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Warum so viele tödliche Tauchunfälle?
Abgesandt von monsun am 17.09.2007 - 16:24:

Hier im TU Forum erfährt man (verständlicherweise) leider wenig über die Hintergründe. Gerade diese wären für viele aber bestimmt sehr hilfreich, um daraus zu lernen und den eigenen Übungsplan entsprechend anzupassen.

Was sind die Hauptursachen für schwere oder tödliche TU? Selbstüberschätzung, unzureichende Ausbildung oder technisches Versagen? Gibt es darüber Untersuchungen oder Statistiken?



Antwort von Euregiotaucher Registriertes Mitglied am 17.09.2007 - 16:29
warhscheinlich von allem etwas, in Verbindung mit etwas "Pech" und einem Schuss schlechtes Wetter - dazu kommt der Wind aus der falschen Richtung und schon haste einen Unall ...

sieh es einfach so:
wenn geplant ist das du 100 Jahre alt wirst - dann wirste die

wenn nicht ... dann nicht
und wenn du dann nicht tauchen gehst um einem Unfall zu umgehen gibts nen Windstoss und du wirst mit dem Auto von der Strasse geblasen
Antwort von Doppeldreier Registriertes Mitglied am 17.09.2007 - 16:36
da man in der Regel das Opfer nicht befragen kann und die Mittaucher die Situation sicher auch nicht richtig erfasst haben, wird man nur Aufgrund der Ausrüstung Rückschlüsse ziehen können. Also keine wirklichen Wahrheiten.

Wie kommst du darauf das es viele tödliche Tauchunfälle gibt? Bezogen auf was?

Jedes Jahr sterben allein in den Alpen rund 300 Skifahrer. Bergsteiger und Wanderer sind da gar nicht mitgezählt.

Gruß,
D3
Antwort von Stephan K. Registriertes Mitglied am 17.09.2007 - 16:49
Hier klicken

Hier klicken

mal reinschauen!!!

Gründe gibt es viele.
Antwort von D-32 Registriertes Mitglied am 17.09.2007 - 17:20
D3 hat es klar gesagt:
Hört doch endlich mal auf mit dieser ganzen Tauchunfallhysterie!

Es dürfte für keine andere Sportart eine derartige Sensibilität plus Hang zu Publizierung von Unfällen geben wie beim Tauchen!

Mehr Taucher, mehr schnellgebleichte Tauchausbilder sind Ursache Nr. 1.

Untrainierte Urlaubs-Spaß-Taucher sind per se genauso höher gefährdet wie Urlaubs-Spaß-Skiläufer, die vorher nicht zum Skigymnastik-Kurs gehen, sondern sich nach 11 Monaten Bürosessel auf die Piste stürzen.

Ein nachweislich ganz lebensgefährlicher Ort ist übrigens jeder Puff bezüglich Herzinfarkten etc. Und trotzdem schreit keine Behörde nach einem ärztlichen Pufftauglichkeitsattest, und es gibt auch kein Puff-Popping-Brevet, das am Eingang vorzuzeigen ist.
Antwort von monsun am 17.09.2007 - 20:55
@Stephan K Danke für die Links, sehr aufschlussreich!

@D3 natürlich ist das rein subjektiv. Ich hätte die Frage auch anders formulieren können: was sind die Gründe für tödliche TU?

Natürlich sterben täglich eine Unzahl Autofahrer etc. Anstoss für meine Frage war, dass gerade schon wieder ein tödlicher TU in Messinghausen passiert ist. Der letzte war gerade ein paar Wochen her. Es ist halt (auch rein subjektiv) was anderes, wenn man das regelmässig "direkt vor der Haustür" mitbekomt. Angenommen, es würden jede Woche 100 Taucher in diesen See springen (die wirkliche Zahl kenne ich nicht), wäre da nicht ein tödlicher TU alle 3 Monate recht viel? Ich finde schon!
Antwort von D-32 Registriertes Mitglied am 17.09.2007 - 21:13
Du kapierst es einfach nicht!

Zwischen Schiffsanleger und Hanswarft auf Hallig Hooge gab es in den letzten 50 Jahren keinen tödlichen Autounfall. Warum wohl?

