| Scapa Flow !
-und der „Diving Cellar“ in Stromness/ Orkney Islands
Scapa Flow ! Wohl eines der schönsten Wracktauchziele weltweit !
Ein kurzer geschichtlicher Abriß:
Die
Orkney Inseln sind seit der Frühzeit Siedlungsgebiet. Sie gehörten
bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts zu Norwegen und waren seit jeher ein
wichtiger Stützpunkt für Schiffe im Nordatlantik und auf dem
Weg nach Amerika. Um 1900 wurde Scapa Flow zum Hauptstützpunkt der
englischen Kriegsflotte im Atlantik und seinen Nebenmeeren.
Nach dem 1. Weltkrieg wurde die deutsche Hochseekriegsflotte in Scapa
Flow interniert um nach Ende der Friedensverhandlungen an die alliierten
Siegermächte als Reparationszahlungen ausgehändigt zu werden.
Nach Monaten nervenaufreibenden Wartens befahl der Kommandeur der Flotte-
Admiral von Reuter die Selbstversenkung.
Wie weit die Engländer von den Plänen und Vorbereitungen
zur Selbstversenkung wussten und sie sogar absichtlich ignorierten, (am
Tag der Selbstversenkung war der Großteil der „Bewacher“ bei einem
Manöver in der Nordsee) um durch die Verteilung der Kriegsschiffe
an die alliierten Mächte die Macht im Atlantik- wenn nicht sogar in
den Weltmeeren- zum Ungunsten Großbritanniens zu verschieben,
darüber wird seit längerer Zeit spekuliert und es klingt sehr
plausibel, daß dieses Ereigniss den Engländern durchaus gelegen
kam...
Von den sinkenden Schiffen konnten einige von den Engländern an
Land geschleppt werden, andere wurden in den darauffolgenden Jahrzehnten
gehoben und verschrottet- der Rest liegt noch mehr oder weniger intakt
seit über 80 Jahren auf dem Meeresgrund. In den 60er Jahren wurden
nochmals größere Bergeunternehmungen durchgeführt um –und
das ist interessant- an den sehr strahlungsarmen, aus der Zeit vor der
durch den Menschen hervorgerufenen, künstlich erhöhten Umweltradioaktivität,
erzeugten Stahl zu kommen. Dieser wird für hochsensible Spezialmeßinstrumente
in Medizin, Wissenschaft und Raumfahrt benötigt.

Zwischen den beiden Weltkriegen wurde Scapa Flow weiter zu einem stark
gesicherten Heimathafen der englischen Kriegsflotte, dennoch gelang es
1939 dem deutschen Unterseeboot U-47 unter Leutnant Günter Prien die
Blockaden zwischen den Inseln zu durchschlüpfen und versenkte das
vor Anker liegende Schlachtschiff HMS „Royal Oak“. Dies war ein schwerer
und tragischer Schlag mit 833 toten Seeleuten für die Engländer,
die Scapa Flow für sicher hielten, und der sich nie wieder wiederholen
sollte ! In den darauffolgenden Jahren wurden die Engstellen (Sounds) zwischen
den Inseln systematisch aufgeschüttet oder durch Versenkung weiterer
Schiffe blockiert. Ferner wurden weitere Unterwasserhorchstationen, U-Boot
Netze und Minengürtel verlegt, daß die feindlichen U-Boote,
die später nach Scapa Flow eindringen wollten allesamt aufgespürt
und vernichtet wurden.
Im 2. Weltkrieg befanden sich in Lyness auf Hoy das Hauptquartier der
Atlantikflotte sowie große Treibstoffreserven und die dazugehörige
militärische Logistik.

Nach dem 2.Weltkrieg verschwand das militärische Interesse an Scapa
Flow dann zunehmend. Von den Siedlungen und Bauten ist heute nur mehr wenig
übriggeblieben und man kann sich nur noch im Museum von Lyness einen
Eindruck machen, wie es damals aussah.
Die Wracks dieser Flotte sorgen also seit ihrer Versenkung 1919 für
einen gewissen Wohlstand und Arbeitsplätze der Orkadians bei. Erst
bei der Bergung und Verschrottung, in neuerer Zeit durch die wachsende
Zahl der (zahlungskräftigen) Tauchtouristen.
Anreise:
Problemlos, in meinem Fall mit Britisch Airways ab Wien (VIE) via London
Heathrow (LHR) und Aberdeen (ABZ) nach Kirkwall (KOI).

