© 2001 Oliver Meise
-Keine Gewährleistung-
Mit freundlicher Genehmigung von Herrn
Udo Kefrig
Entnommen aus: Unterwasser - Das Tauchmagazin
Das Wrack dieses Schiffes war lange Zeit nur unter dem Namen "Frachter
von Gubal" bekannt.
Ein anderer, immer noch gebräuchlicher Name ist der "Kabelleger"
oder der "Kabelleger von Gubal".
Letztere beide Namen finden ihren Ursprung in einem Teil der Ladung
des Schiffes: Die Ladung bestand ua. auch aus einigen Kabeltrommeln der
Firma Siemens.Hiervon kann man heute noch einige vor Ort betrachten.
Mit freundlicher Genehmigung von Herrn
Udo Kefrig
Entnommen aus: Unterwasser - Das Tauchmagazin
Außerdem soll die Konstruktion am Heck eine solche zum Kabelverlegen
sein. Wahrscheinlicher ist dies jedoch eine Rudergestängekonstruktion,wie
man sie auch auf der S.S. Rosalie Möller findet.Ein nicht unbedeutender
Teil der Ladung im Wert von damals 60.000 Pfund Sterling soll aber neben
allgemeiner Handelsware auch noch Quecksilber gewesen sein. Eigentlich
sind auch heute noch die schon genannten Namen diejenigen unter denen man
das Wrack kennt. Nennt man den eigentlichen Namen S.S. Ulysses ,
so wird dieser Name eher unbekannt sein.
Bei diesem Schiff handelte es sich um einen holzbeplankten Einschraubendampfer
mit eisernem Rumpf und Segeltakelage wie es zB. auch die S.S. Dunraven
war. Die S.S.Ulysses gehörte zur Flotte der Ocean Steamship
Company.Diese benannte alle ihre Schiffe nach Wesen der griechischen Mythologie.Neben
der S.S. Ulysses gab es noch die S.S. Achilles, die S.S.
Ajax, S.S.Hector, S.S. Priam, S.S.Menelaus, und
die S.S. Sarpedon.Abweichend von der S.S. Dunraven war die
1871 bei Leslie und Co. in Newcastle vom Stapel gelaufene S.S. Ulysses
ca. 95m lang,10m breit und verdrängte maximal 1990ts. Die 225 PS-Zweizylinder-Zweitakt-Dampfmaschine
von P.Stephenson & Co. in Newcastle verlieh dem Schiff eine Geschwindigkeit
von ca. 10 Knoten.
Am Untergangstag -dem 16. August 1887- befand sich die S.S. Ulysses
von London und Suez kommend auf ihrer Reise nach Penang, als sie mit ihrem
südlichen Kurs in die Straße von Gubal einlief. Der 44-jährige
Kapitän Arthur Wellesley Bremner aus Liverpool war ein altgedienter
Seemann der schon mit 24 Jahren sein Kapitänspatent erhielt und seitdem
auf vielen Schiffen gefahren war,wobei er 1885 sogar die Lebensrettungsmedaille
von Lloyds verliehen bekam.Auch die S.S. Ulysses kannte er nunmehr
schon über zwei Jahre lang seit er im Februar 1885 das Kommando übernommen
hatte.
All dies verleitete ihn wohl dazu,trotzdem er noch nie im Roten Meer
gefahren war,sich nun einigermaßen sicher zu fühlen. Nachdem
er sich am Vorabend zur Ruhe in seiner Kabine zurückgezogen hatte
passierte in den frühen Morgenstunden das Unglück - die S.S.
Ulysses lief bei Gubal Seghir (Little Gobal) auf das Riff nördlich
von Bluff Point auf!
Unglücklicherweise wurde dieser Unfall nicht richtig interpretiert.Man
stellte fest,daß das einbrechende Wasser von den Pumpen leicht bewältigt
werden konnte und ging eher von einer ungefährlichen Grundberührung
aus.Ein vorbeifahrendes Schiff -die S.S.Kerbela- wurde dann auch
nicht um Hilfe gebeten, sondern die Nachricht mitgegeben,daß man
doch in Suez ein Hilfsschiff zur S.S. Ulysses schicken möge.
So las man diese sich so ergebenden Fakten dann auch in der Londoner Times
als Kurzmittilung über eine Grundberührung.