Und denk auch mal an Darwin und Murphy!
Antwort von monsun am 17.09.2007 - 21:35
"...Du kapierst es einfach nicht!..."

Wer hier was nicht kapiert, haben wir doch gerade erst beim Thema Seawolf Soul gesehen...

"...Zwischen Schiffsanleger und Hanswarft auf Hallig Hooge gab es in den letzten 50 Jahren keinen tödlichen Autounfall. Warum wohl? ..."

Keine Ahnung, ich schätze aber mal es lag daran, dass du dort die letzten 50 Jahre die Ober-Tauchaufsicht geführt hast.

Man man man...musst du eigentlich überall deinen altklugen Senf dazugeben?!?
Antwort von kwm Registriertes Mitglied am 17.09.2007 - 23:22
Ich sehe die Hauptursache für Tauchunfälle in der Mangelhaften Tauchausbildung. Im Anfängerkurs wird viel zuwenig Wissen über Sicherheit vermittelt. Mal ein paar Stichworte:

- zwei Automaten an getrennt absperrbaren Ventilen
- Sauerstoff vor Ort
- richtige Bleimenge
- ...

Jedesmal wenn ich von einem Tauchunfall lese, wo ungeeignete Ausrüstung die Hauptursache war, gehören eigentlich alle bis dahin an der Ausbildung des Tauchers beteiligten auf die Anklagebank. Immer wieder sieht man Taucher, welche nur mit einem Automaten ins Wasser springen. Sie machen also genau das was sie bei der Ausbildung gesehen haben. Zwei Automaten sind wohl eher die Ausnahme.

Auch die Tauchshops sind beim Verkauf und Verleih von Ausrüstung nicht besser. Die meisten Leihflaschen die ich bisher gesehen habe, haben nur ein Monoventil. Verliehen werden sie aber für hiesige Tauchgänge in kalten Gewässern. Man redet dem Taucher ein, das er mit einem Oktopus eine sichere Ausrüstung hat. Doch das ist Quatsch. Es gibt zwar keine absolute Sicherheit beim Tauchen. Aber im Rahmen des Möglichen ist nur ein Redundantes System als sicher zu bezeichnen. Also zwei kaltwassertaugliche Automaten an getrennt absperrbaren Ventilen.

Verantwortung tragen natürlich auch die Tauchorganisationen. Dies setzen ja die Standards für die Ausbildung.

Gut Luft,
Klaus

Antwort von Stephan K. Registriertes Mitglied am 17.09.2007 - 23:53
Ich behaupte, dass das Problem was die meisten Tauchunfälle verursacht der Mensch selber ist.

Man wird zum selbständigen eigenverantwortlichen Taucher ausgebildet.
Wer dann aber den wichtigsten Computer (der auf dem Hals) nicht benutzt ist selber Schuld.

Wer taucht mit unzureichendem oder falschem Equiptment?
Wer taucht mit schlechtem oder mangelhaft gewarteter Ausrüstung?
Wer taucht, obwohl er besser mal einen TG absagen sollte?
Wer überschreitet seine Grenzen?
usw.
usw.


Zumindest etliche TU´s wären mit gesundem Menschenverstand zu verhindern gewesen.

Was nützt die beste Ausbildung, wenn das erlernte nicht "eigenverantwortlich" umgesetzt wird.


Man muss sich nur mal die Tauchunfälle durchlesen. In den meisten Fällen muss ich sagen, dass der "Selbständige Taucher" sein Hirn zuhause vergessen hat.

Allerdings gibt es auch immer noch einige Tauchunfälle, wo man einfach nur Pech hatte.


Antwort von Patrick B Registriertes Mitglied am 18.09.2007 - 09:27

Hallo Allerseits,

ich finde die Frage "Warum passieren TU´s" für berechtigt. Nur wenn man das Thema progressiv angeht, besteht eine Chance zur nachhaltigen Aufklärung und Verbesserung. Da die TG´s ansteigen, muß auch die Sicherheit erheblich verbessert werden, um absolut nicht noch höhere TU-Zahlen zu bekommen.