Mit ausreichender Pufferzeit von jeweils rund zwei Stunden zwischen
den einzelnen Flügen starten wir um 08:15 MEZ in Wien und kamen um
16:45 GMT in Kirkwall an.
Obwohl der letzte Flug nach Kirkwall in kleinen Propellermaschinen
erfolgte, hatten wir keinerlei Probleme mit dem Gepäckgewicht (als
Taucher hat man speziell in kalten Gewässern automatische ein zu hohes
Gepäckgewicht !)
In der Hauptsaison und bei voll ausgelasteten Flugzeugen kann das natürlich
anders aussehen ! Die Voranmeldung von Übergepäck bei der Fluglinie
ist in jedem Fall eine kluge Massnahme !
Der Preis (Vorsaison) für die Flüge betrug um 7000 öS
(500 Euro)
Orkney:
Eine
Inselgruppe nördlich von Schottland, etwa auf gleicher Höhe wie
die Südspitze Grönlands. Praktisch baumlose hügelige Inseln
mit satten grünen Wiesen und unzähligen Schafen, phantastische
Küstenlandschaften (mit Schafen) mit schroffen Klippen (selten Schafe)
und Seehunden.
Zu fast jeder Tageszeit bläst eine mehr oder weniger starke Brise,
das Wetter kann sich innerhalb weniger Stunde von Sonnenschein zu Nebel
und Sturm ändern. Auf geeignete Bekleidung ist also auch außerhalb
des Wassers zu achten !
So
weit im Norden gelegen wird es im Winter durch die flache Sonnenbahn nie
richtig hell und im Sommer dagegen nie richtig finster.
Noch was: Das Oxford-Englisch, das wir alle in der Schule lernten,
kann man in Schottland weitgehend und auf den Orkney Inseln fast ganz vergessen.
Betonung und Grammatik folgen offenbar eigenen Gesetzten und weisen
auch noch einige Norwegische Einflüsse auf- Mit etwas Übung und
nach kurzer Zeit versteht man aber die Bewohner tadellos !
Die Orkadians sind übrigens offene und freundliche Menschen, mit
denen man schnell ins Gespräch kommt.
Stromness:

Der idyllische Ort liegt etwa 20 km westlich von Kirkwall an Brinkies
Brae und ist mit seinen grauen Backsteinhäusern Zentrum des Tauchens
auf Orkney und natürlich an den Wracks im Scapa Flow.
Die engen, gepflasterten
Gassen sind sehr malerisch und schön zum flanieren, wenn man nicht
gerade einem Auto ausweichen muß...
Ortszentrum ist das Stromness Hotel direkt am Pier, darin befindet
sich auch ein sehr gutes Restaurant im 1. Stock, sowie die nette „Flattie
Bar“ im Erdgeschoß.
In Stromness selbst gibt es noch weitere Bars, einige Läden, zwei
Museen, mindestenes eine Galerie, ein Postamt, zwei Tankstellen und eine
Kirche.
Kriminalität dürfte es hier praktisch nicht geben. Es ist
auch nicht üblich, die Haustüre zu versperren !

Essen und Trinken:
Sehr
empfehlenswert sind in Stromness das Restaurant im „Stromness Hotel“ und
das im „Royal Hotel“ (Fisch!). In den, ebenfalls in diesen Hotels befindlichen
Pubs treffen sich auch die Taucher.
Kulinarische Empfehlung: „Haggies“- Zu Bällen geformte Schafsinnereien-
schmecken wirklich lecker und werden meist nur auf Vorbestellung zubereitet
(Leigh arrangiert dies gerne!)- Cholesterin- und Harnsäurespiegel
Erhöhungen im Serum um 200 % sind nach einer Portion durchaus normal
:-) Angeblich soll dagegen der Orkney Single Malt Whisky helfen...
In der Victoria Street (die Hauptstraße) befindet sich auch eine
gute& günstige Fish&Chips Küche.
Für den Hunger zwischendurch eignen sich natürlich die exzellenten,
hausgemachten englischen Sandwiches, die es in jedem Laden zu kaufen gibt.
Die
Preise für ein Sandwich betragen je nach Inhalt so um 1,50 L, für
ein Abendessen um 6 L und für ein Pint Bier um 2 L.
Die Zigarettenpreise sind astronomisch hoch, für ein Päckchen
zahlt man zwischen 4 und 6 L !!!
(1 L=Pfund= 22,3 öS= 3,2 DM, Stand Mai 2001)
Noch was: Vor den in den Pubs erhältlichen „Blackthorn Cider“
möchte ich aus „schmerzlicher“, eigener Erfahrung warnen, der hat’s
ganz schön in sich...
Der Tauchbetrieb im Allgemeinen:

Das Tauchen in Scapa hat einige Eigenheiten:
-Es ist prinzipiell für Anfänger nicht geeignet
-Auch reinen „Warmwasser-Urlaubstauchern“ sei davon tunlichst abgeraten
-Getaucht wird normalerweise nur vom Boot aus
-Es ist kalt
-Es ist tief
-Die Tauchgänge sind meist Deko- Tauchgänge
-Die Sicht im Scapa Flow selbst ist mässig (5-10 m)
-Bei den Wracks in den Sounds gibt es extrem! starke Strömungen
-Es verlangt eine hohe Eigenverantwortung

-Es verlangt selbständige Vorbereitung des Tauchganges durch die
Gruppe
-Die Wracks sind riesig- die Orientierung ist oft schwierig
-Das Tauchen erfolgt selbständig, d.h. ohne Guide
-Das Eindringen in die Wracks darf nur so weit erfolgen, wie es der
Erfahrung der Gruppe (= des „Schwächsten“) entspricht !
-Nach etwa 4 Tauchtagen empfiehlt sich ein tauchfreier Tag !
-Auch bei Nullzeittauchgängen unbedingt einen Sicherheitsstopp
von 1 Minute in 6 m und 3 Minuten in 3 Metern einlegen, bei Deko Tauchgängen
1 Minute länger auf 6 m und 3 Minuten länger auf 3 m bleiben
!
-Offizielle Stellen auf Orkney sprechen, daß es bei 100
Tauchern zu einem Unfall kommt, der behandelt werden muß, unser Kapitän
meinte, daß diese Zahl eher zwischen 60 und 80 liegt.

Es kommt durchschnittlich zu einem tödlichen Tauchunfall pro Jahr.
- Die Geschütztürme der „Bayern“ sind eine Todesfalle in
mehr als 40 m Tiefe. In !! diesen passieren unverhältnismässig
viele- oft tödliche Unfälle !
In Stromness gibt es eine Deko Kammer, schwerere Fälle werden
nach Aberdeen geflogen.
Empfohlene (Zusatz) Ausrüstung:
Trockentauchanzug (Wassertemperatur Anfang Mai 6°C)
2 getrennte, kaltwassergeeignete Atemregler (da die meisten Basen nur
Flaschen mit einem Monoventil haben ist dazu auch ein absperrbarer Verteiler
auf 2 Abgänge nötig und mitzubringen- vorher Informieren !)
Boje oder Safety Sausage für Freiwasserdeko oder Aufstiege im
Freiwasser (z.B. wenn man die Bojenleine nicht mehr findet)
Reel für Freiwasseraufstiege und ferner als Ariadnefaden beim
penetrieren eines Wracks (der Umgang muß natürlich vorher geübt
werden !)
Reservelampe- bewährt hat sich bei mir eine kleine Maskenlampe
von Underwater Kinetics (ein sehr ähnliches Modell wird bei den Feuerwehren
bei uns als Helmlampe verwendet)

Der „Diving Cellar“ in Stromness
4 Victoria Street, Stromness, Orkney, Scotland, KW16 3AA
Tel.: 0044-1856-850055
Fax.: 0044-1856-850395
E-mail: leigh@divescapaflow.co.uk
Homepage: www.divescapaflow.co.uk
Der Veranstalter unserer Wahl war der „Diving Cellar“ und wir waren
wirklich begeistert.

Der „Diving Cellar“ liegt nur wenige Schritte vom Zentrum vom Stromness
–der „Flattie Bar“- entfernt und wird von Leigh und Dougie (beides ehemalige
Berufstaucher) geleitet.
Das Tauchpackage beinhaltet:
-Transfers vom Flughafen und zurück