Kapitän Bremner war überzeugt,diese "Grundberührung"
durch ein Freischleppen geregelt zu bekommen. Ihm war wohl nicht klar,daß
durch die permanente Bewegung des Rumpfes gegen das Riff durch die Meeresbrandung
diesen immer weiter aufriß. Auch von einem teilweisen Überbordwerfen
der Ladung und einem damit verbundenem verringern des Tiefganges und dem
Freikommen vom Riff auf diese Weise wollt er nichts hören. So kam
es wie es kommen mußte: Das Leck wurde immer größer,es
strömte immer mehr Wasser ein,die Pumpen konnten die Wassermengen
immer schlechter lenzen und das Schiff sank nur noch tiefer. So kam es,daß
am Morgen des 19. August das Heck des Schiffes schon tiefer lag als gewöhnlich.Am
20. August traf endlich Hilfe ein: HMS Falcon traf mit zwei
Leichtern und Arbeitern ein.Man begann sofort in der Ägyptischen Augusthitze
mit dem Umladen der Fracht. Dabei mußte man in den Laderäumen
zT. durch Wasser schwimmen.Auch die Winschen mußten mit Muskelkraft
bedient werden,da mittlerweile auch die Maschine ausgefallen war.Außerdem
war man gezwungen alles außenbords zu geben,es knapp 600m über
das Riff zu tragen bis man damit zu den Leichtern gelangte. Dieses ganze
Umladen dauerte dazu auch noch ewig lange: Erst am 6. September 1887 -also
nach 17 Tagen- hatte man die Arbeiten eingestellt, nachdem das Schiff mit
dem Heck unter den Wellen verschwunden war. Die Leichter und die HMS
Falcon schafften den Weg zurück nach Suez vollbepackt, aber ohne
Zwischenfälle. Hier verfaßte auch der Kapitän der S.S.
Ulysses seinen Unfallbericht. Man kam seitens der Unfallkommission
zu dem Schluß,daß der Untergang auf einen Navigationsfehler
zurückzuführen wäre.
Nach dem Untergang der S.S. Ulysses fuhr Kapitän Bremner
nie wieder zur See.
Nachdem das Schiff nun am 6.September 1887 am Riff zurückgelassen
wurde,befanden sich der Bug und das Vorderschiff noch hochaufgerichtet
am Riff.Kurze Zeit später soll ein Sturm das Schiff dann unter Wasser
geschlagen haben.
Heute liegt die S.S.Ulysses senkrecht am Riff mit dem Bug in
ca. 5 m Tiefe im Flachwasser und dem Heck auf ca. 27m Tiefe, ca. 300m vom
Leuchtfeuer entfernt an der Nordseite von Gubal Seghir. Früher lag
es in dieser Tiefe noch aufrecht am Riff,heute liegt es wohl auch wegen
der starken Strömungen hier auf seiner Backbordseite.
Mit freundlicher Genehmigung von Herrn
Udo Kefrig
Entnommen aus: Unterwasser - Das Tauchmagazin
Ähnlich wie bei der S.S. Carnatic sind auch hier die Decksplanken
aus Holz vergammelt und es bleiben nur noch die Deckspanten aus Eisen zu
sehen-schön mit Weichkorallen bewachsen.
Mit freundlicher Genehmigung von Herrn
Udo Kefrig
Entnommen aus: Unterwasser - Das Tauchmagazin
Aufgrund der Strömungsverhältnisse ist es hier angebracht
in einem Bouncedive schnell auf Tiefe am Heck zu kommen und hinter dem
Wrack im Strömungsschatten zu tauchen.Liebe
Leute! Bitte bedenkt,daß hier eine ziemlich starke Strömung
Richtung Osten ist! Die Gefahr des Abtreibens während des Tauchgangs
und nach dem Auftauchen ist gegeben! Deshalb immer Mittel dabei haben,mit
denen man auf sich aufmerksam machen kann!
Dies ist der wohl schönste Teil des Wracks,sind hier doch auch
noch Details erhalten wie Schraube, Reeling,Ruderanlage,Winschen
und Poller.Am Heck liegt dann auch noch einiges am
Grund wzB. die Badewanne des Kapitäns und so einiges an Flaschenscherben.Mit
etwas Glück findet man hier noch intakte Mineralwasserflaschen der
irischen Firma Wheeler oder Porzellangeschirr der Firma Primavesi aus Newport/Swansea.
Man
kann auch vom Heck bis zur Mittschiffssektion schön in das Wrack hineintauchen.Doch
Vorsicht! Neben den ungefährlichen Glasfischen trifft man hier oft
die Rotfeuerfische und Steinfische an! Durch den
offenen Wellentunnel kann man so neben anderen verkrusteten Dingen zu Fässern
mit verhärtetem Inhalt kommen. Eventuell echter britischer Portland-Zement?
