Dehydratation

 Geschrieben von Jessica & Herbert

Von Jessica Brühl und Herbert Gfrörer ©

Wer hat es in der Tauchschule nicht gelernt? Wer taucht, vor allem in (sub-)tropischen Gebieten, soll viel trinken. Wieso eigentlich? Wo liegt das Problem, wenn ein Taucher dehydriert, also Wasser verliert?

Die Körperflüssigkeit, der als erstes das Wasser entzogen wird, ist das Blut. Später folgen die Gewebe. Daraus resultieren verschiedene Warnsignale, mit denen unser Körper darauf aufmerksam machen will, daß da irgendwo etwas nicht stimmt. An erster Stelle steht natürlich der Durst. Aber auch andere Symptome können auf Dehydration hindeuten, die man gar nicht unbedingt damit in Verbindung bringen würde. Dazu gehören unter anderem Wadenkrämpfe, Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen. Im fortgeschrittenen Stadium können Hitzekrämpfe auftreten, die bis zur Ohnmacht mit Herz-Kreislauf-Stillstand führen können.

Was passiert im Körper?

Durch den starken Flüssigkeitsverlust dickt das Blut ein, das heißt, der Stickstoff, der beim Tauchen aufgenommen wird, kann nicht im "üblichen" Maße vom Plasma, also dem Flüssigkeitsanteil des Blutes, in dem sich die Atemgase physiologisch lösen, aufgenommen werden.

Der Stickstofftransport im Blut ist erheblich verzögert, da die Gewebe durch die verminderte Aufnahmefähigkeit des Plasmas weniger Stickstoff abgeben können. Dies führt zu einer lokalen Stickstoffübersättigung im Gewebe. Das wiederum führt dann unweigerlich zur Bildung von Stickstoffbläschen sowohl im Gewebe als auch im Blut und erhöht das Risiko einer Deko-Krankheit erheblich.

So kann man vorbeugen

  • Immer ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen, auch wenn man weder Durst noch starkes Schwitzen verspürt. Drei Liter pro Tag sollten das Minimum sein! Allerdings kommen nicht alle Getränke gleichermaßen in Frage: Tee, Kaffee und Alkohol in größeren Mengen sind tabu, da Koffein und Alkohol die Flüssigkeitsausscheidung begünstigen. Wasser oder verdünnte Fruchtsäfte/Schorlen sind ideale Getränke, ebenso isotonische Drinks, die den Mineralienhaushalt ausgleichen.
  • Auch während des Tauchgangs verliert man Wasser, z. B. durch Urinieren oder durch Flüssigkeitsentzug von außen durch Salzwasser. Der wichtigste Faktor jedoch ist die ultratrockene Preßluft! Beim Tauchen wird die Atemluft in der Lunge angefeuchtet, bevor sie abgeatmet wird. Durch diesen Schutzmechanismus des Körpers wird diesem kontinuierlich Feuchtigkeit entzogen. Wichtig ist also nicht nur das Trinken vor, sondern unbedingt auch nach dem Tauchgang. Nur so ist eine problemlose Abführung von Stickstoffbläschen nach dem Tauchgang gewährleistet.
  • Das Fliegen birgt bekanntermaßen besondere Risiken. Besonders bei Langstreckenflügen mit wenig körperlicher Betätigung besteht - nicht nur beim Taucher - Emboliegefahr (vor allem durch Beinvenenthrombosen). Die trockene Luft der Klimaanlage trocknet noch zusätzlich aus (siehe auch trockene Luft aus dem PTG). Der Taucher, der evtl. noch nicht vollständig entsättigt ist, ist besonders gefährdet. Für ihn gilt also in verstärktem Maß: Vor und besonders auch während des Fluges ausreichend trinken. Das normale Durstlöschen reicht da nicht. Zudem gelegentlich auf- und abgehen, Zehenstände und Streckübungen machen. In diesem Zusammenhang sollte auch auf entsprechende Tauchpausen nach dem Flug (Adaptionszeit, um dem Körper Gelegenheit zu geben, sich an das veränderte Klima zu gewöhnen) sowie auf genügend lange Entsättigungszeit vor dem Flug geachtet werden. Die Angaben des Tauchcomputers können dabei nur als unterstes Mindestmaß gelten, denn je nach Konstitution des Tauchers und Art der Tauchgänge (Anstrengung?) weichen die tatsächlichen Entsättigungszeiten u. U. massiv ab.
  • Leidet man an Seekrankheit oder einer Magen-Darm-Infektion sollte man besondere Vorsicht walten lassen. Letzteres ist eigentlich eine absolute Kontraindikation zum Tauchen, aber wer kennt das nicht: "Morgen geht es doch zum Manta-Point, den will ich mir auf keinen Fall entgehen lassen!" Nichts beeinflußt den Flüssigkeitshaushalt des Körpers so stark wie Erbrechen oder Durchfall! Will man partout trotzdem tauchen, sollte man unbedingt am Tag vorher ein Medikament nehmen, das den Stuhl bindet, wie zum Beispiel Loperamid Ratiopharm ®, auch bekannt unter dem Namen Imodium ®. Dieses Medikament ist rezeptfrei in der Apotheke erhältlich und sollte in keiner Reiseapotheke fehlen. Zudem sollte man deutlich mehr trinken als üblich und dabei auf den Mineralhaushalt achten. Besonders Apfelschorle (mit echtem Mineralwasser, nicht dem stillen Wasser ohne jeglichen Mineralsalzgehalt, das man in den Tropen erhält) oder ISO-Drinks sind ideal. Notfalls tun es auch zwei Teelöffel Kochsalz auf einen Liter Wasser. Bananen zu essen schadet auch nicht. Das alte Hausmittel Cola ist nicht geeignet, da es nicht zuletzt durch den hohen Zucker- und Säuregehalt dem Körper wieder Mineralien und Vitamine entzieht. Zu allem Überfluß enthält es Koffein - ein Teufelskreis.
  • Direkte Sonneneinstrahlung und anstrengender Sport vor oder direkt nach dem Tauchgang sollten vermieden werden. Vergleiche dazu den in dieser Reihe erscheinenden Artikel: "Tauchen und Aktivurlaub".

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