Wer hat es in der Tauchschule nicht gelernt? Wer taucht, vor allem
in (sub-)tropischen Gebieten, soll viel trinken. Wieso eigentlich? Wo liegt
das Problem, wenn ein Taucher dehydriert, also Wasser verliert?
Die Körperflüssigkeit, der als erstes das Wasser entzogen
wird, ist das Blut. Später folgen die Gewebe. Daraus resultieren verschiedene
Warnsignale, mit denen unser Körper darauf aufmerksam machen will,
daß da irgendwo etwas nicht stimmt. An erster Stelle steht natürlich
der Durst. Aber auch andere Symptome können auf Dehydration hindeuten,
die man gar nicht unbedingt damit in Verbindung bringen würde. Dazu
gehören unter anderem Wadenkrämpfe, Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen.
Im fortgeschrittenen Stadium können Hitzekrämpfe auftreten, die
bis zur Ohnmacht mit Herz-Kreislauf-Stillstand führen können.
Was passiert im Körper?
Durch den starken Flüssigkeitsverlust dickt das Blut ein, das heißt,
der Stickstoff, der beim Tauchen aufgenommen wird, kann nicht im "üblichen"
Maße vom Plasma, also dem Flüssigkeitsanteil des Blutes, in
dem sich die Atemgase physiologisch lösen, aufgenommen werden.
Der Stickstofftransport im Blut ist erheblich verzögert, da die
Gewebe durch die verminderte Aufnahmefähigkeit des Plasmas weniger
Stickstoff abgeben können. Dies führt zu einer lokalen Stickstoffübersättigung
im Gewebe. Das wiederum führt dann unweigerlich zur Bildung von Stickstoffbläschen
sowohl im Gewebe als auch im Blut und erhöht das Risiko einer Deko-Krankheit
erheblich.
So kann man vorbeugen
Immer ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen, auch wenn man weder
Durst noch starkes Schwitzen verspürt. Drei Liter pro Tag sollten
das Minimum sein! Allerdings kommen nicht alle Getränke gleichermaßen
in Frage: Tee, Kaffee und Alkohol in größeren Mengen sind tabu,
da Koffein und Alkohol die Flüssigkeitsausscheidung begünstigen.
Wasser oder verdünnte Fruchtsäfte/Schorlen sind ideale Getränke,
ebenso isotonische Drinks, die den Mineralienhaushalt ausgleichen.
Auch während des Tauchgangs verliert man Wasser, z. B. durch Urinieren
oder durch Flüssigkeitsentzug von außen durch Salzwasser. Der
wichtigste Faktor jedoch ist die ultratrockene Preßluft! Beim Tauchen
wird die Atemluft in der Lunge angefeuchtet, bevor sie abgeatmet wird.
Durch diesen Schutzmechanismus des Körpers wird diesem kontinuierlich
Feuchtigkeit entzogen. Wichtig ist also nicht nur das Trinken vor,
sondern unbedingt auch nach dem Tauchgang. Nur so ist eine problemlose
Abführung von Stickstoffbläschen nach dem Tauchgang gewährleistet.
Das Fliegen birgt bekanntermaßen besondere Risiken. Besonders
bei Langstreckenflügen mit wenig körperlicher Betätigung
besteht - nicht nur beim Taucher - Emboliegefahr (vor allem durch Beinvenenthrombosen).
Die trockene Luft der Klimaanlage trocknet noch zusätzlich aus (siehe
auch trockene Luft aus dem PTG). Der Taucher, der evtl. noch nicht vollständig
entsättigt ist, ist besonders gefährdet. Für ihn gilt also
in verstärktem Maß: Vor und besonders auch während
des Fluges ausreichend trinken. Das normale Durstlöschen reicht da
nicht. Zudem gelegentlich auf- und abgehen, Zehenstände und Streckübungen
machen. In diesem Zusammenhang sollte auch auf entsprechende Tauchpausen
nach dem Flug (Adaptionszeit, um dem Körper Gelegenheit zu geben,
sich an das veränderte Klima zu gewöhnen) sowie auf genügend
lange Entsättigungszeit vor dem Flug geachtet werden. Die Angaben
des Tauchcomputers können dabei nur als unterstes Mindestmaß
gelten, denn je nach Konstitution des Tauchers und Art der Tauchgänge
(Anstrengung?) weichen die tatsächlichen Entsättigungszeiten
u. U. massiv ab.
Leidet man an Seekrankheit oder einer Magen-Darm-Infektion sollte man
besondere Vorsicht walten lassen. Letzteres ist eigentlich eine absolute
Kontraindikation zum Tauchen, aber wer kennt das nicht: "Morgen geht
es doch zum Manta-Point, den will ich mir auf keinen Fall entgehen lassen!"
Nichts beeinflußt den Flüssigkeitshaushalt des Körpers
so stark wie Erbrechen oder Durchfall! Will man partout trotzdem tauchen,
sollte man unbedingt am Tag vorher ein Medikament nehmen, das den Stuhl
bindet, wie zum Beispiel Loperamid Ratiopharm ®, auch bekannt unter
dem Namen Imodium ®. Dieses Medikament ist rezeptfrei in der Apotheke
erhältlich und sollte in keiner Reiseapotheke fehlen. Zudem sollte
man deutlich mehr trinken als üblich und dabei auf den Mineralhaushalt
achten. Besonders Apfelschorle (mit echtem Mineralwasser, nicht dem stillen
Wasser ohne jeglichen Mineralsalzgehalt, das man in den Tropen erhält)
oder ISO-Drinks sind ideal. Notfalls tun es auch zwei Teelöffel Kochsalz
auf einen Liter Wasser. Bananen zu essen schadet auch nicht. Das alte Hausmittel
Cola ist nicht geeignet, da es nicht zuletzt durch den hohen Zucker- und
Säuregehalt dem Körper wieder Mineralien und Vitamine entzieht.
Zu allem Überfluß enthält es Koffein - ein Teufelskreis.
Direkte Sonneneinstrahlung und anstrengender Sport vor oder direkt
nach dem Tauchgang sollten vermieden werden. Vergleiche dazu den in dieser
Reihe erscheinenden Artikel: "Tauchen und Aktivurlaub".
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