der Inhalt und die Menge dieses erweiterten Wissens auch wirklich weitergegeben wird ???

Ich erinnere mich gerne an versch. OWD-Ausbildungen (bei mir damals und bei beobachteteten von heute) - nach dem kurzen duchmachen der Tabellen kam "kauft euch einen Computer"
Deko ? - "wenn die Nullzeit überschritten wird, kommt man in die Deko ..." - weitere entspr. Daten kamen dann aber nicht mehr ...
Antwort von scuba62 Registriertes Mitglied am 19.03.2008 - 18:20
Hallo Andreas,

mit 20 Jahren kann ich leider nicht dienen, 17 Jahre müssen jetzt grad mal von meiner Seite reichen.

Im Prinzip hat sich die Technik nur geringfügig geändert, ein paar Feinheiten sind hinzugekommen, die es aber nicht wirklich ausmachen. ENOS fällt mir da mal als echte positive Innovation ein.

Was sich massiv geändert hat, sind die Menschen die Tauchen. Manch Fettleibiger hätte früher beim Konditionstraining schon nach kurzer Zeit aufgegeben. Wer schafft denn noch 50m Streckentauchen, oder auch nur 1min Zeittauchen?
Sorry, aber der Fettanteil am Ufer der Seen hat sich mehr als deutlich erhöht, und damit selbstverständlich auch das Deko-Risiko! Heute versuchen einige zu laufen, bevor sie richtig gehen können, und das auf breiter Front. Bei manchen muss man schon Angst haben das sie irgendwo (Höhle….) stecken bleiben obwohl sie vor wenigen Jahren erst mit dem Sport begonnen haben….

Inflationäre Brevetvergabe (anderes Wort für Quittung..) ersetzen heute oft taucherische Grundfertigkeiten, die früher deutlich massiver gefordert wurden. Viele Übungen sind aus der Ausbildungspraxis entfernt worden, weil sie letztendlich eine zu hohe Ausschlussquote herbeiführten. Dieser Schritt erzeugt meiner Meinung ebenfalls eine hohe Ausschlussquote, nur inzwischen etwas Zeit versetzt (bei einem Unfall)…..


Zu deinen Fragen:
„Sind die heutigen Tauchprofile unsicherer?“
Bin ich mir nicht sicher, ich vermute mal, dass die flächendeckende Einführung der Computer doch eher Positives bewirkt hat.

„Verlassen wir uns zu sehr auf unser Tauchequipment?“
Das sowieso, Gedanken um einen sicher funktionierenden Plan B machen sich leider nur wenige.

„Akzeptieren wir leichtfertig das Risiko?“
Man kann das Risiko minimieren, die entscheidende Eigenschaft ist nach wie vor die Psyche des Tauchers. Ein Ausweg aus einer Situation, den man vorher nicht zumindest in Gedanken durchgespielt, besser praktisch geübt hat, dürfte in der Praxis nur schwer durchführbar sein…

„Planen wir unsere TG unzureichend?“
Glaube nicht, dass dies in der Masse der Fall ist…. Wenn dann würde ich es eher so beschreiben, dass TGs geplant werden die dann teilweise noch nicht zum Taucher passen… Siehe unten über die Gründe dafür.

„Fehlt heutigen Tauchern das Wissen / Verständnis über die notwendigen Themen?“
Das Wissen hat sich eher noch vermehrt, das Verständnis darum würde ich eher als rückläufig bezeichnen.

Zusammengefasst:
Die Ausrüstung ist etwas besser geworden, das Wissen ebenfalls. Aber das Wesentliche, der Mensch, ist inzwischen durch die hohe Verbreitung deutlich schlechter, Körperlich sowie auch von der Eigenschaft, Problemfälle durchdenken/durchspielen zu wollen/können, bevor sie eintreten.


Hier mal eine Antwort die ich auf eine ähnliche Frage von kompetenter Stelle erhielt (März 2005):

MEIN Eindruck ist, dass die Tauchunfallquote seit ca. 2 Jahren wieder STEIGT - und zwar deutlich. Ich bringe das aber nicht mit der Ausbildung, sondern mit dem Individualverhalten in Verbindung. Der Mensch sucht Freiheiten in einer Gesellschaft, die immer mehr Zwängen unterliegt und kaum Gestaltungsspielraum läßt.