-Übernachtung mit echtem Schottischem Frühstück (Baked
Beans, Sausages, Bacon, Eggs, Tomatos) in einem zur Basis gehörenden
eigenen Haus mit tollem Garten in wenigen 100 m Entfernung in der Dundas
Street bei der RNLI Lifeboat Station.
-6 Tage mit 2 Bootstauchgänge pro Tag- Ziel nach interner Absprache
und Absprache mit dem Kapitän
-Luft (235 bar), Flasche (12 und 15 l INT/DIN, ein Ventil), Blei
und Gurt
-Bus für Ausflüge zur freien Verfügung (alter englischer
Post-Van mit Platz für 12 Personen, nur tanken muß man selbst
!)- Zur Erinnerung: Linksverkehr !
Der
Preis des Tauchpaketes (6 Tage) variiert zwischen 245 L bei 12 Personen
Belegung und 275 L bei weniger als 6 Personen.
Verlängerungstage sind bei Voranmeldung problemlos möglich
25% bei Buchung fällig, der Rest ein Monat vor Reiseantritt.
Neben allerlei Ausrüstungsgegenständen und Zubehör gibt
es auch Literatur zu Scapa Flow und die für den Taucher unentbehrlichen
Souvenirs in Form mannigfaltiger T-Shirts, Sweater, Mützen, Aufnäher
usw. zu kaufen.
Zahlungsart: Visa, Eurocard, Cash !
(Vergessene) Ausrüstung kann gemietet werden !
Für fortgeschrittenes tec-diving mit Trimix etc. ist auch die „Karin“
von John Thornton zu empfehlen. Näheres unter www.scapaflow.com
Die „John L.“

Das Boot der Basis. Ein umgebauter ehemaliger Fischkutter aus Stahl,
leuchtend rot gestrichen, mit einer Länge von etwa 22 m.
An Bord befinden sich zwei Kompressoren, eine Toilette, ein Trockenraum
und ein Aufenthaltsraum mit Kochmöglichkeit und free tea& coffee.
Nitrox-Füll& Mischmöglichkeit an Board, die Skipper sind
ausgebildete Nitrox-Blender.
2 20 l (?) Flaschen mit medizinischem Notfall Sauerstoff sowie umfangreiche
Navigations und Sicherheitsausrüstung sind an Bord.
Ein stabiles, taucherfreundliches Arbeitsschiff, das auch dann noch
zu den Tauchplätzen fährt, wenn es die Mägen der Taucher
nicht mehr aushalten würden...
Der Tauchbetrieb:
Morgen um 9 Uhr oder gelegentlich etwas früher fährt man zum
ersten Tauchgang des Tages aus.
Normalerweise wird dies eines der tiefer liegenden Wracks der deutschen
Flotte sein.
Nach einer knappen Stunde Fahrzeit sind diese erreicht.
Nach
einem minimalen Briefing (z.B. „Die Leine ist mittschiffs befestigt, das
Wrack liegt in Nord/östliche Richtung auf der Steuerbordseite“) geht
es dann an der Bojenleine zum Wrack.
Die „John L.“ unkreist derweil das Wrack und beobachtet anhand der
Luftblasen und Echolot? wo sich die Taucher befinden, um sie nach Abschluss
des Tauchganges wieder aufzunehmen.
Im Scapa Flow selbst herrschen nur geringe Strömungen, in den
Sounds bei den Blockschiffen können die Strömungen angeblich
bis zu 70 km/h betragen.
Getaucht wird dort aber nur in der strömungsarmen Zeit zwischen
den Gezeiten.
Nach dem ersten Tauchgang erfolgt die Mittagspause in Lyness auf Hoy
(Imbiß im Museum möglich-„Soup of the day“; „Orkney-Burger“;
in Moness (Pub nur in den Sommermonaten) oder in Houton (Pub einige km
entfernt, man wird abgeholt !)
Der Nachmittagstauchgang erfolgt dann bei einem der seichteren Wracks
im Scapa Flow oder bei einem Blockadeschiff in den Sounds.
Toll
ist auch die Schnorchelmöglichkeit mit den scheuen Seehunden bei der
Insel „Barrel of Butter“
Gegen 16:00 ist man dann wieder in Stromness und kann noch Ausflüge
unternehmen, faulenzen (oder ins Pub gehen)
Nachdem der aufgenommene Stickstoff und die Anstrengungen des Tages
müde machen, wird man bald ins Bettchen fallen, gut und tief schlafen
um für den nächsten Tag gerüstet zu sein.
Lyness:

Lyness auf der Insel Hoy war im 1. Weltkrieg bereits ein wichtiger logistischer
Stützpunkt der englischen Flotte. Im 2. Weltkrieg wurden in Hoy und
Flotta Zwangsenteignungen durchgeführt und beide Inseln zu einem riesigen
Flottenstützpunkt mit großen unterirdischen Öltanks, Lagerhallen
und was halt alles noch dazugehört ausgebaut.
Auf Lyness fielen dann zu Beginn des 2. Weltkrieges die ersten deutschen
Bomben auf britisches Gebiet und ebenfalls in Lyness wurde das erste deutsche
Flugzeug, ein Junkers Ju 88 Bomber, von der britischen Flugabwehr abgeschossen.
Während zu dieser „Hoch“ Zeit mehrere Tausend Menschen beschäftigt
waren und es hier auch das damals größte Kino der Welt gab,
flaute nach dem Krieg das Interesse der Militärs rasch ab. Die meisten
Gebäude und Stellungen wurden abgerissen und wenn man heute in Lyness
steht kann man sich den Trubel der damaligen Zeit kaum vorstellen.

