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Westenatmung
Abgesandt von WeLLman~ am 05.06.2001 :

Hallo Leut´s

ich bin gerade am nachdenken über backups für
meine geliebte athemluft, dabei bin ich auf
folgenden satz gestossen:

"Bis Anfang der 90´er wurde vom VDST auch noch die Handhabung (Westenatmung) gelehrt. Dieses simple System ermöglicht es, aus jeder für Sporttaucher in Frage kommenden Tiefe an die Wasseroberfläche zu gelangen."

was hat es damit aufsich, ist sowetwas
praktikabel ?!

gruss
WeLLman~




Antwort von Ralph am 05.06.2001
Hi-
Das Prinzip der Westenatmung ist eigentlich ganz einfach. Zum Austarieren in einer Tiefe füllt man normalerweise das Jacket/Weste mit Luft (21% O2). Fällt nun während einem Tauchgang die Luftversorgung aus kann man auf die Luft in der Weste zurückgreifen.
Dieser kleine Luftvorrat wird jedoch nicht sehr lange halten und jede Menge Bakterien und Pilze beinhalten. Ist eben nur für einen Notfall gedacht.

Meineserachtens wird dabei total der Buddy außer acht gelassen, der in einem Notfall mein "reduntantes" System wäre.

Falls du über eine zweite Luftversorgung nachdenkst gibt es mehrere Möglichkeiten.
1) Die günstigste ist wohl die Möglichkeit des Oktopus. Hat allerdings den Nachteil, dass wenn dir deine 1.Stufe vereist du nichts machen kannst.

2) Die bessere aber auch teurere Alternative sind zwei getrennt absperrbare Abgänge mit je einem Atemregler. Das kostet natürlich ist aber sicher.

Viele Grüße,

Ralph
Antwort von weLLman~ am 05.06.2001
Ja, Ralph, schon klar

>Meineserachtens wird dabei total der Buddy außer >acht gelassen, der in einem Notfall >mein "reduntantes" System wäre.

aber ich werde nie einen buddy als mein
"reduntantes" system betrachten, mein einzige
redundanz bin ich selber ;o)

ich hatte schon an ´ne spareair oder kleine
zusatzpulle gedacht, auch kam mir der gedanke
der westenatmung schon von allein, ich hatte ihn
dann aber wieder verworfen, da ich noch nichts
darüber gelesen hatte ...

von der sache ist der gedanke aber schon sehr
interesant ?! meine frage ist speziell wie prak-
tikabel sowas ist ?! was heist " die Handhabung (Westenatmung) gelehrt." was gibts da zu beachten ? lungenentzündung mal aussen vor ...

>1) Die günstigste ist wohl die Möglichkeit des >Oktopus. Hat allerdings den Nachteil, dass wenn >dir deine 1.Stufe vereist du nichts machen >kannst.

der octopus stellt ja lediglich eine möglichkeit
dar, einem "nebenmirtaucher" luft zu geben ohne
selber auf´s atmen zu verzichten, der octopus ist
ja kein "backup", für was auch ? für meine 2. stufe ??? das die ihren dienst versagt, halte ich
für nicht warscheinlich. warscheinlicher sind vereiser und undichte stellen im system, die mich
auf jeden fall zu einem notaufstieg zwingen ! und
in sagen wir mal 32m sind "eine" lunge voll doch recht dünn, wenn wir mal von "4 lungen voll" aus
der jacke ausgehen ... ich denke ´n dekounfall ist "angenehmer" als 4 liter atlantik in der lunge ;o)

ist also, um zu schluss zu kommen, die westenatmung eine möglichkeit, um bei einem totalausfall der atemluft einen notaufstieg aus
"sporttauchertiefen" durchzuführen, ohne dabei auf den letzten metern zu ertrinken ? dekounfall voll einkalkuliert !

bitte nur sachliche beiträge !

gruss
henrik
Antwort von Thomas K. am 05.06.2001
Hai,

Ralph, deine Aussage "Dieser kleine Luftvorrat wird jedoch nicht sehr lange halten" ist m.E. nicht ganz vollständig. Die Westenatmung ist eine
Pendelatmung, bei der nur etwa jeder 3. Atemzug ins Wasser abgegeben wird. Damit kann man den vorhandenen kleinen Vorrat beträchtlich strecken.

