Zahnmedizin und Tauchen

 Geschrieben von Dr. Kärcher

Prinzipiell gibt es beim Tauchen drei Problemkreise, die mit der Zahnmedizin zusammenhängen

  1. Barotrauma
  2. Muskel- oder Kiefergelenksprobleme
  3. Zahnersatz

1. Hohlräume, die in Beziehung zur Außenluft und damit zum Außendruck stehen, können vor allem beim Austauchen zu Problemen führen. Solche Hohlräume können durch Karies, defekte Füllungen, Wurzelbehandlungen, Kronen und Brücken mit mangelhaftem Randschluß und/oder fehlerhafter Zementierung und Entzündungen im Kieferknochen oder Zahnfleisch entstehen. Die beim Abtauchen komprimierte und sich beim Austauchen wieder ausdehnende Luft kann durch Airtrapping zu Schmerzen oder zum Absprengen von Füllungen oder Kronen führen. Provisorische Füllungen bei noch nicht abgeschlossenen Wurzelbehandlungen sind hier besonders gefährdet. Daher gilt als Empfehlung für alle Sporttaucher:

Außer der tauchsportärztlichen Untersuchung sollte man alle 6 Monate eine zahnärztliche Kontrolle durchführen lassen. Alle defekten Füllungen und Kronen sollten erneuert werden, alle kariösen Läsionen und alle parodontalen Entzündungen sollten ausgeheilt werden. Wurzelbehandlungen sollten abgeschlossen sein.

2. Ein normaler Tauchgang eines Sporttauchers dauert ca. 40 - 60 Minuten. Die dauernde Anspannung der Kaumuskulatur beim Festhalten des Mundstückes kann zu anhaltenden Kopf-, Kiefer- und Kiefergelenksschmerzen führen. Dies kann daran liegen, dass die Standardmundstücke die hinteren Backenzähne nicht bedecken und daher unphysiologische Belastungen im orafacialen System auftreten. Abhilfe kann mit der Anfertigung individueller Mundstücke aus Silikon geschaffen werden. Im Handel sind auch thermoplastische Kunststoffe erhältlich, die vor allem für Mundschützer bei Hockey, Eishockey oder ähnlich zahngefärdenden Sportarten verwendet werden. Eine vernünftige Anpassung bleibt im Selbstversuch aber eher dem Zufall überlassen. Eine professionelle individuelle Gestaltung wird bessere Erfolgschancen bieten.

3. Personen mit Teil- oder Vollprothesen haben 2 Probleme: Zum einen kann es schwierig sein, das Mundstück sicher festzuhalten (Vollprothesen bei völlig zahnlosen), oder es besteht Aspirationsgefahr bei Teilprothesen. Vor Jahren gab es eine Empfehlung, Vollprothesenträger als tauchuntauglich zu qualifizieren. Dem Autor ist aber auch ein Tauchlehrer bekannt, der mit seiner Vollprothese jahrelang völlig sicher tauchte, bevor er sich seinen Zahnersatz auf Implantaten fest verankern ließ. Empfehlungen von DAN, Padi oder CMAS sind mir persönlich nicht bekannt. Daher würde ich folgenden Rat geben: Teilprothesenträger sollten normalerweise keine Probleme haben, sofern immer auf einen guten Sitz und eine Mindestabzugskraft der Prothese geachtet wird. Sonst ist der Halt in Gefahrensituationen nicht gewährleistet, es könnte zum Verlust oder im schlimmsten Fall zur Aspiration der Prothese kommen. Vollprothesen liegen viel lockerer im Mund als an Restzähnen verankerte Prothesen. Daher sind diese Personen entsprechend stärker gefährdet. Daher würde ich in diesem Falle immer zu einer Versorgung mit Implantaten raten. Wer sich das nicht ganz billige Hobby tauchen und die häufig dazugehörenden Fernreisen leisten kann, sollte diese Kosten auch in sein Hobby mit einplanen, bevor er sich und seine Tauchpartner unnötig erhöhten Risiken aussetzt.

http://www.Dr-Kaercher.de


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