Die Bereitschaft, Risiken einzugehen oder gar zu suchen, steigt beim Tauchsport und beim Snowboarden, beim Paragliding und beim Höhentrekking.....

Gruß
Jürgen
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Antwort von shuttle Registriertes Mitglied am 19.03.2008 - 18:26
Hallo Andreas,
kurz auf den Punkt gebracht (subjektiv das Ganze)

- Sind die heutigen Tauchprofile unsicherer?
nein, warum auch, eher sicherer durch Rechnerunterstützung, denn getaucht wurde schon immer nach topologischen Gegebenheiten, nicht nach Lehrbuch und das Tauchverhalten waren nicht besonderes "diszipliniert". Also ein Schmarrn, mit "früher nur klassische Profile, kein Jojo, Tiefster zu erst, wenig Wiederholungstauchgänge etc.

- Verlassen wir uns zu sehr auf unser Tauchequipment?
Weiß ich nicht, kann ich nicht verallgemeinern oder wüßte nicht, woran man (ich) hier eine Aussage festmachen könnte. Die (verantwortungsbewußten) Leute in meinem Umfeld, nein.

- Akzeptieren wir leichtfertig das Risiko?
Ist individuell sher verschieden, war aber früher nicht anders, denke fast, die Risikobereitschaft war früher noch höher (da in der heutigen Ausbildung schon sehr auf Sicherheit getrimmt wird)

- Planen wir unsere TG unzureichend?
Das schon eher, Tauchgangsplanung im klassischen Sinne sieht man immer weniger. Der Computer wird es richten

- Fehlt heutigen Tauchern das Wissen / Verständnis über die notwendigen Themen?
Eigentlich nicht, von manchen Schnellbleichen in Urlaubsdestinationen abgesehen. Es ist wie in jeder Ausbildung, die einen (interessierten) vertiefen sich im Stoff, ein anderer Teil geht schnell und locker darüber. Die jenigen, die dabeibleiben, sind meist die, die sich auch vertieft mit Tauchspezifischen Themen auseinandersetzen.

Grüßle
Sh
Antwort von kwolf1406 Registriertes Mitglied am 19.03.2008 - 19:58
Hi Andreas,

super, dass du das Thema hier neu aufgrgriffen hast und daraus eine sehr gute Diskussion entstanden ist.

Ich selbst kann, obwohl die Lebensmitte schon überschritten, nicht auf 20 Jahre Tauchen zurückblicken - allerdings bin ich seit ein paar Jahren im Schnitt jede Woche unter Wasser.

Aber über Sicherheit und Tauchverhalten mache ich mir auch so meine Gedanken. Ich sehe (subjektiv) zwei Strömungen:
1. Die Massenausbilgung von Menschen, die schnell, mit wenig Aufwand - aber sicher(!) unter Wasser kommen: Das sind die, die enge Grenzen in der kurzen Ausbildung mit bekommen. Sie halten sich daran und an ihren Guide und können, vor allem im Urlaub, unbeschwert das Tauchen in den (A)OWD- Grenzen genießen. Trotz einigem "Naserümpfen" der anderen, tauchen diese Mensche sicher(er). Ich finde, es ist auch nichts dagegen einzuwenden, sofern ihnen auch die Unversehrtheit und Sicherheit der Umwelt (Riff, See, Lebewesen) ebenfalls am Herzen liegt und sie z.B. ihre Tarierfähigkeit dazu verfeinern.

2. Die, die sich von Anfang an besser oder weiter qualifizieren. Bei denen kommt schnell der Zeitpunkt, wo sie sie allfällige "Sporttauchergrenzen" ("30m, 30min, no Deko" - im Baggersee eher 20 m) antasten und anspruchsvoller werden. Da weiß ich nicht, ob der sichere Schoß nicht auch von einigen verlassen wird. Das ist die Minderheit der Taucher, deshalb fallen sie vielleicht staischisch nicht auf. Da muss dann Brain 1.0 den Tauchkomputer ablösen, sonst wird es schon gefährlich. Ich kenne aber in meinem Umfeld viele, die diesen Schritt gehen und ich meine, diese leben nicht gefährlicher, stelle es aber immer wieder - auch für mich - in Frage und denke z.B. darüber nach, meine persönlichen Grenzen zu erkennen und zu respektieren. das führt immer mal zu Phasen, wo ich mir weniger zutraue, als vorher, als ich noch unbedarfter war. Ich sehe es als eine Art "schubweisen" Reifeprozess und mache erst dann weiter, wenn ich überzeugt bin, es auch zu können. Bis dahin halte ich meine Grenzen enger, als ich eigentlich (von außen betrachtet) bräuchte.

