Der Tauchverband pda – Professional Diving Association – bietet seit einigen
Monaten einen in dieser Form völlig neuartigen Kurs zur Weiterbildung
von Tauchern an – den Self Rescue Kurs.
Hauptinhalt dieser Ausbildungsstufe ist die Schulung des Tauchers auf
Gefahrenmomente unter Wasser, deren Lösung, sowie verantwortungsvolle
Beurteilung der Tauchsituation und der vorzeitigen Vermeidung von Problemsituationen
durch genaue Geräte- und Ausrüstungsprüfung vor dem Tauchgang.
Kurz gesagt – die Solokompetenz – des Tauchers wird trainiert.
Solokompetenz – gerade im vorwiegend praktizierten Buddy-System – ist
eine wichtige Fähigkeit, die in verschiedensten Ausbildungssystemen
leider nicht genügend oder schlimmstenfalls gar nicht trainiert wird.
Dabei liegt wohl die größte Gefahr in der subjektiven Sicherheit,
dass mein Tauchpartner es schon richten wird bzw. gar kein Problembewusstsein
für die möglichen Gefahren unter Wasser aufgebaut wird. Daraus
abgeleitet definiert sich auch das Kursziel des Self Rescue Divers – wie
helfe ich mir unter Wasser selbst !
Solokompetenz spiegelt sich in der geistigen Haltung des Tauchers wieder
– er befasst sich mit möglichen Problemstellungen bevor diese auftreten
und spielt deren Lösungen im Geist durch, bzw. trainiert seine Fertigkeiten
um das Problem beseitigen zu können. Als einfaches Beispiel sei hier
nur das selbsttätige Schließen der Flaschenventile bei Vereisungen
genannt. Solokompetenz bedeutet aber auch die Benutzung angemessener Konfiguration
für die jeweilige Umgebung – hier z.B. zwei getrennte Automatensysteme
beim Tauchen in kalten Gewässern.
Solokompetenz ist also eine Verbesserung der eigenen psychischen als
auch physischen Fertigkeiten und erhöht die eigene Tauchsicherheit.
Dadurch steigt natürlich auch der Sicherheitsfaktor beim Partnertauchen
– Solokompetenz und Buddysystem schließen sich nicht aus – im Gegenteil
– es ist ein immenser Sicherheitsgewinn auch im Team.
Der Self Rescue Kurs von pda setzt nun gerade auf der Beherrschung der
Solokompetenz auf und vermittelt dem Tauchschüler entsprechende Fertigkeiten.
Hendrik Dieckhoff, der Gründer von pda, schreibt in einer Stellungnahme
zu diesem Kurs: „Tauchunfälle basieren auf vielerlei Gründen.
Sei es mangelnde Ausbildung, schlechte oder fremde Ausrüstung, defekte
Ausrüstung, Selbstüberschätzung, Panik, Angst, Verständigungsschwierigkeiten
einer Gruppe, ängstlicher Partner, all dies sind Probleme/Ursachen
für Tauchunfälle. Eine Ausbildung die darauf abzielt sich Fähigkeiten
anzueignen, die Risiken zu minimieren, also auch den Umgang mit defektem
Gerät zu lernen, ist heutzutage ein Muss. Mit dem Bewusstsein ein
technisches Problem lösen zu können, kann ein wesentlich gelassener
Tauchgang durchgeführt werden. Diese Ausbildung versetzt den Taucher
auch in die Lage seinem Partner sicher und richtig helfen zu können.
Er ist ein Garant für sicheres Tauchen“
Anhand dieser Stellungnahme können wir das primäre Kursziel
genau definieren: Der Taucher lernt den sicheren Umgang mit seiner Ausrüstung,
er lernt entsprechende Schwachstellen kennen und kann diese beheben. Defekte
Ausrüstung unter Wasser stellt ihn vor kein unlösbares Problem
– sondern er wird trainiert, dieses Problem alleine zu lösen – und
ist damit auf fremde Hilfe nicht angewiesen. Dies bedeutet natürlich
auch eine Erhöhung der Sicherheit im Partnerteam.