Natürlich ist jeder TU für sich eine Tragödie. Entgegen der landläufigen Meinung, dass es sich um idividuelle nicht vorhersehbare Abläufe handelt, glaube ich an Parallelen. Diese müssen gefunden und aufgezeigt werden. Erst dann können sich Taucher, Tauchschulen darauf einstellen und ihr Tauch- und Ausbildungsprogramm abstimmen. Es geht dabei nicht um Panikmache, sondern um Prävention.

Ich stelle mal eine vorsichtige Prognose auf und möchte fast wetten, dass 80% der Unfälle folgende Ursachen haben:
1. Plötzlicher Buddyverlust
2. Ausfall oder fehlerhafte Gasversorgung
3. Schlechte Sichtverhältnisse
4. Mangelnde Berherrschung der eigenen Ausrüstung
und fehlendes Training
5. Gesundheitliche Probleme

Zur Vorbeugung kann man nur folgendes empfehlen.
a) Eine solide Ausbildung machen (nicht die Billigste, sondern die Beste)
b) Solokompoetenz anstreben, auftretende Probleme müssen an Ort und Stelle beseitigt werden, nicht an der Oberfläche
c) Auch scheinbar einfache TG´s mit der gebotenen Ernsthaftigkeit durchführen
d) Vor dem TG ein anständiges Breafing durchführen (Wer mit wem, wie tief, wie lang, wohin, was tun wenn)
e) Die Ausrüstung dem TG anpassen
f) Belib im Training (mental und physisch)
g) Regelmäßige Gesundheitschecks
h) Wenn es Dir nicht gut geht, oder Du Dich nicht gut fühlst, breche den TG ab !

Das alles ist nun nicht wirklich völlig neu, leider werden alle Punkte nie oder nur selten eingehalten. Jeder darf das aber gerne für sich anwenden und verbessert so seine Position. Nichts ist 100%ig, auch nicht die Sicherheit, deshalb sollte man aber nicht alles dem Zufall überlassen.

Viele Grüße, Patrick
Antwort von boesewicht Registriertes Mitglied am 19.09.2007 - 09:43
Zitat:
"Ich stelle mal eine vorsichtige Prognose auf und möchte fast wetten, dass 80% der Unfälle folgende Ursachen haben:
1. Plötzlicher Buddyverlust
2. Ausfall oder fehlerhafte Gasversorgung
3. Schlechte Sichtverhältnisse
4. Mangelnde Berherrschung der eigenen Ausrüstung
und fehlendes Training
5. Gesundheitliche Probleme "

zu 1: wer wegen Buddyverlust einen Unfall erleidet, der hat beim Tauchen so oder so nicjhts verloren

zu 2: Ausfall - dafür gibt es Redundanz bzw. 2 erste Stufen - Selber an die Ventile kommen sollte geübt werden

zu 3: Schlechte Sichtverhältnisse sollten auch keinen Unfallgrund darstellen ... - wir haben hier nun mal keine Meerwassersichtweiten - wem das nicht liegt - draußen bleiben ...

zu 4: mangelnde Beherschung der Ausrüstung: wenn an etwas mein Leben hängt sollte ich mich auch damit beschäftigen ...

zu 5: das ist der einzige Grund, den ich annehmen kann ... - sowas kann auch augenscheinlich gesunde und sportliche Personen erwischen ...
Antwort von boesewicht Registriertes Mitglied am 19.09.2007 - 09:47
zu den Links von Stephan K.

der von DAN ist aus den USA und beruft sich ja auf Übergewicht ...

Kann man so auf Europa bzw. generell nicht anwenden, da die Dickleibigkeit der Amerikaner unumstritten weltweit einzigartig ist - eine übergewichtige Person aus Europa gilt in den USA teilweise noch als normal ... (pers. Meinung)
Antwort von Patrick B Registriertes Mitglied am 19.09.2007 - 11:46

Hallo Bösewicht,

Deine Schlußfolgerung ist mir nicht ganz klar.