Das ist nun eine recht persönliche Antwort geworden. Würde mich mal interessieren, wie es andere so für sich ganz persönlich sehen.

Grüße
Klaus
Antwort von D-32 Registriertes Mitglied am 19.03.2008 - 20:32
Die Ausrüstung wurde perfektioniert und damit sicherer, die Tauchausbildung wurde eindeutig schlechter, weil Brain 1.0 durch downgrade auf Brain 0.2 weitgehend ersetzt wurde.

Schon genannt: Früher nutzte man Tauchtabellen und machte seine entsprechende Deko, heute wird den Anfängern eingebläut, dass Deko was ganz Böses ist, und fortan schraddeln sie mit Ceilingprofilen aus dem Tauchcomputer daran entlang und wissen gar nicht, was sie da eigentlich tun und dass gerade so etwas nach Pflichtdekostopps schreit.

Dazu die Menge an TV-Sport-Couchpotatoes, die nur im Urlaub bunte Blasen macht - auch nicht gerade eine risikolose Klientel.

Und viele der heutigen Tauchlehrer haben auch nur einen Bruchteil des Wissens ihrer Vorgänger vor 20 Jahren - meinen sie auch nicht haben zu müssen, denn es wird ihnen ja alles "standardisiert" angeliefert, was sie zu tun haben. Und etlichen von ihnen fehlen auch Hirnwindungen, tiefer in die komplexe Materie einzusteigen.

Antwort von Kleiner Hans am 19.03.2008 - 20:59
Weltenbummler/D32
Danke-endlich mal klare Worte, sehe die Problematik genauso. Was nützt mir die schönste Ausrüstung wen ich nicht weiß was ich tue. Weniger Unfälle, das ich nicht lache viele Tauchbasen spielen Unfälle runter aus Angst vor Verlust der Konzesion oder schlechter Presse.Als ich nach einem Notaufstieg eines Divemasters mit seiner Gruppe das Unfallmanagement übernommen habe und Sauerstoff eingesetzt habe, ihm ging es nicht gut muste ich mir im nachhinein anhören das sei übertrieben.Jetzt hatten die anderen Gäste Angst und der Tag sei versaut.Wohlgemerkt ich war unbeteiligter Gast,aber der einzigste der was getan hat.Die andereAngestellte war mit Weinen beschäftigt. Oder Heiner im Sinai-Ruhe sanft schade das du nicht so ohne weiteres 80 Meter in eine Höhle tauchen kannst. Du hattest leider die Theorie besser lernen sollen. Noch mehr???.
Antwort von Astrid D. Registriertes Mitglied am 19.03.2008 - 23:46
Ich kann zwar nicht mitreden, ob vor 20 Jahren sicherer getaucht wurde, weil ich diesen Sport erst seit 6 Jahren ausübe. Außerdem bin ich auch nur ein Urlaubstaucher und habe auch meine Ausbildung im Urlaub genossen.

@D 32 Ich glaube nicht, daß wir deshalb ein größeres Risiko darstellen. Ich gebe zu, mir wäre es auch lieber gewesen, wenn ich zu Hause eine Ausbildung machen könnte. Das war mir und wird mir beruflich verwährt bleiben. Ich tausche gerne mit vielen anderen Tauchern Erfahrungen aus, doch so mancher, der übrigens während des ganzen Jahres "bunte Blasen macht", weiß seine Grenzen mit Sicherheit nicht!

