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macht Tauchen süchtig ?
Abgesandt von hket Registriertes Mitglied am 09.01.2012 - 14:58:

im Unfallforum findet sich folgender Text:
>>> „Der Vergleich mit dem Betäubungsmittelgesetz ist übrigens hier mehr als angebracht…“
Tauchen hat mit Sucht nichts zu tun. Hier werden keine Endorphine, wie beim Marathonlauf ausgeschüttet. Kein verantwortungsvoller Taucher sucht die N2 Narkose, die ja weder süchtig noch sonstwie nachhaltig wirkt, "nur" akut belämmert macht. <<<

Wenn man manchmal Taucher nach dem Tauchgang beobachtet, kann schon der Eindruck entstehen, die stünden unter Drogen. Total aufgedreht, trotz teilweiser Probleme mit Kälte oder Anstrengung, kaum fähig sich unauffällig zu verhalten, auch wenn das vereinbart war.

Ist es die Situation Tauchen selbst, die den Taucher in einen Zustand bringt, wie man es z.B. beim Bungeespringer kennt ? Oder werden beim N2 Abbau Stoffe freigesetzt, die dem N2 Rausch gegenwirken können ?




Antwort von yobabe Registriertes Mitglied am 09.01.2012 - 16:39
Tauchen macht dumm und gleichgültig.

Verstehe zwar nicht warum, ist mir aber auch egal!
Antwort von DrBill Registriertes Mitglied am 09.01.2012 - 16:47
Es ist zwischen akuter (Drogen-) Wirkung und Abhängigkeitserkrankung zu unterscheiden. Beides hat zunächst nichts mit einander zu tun. Die akute (Drogen-) Wirkung kennt jeder, z.B. von einem Alkoholrausch oder dem Zug von einer Zigarette. Das möglicherweise angenehme Gefühl wird über Dopamin vermittelt.
Eine Abhängigkeit ("Sucht") ist nach der WHO wie folgt definiert (drei der sechs Punkte müssen über einen geewissen Zeitraum zutreffen):
1. Zwang und Drang zum Konsum (Verhalten)
2. Toleranzsteigerung
3. Kontollverlust
4. Entzugssymptome
5. Konsum (Verhalten) trotz des Wissens um die körperliche oder psychische Schädigung
6. Interessensverschiebung zugunsten des Konsums.

Tauchen macht nicht süchtig - dass aber euphorische Zustände auftreten, die dann eine gewisse Kritikminderung und verflachte Affektivität nach sich ziehen, ist bei den ausserordlich schönen und tollen Erfahrungen, die man während eines Tauchgangs machen kann, selbstverständlich. Nichts anderes passiert auch nach einer Faht auf dem Kettenkarusell oder der Achterbahn. Daran ist aber nichts psychopathologisches zu sehen. Dass diese Zustände etwas mit der Hirnaktivität zu tun haben ist selbstverständlich, da alle Gefühls - und Bewußtsseinszuständie etwas mit dem Hirn zu tun haben - mit was auch sonst.

Grüße DrBill (Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie)
Antwort von Stephan K. Registriertes Mitglied am 09.01.2012 - 17:24
Mist, mit 4 von 6 Punkten bin ich bestimmt schon ein Pressluft-Junkie.

Egal, ich schau mir demnächst wieder die rosa Eisbären im Blausteinsee an.
Antwort von tiefunten Registriertes Mitglied am 10.01.2012 - 00:43
Welcher ernsthafte Taucher kann da jetzt Punkt 1,4, (5, wegen der evtl. auftretenden Hirnschäden) und 6 abstreiten
Antwort von Hans_S Redaktionsmitglied am 10.01.2012 - 07:50
Schuldig im Sinne der Anklage
Antwort von ramklov Registriertes Mitglied am 10.01.2012 - 11:50
Also die Punkte 1,4 und 6 dürften klar erfüllt sein.

Punkt 2: Toleranzsteigerung. Sich langsam zu neuen Herausforderungen vorzutasten ist doch genau das was wir hier empfehlen. Also Punkt 2 auch erfüllt.

Punkt 5 hat yobabe am 09.01.2012 - 16:39 eindrucksvoll bewiesen, also auch erfüllt.

