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Onlinemagazin - 10. Ausgabe - pda – Self Rescue Diver




 Geschrieben von Herbert
Der Tauchverband pda – Professional Diving Association – bietet seit einigen Monaten einen in dieser Form völlig neuartigen Kurs zur Weiterbildung von Tauchern an – den Self Rescue Kurs.

Hauptinhalt dieser Ausbildungsstufe ist die Schulung des Tauchers auf Gefahrenmomente unter Wasser, deren Lösung, sowie verantwortungsvolle Beurteilung der Tauchsituation und der vorzeitigen Vermeidung von Problemsituationen durch genaue Geräte- und Ausrüstungsprüfung vor dem Tauchgang. Kurz gesagt – die Solokompetenz – des Tauchers wird trainiert.

Solokompetenz – gerade im vorwiegend praktizierten Buddy-System – ist eine wichtige Fähigkeit, die in verschiedensten Ausbildungssystemen leider nicht genügend oder schlimmstenfalls gar nicht trainiert wird. Dabei liegt wohl die größte Gefahr in der subjektiven Sicherheit, dass mein Tauchpartner es schon richten wird  bzw. gar kein Problembewusstsein für die möglichen Gefahren unter Wasser aufgebaut wird. Daraus abgeleitet definiert sich auch das Kursziel des Self Rescue Divers – wie helfe ich mir unter Wasser selbst !

Solokompetenz spiegelt sich in der geistigen Haltung des Tauchers wieder – er befasst sich mit möglichen Problemstellungen bevor diese auftreten und spielt deren Lösungen im Geist durch, bzw. trainiert seine Fertigkeiten um das Problem beseitigen zu können. Als einfaches Beispiel sei hier nur das selbsttätige Schließen der Flaschenventile bei Vereisungen genannt. Solokompetenz bedeutet aber auch die Benutzung angemessener Konfiguration für die jeweilige Umgebung  – hier z.B. zwei getrennte Automatensysteme beim Tauchen in kalten Gewässern.

Solokompetenz ist also eine Verbesserung der eigenen psychischen als auch physischen Fertigkeiten und erhöht die eigene Tauchsicherheit. Dadurch steigt natürlich auch der Sicherheitsfaktor beim Partnertauchen – Solokompetenz und Buddysystem schließen sich nicht aus – im Gegenteil – es ist ein immenser Sicherheitsgewinn auch im Team.

Der Self Rescue Kurs von pda setzt nun gerade auf der Beherrschung der Solokompetenz auf und vermittelt dem Tauchschüler entsprechende Fertigkeiten.

Hendrik Dieckhoff, der Gründer von pda, schreibt in einer Stellungnahme zu diesem Kurs: „Tauchunfälle basieren auf vielerlei Gründen. Sei es mangelnde Ausbildung, schlechte oder fremde Ausrüstung, defekte Ausrüstung, Selbstüberschätzung, Panik, Angst, Verständigungsschwierigkeiten einer Gruppe, ängstlicher Partner, all dies sind Probleme/Ursachen für Tauchunfälle. Eine Ausbildung die darauf abzielt sich Fähigkeiten anzueignen, die Risiken zu minimieren, also auch den Umgang mit defektem Gerät zu lernen, ist heutzutage ein Muss. Mit dem Bewusstsein ein technisches Problem lösen zu können, kann ein wesentlich gelassener Tauchgang durchgeführt werden. Diese Ausbildung versetzt den Taucher auch in die Lage seinem Partner sicher und richtig helfen zu können. Er ist ein Garant für sicheres Tauchen“
 
Anhand dieser Stellungnahme können wir das primäre Kursziel genau definieren: Der Taucher lernt den sicheren Umgang mit seiner Ausrüstung, er lernt entsprechende Schwachstellen kennen und kann diese beheben. Defekte Ausrüstung unter Wasser stellt ihn vor kein unlösbares Problem – sondern er wird trainiert, dieses Problem alleine zu lösen – und ist damit auf fremde Hilfe nicht angewiesen. Dies bedeutet natürlich auch eine Erhöhung der Sicherheit im Partnerteam.

