© 2001 Oliver Meise
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Tja...was soll man zu dem Wrack sagen um das es hier geht??
Kurz gesagt ist es ...........SPEKTAKULÄR!!! Hinzu kommt,daß
es nicht schon doch vor einiger Zeit wiederentdeckt wurde, sondern erst
in den Jahren 1996-98.Für die unter uns, die das Wrack der S.S.
Thistlegorm (siehe auch der Bericht "Vestigium Leonis -Die Spur
des Löwen" in der 2. Redaktionsausgabe) kennen genügt es
wohl zu sagen,daß das Schiff dessen Wrack hier betaucht werden kann
fast als Schwesterschiff angesehen werden muß.
Zwar wurde es nicht auf der gleichen Werft wie die S.S. Thistlegorm
gebaut, jedoch ist das Schicksal dieses Schiffes eng mit dem der S.S.Thistlegorm
verbunden.
Doch eins nach dem anderen......
Dieses 108,20m lange und 15,90m breite Schiff erblickte im Januar 1910
auf der Werft Barclay Curle & Co. in Glasgow das Licht der Welt.Damals
zwirbelte sich noch Kaiser Wilhelm II in seinem Deutschen Reich den Schnurrbart,
löffelte ein anderer Kaiser in seinem Reich der Mitte eine Schwalbennestersuppe
und Zar Nikolaus fror sich in seinem Reich wo die Sonne niemals unterging
einen ab.Nach der Taufe auf den Namen S.S.Francis wurde es sogleich
in Dienst genommen für die Reederei Booth.
Dies war eine sehr alte Reederei-fuhr sie doch schon seit
1866 von London in alle Welt wzB. nach Europa,USA,Brasilien und dann
noch 1000 Meilen den Amazonas hinauf bis nach Manaus. Das änderte
sich erst im März des Jahres 1931,als die S.S.Francis in Shanghai/China
an die Möller-Reederei mit Sitz in Lancashire/
Großbritannien verkauft wurde. Diese taufte dann das neuerworbene 3.966 BRT-Schiff sofort
um auf den Namen: S.S. Rosalie Möller
In den folgenden Jahren tat die maximal 10 Knoten schnelle S.S.Rosalie
Möller treulich mit ihrer Dreifachexpansionsmaschine schnaufend
ihre Dienste in den chinesischen Gewässern zwischen Shanghai und Tsingtao.
Als dann der zweite Weltkrieg mit seinen für Reedereien deutlich wahrnehmbaren
Zeichen herannahte, entschloß man sich bei fast allen Reedereien,
die eigenen Schiffe heimzuholen. Denn im allgemeinen stand in den Versicherungsverträgen
eine Klausel,daß die Versicherung nicht für Kriegsschäden
oder -verluste eintritt.Aus dem letzten Krieg aber wußte man,daß
bei Kriegsausbruch die Regierung alle Schiffe requirieren würde für
den Kriegseinsatz - und somit wäre man dann aus dem Schneider,da die
Regierung dann die Haftung übernehmen würde.
So auch bei der Reederei Möller.
Anfang 1940 befand sich die S.S. Rosalie Möller somit wieder
in heimischen Gewässern und operierte im Regierungsauftrag mit dem Funk-
und Flaggencode GRJQ meist als Kohlenfrachter von Liverpool oder Cardiff
aus nach jedem Hafen zwischen Rosyth und Portsmouth oder sogar Gibraltar.
Zu diesem Zeitpunkt war das Schiff schon etwas betagt und auch nicht mehr
so schnell und unverbraucht um als Frachtschiff auf die gefährlichen
Routen geschickt zu werden.So tat es an der Heimatfront seine Dienste und
keuchte mit einer Maximalgeschwindigkeit von nunmehr lediglich sieben Knoten
durch die See.Immerhin war die Fracht die jedesmal befördert werden konnte
mit knapp 4.500t Kohle doch beachtlich und wurde als wichtig angesehen,da
sie mit ihrer rauchlosen Kohle aus Wales Schiffe der britischen Marine
versorgen konnte.
Nachdem diese Tätigkeit nun ca. eineinhalb Jahre durchgeführt
wurde,ergab sich im Juni 1941 eine schlechte Versorgungslage mit Brennstoffen