Die Nachteile sind neben den von dir erwähnten
Bakterien und Pilze, der ansteigende CO2-Spiegel im Atemgas und besonders das nötige Training dieser Fertigkeit.

Es ist ähnlich wie mit der Wechselatmung: Unter optimalen Bedingungen (Hallenbad) funktioniert es tadellos, aber wenn man es nicht regelmäßig übt,
wird es in einer Notsituation garantiert nicht gutgehen.

Blubb,
Thomas.
Antwort von weLLan~ am 05.06.2001
man sollte auch bedenken das man ja auch noch ´n halben liter (luft kein bier) zur verfügung hat um den vorrat in der jacke zu erweitern ?!

allerdings ist das bakterienproblem natürlich nicht gerade ein grund diese technik oft zu üben, oder ?

henrik
Antwort von ST tauchgeist am 05.06.2001
Moin weLLman,

Die Westenatmung kommt aus einer Zeit, in der Zweitautomaten und redundante Systeme bei der "normalen" Taucherei im Sportbereich nicht eingesetzt wurden, das hatte meist finanzielle Hintergründe. Die damaligen Westen, Jackets gab´s ja noch nicht, wurden meist mit einer 0,5 l Flasche ausgeliefert, anfangs sogar nur 0,4 l .
Bei den letzten Generationen standen Dir also 100 l entspannte Luft zur Verfügung, das genügte also für eine Sparatmung und ein relativ kontrolliertes Erreichen der Oberfläche bei Nullzeittauchgängen. Die damaligen Automaten, wenn es denn schon 2stufige Einschlauchautomaten waren und keine Zweischläuchler , öffneten GEGEN den Druck, soll heißen, z.B. beim Vereisen strömte der volle Mitteldruck aus einem Überdruckventil an der 1. Stufe ab, Du selbst bekamst nix mehr !!! Erst ab Ende der 70´er, Anfang der 80 ´er Jahre setzte sich das Öffnen MIT dem Druck durch, so daß also im Falle des Vereisens der gesamte Mitteldruck über die 2. Stufe abströmt, und auch Dir eine ausreichende Menge Luft zur Verfügung steht, bis Du die Oberfläche erreicht hast oder die Flasche leer war.
Wenn Du die Westenatmung übst, beachte folgendes:

Desinfiziere zunächst das Innenleben Deiner Weste und trage Sorge, daß die Luft in der Westenflasche noch i.O. ist und diese auch maximal gefüllt.
Suche Dir ´ne gemütliche Ecke auf dem Grund, wenn es geht, kiesig oder steinig, damit Du nicht im eigenen Staub sitzt, und entleere die Weste komplett. Dann lässt Du aus der Notflasche etwas Luft in die Weste und atmest diese aus dem Westenschlauch ein. Das machst Du, bis das Fläschchen leer ist, dann mußt Du sie sowieso neu befüllen. Beim nächsten Mal probiert Du das Ganze mal freischwebend in 5 - 6 m Wassertiefe und versuchst, diese Tiefe zu halten etc etc.
Das ist nicht schwer, muß aber geübt werden, bis es funzt!
Ich selbst bevorzuge, da ich mich auch nur auf mich selbst und gaaanz wenige Ausnahmemenschen verlasse, lieber ein redundates System, also 2 x 7 mit getrennten Abgängen und doppelten Komplettautomaten.
Eine 2 l Ponyflasche mit seperatem Automaten wäre eine für Dich interessante Alternative, da recht preiswert und sicherer als die Westenatmung, die lässt sich ja auch überall unterbringen.
Antwort von harry am 05.06.2001
die westenatmung ist ein überbleibsel aus der zeit vor 10-30 jahren.
die pilzproblematik ist ein reelles problem- aber immer noch besser, als zu ersticken/ertrinken.
einem kollegen hat die westenatmung übrigens vor etwa 3 jahren in pula von etwa 35m rauf das leben gerettet. sein buddy tauchte vor ihm und bemerkte nix, als er plötzlich keine luft mehr kriegte (ursache bis heute unklar- möglicherweise verlegte in der flasche ein saublödes stück rost den "ausgang")und auch aus dem oktopus nix mehr kam.
ich finde, man sollte die westenatmung also nicht verdammen- aber auch nicht mit einem alten jacket üben, sondern im hinterkopf behalten für den fall wenn´s wirklich mal so blöd hergeht wie bei meinem clubkollegen- den der buddy ist wahrscheinlich gerade dann nicht da, wenn man ihn am dringensten braucht...
(dieser vorfall war damals anlass für meine entscheidung, mir den ebenfalls nicht unumstrittenen "spare air" zu kaufen (kein allheilmittel, aber ein minimaler "aufwand"- somit immer dabei und: besser als nix !)
harry
Antwort von weLLman~ am 06.06.2001
hallo leut´s