Der Kurs gliedert sich in einen Theorieblock und praktische Unterweisung
im Freiwasser. Teilnahmeberechtigt sind hierbei AOWD Brevetinhaber von
pda – oder ein gleichwertiges Brevet einer anderen Organisation wobei hier
die Spezialkurse: Orientierung, Nacht, Tief, Rettung und Technik, als auch
DAN Oxygen Provider zusätzlich nachgewiesen werden müssen. Außerdem
verlangt pda ein Mindestalter von 18 Jahren und 90 geloggte Tauchgänge
vor Kursstart.
Die Ausbildung konzentriert sich auf folgende Hauptbereiche:
1. Selbsteinschätzung und Umgebungsbedingungen
2. Technische Vorbereitung für einen Tauchgang und Erkennen von
Defekten
3. Handhabung unter Wasser
Zu 1.) Realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten
auch besonders in Hinsicht auf die zu erwartenden Tauchbedingungen. Ein
wichtiger Aspekt, da gerade die eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten
oftmals überschätzt werden. Keinesfalls ist dies ein Hinweis
auf Arroganz, sondern einfach eine Fehleinschätzung der Situation
aufgrund von mangelnder Erfahrung. Im Self Rescue Kurs lernt der Taucher
nun die Umgebungsbedingungen, gepaart mit seiner persönlichen Erfahrung,
zu beurteilen und den Tauchgang entsprechend zu planen. pda stellt hier
auch eine Checkliste zur Verfügung mit deren Hilfe eine strukturierte
Beurteilung der zu erwartenden Schwierigkeiten vorgenommen werden kann.
Zu 2.) Sichtprüfungen der einzelnen Ausrüstungsgegenstände.
Erkennen von Defekten wie Rissen, Undichtigkeiten, korrekten Ventilsitzen
– z.B. Inflatoreinlass, etc.. Anhand einer Checkliste lernt der Taucher
eine saubere Vorbereitung und Setup seines Tauchsystems durchzuführen
– und vermeidet damit offensichtliche Fehler vor dem Auftreten durch frühzeitiges
Erkennen.
Zu 3.) Anhand von verschiedenen Fallstudien die sowohl in Theorie als
auch in der anschließenden Freiwasserpraxis eingehend trainiert werden,
lernt der Tauchschüler eine korrekte Verfahrensweise im Fall von Ausrüstungsdefekten
unter Wasser. Dazu gehören u.a. folgende Szenarien: Platzen von Schläuchen
– Finimeterschlauch, Mitteldruckschlauch. Probleme mit Inflatoreinheit,
Probleme mit Atemregler – zieht Wasser, Vereisung. Lampenausfall, gerissene
Flossenbänder, defekte O-Ringe und Wassereinfall im Trockenanzug,
Ausfall von Messgeräten wie Uhr oder Computer komplettieren die theoretische
und praktische Ausbildung.
Zusätzlich zu den genannten Fertigkeiten ist eine Wiederholung
der Rettungsfertigkeiten – hier Fremdrettung wie z.B. Inhalt Rescue Diver
– im Kursprogramm des Self Rescue Divers enthalten.
Dieser für jeden Taucher interessante Kurs schult das Problembewusstsein
und diverse Fertigkeiten um mit leichtem oder schwerem Geräteversagen
umgehen zu können. In der Tauchpraxis bedeutet dies eine immense Erhöhung
der eigenen Sicherheit, Vermeidung von Angst- oder Panikattacken bei Defekten
und damit letztendlich einen Weg zu entspannteren und sicheren Tauchgängen.
Dabei propagiert pda keinesfalls das Solotauchen selbst – pda legt allerdings
großen Wert darauf, dass der Taucher eigenverantwortlich und in Kenntnis
seiner individuellen Fähigkeiten den Tauchgang plant und durchführt.
Dies dient sowohl der eigenen als auch der Sicherheit des Buddies. Im Fall
von Partnertrennung bedeutet dies natürlich auch die Kompetenz sich
selbst und ohne fremde Hilfe aus schwierigen Situationen befreien zu können.
© 2001 - Herbert Gfrörer