Einen interessanten Eindruck von dieser vergangene Zeit bekommt man
im Museum, das im ehemaligen Pumpwerk untergebracht ist.
Vor dem Museum stehen geborgene Geschütze und Antriebsschrauben
der versenkten deutschen Schiffe und auch Stücke von der HMS „Hampshire“.
Im Museum sind vielfältige Erinnerungsstücke an die Kriegsjahre
und vielerlei Informationen über die deutsche Flotte zu finden. Der
Eintritt ist frei, eine kleine Spende ist jedoch auf jeden Fall angebracht.
Hinter dem Museum findet in einem riesigen, ehemaligen Öltank
eine Filmvorführung über die Geschichte von Scapa Flow statt,
die man auf keinen Fall versäumen sollte !
Vom Museum aus gelangt man nach einem kurzen Spaziergang zum Marinefriedhof.
Ein sehr interessante, aber auch bedrückender Platz- Liest man die
Inschriften auf den Grabsteinen, wird erst richtig bewusst, welche menschlichen
Tragödien sich beim Untergang der „Hampshire“ und der „Royal Oak“
abgespielt haben müssen und wie sichtbar hoch die Anzahl der Todesopfer
war.
Rechts hinten befinden sich die Gräber der deutschen Matrosen,
die bei der Versenkung von den Engländern erschossen wurden.
Diesem Ort muss auf jeden Fall mit allem Respekt begegnet werden !

Von der Straße aus sieht man auch ein graues Gebäude auf
den Hügeln. Dies war das Flottenkommando der alliierten Atlantikflotte
im 1. und 2. Weltkrieg.
Etwas
unterhalb befindet sich ein kleines Wäldchen auf den sonst so baumlosen
Inseln. Dieses –und einige andere- legten die Militärs an um ihre
Flak Stellungen zu *tarnen* ! (sic!)
In den Hügeln hinter Lyness befinden sich kilometerlange Tunnels
und Versorgungsstollen.
Die betauchten Wracks:
Detaillierte Informationen zu den Wracks und deren Geschichte finden
sich in „Oli´s Scapa
Flow Führer“ hier auf www.taucher.net
Ich beschränke mich hier auf meine Taucheindrücke und zusätzliche
Infos.
Kurz zur Lage der Wracks:
Die Schlachtschiffe liegen, bedingt durch das immense Gewicht ihrer
Aufbauten allesamt Kieloben auf dem Meeresgrund und sind entsprechend schwierig
bzw. ungewohnt zu betauchen.
Die Kreuzer etc. liegen auf der Back- bzw. Steuerbordseite.
Nur die kleineren Einheiten liegen aufrecht am Kiel auf Grund.
Leichter Kreuzer SMS „Karlsruhe“; GPS N 58°53‘23“, W03°11‘18“:

151 m lang, 14 m breit. Ein mittschiffs durch Bergungen sehr stark zertörtes
Schiff zwischen 13 und 26 m. Ein guter Platz für einen Check um sich
und seine Ausrüstung zu überprüfen und sich mit den Gegebenheiten
der Wracks hier vertraut zu machen.
Hauptmast, Gefechtsstand und Teile der Brücke sind gut zu erkennen
und zu erforschen.
Zerstörer „F2“ und Barke YC21; GPS N 58°50‘46“, W03°11‘30“:

83 m lang, 10 m breit. Die F2 war ein deutsches Geleitschiff (U-Boot
Jäger) aus dem 2. Weltkrieg, das den Engländern als Reparationszahlung
zugesprochen wurden und im Scapa Flow 1946 bei einem Sturm sank und nun
in 16-7 m Tiefe liegt.
Von Schiff ist nur mehr der vordere Teil mit Brücke und einer
105 mm Kanone gut erhalten der hintere Teil wurde bei Bergeunternehmungen
1968 gesprengt und gleicht einem riesigen Schrotthaufen.