Wie ist Punkt 3 zu verstehen? Wenn ich mir fest vornehme, den Keller aufzuräumen, es aber sein lasse, weil freundlicher Tauchkamerad mit einer Anfrage zum Tauchen dazwischen kommt. Ist der Punkt dann nicht auch erfüllt?

Danke, DrBill für den Beitrag

gruß ramklov
Antwort von kwolf1406 Registriertes Mitglied am 10.01.2012 - 13:12
Is` ja alles lustig, mit den Punkten. Aber die ernsthafte Frage ist mit Dr.Bill super beantwortet.
Antwort von RogerT Registriertes Mitglied am 11.01.2012 - 10:34
Punkt 1-6 erfüllt - also Suchtverhalten...

Was gibt es als Gegenmittel/Ersatzdroge? Duschen ist da wohl zu wenig...
Antwort von DrBill Registriertes Mitglied am 11.01.2012 - 11:21
Aus psychiatrischér Sicht hilft wohl nur ein Totalentzug. Ich halte im Falle der Tauchsucht ein Ersatz-Programm (wie Methadon/Polamidon bei Heroinabhängigkeit) nicht weiterführend. Stellen Sie sich vor, Sie müßten ab morgen, um nicht Tauch-rückfällig zu werden Wassergymnastik machen oder noch schlimmer: Synchronschwimmen (man denke an Ölfrisuren dämliches Lächeln und Nasenklemmen. Glücklicherweise handelt es sich bei Tauchsucht um eine nichtstoffgebunde Abhängigkeit (ähnlich der Spielsucht). Das Wchtgste ist zunächst die Selbsterkenntnis ("...hallo ich bin der Peter und ich bin Alkoho, äh, tauchsüchtig...Danke schön...". Vielleicht gründe ich eine Selbsthilfegruppe oder jetzt hab ichs: Ich wollte schon imer Beruf und Hobby zusammenbringen... Ich gründe eine Klinik für Tauchsüchtige - die Betroffenen müssen dann zuerst eine anständige Diagnose bekommen und das geht nur Unterwasser, natürlich mit mir zusammen als Arzt und Therapeuten . Selbstverständlich müsste die Klinik in den Tropen liegen (sonst geht das nicht richtig - da die heimichen Wassertemperaturen ein Teil der Diagnose verschleiern (siehe Punkt 2, die Tauchgänge wären einfach zu kurz). Die Therapie wäre (leider) ganz schön teuer.
Vielleicht werde ich aber auch Guru und alle Tauchsüchtigen können in meine Sekte eintreten und wir fröhnen einfach der Sucht (auch in den Tropen), nach dem meine Jünger einen mir eine Insel gekauft haben.

Bei Therapiewunsch stehe ich gerne zur Verfügung, wenn Sie mein Jünger werden wollen, können Sie über Taucher.net den Kontakt herstellen.
Hipokratische Grüße
Der DrBill
Antwort von kwolf1406 Registriertes Mitglied am 11.01.2012 - 12:42
Hi,
als Tauchausbilder biete ich ein honorarfreies Entzugsprogramm in den Tropen an (funktioniert nur bei Wassertemperatur über 20 Grad und ausreichender natürlicher UV-Exposition). Therapieansatz ist der langsam schleichende Entzug mit Beobachtung und Fotografieren der UW-Fauna und genüsslichem Löschen Der Bilder am Abend, sowie das sich steigernde Beobachten anderer Taucher beim Briefing und Abtauchen bis dies unbeschwert gelingt und einem das Grinsen der anderen egal ist.
Da ich ehrenamtlich engagiert bin trägt der Suchtpatient nur seine und alle meine Selbstkosten der mind. 14-Tägigen Entwöhnungseinheiten mit Wiederholungsverpflichtung bei Rückfälligkeit.
Antwort von kwolf1406 Registriertes Mitglied am 11.01.2012 - 12:46
Upps - da kam mir Dr Bill zuvor - ich denke, wir bilden ein Therapiezentrum - ich kenne auch eine tauchende Physiotherapeutin, die da tolle Reha-Ideen hat.
Antwort von hket Registriertes Mitglied am 11.01.2012 - 14:41
dann ist es ja gefährlicher als bislang befürchtet:
1. Zwang und Drang zum Konsum (Verhalten)
bei vielen Tauchern zu beobachten - ich auch
2. Toleranzsteigerung
tiefer, dunkler, kälter, länger, öfter - eindeutig ja
3. Kontollverlust
Frau: entweder taucher oder ich - ich werde Sie vermissen
4. Entzugssymptome
sobald die Haut trocken ist gehts wieder los:
ich will ins Wasser
Ersatzdrogen (TV mit Costeau, Reiseberichte oder Neoprenschnüffeln helfen nur wenig)
5. Konsum (Verhalten) trotz des Wissens um die körperliche oder psychische Schädigung
Gelenkschmerzen durch Kälte, Rückenschmerzen durch Doppelpacket, HNO Problematik - wird meist klaglos akzeptiert
6. Interessensverschiebung zugunsten des Konsums.
Urlaub ohne tauchen ?
Sonntags Familienfrühstück oder Early-Morning-Dive

