Tauchen in der Schwangerschaft

 Geschrieben von Ralf-Torsten Pohl

Das Sporttauchen erfreut sich nach wie vor wachsender Beliebtheit. Dabei ist es längst keine Domäne für hartgesottene Abenteurer mehr. Immer mehr Mädchen und Frauen üben den schönen Sport aus. Tauchreisen in entfernte Gebiete werden oft langfristig geplant. Dabei ist es unausbleiblich, daß die Frage nach den möglichen Folgen des Preßlufttauchens während einer Schwangerschaft für Mutter und Kind immer häufiger gestellt wird.

Die ersten Beschreibungen von Effekten des Tauchens während einer Schwangerschaft stammen bereits aus dem Jahr 1908 aus England von Boycott, Haldane und Damand. Die Autoren beobachteten Gasbläschen in den Blutgefäßen von trächtigen Schafen bei simulierten Tauchgängen von 15 bis 240 Minuten bis zu einer Tiefe von 70 Metern. Es folgten eine Reihe von anderen Tierexperimenten mit schwangeren Hunden, Hamstern und Schafen, die zum Teil recht widersprüchliche Ergebnisse lieferten. Zunächst ließen die Resultate der Untersuchungen mit Hunden und Ratten vermuten, daß der Fetus weniger leicht an Dekompressionsschäden erkrankt als das Muttertier. Es stellte sich jedoch heraus, daß sich diese Ergebnisse nicht auf den Menschen übertragen lassen, da diese Tiere ein anderes Zirkulationssystem zwischen mütterlichem und fetalen Kreislauf besitzen. Weitere Experimente mit Schafen zeigten, daß deren Fetus empfindlicher gegenüber einer Dekompressionskrankheit ist. Selbst bei Tauchgängen, die für den mütterlichen Organismus als sicher anzusehen waren, konnten im fetalen Kreislauf Gasblasen nachgewiesen werden! Offen bleibt jedoch die Frage,inwieweit die tierexperimentellen Ergebnisse vom Schaf auf den Menschen übertragbar sind.

Selbstverständlich sind experimentelle Untersuchungen an schwangeren Frauen ausgeschlossen. Aber es gibt ein paar retrospektive epidemiologische Betrachtungen. Bolton berichtete 1979 über Untersuchungen an amerikanischen Taucherinnen. Von 109 Frauen, die während der Schwangerschaft getaucht hatten, brachten 6 (5,5%) Kinder mit verschiedenen Mißbildungen (Herzfehler, Fehlbildungen des Skeletts und von Gefäßen) zur Welt. Dabei war kein Zusammenhang zwischen Mißbildungsrate und Tauchprofil festzustellen. Von den 69 Taucherinnen, die nicht während der Schwangerschaft getaucht hatten, waren keine kranken Kinder geboren worden.  An einer englischen Studie (Betts, 1985), ist auffällig, daß die Mißbildungsrate bei Frauen, die im ersten Schwangerschaftsdrittel getaucht hatten mit 30% etwa 15 mal höher liegt als beim Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. Skandinavische Autoren (Bakkevig, 1989) analysierten mit einem Fragebogen 100 Schwangerschaften, die von 68 schwedischen und norwegischen Frauen ausgetragen worden waren. Bei 34 Schwangerschaften, während deren Bestehen weiterhin getaucht worden war, betrug die Mißbildungsrate 15%. Bei den restlichen 66 Schwangerschaften lag die Mißbildungsrate mit 1,5% um eine Größenordnung niedriger im Bereich der Norm.

Auch wenn der eindeutige wissenschaftliche Beweis des ursächlichen Zusammenhangs von Preßlufttauchen und kindlichen Fehlbildungen noch aussteht, kann aus den bis heute veröffentlichten statistischen Untersuchungen geschlossen werden, daß Tauchen während der Schwangerschaft zumindest mit einem erhöhten Risiko für den Feten verbunden ist.

Während auch die Frau beim Tauchen während der Schwangerschaft zusätzlichen Risiken ausgesetzt ist(erhöhter Körperfettanteil während der Schwangerschaft, Änderungen im Flüssigkeitshaushalt, Durchblutungsstörungen, hormonelle und stoffwechselbezogene Umstellungen), ist vor allem das ungeborene Kind durch folgende mögliche Faktoren gefährdet:

  • toxische Wirkung des erhöhten Inertgaspartialdruckes
  • toxische Wirkung des erhöhten Sauerstoffpartialdruckes
  • erhöhte Gefährdung durch Dekompressionskrankheit
  • mögliche Unterkühlung

Es lassen sich aus den verfügbaren Daten und Theorien folgende Empfehlungen ableiten:

1. Schwangere Frauen sollten grundsätzlich nicht tauchen.

2. Ein besonders hohes Risiko scheint im ersten Schwangerschaftsdrittel zu bestehen.

3. Auch wenn das Risiko mit dem Druck steigt kann keine sichere Tiefe empfohlen werden.

4. Beim (berufsbedingten) Tauchen über einen längeren Zeitraum an Empfängnisschutz denken!
 
 

Für Fragen und Kommentare an den Autor bitte E-mail an pohl@speyer.mannheim-netz.de


Infos

Taucher und gleichzeitig auch noch Single sein? Das ist zuviel des Guten! Schau rein in unsere Single-Seite, hier sind viele alleinstehende Taucher auf der Suche nach einem Tauch- und Lebensabschnittspartner! Oder trag dich selber ein!


18.05.2013 20:04 Taucher Online : 161
Heute 11403, ges. 69858058 Besucher
Login:  Autologin: 
Passwort:  
Gast : Registrieren - zur Login-Seite


Deine Bookmarks:
Taucher-News - Kalender - Sichtweiten - Postkarten

Aus unserer Foto-Datenbank:
Und noch über 20.000 weitere Fotos...




MountainBIKE RoadBIKE UrbanBIKING outdoor klettern CAVALLO AnglerNetz taucher.net planetSNOW