für die Transportflotte im Mittelmeerraum und die dortigen dampfbetriebenen
Maschinen,Lokomotiven und Kraftwerke.Da seit Kriegsausbruch die italienischen
und deutschen Marine- und Luftstreitkräfte den Mittelmeerraum dominierten
und speziell seit Januar 1941 auch noch die Schlacht um Malta stattfand
war es nicht angeraten die Route nach Alexandria oder Malta durch das Mittelmeer
zu nehmen. Das bedeutete somit nach einer gründlichen Maschinenüberholung
und dem Bunkern von 4.680t Kohle für den australischen Kapitän
James Byrne der S.S.Rosalie Möller Ende Juli 1941 vor allem
eins:Anker auf! So wie die S.S.Thistlegorm nahm die S.S. Rosalie
Möller als Alleinfahrer den Weg,der über Südafrika,das
Rote Meer und den Suezkanal zum Ziel führen sollte. Wahrscheinlich
sind beide Schiffe sich auf der Fahrt oder in dem Ruhehafen Durban/Südafrika
begegnet.Am 11. September 1941 nämlich ging dort die S.S. Rosalie
Möller ankerauf und schlug Kurs ein Richtung Rotes Meer.
Dort angekommen muß sie dann aber S.S.Thistlegorm fast
in Rufweite gesichtet haben,wurde doch der S.S. Rosalie Möller
der Ankerplatz "H" in der knapp 50m tiefen Meeresbucht von Gubal und Tawila
zugewiesen und lag die S.S.Thistlegorm doch auch auf Ankerplatz
"F"!
Alles weitere dürfte bekannt sein (Siehe Bericht "Vestigium
Leonis -Die Spur des Löwen" in der 2. Redaktionsausgabe) - zwei
He 111-Bomber der II./KG 26 aus Kreta versenken im Tiefangriff mit Bomben
am 6.Oktober 1941 morgens um 01.30 Uhr die S.S. Thistlegorm.
Bei der Gelegenheit bekommen die Bomberbesatzungen mit,daß an
diesem Ort noch weitere Schiffe vor Anker liegen und diese eine fette Beute
darstellen.
Deshalb kommen sie knapp 48 Stunden später auch wieder: Um 00.45
Uhr am Morgen des 8.Oktober 1941 schlägt eine Bombe in den Laderaum
Nr. 3 ein. Das Schiff beginnt zu sinken und geht um 01.45 Uhr mit einem
Verlust von zwei Menschenleben endgültig unter.
Über das Schiff breitet sich der Mantel des Vergessens....
Nach Beendigung des Krieges führen trotz Rohstoffmangels und der
Hebung von versunkenen Schiffen vielerorts offensichtlich falsch geführte
Register bei der Booth- und bei der Möller-Reederei zu einem
weiteren Entdeckungshindernis:
Die S.S. Rosalie Möller wird als gehoben und abgewrackt
geführt!
So erklärt es sich auch,daß das Wrack wenig bekannt ist-eigentlich
der breiten Tauchergemeinde erst seit 1996-98.Ein weiterer Aspekt- die
Abgeschiedenheit des Ortes - dürfte ein weiterer Grund dafür
sein,weshalb es eigentlich auch selten angefahren wird. Die Anfahrt ist
wohl auch nur was für erfahrene Kapitäne: Mit einer vergleichsweise
hohen Dünung schieben sich die Wellen in die Einfahrt zwischen den
beiden Inseln. Das führt dann auch zu eher bescheideneren Sichtverhältnissen
unter Wasser. Hinzu kommt,daß dann per GPS und Schleppanker gesucht
werden muß.Die Sichtverhältnisse tangieren einen Taucher aber
nur bis ca. 20m,danach klart es auf. Ein weiterer Nachteil ist,daß
dieses Wrack eher etwas für erfahrene Taucher ist. Vor allem die Tiefe
ist hier nicht außer acht zu lassen.Das Wrack sitzt aufrecht mit
dem Kiel auf festem Sandgrund in einer Tiefe von 50m auf. Wegen der meist
aus Norden kommenden Strömung ist das Schiff auch noch mit dem Bug
annähernd Richtung Norden ausgerichtet.
Tauchst man also erst mal an der Shotline ab, ist das erste Wrackteil,daß
sich einem entgegenreckt der vordere Mast mit seinem Lampenkorb an der
Spitze auf ca. 18m.