Ich zähle mich zu den Tauchern, die Klaus unter seinem 1. Punkt aufzählt. Es spricht auch nichts dagegen, sein Wissen nach einer Urlaubsausbildung zu erweitern.
Antwort von majovo Registriertes Mitglied am 19.03.2008 - 23:53
Besser als D32 es ausgedrückt hat geht es nicht!
Antwort von kwolf1406 Registriertes Mitglied am 20.03.2008 - 00:01
Vorsicht, nicht in das Thema Ausbildung wechseln. Es geht um Sicherheit. Prämisse: Die Standards der großen Orgs sind an der Sicherheit ausgerichtet. Also: Eine Schmalspurausbildung, die enge Grenzen setzt, kann auch sichere Taucher (mit engen Grenzen) hervorbringen.

Nur das Thema Nullzeitschrammen, weil man ja so`n tollen Komputer hat - das ist wirklich arg.
Antwort von Nowotaucher Registriertes Mitglied am 20.03.2008 - 07:35
Es freut mich wirklich, in welcher Qualität dieses Thema hier diskutiert wird

Ich denke nicht, dass man das Thema komplett vom Thema Ausbildung trennen kann, allerdings stimme ich kwolf zu: "Eine Schmalspurausbildung, die enge Grenzen setzt, kann auch sichere Taucher (mit engen Grenzen) hervorbringen." Zumindest wenn diese sich an die engen Grenzen halten. Jemand der einen 4 Tageskurs auf den Malediven macht und sich anschließend auf 40m im Walchensee versenkt kann man in Bezug auf die Ausbildung hauptsächlich vorwerfen, dass er hätte lernen müssen, warum das keine gute Idee ist.

Ich tauche auch noch kein 20 Jahre, aber ich habe diesen Zeitraum genommen, weil ich aus Gesprächen mit alten Tauchhasen (von denen eher keiner in der Richtung Angeber war) den Eindruck habe, dass sich zwichen den späten 80ern und den späten 90ern mehr veränderte als in den letzten Jahren.

Ich persönlich denke auch, dass im allgemeinen das Tauchen sicherer geworden ist, was auch der Ausbildung zuzuschreiben ist, obwohl ich gleichzeitig glaube, dass diese inhaltlich gelitten hat.

Ein Widerspruch? Nur bedingt. Ich denke, dass die Ausbildung früher härter (un gefährlicher) war, dass sie inhaltlich auch tiefer ging, aber dass die Folge auch war, dass die Leute wenn sie denn ausgebildet waren eher Tauchgänge unternahmen, die wir heute als bedenklich finden. Ich kenne keinen (persönlich) aus "meiner" Tauchgeneration, der mit Luft auf 70m tauchen würde. Aber von den älteren ...

Tauchen konnte auch nur ein Massensport werden, weil es im allgemeinen als sicher gilt. Und schaut man auf die Statistiken, kann man auch sagen, dass das grundsätzlich stimmt. Schaut man etwas genauer muss man leider auch feststellen, dass ein nicht unerheblicher Prozentsatz der Verunglückten eben gerade keine Anfänger sind, sondern Taucher mit einiger Erfahrung. Eine pauschale Verdammnis der modernen Ausbildungsmethoden würde ich daher nicht unterstützen.

Gut Luft,

Andreas
Antwort von taurus Registriertes Mitglied am 20.03.2008 - 07:40
Viel Wahres hier geschrieben...
ich möchte es mal mit dem beliebten Auto vergleichen.
Wenn man sich die Zahlen der Verkehrstoten ansieht,sind diese eindeutig gesunken im Vergleich zu dem Autoverkehr-die Zahl der Verletzten jedoch gestiegen-mehr Verkehr halt
Immer mehr Technik im Auto(ABS,ESP,ASR,Airbag usw usw)
es nützt aber alles nur,wenn man nach wie vor wie auf rohen Eiern fährt,wenn das Wetter um die 0° Grad liegt,sonst achst du trotz allem den Abflug an den Baum.
Ausrüstung und Ausbildung lassen sich nicht so einfach trennen,kwolf
Die "moderne" Technik bietet einem viele Möglichkeiuten,sicherer zu tauchen-ein TC wird fast immer schneller dein Profil überwachen und nachrechnen können als du selber-ich muß aber wissen,wo ich hin will
dieser uralte Satz "plane deinen TG,und tauche nach Plan" ist nach wie vor nicht überholt.
Nur wenn ich genug Theorie im Kopf habe,zB über Dekotauchgänge,kann ich meine Tg´s sicher planen.Gerade im Urlaub mit Multi-Level und vielen TG´s ist es wichtig ,sich über die pysiologischen Vorgänge im Körper bewusst zu sein.
Führt hier aber in die falsche Richtung,und die Vieltaucher und "alten Hasen"sollten das auch alles wissen....
zurück zu Nowo´s Frage
Mehr getaucht wird,JA
Sicherer getaucht,überwiegend JA
Risikobereiter wie Euregio sgte,leider auch überwiegend JA
Ausblicke für die Zukunft:
ständiges Üben,Kachlezählen,gesunder Menschenverstand
(Brain 1.0 kann mann auch upgraden....)
nur dann bringe ich selbst optimale Vorraussetzungen mit.......
was ich dann mit meinem Equipment veranstalte,muß mir Brain 1.1 sagen