Das ganze private Umfeld ein einziger Spiegel der sucht: Pressluftflaschen in der Garage, Tauchgerödel im Badezimmer, an der Garderobe hängt der Trocki, im Schlafzimmer die Flossen und die Gummi-Eistauchhaube

muss wohl zu meinem Suchtberater ins Reisebüro gehen.

Ursprünglich war meine Frage wohl Ernst gemeint, aber aufgrund von N2 Turkey leide ich unter Konzentrationsmangel.
Leider werde ich hier wohl keine abschließende Antworten erhalten, schwer abhängige sind eigentlich nie zu einem freiwilligen Entzug bereit.

Antwort von kwolf1406 Registriertes Mitglied am 11.01.2012 - 16:32
Helmut, die ernstafte Antwort ist doch schon im 2. Posting gekommen. Treffender gehts m.M.n. nicht. Hyperbares Inertgas, CO2 O2 machen m.W. nicht süchtig.
Antwort von hket Registriertes Mitglied am 12.01.2012 - 15:11
kwolf1406: hast Recht, Danke an Dr. Bill

Antwort von crazy_Divers_Germany Registriertes Mitglied am 12.01.2012 - 23:56
@Dr. Bill

Wäre dein Ansatz also Tiefen psychologisch oder Verhaltenstherapeutisch ?
Welche ICD schwebt dir da vor?
nur aus eigenem Interesse mal so angemerkt

Grüsse aus dem See
Crazy
Antwort von DrBill Registriertes Mitglied am 13.01.2012 - 14:24
...mein Ansatz wäre (weil ich das bin)im Verhalten therapeutisch aber in der Tiefe psychologisch...

Aber eigentlich will ich viel lieber Guru werden, da muss ich mich dann nur an meine ganz eigenen Regeln halten und nicht therapeutisch sinnvoll agieren. Im Zusammenhang mit Tauchern macht es einfach mehr Spaß unkontrolliert zu schwadronieren. Wollen Sie mein Jünger werden?

Verhaltenssüchte finden sich im ICD unter F63, also unter Störungen der abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle ((F63.0 Spielsucht, F63.1 Pyromanie, F63.2 Kleptomanie, F63.3 Trichotillomanie). Tauchsucht wäre dann unter F63.8 (andere abnorme Gewohnheiten oder Impulskontrollstörungen) zu kodieren.

Hochachtungsvoll Der DrBill
Antwort von crazy_Divers_Germany Registriertes Mitglied am 13.01.2012 - 23:38
Hätte eher an F1 gedacht - Substanzabusus und Abhängigkeit

Leider sehe ich die Gefahr einer F6 bei langanhaltender Abstinenz

Was man so macht in der Nacht
halt N8 Dienst
Antwort von sharky58 Registriertes Mitglied am 14.01.2012 - 19:44
Lieber DrBill,lieber kwolf ,
ich hoffe doch ,dass das Therapiezentrum recht bald seine Tauch...ähh Gesundheitsförderung beginnt .
Ich möchte mich gern für eine recht lange Therapie anmelden und brauche nur noch ein paar Angaben , wie ich meine Krankenkasse von der Notwendigkeit der Behandlung überzeugen kann!
Ich werde mich auch bestimmt ganz fleißig an den Tauchgängen...ähh.. Behandlungen beteiligen !
LG sharky
Antwort von Loricula Registriertes Mitglied am 31.01.2012 - 09:26
Hallo,
an wen darf ich denn meine Bewerbung als Tauch- und Krankenpfleger senden? Langjährige Erfahrungen in der Psychiatrie, als auch in der Rehabilitation sind vorhanden.
VG
Michael

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