tauchgeist: wie hoch iss das risiko in ohnmacht
zu (ver)fallen -> pendelatmung ? der co2-anteil
in der jacke dürfte ja rellativ schnell im kritischen bereich sein ?

weLLman~
Antwort von Ralph am 06.06.2001
Hi WeLLman~

Gute Einstellung, daß du dich als einzig redundantes System siehst. Ganz nach dem Motto: Tauche nie allein aber bereite dich vor als ob du allein tauchst.
Jetzt aber wieder zur Westenatmung:Das Risiko in Ohnmacht zu fallen ist beim Testen wohl eher gering (gesunder Menschenverstand vorausgesetzt!).
Zuerst wirst du es als sehr unangenehm empfinden, wenn du Luft mit O2 < 21% einatmest. Dein Atemvolumen wird steigen und letztendlich wirst du aufgeben (oder bewußtlos werden).
Probier doch zum Vergleich einfach mal aus einer Plastiktüte (Müllbeutel) über längere Zeit zu atmen. Du wirst es wohl sehr schnell als unangenehm empfinden. Kannst du dir das nun noch in einer Paniksituation vorstellen?
Ich hatte es am Anfang meiner Tauchkarriere einmal ausprobiert und als sehr unangenehm empfunden. In einem Notfall ist natürlich (fast) jedes Mittel recht zum Überleben.

Harry - Respekt vor deinem Kollegen, dass er soviel Geistesgegenwart besessen hat aus seiner Weste zu atmen.

Gut Luft-

Ralph
Antwort von Ralph am 07.06.2001
Hallo nochmal-

Bei meiner Suche bin ich gerade auf etwas aus den neuen DIN-Vorschriften gestoßen: "Nach den deutschen DIN-Regelungen darf das Atmen aus der Tarierhilfe technisch nicht möglich sein, da man hierbei gegebenenfalls die Kohlendioxid- angereicherte, eigene Atemluft erneut einatmen würde".
Rein theoretisch ist die Westenatmung bei DIN-gerechten Jackets (momentan nur eins!) nicht möglich.

Gruß,
Ralph
Antwort von annjoy am 07.06.2001
>>>>"der octopus stellt ja lediglich eine möglichkeit dar, einem "nebenmirtaucher" luft zu geben ohne selber auf´s atmen zu verzichten, der octopus ist ja kein "backup", für was auch ? für meine 2. stufe ??? das die ihren dienst versagt, halte ich für nicht warscheinlich. "