Gut Luft
Marcus

PS an Nowo
wäre ein interessantes Thema für "Operation Nowuff"(Oktober 2009)
Antwort von Patrick B Registriertes Mitglied am 20.03.2008 - 09:10

Hallo Andreas,

ich beziehe mich nochmals auf Deine Eingangsfrage: "Tauchen wir heutzutage unsicherer ?".
Zunächst interpretiere ich mit wir "alle Taucher" und unsicherer "im Vergleich zu noch vor z.B. 15 Jahren".

Früher war die Ausrüstung rustikal und viele der Taucher waren auch eher von dieser Sorte geprägt. Alleine die schlecht sitzenden und kalten Nasstauchanzüge, wollte nicht jedermann im Kaltwasser tragen. Computer gabs noch nicht und Automatenvereiser kamen doch mit einer gewissen Regelmäßigkeit vor. Das ganze wurde mit einer umfassenden Ausbildung kompensiert und es wurden viele Notfallprozederes geübt, die man heute schlicht ablehnt. Z.B. Atmen aus der Weste oder Klodeckel, oder Ablegen des Gerätes unter Wasser.
Insofern konnten die Taucher mit solchen "Pannen" auch ganz gut umgehen.

Heute sind Fehlfunktionen der Ausrüstung eher die Seltenheit, selbst Vereiser gibt es nur noch in Ausnahmen. Der Tauchcomputer funktioniert auch in kritischen Situationen einigermaßen zuverlässig. So dass die Taucher letztlich gar nicht mehr so häufig mit Problemen konfrontiert werden. Dem steht natürlich eine Drive-through-Ausbildung entgegen, wo nur noch die absolut notwendigsten Prozederes überhaupt gelernt werden. Von intensiver Übung kann gar nicht mehr die Rede sein.

Insofern glaube ich nicht, dass wir usnsicherer Tauchen als früher. Aber: Wir könnten noch sicherer Tauchen, wenn die Ausbildung an Qualität zunähme und das Bewußtsein von Problemstellungen noch mehr geübt und auf Notfallszenarien intensiver eingegangen würde. Es darf einfach nicht sein, dass ein Taucher nach dem Auftreten des kleinsten Zwischenfalls als einzigen Ausweg den Notaufstieg als Alternative sieht.

Viele Grüße, Patrick
Antwort von shuttle Registriertes Mitglied am 20.03.2008 - 09:53
Klasse Diskussion und jeder Beitrag wert gelesen zu werden und sich seine Gedanken darüber zu machen.

Zum Thema Tauchen früher sicherer / ja/ nein. ICh glaube es es einfach nicht, dass früher sicherer getaucht wurde. Die Risikobereitschaft war deutlich höher als heute, zumindest bei den "Alten", die ich kenne. Die haben früher Sachen gemacht und Profile getaucht, das getraut man sich nicht zu erzählen (einschließlich myself. ... zwei TG am Tag sind genug? Wiederholungstauchgänge nach dem 4ten oder 5ten berechnen? ... lange Oberflächenpausen? ... kein Alkohol? ... nicht tiefer als 40m? ...

Nein, da wird einem heute etwas anderes eingebleut, und das ist gut so.
Antwort von Telemar-king Registriertes Mitglied am 20.03.2008 - 10:11
Frage: "Tauchen wir heutzutage unsicher?"


Antworten:

Was ist "unsicher"? Und was "sicher"? Ich sage eher, wir tauchen heute anders.