Schau Dir doch mal bitte an, was die tatsächlichen Unfallursachen waren. In der Regel waren die Auslöser Lappalien, die dann in Panik enden und dann zum unweigerlichen TU führten. Oftmals einer oben und einer unten. Oder alle oben, aber nicht alle lebend.

Das Du mit Deinen Ausführung durchaus richtig liegst, möchte ich gar nicht betreiten. Die Frage die bleibt ist: wie bekommen ich die notwendigen Fertigkeiten und Fähigkeiten an die breite Masse?
Leider ist auch das Empfinden individuell recht verschieden. Während sich der eine auf 40m pudelwphl fühlt, sind 25m bei anderen schon der totale Stress. Die Kunst ist es daruas trotzdem etwas allgemien gültiges abzuleiten, sonst hat man eigentlich keine Chance.

Viele Grüße, Patrick

Antwort von D-32 Registriertes Mitglied am 19.09.2007 - 14:23
@ Parick

"Die Frage die bleibt ist: wie bekommen ich die notwendigen Fertigkeiten und Fähigkeiten an die breite Masse?"

Solange die "breite Masse" aus tauchbrevetbesitzenden Leuten besteht, die sich im Jahresurlaub ein paarmal versenkt und deshalb Taucher nennt - gar nicht. So etwas heißt Selbstüberschätzung, gefördert durch "alles fun and easy". Und dann kommt es eben trotz Maßnahmen wie Tiefenbegrenzung, Dekoverbot, Guidepflicht zu Unfällen und wird auch so bleiben.
Antwort von Fann änd iesi daiwer am 19.09.2007 - 15:39
Ich für mich, der ich an meiner mentalen und körperlichen Fähigkeit (ich bin älter als 3 Jahre und meine Gene sind auch nicht veränderlich) nur begrenzt (etwas Sport, etwas vordenken und nachdenken beim Tauchen) was verbessern kann, mache das so:
- Im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten gute redundante Ausrüstung. 2 vollkommen unabhängige Flaschen (keine Brücke), 2. Auftriebssystem (Trocki + Jacket, notfalls im sommerlich warmen flachen Gewässer Alternativen vorher überlegen), jährliche Reglerwartung usw.
- Solokompetenz und Schlechtsichtkompetenz erarbeiten, in unbekannten Gewässern vorher über Besonderheiten genau informieren bzw. erstmal nicht alleine rein.
- Wenn zu zweit, dann Tauchpartner vorher genauer ansehen. Passt die Ausrüstung? Passt die Erfahrung? Ggf. Tauchgangsplanung anpassen oder Tauchpartner ablehnen.
- Im Ernstfall versuchen, ruhig und entschlossen zu handeln. Das kann man leider wenig trainieren, und wer mal eine an sich nachträglich betrachtet nicht bedrohliche Situation erlebt hat, wo man falsch reagiert hat, weiß um mögliche Gefahren, außerhalb von statistisch Erfaßbarem. Leider wohl kaum trainierbar, nur überlebbar.
- Reserven einplanen, nicht über die Grenzen gehen. Wenn ich weiß, dass ich bei guten Bedingungen problemlos 55m tief war, muss ich nicht unbedingt bei schlechten Bedingungen 65m tief gehen wollen.

Ob allerdings regelmäßiges Tauchen die Unfallgefahr gegenüber einem Urlaubstaucher vermindert, bezweifle ich. Zwar sinkt das Risiko je Tauchgang nach dem 500. Tauchgang in 5 Jahren gegenüber dem Urlaubstaucher, aber man hat ja insgesamt auch mehr Tauchgänge mit (jeweils kleinerem) Risiko gemacht. Gesamtrisiko vermutlich ähnlich.
Antwort von Kein Tauchunfallexperte am 20.09.2007 - 14:54
Wo steht denn, dass die überwiegende Zahl von Tauchunfällen, insbesondere in Deutschland (oder gerne auch Europa) Anfängern widerfahren?
Meine Wahrnehmung ist, dass meist erfahrene Taucher mit >100/200 TG verunglücken. Viele davon sind m.E. Möchtegern-Tekkis, die sich ohne die nötigen Hintergrundgedanken in die Tiefe stürzen, oder Vieltaucher, die einfach ihre Grenzen nicht kennen, weil bisher alles gut ging. Und dann plötzlich: Panik! Was nun? Werfe den ersten Stein, wer meint, das ihm nie Panik wiederfährt, wenn z.B. die Wasserleiche der Buddy von gestern ist.
Kann man wirklich "Anfänger" oder "PADI-Taucher" als Ursache pauschalisieren, wie das hier häufig geschieht?
Antwort von Fritte Registriertes Mitglied am 20.09.2007 - 16:27
@ Kein Experte
Nein, pauschalieren kann man es nicht. Ich sehe eigentlich verschiedene Problemgruppen:

1. Schlecht ausgebildete Taucher, egal welchen Verbandes
2. Taucher mit um die 20 TG, die glauben, den Kinderschuhen entwachsen zu sein und motiviert durch den AOWD glauben, jeder Situation gewachsen zu sein
3. Alte und sehr erfahrene Taucher, bei denen zu vieles zur Routine geworden ist
4. unverbesserliche Harakiri Taucher, egal welchen Verbandes.
Antwort von D-32 Registriertes Mitglied am 20.09.2007 - 16:54
Ergänzung:
5. Couchpotatoe-Taucher, deren Beinmuskeln nach 1 min Strömung gegenan übersäuern und bei denen dann nicht mal mehr (bei CMAS ab ** gefordert) der Aufstieg ohne Flossenbenutzung mit korrekter Geschwindigkeit und ggf. Dekostopp klappt.
6. Gnadenlose Verfolgung durch einen nestbewachenden Titandrücker bis zum Schiff, wenn man dekopflichtig ist.
Antwort von Fritte Registriertes Mitglied am 20.09.2007 - 17:32
Nr. 6
Schon passiert?

Ein Freund hatte jetzt im Sommer Bekanntschaft mit einem Drücker gemacht. Der hat allerdings nach 5-6m aufgegeben. Habe aber ehrlich gesagt noch nie einen so schnelle Taucher gesehen. Bei dem Floßenschlag hätte ich schon Kavitationsblasen an den Flossen erwartet. Jedenfalls weiß mein Freund jetzt auch, wie ein Drückernest aussieht.
Antwort von divepb Registriertes Mitglied am 20.09.2007 - 18:15
Ein weiters Problem ist meiner Meinung nach auch, dass man zwar in der Ausbildung gewisse Rettungsmaßnahmen und Techniken lernt, allerdings kaum ein Taucher bereit ist, die erlernten Maßnahmen auch laufend zu wiederholen. 70 Tacugänge und 5 Jahre später überfordern den ungeübten Tauchpartner, er schafft es nicht, den Partner/Unfallopfer nach oben zu bringen. Schlimmstenfalls bleiben dann beide unten.
Antwort von hket Registriertes Mitglied am 20.09.2007 - 18:32
Murphys Gesetz
Wenn etwas schief gehen soll, dann geht es auch schief.
Seit ich mich mit tauchen beschäftige, habe ich schon so viel Mist gesehen und erlebt, dass ich nicht glaube, dass es ein Mittel gegen TUs gibt.
Je besser meine Ausrüstung ist, desto sicherer fühl ich mich - und desto überraschter bin ich, wenn doch etwas nicht klappt.
Wenn ich sehe, mit welch hochwertigen Ausrüstungen manche Taucher zum Teil verunglücken, frage ich mich, wie ich mit meinem Schrott der frühen Jahre so oft heil wieder rausgekommen bin.

Fast jeder TU ist einmalig, es kommt darauf an, was man daraus macht.

Vor kurzem war ich mit einem nagelneuen Leihwagen unterwegs, bei dem ein Kraftstoffschlauch sich löste, alle 4 Reifen wurden gleichmässig mit Diesel eingesaut. Als ich die Ausfahrt runter wollte, stellte sich die Karre quer. Man darf sich nie sicher fühlen, das Glück ist ein Schelm.

Helmut
Antwort von Patrick B Registriertes Mitglied am 20.09.2007 - 18:57

Nanana,

wenn man die Kommentare so querliest, möchte man meinen es handelt sich um lauter Zufälle.