Es folgen die Ladebäume und die Aufbauten.In der Regel schält
sich der Rest des Schiffes auf ca. 30m aus dem Blau heraus.Das Oberdeck
befindet sich in einer Tiefe von ca. 39-41m.
 
Man kommt an diesem Wrack also schnell in Bereiche dekompressionspflichtiger Tauchgänge. Am Bug fehlt immer noch der Steuerbordanker,der ja damals noch zur Verankerung
des Schiffes aus der Klüse gelaufen ist.Der Backbordanker ist dagegen
immer noch am Bug vorhanden. Gegenwärtig sind auch noch die meisten
Reelingsteile vorhanden.Es ist aber zu erwarten,daß mit den Zunahmen
der Besuche das Schiff sehr unter Schleppankern wird leiden müssen.Eine
erste Wunde die durch Schleppanker verursacht wurde: Der voher noch aufrecht
stehende Schornstein liegt umgestürzt an Deck. Zu sehen sind aber
immer noch ungewöhnlich viele Details,die auf vielbesuchten Schiffen
nicht mehr zu sehen sind: Einrichtungsgegenstände wie zB. Töpfe,Pfannen
und Herd in der Bordküche, das Windenhaus,Seilblöcke und so einiges
andere. Die Abdeckung der Laderäme existiert nicht mehr.Ungestört
kann man somit die Ladung in den Lasten betrachten: Kohle ohne Ende!
Ähnlich wie bei der S.S.Carnatic und vergleichbaren
Schiffen ist die Decksbeplankung schon lange den Weg allen irdischen gegangen:
Sie ist vergammelt.
 
Dafür gibt es etwas,das vor allem britische Taucher erfreuen wird.NOCH
sind alle Bullaugen mit intaktem Glas an ihrem Platz.Hoffentlich bleibt
das auch so.
Taucht man nun am Schiffsrumpf entlang Richtung Heck,kommt man bald
zur Brücke.Hier sind noch Durchgänge vorhanden und eine altmodische
Lufthutze am Niedergang zur Brücke.
 
Bis vor kurzem existierte hier noch die der Maschinentelegraf,der Kompass
sowie das Steuerrad.Heute sind sie schon weggeräubert.Die Schiffsglocke
muß schon einer der ersten Wiederentdecker 1996 oder so an sich genommen
haben. Die ehemalige Betonarmierung die der Panzerung gegen Fliegerangriffe
und dem Schutz vor Granatsplittern dienen sollte ist mit der Zeit verwittert
und liegt zT. in den Brückenräumen und belastet das Zwischendeck.Unter
diesem zu tauchen ist somit nicht sehr ratsam. Hinter der Brücke ist
der ehemalige Standort des Schornsteins mit dem markanten "M" der Möller-Reederei.An
ihm befand sich auch eine interessante kupferne Dampfpfeife.Anfang 2000
befand sich hier noch alles aufrecht an seinem Platz.Heute liegt der Schornstein zerbrochen
auf dem Oberdeck-genau wie auch ein Stück Reeling,das offenbar durch
einen Schleppanker oder ein ähnliches Gerät aus seinem bisherigen
Umfeld gerissen wurde.
Hinter dem Platz für den Schornstein befindet sich eine Galerie
von ausgeschwungenen Davits.Hier gingen die Seeleute am Untergangsmorgen
von Bord.
Noch weiter achtern befindet sich am Heck auf ca. 35m Tiefe eine interessante
Rudergestängekonstruktion.Über sie und Seil- bzw. Kettenzüge
wurden die Ruderbewegungen von dem Steuerrad auf der Brücke auf das
Ruderblatt im Heck übertragen.