Kurzer Blick in die Vergangenheit: Ich habe 1978 meinen ersten `Tauchschein` gemacht (und das in meinem Alter ). Damals, und auch noch Jahre danach, tauchte ich grundsätzlich im Nassanzug (auch im Winter zum Weihnachtstauchen!), in sog. Schwimmbadflossen ohne Füßlinge (auch im Winter zum Weihnachtstauchen!), mit nur einem Automaten (auch im Winter zum Weihnachtstauchen!), Flasche mit Reserveschaltung ohne Finimeter (aber mit Gruppenführer, der hatte `ne Taucheruhr) und auch ohne Aufstiegshilfe (abtauchen ging immer sehr leicht, auftauchen mit `Kraft`). UW-Lampe gab`s pro Tauchgruppe nur eine, beim Gruppenführer. Mein damaliger Ausbilder ist heute TL4. Sicherlich war damals nicht alles verkehrt, was wir getan haben.

"Unsicher" war ich nie, denn ich war damals genauso jung wie heute und habe mir über die (möglichen) Gefahren keine Gedanken gemacht. Vor dem Tauchgang wurde grundsätzlich das Profil festgelegt, die zu erwartenden Grundzeiten ausgerechnet (wir haben nie Dekotauchgänge gemacht!!) und unter Wasser wurde streng danach gehandelt.

Ausbildung ging lange und wir mussten viel lernen, sowohl praktisch - wie auch theoretisch. VOR dem ersten Tauchschein musste ich eine erfolgreiche Rettungsschwimmerausbildung nachweisen, Tauchsicherheit-und-Rettung (bzw. Rescue Diver) kommt heutzutage erst viel später an die Reihe. VOR dem ersten Tauchschein musste ich eine sog. Apnö-Prüfung bestehen, die nachwies, dass ich auch ohne Gerät mich unter Wasser fortbewegen und tauchen kann.

Hat mich das Damals für das Heute sicher gemacht? Das weiß ich nicht, denn im Laufe der Jahre musste ich noch mehr taucherische Prüfungen bestehen, die alle in Summe mein Verhalten unter Wasser beeinflusst haben.

Ich für mich habe heute den Eindruck, dass die Taucher, die nicht nach "alter Schule" gelernt haben, dazu verführt sind, sich ganz auf die Technik zu stützen. So ähnlich, wie wenn ein Führerscheinneuling sich nur auf den Navi-Gerät verlässt, jedoch keinen Stadtplan lesen kann. "Bleibt das Auto mal liegen, hilft mir der gelbe Engel schon irgendwie weiter und für`s Scheibenwasser auffüllen oder gar für`s Tanken habe ich meinen lieben Papi, der macht das alles für mich." "Was soll schon passieren? Ich hab` doch zwei Atemregler, `nen Computer, der mein Tauchprofil verfolgt und mich entsprechend auf Dekozeiten hinweist und `n Jacket, mit welchem ich richtig tarieren kann." So denken viele, das weiß ich, weil ich`s schon oft gehört habe am Tauchgewässer.

Für mich beginnt "sicheres" Tauchen nicht bei der Technik, sondern bei der Zusammensetzung meines Tauchteams. Ich weiß, was ich unter Wasser kann und das ich mich auf meinen Buddy verlassen kann. Und er weiß, dass er sich auf mich verlassen kann. Für mich ist Tauchen kein "Fun"-Sport, sondern eine immer wieder kehrende Prüfung im Leben. So ähnlich, wie in einer Hochgebirgsseilschaft auch der eine sich auf den anderen verlassen muss.
Antwort von Hausmeister Krause. am 20.03.2008 - 11:21
@Weihnachtstaucher
Sicher, sicher.
Antwort von Lukas(AUT) Registriertes Mitglied am 20.03.2008 - 20:16
Vor 20 Jahren hab ich noch nicht mal gelebt hab aber einen bekannten der vor 20 Jahren in der Gegend bei der Türkei Wracks in bis zu 70m mit Pressluft geplündert hat , die Bullaugen haben wir im Keller falls wer glaubt da ist nichts dran. Lampe hatte er keine , Deko unfall angeblich auch nie , ich denk mir damals waren die Leute aus einem anderen Holz , ob die Technik das tauchen sicherer macht ich glaub nicht da die Fehlerquelle meistens der Mensch ist , vielleicht sitzen wir alle irgendwann nur noch vorm PC und steuern einen ROV
Antwort von D-32 Registriertes Mitglied am 22.03.2008 - 20:32
Nur mal so nebenbei zum Thema Tauchcomputer und Sicherheit:
Bin gerade in Dahab, mein Freund hat einen tragbaren Doppler dabei. Die heutigen Ergebnisse nach zwei TG waren erstaunlich, niemand hat Ceiling gekratzt, alle eine saubere Deko gemacht nach Computer. Wir verfolgen es in den nächsten Tagen weiter. Wäre durchaus einen Bericht wert, der auch Nullzeitfanatiker ernüchtern könnte.