Es sind aber keine ! Gerüstet sein heißt die Devise. Wenn man vorbereitet ist, ist dr Schrecken halb so groß und man hat außerdem einen Plan. Ich glaube die meisten haben gar keinen Plan, deshalb passiert auch was, weil sie in jedem Fall unvorbereitet sind.

Wenn man denn schon aus Fehlern lernen will und nicht nur darüber quatschen möchte, dann muß man die Eerkenntnis auch anwenden. Sonst kann dieser Fehler 1:1 wieder passieren.

Ich glaube das viele einfach zu faul sind, sich der Thematik wirklich zu stellen. "Mir passiert schon nichts, deshalb mache ich nix, und wenn dann kann ich eh nix machen". Mein Graus - ein Buddy mit dieser Einstellung.

Viele Grüße, Patrick
Antwort von Kein Tauchunfallexperte am 21.09.2007 - 14:11
Das mit dem "gerüstet sein" in Ausbildung, Training und Equipment ist sicher ein deutlich risikosenkender Faktor. Ich bin z.B. Topp-Fit und halte diesen körperlichen Zustand auch jenseits der 30 Jahre aufrecht, nicht fett, überdurchschnittlich intelligent (von grammatikalischen Fähigkeiten abgesehen) und mache mir viele Gedanken, was schief gehen kann und wie man reagieren könnte und rüste mich entsprechend aus, ich übe die Tauchfertigkeiten und die Rettungsmaßnahmen regelmäßig, obwohl schon über 15 Jahre Tauchlehrer (PADI, passe garnicht ins Klischee...D32, deine Verbandsklischees gehen mir übrigens auf die Nerven. Auch wenn sie "etwas" stimmen, muss man nicht so damit kokettieren) produziere bisher überlebensfähige Taucher, bin bekannt für meine Gelassenheit in Extremsituationen und TROTZDEM, wenn mal etwas schief geht - auch mit Kleinigkeiten begonnen - merke ich, wie schnell solche Situationen kippen könnten, weil eben auch nicht alles gleich so läuft, wie als man sich die Situation auf der Couch vorgestellt hat. Bisher habe ich die Situationen alle im Griff gehabt - sicher durch meine verantwortungsbewusste Vorbereitung. Aber ich würde mich hier nie, wirklich nie hinstellen und so tun, als ob es mich nie treffen könnte.
Antwort von D-32 Registriertes Mitglied am 21.09.2007 - 14:27
Es wird den 1000-TG-Taucher nicht treffen, wenn er nie tiefer als 5 m taucht. Es wird auch den langjährigen Skiläufer nicht treffen, wenn er nur den Idiotenhügel runterrutscht.

Es kann jederzeit den 1000-TG-Taucher treffen, wenn er in unerwartete Problemsituationen kommt. Es wird auch den langjährigen Skiläufer treffen, wenn er auf vereister Schwarzer Piste einen Fahrfehler macht.

Beste Vorbereitung durch Erfahrung, Wissen und ständiges Training ist die eine Seite. Wer dagegen meint, Murphy ganz ausschalten zu können, liegt falsch.
Antwort von Blaupunktrochen Registriertes Mitglied am 21.09.2007 - 16:05
Der erfahrene Skiläufer fährt aber auf der vereisten schwarzen Piste vorsichtiger -so daß eben nichts passiert.

Der erfahrene Autofahrer fährt auf der Autobahn im Nebel halt langsam -auch wenn er von jemanden mit 180 Sachen überholt wird.

