| © 2001, Ralf Dänzer
Kontrovers diskutiert:

Checkdrive oder Checkdive - das ist hier die Frage
22. Februar 2015, neun Uhr morgens, leichter Nieselregen. Ich bin auf
dem Weg zur Autovermietung, um mein vorab reserviertes Fahrzeug abzuholen.
Als ich die Filiale der Autovermietung betrete, begrüßt mich
eine freundliche Dame. Ich werde zum Counter begleitet und sage, ich hätte
ein Fahrzeug reserviert und wolle es übernehmen. Sie sucht aus ihrem
System die entsprechenden Unterlagen heraus. Dann fragt sie mich nach meinem
Führerschein und meinem Fahrtenlogbuch. Ich lege also meinen Führerschein
und mein Fahrtenlogbuch vor (Für alle, die noch nie von einem Fahrtenlogbuch
gehört haben - es handelt sich um ein Buch, in dem jede Fahrt mit
gefahrenen Kilometern sowie Straßenbedingungen, Fahrzeit, Wetterlage
etc. genau protokolliert wird).
Die Dame sieht sich alles an und zeichnet das Ganze in ihren Unterlagen
ab. Dann gibt sie mir den Schlüssel, wir gehen hinaus zum Fahrzeug,
und sie nimmt auf dem Beifahrersitz Platz, während ich mich ans Steuer
setze. "So, dann zeigen Sie mal, wie Sie fahren können." Was jetzt
kommt, kenne ich: "Checkdrive". Sozusagen ein Vorfahren wie im Skikurs.
Obwohl ich jährlich gut 35.000 Kilometer unter den verschiedensten
Bedingungen zurücklege - und das schon seit Jahren -, fordert
jeder Autovermieter diesen Checkdrive. Also gut, erstmal eine kleine Runde
in der Stadt, dann ein bisschen über Land, und zurück geht es
per Autobahn. Das sonst immer gern geprüfte rückwärts Einparken
entfällt heute. Schön, ein paar Minuten gespart.
Nachdem nun alles hinter mir liegt, zeichnet sie die letzten Eintragungen
in ihren Unterlagen ab. Ich unterschreibe das Ganze, und ab geht es zu
meinem
beruflichen Termin. Tja, heute hatte ich richtig Glück - die Dame
war ausgesprochen nett.
Wer jetzt glaubt, das sei eine Vision, der irrt!
Tauchers Meinung
Wenn man sich das ganze Thema näher betrachtet, so findet man sehr
ähnliche Aspekte im Rahmen des Checkdives einer Tauchbasis. In der
Branche der Autovermieter wäre wahrscheinlich jeder Anbieter, der
solche Forderungen an seine Kunden stellt, in kürzester Zeit pleite,
aber in der Tauchsportbranche ist das alles kein Problem. Checkdives sind
fast immer Pflicht. Allerdings muss man sich doch beim klassischen Ablauf
- Maske ausblasen, Regler wiedererlangen, Wechsel- oder Oktopus-Atmung,
Pivoting (wenn's extrem wird, Hovering) doch schon fragen, ob damit wirklich
alle taucherischen "Problemzonen" erfasst werden. Für erfahrene
Taucher oder sogar Tauchlehrer ist der Checkdive nur lästig, außer
man nutzt ihn dazu, den "Prüfer" mit der Abspulung des Programms innerhalb
weniger Sekunden etwas zu verblüffen. Eigentlich sollte doch aus dem
Logbuch zusammen mit dem Brevet ersichtlich sein, wo, wie und wann man
taucht und wie viel Erfahrung man hat, oder? Außerdem sollte doch
eigentlich jeder Tauchlehrer auf einer Basis Eintragungen à la:
"Tauchgangsnummer: 753, Süßwasser, max. Tiefe 35 Meter, Winter,
Dauer des gesamten TG 40 Min." interpretieren können.
Hinzu kommt, dass Checkdives bei vielen Basen natürlich kostenpflichtig
sind - außer man ist innerhalb der letzten drei Monate genau auf
dieser Basis mit genau demselben Guide schon einmal getaucht und der Mond
befand sich in der gleichen Phase...
Wozu also der ganze Checkdiveaufwand? Geldschneiderei oder sinnvolle
Überprüfung der Fähigkeiten, um Schaden beim Taucher, bei
seinen Partnern und bei der Unterwasserwelt zu vermeiden? Vielleicht auch
Absicherung der Basis vor Haftungsansprüchen?