Das Wrack selbst ist aber so ziemlich überall offen,so daß man
überall genug Licht zum Schauen hat und auch überall wieder rauskann.Weiter
oben im Mittschiffsbereich kann man noch Überreste des kleinen Ruderhauses
erahnen.
Mit freundlicher Genehmigung von Herrn
Udo Kefrig
Entnommen aus: Unterwasser - Das Tauchmagazin
Im Rumpf mittschiffs kann man dann noch diverse
Dampfmaschinenrohre und -leitungen mit den dazugehörigen Ventilen
und Schwungrädern sehen.
Mit freundlicher Genehmigung von Herrn
Udo Kefrig
Entnommen aus: Unterwasser - Das Tauchmagazin
Hier liegen außerhalb des Rumpfs mittschiffs
am riffabgewandten
Meeresgrund auch noch Überreste
der Decksaufbauten herum wie zB. ein Mast,Spieren,Schornstein
und Teile des Kessels.
Mit freundlicher Genehmigung von Herrn
Udo Kefrig
Entnommen aus: Unterwasser - Das Tauchmagazin
Das Vorderteil des Schiffes ist kaum noch als solches zu erkennen.Schrottplatz.
Hier befindet man sich aber auch im Flachwasserbereich und man trifft hier
die ganze bunte Fischwelt der Riffe an wie zB. Doktor- und Drückerfische.
Entfernt man sich etwas vom Heck des Wracks,sieht
man noch eine Ankerkette die sich nach oben in das Riff schlängelt.
Im Flachwasserbereich des Riffs findet sich dann auch noch einer der Anker
die beim Auflaufen auf das Riff wohl zur Stabilisierung des Schiffs ausgebracht
wurden.
Ist gerade mal keine Strömung, sollte man
sich die Mühe machen und den vermutlichen Weg untersuchen,die die
S.S.
Ulysses auf dem Weg das Riff hinunter genommen hat. Hier findet sich
unten vom Riff ausgehend zunächst mal eine alte Dampfwinde mit diversen
metallenen Rädern, weiter höher dann immer wieder Rohre,Keramikisolatoren
und Packen von Fliesen.
Im Flachwasserbereich findet man dann auch noch
die damals beim Aufprall aus der Bordwand herausgerissenen genieteten Stahlplatten
in den verschiedensten Erhaltungszuständen vor.
Unter dem Strich ist dies ein Wrack,daß sich nicht verschlechtert,sondern
wegen seines schönen Bewuchses über die Jahre noch verbessert
hat.
Wegen des nahen Riffs wird dieses Wrack meist mit dem Schlauchboot
angefahren.Dies aber auch nur,soweit wenig Wind und Wellengang vorhanden
sind.
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GPS-Positon:
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27°41`20``N/33°48`12``E
|
Vorsicht: Von Gerät zu Gerät gibt es
bei der Ermittlung der GPS-Daten immer Unterschiede.Bei Annäherung
an das Riff ist entsprechende Vorsicht zu beobachten und weniger die GPS-Anzeige
zu betrachten als vielmehr die tatsächliche Nähe zum Riff zu
überwachen!!!!!!!
Alle Photos wurden uns von Herrn Udo Kefrig bzw. durch die schöne
Seite von Herrn Kefrig und Herrn Stoll www.unterwasserfotografie.de
zugänglich gemacht.Vielen Dank dafür!!
Im weiteren wurde uns von Unterwasser freundlicherweise die Erlaubnis
erteilt, die Photos aus dem Tauchmagazin zu scannen. Auch hierfür
unseren Dank!
Schwerer Leichter
© 2001 Oliver Meise
-Keine Gewährleistung-
Wenn wir gerade beim Thema Gubal Seghir/Bluff Point sind,kann man eigentlich
auch noch die anderen hier bekannten Wracks erwähnen.
Das erstere ist kurz abgehandelt: An der Riffseite,die dem Untergangsort
der S.S. Ulysses abgewandt ist,liegen die Überreste eines ausgebrannten
Safaribootes. Da dies hier ein beliebter Platz ist für Safariboote
um hier geschützt zu ankern und zu Übernachten und ggfs. einen
Nachttauchgang durchzuführen ist es wohl nicht verwunderlich,daß
über kurz oder lang auch eines dieser Schiffe sich in den Grund bohrt.