Dieses befindet sich in einer Tiefe von ca. 45m und ist mit der seltsam
verformten Schraube ein weiterer Blickfang am Wrack. Die Schraubenblätter
sind eigenartig verbogen.
Eine Erklärung wäre,daß die Schraube irgendwie ins
Riff geraten ist und dadurch die Blätter entsprechend verformt wurden.Diese
These würde gestützt werden von der Tatsache,daß ein Schraubenblatt
fehlt.
Am Einschlagpunkt der Fliegerbombe selbst -auf der Steuerbordseite
am Heck beim achteren Laderaum- ist erstaunlich wenig Beschädigung
zu sehen.

Anders als bei der S.S. Thistlegorm hatte die S.S. Rosalie
Möller aber natürlich auch keine direkt explosive Ladung
an Bord. An Deck findet man schließlich wie oft an Schiffen dieser
Art diverse dampfbetriebene Winschen für die verschiedensten Aufgaben
an Bord vor.

Letztes Highlight am Wrack ist der Maschinenraum. Der Zugang zu diesem
bietet sich über die Skylights am Heck oder den achteren Laderaum
via dem durch die Bombe verursachtem Loch.
 
Nach einem durchwuseln durch den etwas engen Zugang per Skylight und
einem Sichtcheck kann man bei optimalen Bedingungen die Kombüse und
den Maschinenraum besuchen.
In der Kombüse merkt man,daß wohl gerade der Mampf gekocht
wurde: Zahlreiche hier noch auf dem Herd stehende / liegende Töpfe
zeugen vom Hunger der damaligen Seebären!

Danach kann man im Maschinenraum noch die guterhaltene Bordwerkstatt
besuchen und die noch erstaunlich reichhaltig vorhandenen Utensilien betrachten
wzB. einen Haken am Seilzug, eine erstaunlich gut erhaltene Werkbank und
die dazugehörige Werkzeugwand. Al Borland und Tim Taylor würden
sich freuen! :-) Eine Wand voll Unterwasserwerkzeuge! Grunzgrunz!:-))


Wie alle Maschinenräume ist dies eine große Maschinenhalle
mit Rohren und Gestängen ohne die sonst üblichen Zwischendecks
im übrigen Schiffsteil.Manchmal ist hier gute Sicht,manchmal nicht.
Wenn es die Sicht zuläßt,kann man unter anderem den Generator
hier links anschauen,oder auch die Ventile an der Maschine hier rechts.
Doch Vorsicht! Hier befindet man sich schon meist jenseits der 40m und
IN einem Wrack ! Also Aufgepasst!


Am Wrack trifft man außerdem eine eher lebhafte Fischwelt an.Bewuchs
ist eher weniger am Wrack zu finden als es sich eigentlich für die
lange Liegezeit erwarten ließe.Möglicherweise ist das der großen
Tiefe und dem damit verbundenen Lichtmangel zuzurechnen. Am Wrack wurden
nicht selten Thunfische gesichtet, ebenso wie große Barsche und eine
Horde von Delphinen die einen gelegentlich in der Dekopause besuchen kommen.
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GPS-Positon:
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27°39.054N / 33°46.296E
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Vorsicht: Von Gerät zu Gerät gibt es
bei der Ermittlung der GPS-Daten immer Unterschiede.Bei Annäherung
an das Riff ist entsprechende Vorsicht zu beobachten und weniger die GPS-Anzeige
zu betrachten als vielmehr die tatsächliche Nähe zum Riff zu
überwachen!!!!!!!
Die Photos stammen allesamt von Herrn Michael
Groß.Er hat sie uns über seine Seite www.scuba-world.de
zur Verfügung gestellt.Dankeschön! |