Frohe Ostern euch allen in der Kälte!

Jo
Antwort von bikefresh Registriertes Mitglied am 25.03.2008 - 18:30
Wow, was für ein Fred

Na dann klinke ich mich auch mal ein, die Osterpause ist rum

Auch ich tauche erst ein paar Jahre, habe aber im Bekanntenkreis einige "alte Hasen", die mir ihre Erlebnisse immer mal wieder gern erzählen.

-"Sind die heutigen Tauchprofile unsicherer? "
Es kommt darauf an Wer seinen TG ordentlich plant, einen Plan B mit einkalkuliert und sich sauber an die Planung hält tauchte schon damals genauso sicher wie heute.
Man muß und mußte eben aber wissen was man tut/tat! Da scheiden sich die Geister. Viele Leute wollen auch gar keine Verantwortung mehr übernehmen und sich lieber vom Guide durch die Gegend führen lassen. Dementsprechend "verkümmert" dürften die Kenntnisse der TG-Planung sein. Problematisch wird das dann evtl. bei eigenverantwortlichen TG am Hausriff, wobei dann die Beantwortung der nächsten Frage greift...

-" Verlassen wir uns zu sehr auf unser Tauchequipment? "- Auch hier ist die Meinung geteilt. Hinsichtlich der Computer eher ja, und da der Computer bei jojo-TG nicht meckert, wird es wohl kein Problem sein, so eine weitverbreitete Meinung. Die Problematik mit der Nullzeitgrenzenschrubberei wurde schon angesprochen, positiv sehe ich die Generation mit Deepstoprechenmodellen, quasi eine Art Dekostop zur Minimierung der Microbläschen.
Aus persönlicher Erfahrung zu dem Thema Planung vs. Computer nur soviel: Als ich noch regelmäßig Theorie ausgebildet habe, öfter mal tiefere und dunkle/kalte TG gemacht habe, kannte ich sowohl die Nullzeitgrenzen nach SSI, als auch die Deco 2000 bis in Regionen tiefer 40m auswendig. Zur Suunto Cobra kam immer noch eine Backupuhr zum Einsatz. Bei anspruchsvolleren TG wurden mindestens 2 Szenarien geplant und auf der Schreibtafel festgehalten.
Heute schaue ich vorher mal kurz in die Tabelle und verlasse mich auf die Cobra und den XP5-Backup.
Bei der sonstigen Ausrüstung verlasse ich mich auf das Wissen um die gute und regelmäßige Wartung, Pflege und meine Fähigkeiten bei auftretenden Defekten. Entsprechende Bedingungen erfordern dann halt entsprechende Vorbereitungen (redundante Systeme, zusätzlich Fini zur Cobra etc.). In so einem Fall bereite ich die TG aber von der technischen Seite her deutlich penibler vor (was früher aber ähnlich war). Dank zuverlässigerer Technik und Nutzung redundanter Systeme sollte es aus technischer Sicht aber deutlich sicherer geworden sein.

-"Akzeptieren wir leichtfertig das Risiko?" Ich nein, ich weiß was passieren kann (auch eine Frage der Qualität der Ausbildung + Erfahrung), für mich wird es nie ein "Fun-Sport" sein, auch wenn ich sehr viel "Fun" dabei habe. Wichtig ist, wie dem Tauchschüler das Thema Verantwortungsbewußtsein (für sich und seinen Buddy) ans Herz gelegt wurde.