Von ihm ist allerdings nicht besonders viel übrig oder bekannt,so
daß es eigentlich auch nicht viel Aufhebens wert ist.
Bei dem zweiten Wrack in unmittelbarer Nachbarschaft handelt es sich
um ein Wrack, daß die Taucherszene in Ermangelung besseren Wissens
unter dem Namen "Leichter von Gubal" oder "Sea Breeze" kennt.An diesem
werden meistens bewußte Nachttauchgänge durchgeführt. Es
hat eine Länge von ca. 20m und ist knapp 5m breit.Dieses Miniwrack
liegt aufrecht auf Sandgrund südlich des Bluff Point-Leuchtfeuers.Der
Legende nach soll es sich hierbei um ein ägyptisches Torpedoboot handeln,
daß während des 6-Tage-Kriegs hier von israelischen Flugzeugen
in eine Tiefe von 8-14m versenkt wurde. Wieder andere sagen,daß es
sich hierbei einfach um einen Schleppkahn handelt,der während des
Schlepps von einem Unwetter überrascht,versank.Wieder andere sagen,daß
es sich hierbei um eine ehemalige Segeljacht oder auch ein Tauchboot handeln
soll. Wie auch immer-für ein Torpedoboot sind die Linien des Rumpfes
nicht schlank genug und man vermisst die großen Motoren die in einem
derartigen Schiff üblich wären. Schließt man das Alter
des Wracks ein,kann es sich nicht um die 70`` Vosper-Torpedoboote RN MTB
397 (Ex- USS PT 385) und RN MTB 399 (Ex- USS PT 387) der Royal Navy handeln,die
Ägypten im Januar 1947 kaufte. Bei diesen bestand der Rumpf aus Holz.
Hier haben wir einen Metallrumpf zum betauchen.Und eins der später
erworbenen sowjetischen Torpedo- bzw. Raketenboote mit Metallrumpf kann
es auch nicht sein.Da wäre mehr vom Rumpf vorhanden und weniger Zerstörung
zu sehen. Folglich ist dies hier wahrscheinlich wirklich nur ein oller,abgesoffener
Schleppkahn.Kommt hinzu,daß hier kaum mehr als eine Hülle vorliegt
ohne viel mehr erkennbaren Zusätzen. Speziell das Heck ist durch Suchanker
etwas zerfleddert worden.Man kann es aber noch als ein solches ausmachen.Nur
die Bugsektion ist noch einigermaßen einheitlich vorhanden. Was den
übrigen Rumpf angeht,kann man ihn mehr oder weniger über die
ganze Länge ausmachen.Zwar fehlen hier und dort die Platten, die Rumpfspanten
sind meist aber noch da.Auf einer davon konnte ich bei einem Nachttauchgang
einen Steinfisch ausmachen.

Wie woanders auch am Bluff Point muß man hier strömungsmäßig
mit allen Schattierungen rechnen.Von keiner bis zu einer starken Strömung.
Meist steht über dem Leichter von Gubal eine bunte Wand von Fischen.Bei
meinem Nachttauchgang konnte ich über eine längere Zeit in einem
kreisförmigen Abstand von ca. 15m rund um das Boot ein breites senkrechtes
Band von Fischleibern ausmachen.Diese Fischlis schwammen scheinbar immer
in einer Richtung innerhalb dieses kreisförmigen Schwarms rund herum
um das Wrack.

Steuerbord findet man am Wrack auch eine anscheinend hier wohnende Muräne.Also
Vorsicht!
Steilwandtauchen vom Feinsten bietet Bluff Point an seiner Ostspitze.
Doch Vorsicht! Starke Strömungen!
Bitte nehmt Sichtmittel mit,mit denen Ihr die
Aufmerksamkeit Eures Bootes auf Euch lenken könnt für den Fall,daß
Ihr abgetrieben werdet!!!
Dafür bieten sich hier in der Strömung Fächerkorallen
an einer tollen Steilwand zur Betrachtung feil.Außerdem sind hier
Schildkröten und große Napoleons zu Hause.
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GPS-Positon:
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27°40`58``N/33°48`28``E
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Vorsicht: Von Gerät zu Gerät gibt es
bei der Ermittlung der GPS-Daten immer Unterschiede.Bei Annäherung
an das Riff ist entsprechende Vorsicht zu beobachten und weniger die GPS-Anzeige
zu betrachten als vielmehr die tatsächliche Nähe zum Riff zu
überwachen!!!!!!! |