Etwa 30 m von der F2 entfernt (Leine auf Grund) liegt das Wrack einer
Bergungsbarke aus dem Jahre 1968 die bei Bergeunternehmungen im Sturm sank
auf ebenen Grund auf Kiel liegt. Das Holzschiff ist sehr gut erhalten und
kann leicht betaucht werden. In den offenen Laderäumen kann man ein
von der F2 geborgenes 8,8 cm Geschütz und eine 2 cm Zwillingskanone
erkennen.

Unter dem Wrack verstecken sich einige Leng von imposanter Größe
!
Leichter Kreuzer SMS „Brummer“; GPS N58°53‘50“, W03°09‘07“:
140
m lang, 13 m breit. Ein sehr imposantes und gut erhaltenes Wrack auf 20
bis 37m. Nur im Mittelteil wurden einige Bergeunternehmungen durchgeführt.
An vielen Stellen kann das Wrack leicht betaucht werden. Sehr schön
sind die Geschütztürme, die Kommandobrücke und der dick
gepanzerte (30 cm Panzerstahl !) Gefechtsstand zu erkennen.

Leichter Kreuzer SMS „Köln“; GPS N58°53‘32“, W03°08‘27“:

20 bis 35 m. Auch an diesem 156 m langem und 14 m breiten Wrack wieder
beeindruckende Geschütztürme, Luken, sonstige Aufbauten und vielerlei
Kleinigkeiten, die man als Nicht-Seemann nicht oder nur schwer zuordnen
kann.
Zerstörer V83:

82 m lang, 8 m breit. Ein sehr stark zerstörtes Wrack zwischen
3 und 15 m, das nahe der Küste liegt. Der Bug ist schon sehr „platt“
und man kann zwischen Meersalat und Kelp noch die Reste der zebrochenen
Antriebswelle erkennen. Am im Gegensatz dazu noch gut erhaltenen Heck befindet
sich eine einzelne, alleinstehende 105 mm Kanone.

„Gobenerador Bories“

Ein Blockadeschiff in 16 m Tiefe im Burrasound das zum Teil schon sehr
stark zerstört und über weite Abschnitte ziemlich „platt“ ist.
Die Sicht in diesem Sound ist mit 20-30 m wirklich atemberaubend ! (ebenso
die Strömungen...)
Am und um das Schiff befinden sich große Kelpwälder und
einige große, nicht scheue (da regelmäßig abgefütterte)
Lippfische und Brassen.
Leichter Kreuzer SMS „Dresden“; GPS 58°52‘59“, W03°18‘22“:

156 lang, 14 m breit. Baugleich mit der Köln war auch dies ein
wirklich beeindruckendes Wrack auf 16 bis 34 m Tiefe- besonders inposant
waren auch hier die Kommandobrücke und die Geschütztürme.
Am Bug kann man schön durch das Wrack tauchen und die Ankerkette verfolgen.
Schlachtschiff SMS „Markgraf“; GPS N58°53‘31“, W03°09‘55“:

178 m lang, 30 m breit. Ein Riesenpott zwischen 24 und 42 m !!! Am Kiel
(Boden) des Schiffes angekommen glaubt man zwar nicht, wie oft beschrieben,
am Meeresgrund zu sein, aber die Dimensionen dieses Schiffes sind überwältigend
! Taucht man entlang der Seite des Schiffes ab, erhält man nach weiteren
15 m Einblicke in die ehemalige Oberseite des Schiffes. Eine etwas verwirrende
Angelegenheit, da alles auf dem Kopf steht und dies alles unter dem Einfluss
der Stickstoffnarkose und der Dunkelheit unter dem Schiff eine schwer in
Worte („Viel gesehen, aber wenig erkannt“) zu fassende Eindrücke hinterlässt.
Mit Pressluft ist die Grundzeit in 40 m auch eher kurz, wenn man nicht
Ewigkeiten in den Dekostopps bleiben will.
Schlachtschiff SMS „Kronprinz Wilhelm“; GPS N58°53‘39“, W03°09‘48“:

178 m lang, 30 m breit. Wie die „Markgraf“ ein riesiges Wrack, das „auf
den Gesicht“ liegt, aber icht ganz so tief in 16 bis 40 m gelegen. Bug
und Mittschiff des Schiffsbauches sind durch Bergeunternehmungen schon
stark zerstört, die seitlichen Geschützkasematten sind jedoch
toll zu erkennen. Tief unter dem Wrack kann man noch die überaus imposanten
300 mm Kanonen erkennen/erahnen (je nach Lampe) !
Meiner Meinung nach das „schönste“ Schlachtschiff !
„Mara“ und „Bottle Dive“ im Gutter Sound