aha, das ist ja eine gute einstellung. ... und ziemlicher blödsinn *sorry*. vor 2 wochen im hennesee ist meinem buddy auf 10 meter die 2. stufe kaputt gegangen... wir tauchten gerade durch die schlickschicht, ich das erste mal in dem teich und gerade am anfang meiner tauchkarriere und anderes zu tun, nichts mitbekommen, außer dass wir wieder hoch gehen... seine "rettung" war SEIN octopuss der noch funzte... außnahmen bestätigen bekanntlich die regel, und ganau diese ausnahmen gilt es unterwasser zu managen, wenn nötig auch allein...
Antwort von tauchgeist am 08.06.2001
Moin weLLman,
sorry wegen der späten Antwort, muß gelegentlich auch arbeiten .
Ralph hat Recht, probiere es mal mit der Tüte aus und Du wirst merken, daß Du 2 - 3 mal problemfrei pendeln kanst.
Die von Ralph angesprochene Norm gilt für Geräte, die in den Handel gebracht werden. Was Du mit Deinem Altgerödel machst oder wie Du Dein DIN-gerechtes Jacket modifiziersts, ist lediglich im Falle eines Unfalles relevant, Du hast dann keinen Versicherungsschutz mehr; aber wenn man sich dessen bewußt ist, kann man damit ganz gut leben/tauchen )
Antwort von carchaias am 08.06.2001
Hai, bei den oben dargestellten Versionen der Westenatmung wurde etwas vergessen. Die Westen"automaten" der damaligen Westen waren mit einer Membran ausgerüstet, die, wie die 2. Stufe des normalen Automaten, das Einatmen aus der Weste ermöglichten. Zum Aufblasen der Weste mit dem Mund (Inflator gabs da noch nicht) musste man einen Knopf drücken (ähnlich der Luftdusche). Die Pendelatmung mit der Weste habe ich selbst nie gelernt, ist aber auch nicht notwendig, da man mit einer Westenflaschenfüllung und etwas Übung leicht 10 min überbrücken kann im Flachbereich. Tariert wurde über das unreduzierte Ventil der Westenflasche. Dann wird aus der Weste geatmet. Erst beim Ausatmen sinkt man leicht ab und muß die verbrauchte Luft wieder nachfüllen. So kann man geregelte Aufstiege aus jeder Tiefe mit Stopps machen. Mit den herkömmlichen Jacketinflatoren ist das nur bedingt möglich, da diese keine Membran haben die das Ventil betätigt. Man muß also den den Ablassknopf drücken um Luft aus dem Jacket aufzunehmen. Dabei zieht man leicht etwas Wasser mit weil der Luftteil nur unzureichend oder garnicht vom umgebenden Wasser abgetrennt ist. Außerdem sind die Mundstücke nur zum Notaufblasen gemacht. (das ist aber von Jacket zu Jacket unterschiedlich). Mir ist nur der Westenautomat von Buddy bekannt bei dem die Atmung aus der Weste möglich ist. Das Atmen und Tarieren mit der Jacket/ Westenluft ist nicht einfach und muß ausgiebig geübt werden um nicht durchzuschießen /-sacken. Vorsicht: Gefahr der Pilzinfektion.
Antwort von carchaias am 08.06.2001
Noch was zum Thema Westenflaschen. Da man keine Kontrolle über den Füllstand der Flasche hat muß diese vor jedem Tauchgang an der großen Tauchflasche befüllt werden. Es kann es leicht sein, das Wasser eindringt, wenn man die Pulle leergeatmet hat. Es gibt keinen Druckminderer der das Rückschlagen von Wasser etwas bremst. Das führt schnell zu Korrosion, welche die Flasche zerstört. 2 Jahre TÜV (ist auch bei den kleinen Püllekens notwendig) sind dann zuviel, wenn einmal Salzwasser eingedrungen ist. Habe noch nie ne rostfreie Westenflasche gesehen, die regelmäßig benutzt wurde.
Antwort von tauchgeist am 08.06.2001
Hallo Carchaias,
der Inflator wurde mit Absicht nicht berücksichtigt, wir gehen ja hier von einem nicht näher definierten Fall aus, der eine Westenatmun nötig macht, bspw. O bar in der Flasche, da nützt Dir der Inflator auch nichts mehr
Du kannst auch aus den "neuen" Mundstücken eine Westenatmung betreiben, in dem Du besagtes Knöpfchen drückst. Etwas Ausatmen (stoßartig!) verdrängt eventuell vorhandenes Wasser aus dem Faltenschlauch in den Westenkörper und verhindert versehentliches Einatmen mit den unangenehmen Folgen ...
WeLLman, was für ein Mundstück hat denn Deine Weste ??
Antwort von weLLman~ am 08.06.2001
hallo jung´s

tauchgeist, also (tusa platina) ich würd sagen ´n normales mundstück :o)

ich habe vorhin mal den "tütentest" gemacht, mit ´ner 5l tüte (sollte ungefär mein lungenvolumen sein) bis auf immer stärker werdende kurzatmigkeit lässt sich im trocknen mit einer lungenfüllung so 4-5 miuten atmen, ich habs natürlich nicht bis an die grenze getrieben.

am sonnstag werde ich das mal in "echt" testen, mit ´nem jacket nicht mit ´ner tüte :o)
Antwort von carchaias am 10.06.2001
Was ich sagen wollte ist: Die alten "Westenautomaten" waren für die Westenatmung vorgesehen, bei den heutigen Inflatoren ist das nicht so.

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