Gehen wir noch einmal zurück zu den Autovermietungen. Wenn ich
mir heute ein Auto leihe, reicht ein gültiger Führerschein aus,
und ich bekomme den Schlüssel. Dann bin ich solo, auf mich allein
gestellt, und bewege ich ein Vehikel, welches selbst in geringen Geschwindigkeitsbereichen
durchaus mich und andere schwer verletzen oder gar töten kann. Trotzdem:
Wenn der Wagen in technisch einwandfreiem Zustand ist, wird niemand den
Autovermieter belangen, wenn ich jemanden über den Haufen fahre.
Die Sicht der Tauchbasis
Die Tauchbasis ist mit vielen verschiedenen Tauchgästen konfrontiert,
von denen sie kaum annehmen kann, dass jeder täglich oder regelmäßig
tauchen geht, wie dies beim Autofahren eher der Fall ist. Also steht sie
vor dem Problem, zwischen verschiedenen taucherischen Fähigkeiten
unterscheiden zu müssen. Hinzu kommt, dass eine uneinheitliche Zusammenstellung
der Gruppen zu erheblichen Problemen führen kann. Der Guide oder Tauchlehrer
soll ja alle wieder an die Oberfläche bringen - einerseits, ohne dass
Unfälle passieren, und andererseits, ohne dass Tauchgäste sich
gegängelt fühlen oder an Anfängerspots langweilen.
Das Logbuch - oder "Lügbuch" wie manche es nennen - reicht hier
nicht unbedingt aus. Reinschreiben kann man alles. Wie soll man da beurteilen
können, was stimmt? Erschwerend kommt das Thema der Haftung hinzu.
Hier reagieren die Basen sehr sensibel, denn wenn Unfälle passieren,
steht schnell die Existenz auf dem Spiel. Da sichert man sich dann doch
lieber ab. Außerdem ist das beliebte "Maske-Ausblasen" gar kein so
schlechter Test, um festzustellen, wer bei einer kleinen Unregelmäßigkeit
gleich zum Notaufstieg neigt und wer eher nicht.
Der richtige Weg?
Einerseits ist es verständlich, dass erfahrene Taucher gefrustet
sind, wenn sie Skills präsentieren müssen, die zu den einfachsten
taucherischen Grundfertigkeiten gehören. Andererseits sind diese Grundfertigkeiten
tatsächlich bei vielen Tauchern nicht unbedingt vorhanden, und die
Basis muss sicherstellen, dass sie nicht grob fahrlässig Taucher auf
Touren mitnimmt, denen diese nicht gewachsen sind.
Ein Dilemma? Möglicherweise. Vielleicht liegt der beste Weg aber
auch in einem Kompromiss. So könnte die Basis beispielsweise genau
erläutern, warum sie auf einem Checkdive besteht (schriftlich), um
den Verdacht von Schikane oder Geldschneiderei gar nicht erst aufkommen
zu lassen. Weiter sollte dieser Checkdive zusatzkostenfrei sein, denn es
ist auch im wirtschaftlichen Interesse der Basis, Unfälle zu vermeiden.
Die Basis sollte also hier in die Sicherheit "investieren".
Von Tauchers Seite sollte dann auch ein Entgegenkommen möglich
sein. Denn wo liegt das Problem, wenn ich beim Eingewöhnungstauchgang
zu Beginn mal kurz dem Guide zeige, "was ich so drauf habe"? Dann ist er
beruhigt, und ich hab nicht viel Geld für einen womöglich langweiligen
Checkdive ausgegeben. Bleibt natürlich die Frage, was mit Tauchlehrern
oder Leuten mit Hunderten oder Tausenden von Tauchgängen in anspruchsvollen
Umgebungen oder mit Mischgas- oder Höhlenerfahrung zu machen wäre.
Tja, ich denke, hier sollte der Checkdive in der Regel überflüssig
sein. Ein Profirennfahrer muss wohl nicht erst beweisen, dass er Auto fahren
kann.
Vielleicht sollten sich Basis und Taucher einfach mal bei einem Glas
Tee, Wasser oder Saft unterhalten (andere landestypische Getränke
sind natürlich auch empfehlenswert). Meist bekommt man dann schnell
raus, wer wie denkt und taucht. Außerdem ist der Empfang gleich ein
wenig herzlicher.
Was meint ihr? Sagt uns eure Meinung. Feedback an Checkdive@taucher.net.
(Mit der Absendung eures Kommentars erklärt ihr euch damit einverstanden,
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sich das Recht auf Kürzungen vor.) |