Klar, es kann immer was passieren, aber die Wahrscheinlichkeit dafür läßt sich erheblich reduzieren, wenn man innerhalb der eigenen Grenzen taucht. Und wenns zu tief zu dunkel oder zu sonstwas wird muß man den Mumm haben das auch anzuzeigen und sich nicht zu etwas verleiten lassen, wozu man nicht bereit bzw. in der Lage ist. Falls auch nur die geringsten Bedenken bestehen, daß der Tauchpartner einem das krumm nehmen könnte, ist`s der falsche Buddy.
Antwort von Kein Tauchunfallexperte am 21.09.2007 - 17:06
Da haben wir das Thema nun seziert: Erfahrung, Training und maßvolles Tauchen schützt vor Tauchunfällen. Das hätte man zwar auch ohne den Ausflug auf die Skipiste und Autobahn machen können, aber egal, hauptsache dacor...
Antwort von Kein Tauchunfallexperte am 21.09.2007 - 17:11
Nun bleibt die Eingangsfrage: "Warum so viele tödliche Tauchunfälle?". Ist nun die finale Antwort: "Weil es immer mehr aufstrebende Tauchanfänger gibt, die sich bei der Erprobung ihrer Limits übernehmen?".
Würde ich so stehen lassen - auch unabhängig von der Ausbildungsorganisation. Mal sehen ob D32 das auch schafft
Antwort von Patrick B Registriertes Mitglied am 21.09.2007 - 18:50
Antwort: "Weil es immer mehr aufstrebende Tauchanfänger gibt, die sich bei der Erprobung ihrer Limits übernehmen?".

Nein die Schlußfolgerung ist sicher falsch !

Sondern:
Es gab und gibt prozentual immer ähnlich viele TU´s. Wenn die Taucher und die Tauchgänge in Zahlen noch weiter ansteigen, werden wir anlalog nicht noch mehr TU´s verkraften können. Deshalb muß man zwangsläufig die Sicherheit erhöhen. Und nur dann hat man eine realistische Chance auch die Quote zu senken.

Nur mit Leuten die lieber an Murphys Law glauben, als an die eigenen Fähigkeiten, kann man das Thema natürlich nicht diskutieren. Irgendwann wird man zu akzeptieren haben, dass ein halbwissender Gesetzesvertreter das in die Hand nimmt, weil die Taucher slbst die Chance verpaßt haben.

Viele Grüße, Patrick

P.S. Ich glaube er schaffts nicht.
Antwort von D-32 Registriertes Mitglied am 21.09.2007 - 20:44
@ kein Experte

Das lasse ich gern so stehen!

@ Patrick

"Wenn die Taucher und die Tauchgänge in Zahlen noch weiter ansteigen, werden wir anlalog nicht noch mehr TU´s verkraften können. Deshalb muß man zwangsläufig die Sicherheit erhöhen. Und nur dann hat man eine realistische Chance auch die Quote zu senken."

Die heutige Ausrüstung ist wesentlich sicherer als die vor 10 oder 20 Jahren. Die Zahl derer, die sich schlecht ausgebildet und/oder untrainiert unter der Oberfläche versenken, ist immens gestiegen. Hier liegt der Ansatz, aber der wiederum ist bei Tauchern und Basen unpopulär - kostet Geld/Einsatz bzw. kostet Kunden.

"Nur mit Leuten die lieber an Murphys Law glauben, als an die eigenen Fähigkeiten, kann man das Thema natürlich nicht diskutieren."

Die nächste Crux! Kommt einer mit 3 Stück bedrucktem PVC und in 3 Jahren 30 geloggten Tauchgängen an. Er glaubt an die Fähigkeiten, die auf dem Plastik draufstehen!

"Irgendwann wird man zu akzeptieren haben, dass ein halbwissender Gesetzesvertreter das in die Hand nimmt, weil die Taucher slbst die Chance verpaßt haben."

DIE Taucher haben gar nichts verpasst. Die Gemeinschaft der schnellausbildenden Tauchschulen will gar keine ausbildungsverschärfenden Regularien, denn das kostet Kunden. Die Gemeinschaft der Tauchbasen will auch keine Verschärfung, dass überhaupt jemand aufs Boot darf, denn das kostet ggf. ihre Existenz.