Der Kurs gliedert sich in einen Theorieblock und praktische Unterweisung im Freiwasser. Teilnahmeberechtigt sind hierbei AOWD Brevetinhaber von pda – oder ein gleichwertiges Brevet einer anderen Organisation wobei hier die Spezialkurse: Orientierung, Nacht, Tief, Rettung und Technik, als auch DAN Oxygen Provider zusätzlich nachgewiesen werden müssen. Außerdem verlangt pda ein Mindestalter von 18 Jahren und 90 geloggte Tauchgänge vor Kursstart.

Die Ausbildung konzentriert sich auf folgende Hauptbereiche:

1. Selbsteinschätzung und Umgebungsbedingungen
2. Technische Vorbereitung für einen Tauchgang und Erkennen von Defekten
3. Handhabung unter Wasser

Zu 1.)  Realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten auch besonders in Hinsicht auf die zu erwartenden Tauchbedingungen. Ein wichtiger Aspekt, da gerade die eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten oftmals überschätzt werden. Keinesfalls ist dies ein Hinweis auf Arroganz, sondern einfach eine Fehleinschätzung der Situation aufgrund von mangelnder Erfahrung. Im Self Rescue Kurs lernt der Taucher nun die Umgebungsbedingungen, gepaart mit seiner persönlichen Erfahrung, zu beurteilen und den Tauchgang entsprechend zu planen. pda stellt hier auch eine Checkliste zur Verfügung mit deren Hilfe eine strukturierte Beurteilung der zu erwartenden Schwierigkeiten vorgenommen werden kann.

Zu 2.) Sichtprüfungen der einzelnen Ausrüstungsgegenstände. Erkennen von Defekten wie Rissen, Undichtigkeiten, korrekten Ventilsitzen – z.B. Inflatoreinlass, etc.. Anhand einer Checkliste lernt der Taucher eine saubere Vorbereitung und Setup seines Tauchsystems durchzuführen – und vermeidet damit offensichtliche Fehler vor dem Auftreten durch frühzeitiges Erkennen.

Zu 3.) Anhand von verschiedenen Fallstudien die sowohl in Theorie als auch in der anschließenden Freiwasserpraxis eingehend trainiert werden, lernt der Tauchschüler eine korrekte Verfahrensweise im Fall von Ausrüstungsdefekten unter Wasser. Dazu gehören u.a. folgende Szenarien: Platzen von Schläuchen – Finimeterschlauch, Mitteldruckschlauch. Probleme mit Inflatoreinheit, Probleme mit Atemregler – zieht Wasser, Vereisung. Lampenausfall, gerissene Flossenbänder, defekte O-Ringe und Wassereinfall im Trockenanzug, Ausfall von Messgeräten wie Uhr oder Computer komplettieren die theoretische und praktische Ausbildung.

Zusätzlich zu den genannten Fertigkeiten ist eine Wiederholung der Rettungsfertigkeiten – hier Fremdrettung wie z.B. Inhalt Rescue Diver – im Kursprogramm des Self Rescue Divers enthalten.

Dieser für jeden Taucher interessante Kurs schult das Problembewusstsein und diverse Fertigkeiten um mit leichtem oder schwerem Geräteversagen umgehen zu können. In der Tauchpraxis bedeutet dies eine immense Erhöhung der eigenen Sicherheit, Vermeidung von Angst- oder Panikattacken bei Defekten und damit letztendlich einen Weg zu entspannteren und sicheren Tauchgängen.

Dabei propagiert pda keinesfalls das Solotauchen selbst – pda legt allerdings großen Wert darauf, dass der Taucher eigenverantwortlich und in Kenntnis seiner individuellen Fähigkeiten den Tauchgang plant und durchführt. Dies dient sowohl der eigenen als auch der Sicherheit des Buddies. Im Fall von Partnertrennung bedeutet dies natürlich auch die Kompetenz sich selbst und ohne fremde Hilfe aus schwierigen Situationen befreien zu können.
 
© 2001 - Herbert Gfrörer


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