-"Planen wir unsere TG unzureichend?" Wurde oben schon beantwortet, es hängt von der Eigenverantwortung der Taucher ab.

-"Fehlt heutigen Tauchern das Wissen / Verständnis über die notwendigen Themen?"
Auch hier hängt es vom Taucher ab. Die immer größere Gruppe der "Urlaubstaucher", aber auch der hier unter allen möglichen Umständen ausgebildeten Taucher muß letztendlich ihrer Eigenverantwortung über zusätzliche Wissenserlangung gerecht werden. So kenne ich nicht wenige der immer mal gern auf´s Korn genommenen P***-Tauchern, die "nur" ihren AOWD gemacht haben, aber regelmäßig tauchen, Fachliteratur lesen und sich auch durch regelmäßige Wiederholungen auf dem aktuellen Stand halten. Das geht ja auch hier ganz gut
Genauso kenne ich C***-Vereinstaucher, die keine Tauchtabelle mehr kennen, mit dem Kompass nicht mehr umgehen können aber schon TG im dreistelligen Bereich haben und trotzdem tauchen können
Bitte jetzt nicht in die von mir beispielhaft gemachte Kerbe schlagen und wieder eine Verbandsdiskussion starten, meine Beispiele zielten auf die Eigenveratwortung der Taucher ab!
Meiner Meinung nach geht da der Trend aber auch mehr in Richtung "Dem- Guide-blindlings-hinteher-tauchender-Lemminge", man will sich ja nicht unnötig mit Planung, Vorbereitung und Verantwortung plagen.

Der Einwurf von Doris bezüglich Fehlerquelle Mensch als Nummer 1 bekommt auch von mir volle Zustimmung. Sei es aus Gründen mangelnder Ausbildung, oder aber mangelnder Umsetzung (da in der Ausbildung vermittelt und geübt), mangelndem Traing bereits erworbener Fertigkeiten (auch nach dem Kurs regelmäßig die Übungen wiederholen!!!) oder gesundheitlichen Problemen, es bleibt die Hauptunfallursache.
Die Ausrüstung wird immer besser und sicherer, nur muß man diese auch entsprechend bedienen können, was auch wieder zum Thema Mensch als Unfallursache gehört.
Auch der vieldiskutierte Buddy-Check gerade bei mir unbekannten Tauchern mit unbekanntem Equipment sollte immer durchgeführt werden. Und hier kommt es dann gerade auf die Besonderheiten der Ausrüstung des Buddys und sich daraus ergebender Szenarien an, Bsp. Atmung aus alternativen Systemen, wenn einer der Taucher einen Westentaschenautomat benutzt (Wer weiß in unseren Breitegraden noch, was ein Westentaschenautomat ist?). Wie sind die Verschlüsse der Bleiintegration des Jackets des Buddys zu öffnen? Wie wird das Indelatorsystem bedient? So kann moderne Technik auch zum Fluch für den Taucher werden, der seit Jahr und Tag nur mit Bleigurt, Standardjacket etc. taucht. Kann er im Falle eines Tauchunfalles mangels Wissens um die Ausrüstung nicht helfen-es ist und bleibt als Folge menschliches Versagen.

So gibt es viele unterschiedliche Ansatzpunkte, auch die Thematik "Unterwasserhelden gestern und heute" könnte erwähnt werden. Aber liegt/lag es am mangelnden Wissen oder einfach nur Selbstüberschätzung?

Tja Andreas, so pauschal läßt sich Deine Frage also wohl doch nicht beantworten
Gehe ich mal nur von meiner Person aus, ich wäre wohl damals genauso bewußt getaucht wie ich heute tauche, Unterschied ist nur die andere Tauchausrüstung. Hätte ich "nur" Klodeckel, Flasche mit Reserveschaltung, eine zweite Stufe zur Verfügung, ich würde mich noch etwas bewußter auf den TG vorbereiten und den TG dementsprechend bewußter durchführen.
Es ist wohl heute wie beim Autofahren, die Kisten haben Knautschzonen, Sicherheitslenksäulen, ABS, ESP, Airbags etc., wenn man mal in einem Auto ohne solche Helferlein fährt erfährt man die immer noch existierenden physikalischen Grenzen häufig schneller als man denkt.

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