Zum letzten Aspekt ein ganz aktueller Fall, zum Nachdenken:
Hier auf taucher.net hat eine norddeutsche Tauchschule eine Werbefläche gemietet für eine von ihr in Vollcharter organisierte Safari Marinepark Süd incl. St. Johns.
Für dieses Seegebiet schreiben die Behörden aus guten Gründen eine Mindesterfahrung von 50 TG für alle Teilnehmer vor.
Ich habe mich unter Alias dort per Mail gemeldet, als OWD mit < 20 TG ausgegeben und vorsichtig gefragt, ob ich überhaupt qualifiziert genug sei.
Antwort: Du kannst auf jeden Fall mitmachen, denn ich (einer der beiden Tauchschulinhaber) bin ja dabei ...
Und das ist bestimmt kein Einzelfall!
Und bis zum Unfall-Fall ist den Behörde auch egal, ob da welche mit 5 TG oder nur welche mit 500 TG an Bord sind.
Der Vercharterer wird jemand mit < 50 TG auch nicht strikt von Bord weisen, denn dann gibts Mecker vom Charterer. Also verdienen sie alle fröhlich mit - bis etwas passiert.

Unterm Strich geht es erstmal um Existenzsicherung derjenigen, die sich weltweit im Tauchgewerbe teilweise hoch verschuldet haben. Die verkaufen doch fast alles an fast jeden ahnungslosen Interessenten - und da sind wir wieder bei Murphy!
Antwort von Patrick B Registriertes Mitglied am 22.09.2007 - 11:42

Hallo D-32,

ich glaube wir betrachten das von sehr versachiedenen Standpunkten. Dein geschilderter Fall ist sicher ein trauriges Beispiel wie es eigentlich nicht laufen soll. Wir sind uns auch einig darüber, dass es eine vernünftige Ausbildung geben muß. Ebenso trägt eine gute Ausrüstung dazu bei, dass das Niveau höchstmöglich angesiedelt wird.

Meine Argumentation erfasste primär die inländischen TU´s. Also bei Tauchgängen die größtenteils selbst von den Tauchern organisiert und durchgeführt werden. Und hier können die Taucher selbst Einfluß auf Ihr Verhalten und das Geschehen nehmen. Und wenn es Zugangsbeschränkungen geben wird, ann hier und nicht in Ägypten oder Tailand wo man vom Tourismus lebt.

Ich bin jedenfalls dafür, selbst etwas zu unternehmen, auch auf die Gefahr hin, dass es nur ein Trpfen auf den heissen stein sein wird.

Viele Grüße, Patrick
Antwort von D-32 Registriertes Mitglied am 22.09.2007 - 14:15
Hall Patrick,

bezogen auf DE sowie Länder wie FR oder UK ist man da ja schon relativ weit, zumindest in DE bei bewirtschafteten Seen wie Hemmoor und in FR und UK, sobald über Basen getaucht wird.

Aber die schwarzen Schafe gibt es immer wieder: Beispiele aus Hemmoor, wie Ignorieren des Ausbildungsverbots an E 3 durch gewerbliche Schulen oder Ausbildungs-Nachttauchgänge an E 1 bei nahezu Nullsicht mit 10 Schülern in einer Horde sind dort leider immer wieder zu beobachten.

In den großen Tourismusregionen wird es kaum möglich sein, klare Einschränkungen durchzusetzen (siehe mein Beispiel, welches übrigens ein Schiff eines sehr bekannten deutschen Veranstalters betrifft).

Im Reiseteil unserer heutigen Zeitung ist ein Bericht über Tauchziele wie Sudan und Sulawesi. Auch wird dort (korrekt) erwähnt, dass sich verglichen mit früher einiges verschoben habe. Damals waren Taucher ab ihrer Ausbildung meist mit Haut und Haar beim neuen Hobby dabei, heute buchen sie überwiegend mit anderen Urlaubsmotivationen und gehen ab und an mal tauchen. Dass diese, heute im Urlaub überwiegende Klientel niemals wirkliche Routine erreicht, sondern die kleinste Abweichung von Bekanntem zu Fehlreaktionen führt, ist damit impliziert.

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Thalassa, Manado, Nord-Sulaw..
(07.01.2009) Im November verbrachten wir 13 Nächte im Santika Hotel und tauchten mit der angeschlossenen Tauchbasis Thalssa Dive Center Manado. Wir hatten uns zuvor hier im Taucher.Net ausführlich informiert. (mehr)




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