Das auf 17 m „liegende“ (eigentlich aufrecht stehende) Wrack eines ehemaligen,
etwa 25 langen, Tauchschiffes (?) das um 1993 sank ist noch relativ wenig
bewachsen. Die oben liegenden Räume (*natürlich* war der erste
Raum, in den ICH tauchte- die Toilette) können leicht betaucht werden,
die unter Deck liegenden Räume sind jedoch wegen der Enge nicht zu
empfehlen. Vom Wrack weg befindet sich eine riesige Fundstelle für
Flaschen und allem vorstellbaren (und nicht vorstellbaren Krimskrams) von
den hier vor Anker liegenden Kriegschiffen geworfene, nicht mehr benötigte
Dingen, aus den letzten 150 Jahren.
Der Meeresboden ist von solchen Kuriositäten voll !
Schön zu beobachten sind hier auch die vielen, flüchtenden!
Jakobsmuscheln und immer wieder Gespensterkrabben.
„Tabarka“:

Ein Blockadeschiff auf 13 m in den kristallklaren Wässern des Burra
Sounds und das wahrscheinlich beste Fotomotiv !
Dies war einer meiner schönsten Tauchgänge bisher !
Beim
Abtauchen ist es unbedingt nötig sich im Strömungsschatten des
Schiffes zu versammeln, da man ansonsten durch die Strömung unkontrolliert
durch eines der vielen großen Löcher ins Wrack gedrückt
werden kann ! (kein Tauchermärchen, sondern Tatsache !)
Das Wrack liegt „auf dem Kopf“ kann von der Heckseite trotz einiger
Engstellen relativ leicht penetriert werden.
Durch die diversen Löcher im Schiff dringt überall Licht
und gibt auch einige weitere Möglichkeiten das Wrack zu verlassen.
Äußerst imposant ist der riesige Maschinenraum mit den Expandern
und den beeindruckenden, von der Decke (eigentlich Boden) gestürzten
Kesseln.
Das
Wrack kann praktisch bis in den letzten Winkel betaucht, erforscht und
fotografiert werden.
Bei nicht allzu starker Strömung erreicht man in östlicher
Richtung durch die Kelpwälder nach 200 Metern das schon stark zerstörte
Wrack der „Inverlane“.
Die Unterwasser Fauna und Flora:
Der Fischbestand in und um die Wracks ist eher gering, gelegentlich
sieht man große Lippfische und Barsche, selten mal auch einen Heringsschwarm.

Die exponiert liegenden Teile der tieferen Wracks sind mit einer unglaublichen
Anzahl von Schlangenseesternen bedeckt- es müssen viele Hunderte pro
Quadratmeter sein !
Allgegenwärtig sind die fotogenen Seenelken, Schwämme, Nelkenkorallen,
Meerhände, Seescheiden, Seesterne, Seeigel, Einsiedlerkrebse, Seespinnen
und Drachenköpfe.
In und unter den Wracks verstecken sich immer wieder Dorsche, Lengs,
Congeraale und Seewölfe (Letzteren leider noch immer nicht gesehen-
nur davon gehört...)

In seichteren Gewässern findet sich Meersalat, Kelpwälder,
Knotentang und Seegras.
Bei den Dekostopps finden sich immer wieder Quallen, deren Beobachtung
die Zeit schneller vergehen lässt.
Aber: Flora und Fauna sind im Scapa Flow ausnahmsweise nur von zweitrangigem
Interesse !
Was es sonst auf dem Mainland der Orkney noch zu sehen gibt/Ausflugstipps:
Ring of Brogar:
Ein
prähistorischer Steinkreis (UNESCO Weltkulturerbe) unweit von Stromness, von dem man genausoviel
weiß wie von Stonehenge oder von Carnac: Nämlich nix ! Weitere
Steinkreise sowie einige Hügelgräber in der Umgebung !
Skara Brae:
Eindrucksvolle, 4000 Jahre alte Steinzeitsiedlung mit hohem Eintritt.
Balfour Castle:
Imposantes Herrenhaus- was für Rosamund Pilcher Fans !
Jesnaby Castle:
An
der Westküste des Mainlandes befindet sich dieser imposante Steinturm
an den Klippen der Steilküste.
Blickt man aufs offene Meer hinaus, so gilt: „Next Stop Amerika“
Kitchener Memorial am Marvick Head:
Erinnerung
an den Untergang der HMS „Hampshire“ 1916, und den damit verbundenen Tod
von Lord Kitchener, dem populären englischen Kriegsminister (das berühmte
Plakat „Your Country Needs You !“ stammt von ihm) und Sieger von Kharthum
(Sudan), der sich damals auf dem Weg nach Rußland zu einem geheimen
Treffen befand, als das Schiff auf eine Mine auflief und 643 Menschen in
der stürmischen, kalten See starben. Nur 13 Menschen überlebten
den Untergang der „Hampshire“-
Die Hampshire liegt hier eineinhalb Meilen vor der Küste in 68m Tiefe und darf inzwischen nicht mehr betaucht
werden !
Birsay Bay:
Sandstrände und viele scheue Robben. Bei Ebbe gelangt man über
einen Fußweg zur sehenswerten Insel Brough Head, bei Flut liegt dieser
Weg tief unter dem Wasser.
Ruine des Palast von Robert, Earl of Orkney:
Gut
erhalten und gepflegte Ruine der Herren von Orkney aus dem 16. Jahrhundert,
die offenbar mit dem Sheriff von Kirkwall im Dauerclinch lagen, bis ihre
Burg von ihm erobert und zerstört wurde.(so hab ich jedenfalls die
Geschichte verstanden...)
Broch of Guress:
Prähistorisches Ringfort an der Steilküste, war wegen der
Maul- und Klauenseuche leider gesperrt.
Churchill Barriers:

Nach der Versenkung der „Royal Oak“ 1939 und dem damit verbundenen Schock
ordnete Winston Churchill an, alle nicht unbedingt benötigten Zugänge
zum Scapa Flow hermetisch „dicht“ zu machen. Bei den kleineren Durchgängen
geschah dies erst mittels versenkter Blockschiffe und in weiterer Folge
durch abertausende von Betonblöcken, die von italienische Kriegsgefangenen
gefertigt und verlegt wurden. Heute führt die Straße über
diese Barrieren.
Italian Chapel:
Eine entzückende kleine Kapelle, die damals von italienischen
Kriegsgefangenen errichtet wurde und in den 60er Jahren von ehemaligen
Kriegsgefangenen mit viel Liebe restauriert wurde.
Burwick:
Südlichster Punkt der Orkney und Anlegestelle der Fähre,
sonst nix.
Wrack der HMS „Royal Oak“:

Bei gutem Wetter kann man westlich von Kirkwall in der Scapa Bay am
späteren Nachmittag von den Anhöhen am Meer aus schemenhaft das
Wrack der „Royal Oak“ als Schatten im Wasser erkennen.
Während der Gezeiten sieht man auch die Wasserverwirbelungen die
durch das Wrack und seine Aufbauten entstehen und eine sich mehrere hundert
Meter lange längliche „Spur“ im Wasser bilden. (anderen Informationen
nach handelt es sich auch um noch im immer aus dem Wrack austretende Spuren
von Öl)
Tauchen an der „Royal Oak“ ist strengstens verboten, da diese ein Kriegsgrab
ist. „Schwarz“tauchversuchen sei dringenst abzuraten, da sich das Wrack
direkt im Blickfeld vom Büro des Hafenmeisters (dort ist sich auch eine Infotafel über die Royal Oak !) befindet und ferner
die Bevölkerung sehr sensibel reagiert.
(Konfiszierung der Tauchausrüstung und Ausweisung innerhalb von 24 Stunden sind der Preis für illegales Tauchen am diesem Wrack !)
Kirkwall:

Hauptstadt von Orkney mit einer schönen „Fußgängerzone“
(sic!) und netten Läden (T-Shirts !) und Pubs. Um Kirkwall befinden
sich auch 2 Whisky Destilleries die besichtigt (oder besser bekostet ?)
werden können.
Empfohlene Literatur:
Orkney
& Shetland, DuMont Reisetaschenbuch, ISBN 3-7701-4842-8
„The Orcadian“ Ausgabe Thursday, June 26th, 1919
Dive
Scapa Flow, Rod Macdonald, ISBN 1-85158-983-X
The Naval Wrecks of Scapa Flow, Peter L. Smith, ISBN 0-907618-20-0
Sowie ganz besonders Oli´s
Tauchführer Scapa Flow in www.taucher.net
Fazit:

Ein nicht ganz üblicher (Wrack)Tauchurlaub für Individualisten
und Naturliebhaber. Scapa, wir kommen (Mischgastauglich) wieder !
Alle Informationen nach bestem Wissen und Gewissen, jedoch ohne Gewähr
!
© Text: 2001 by Harald Mathä harry@taucher.net
© Bilder 2001 by Harald Mathä und Oliver Ferner-Prantner
mit Sony DSC-P1 |