© 2001 Oliver Meise
- Ohne Gewähr-
Puh! So`n Schreck! Wie jetzt? Panzer? Unter Wasser? Tja.Auch das gibt
es in dieser bunten Welt.
Genauer gesagt mitten im tiefsten Ägypten und sogar nahe bei Tauchzentren
in diesem Land.
Der eine oder andere von uns wird schon mal am Ras Kati getaucht haben
- etwa sieben Kilometer von Sharm el Sheikh entfernt auf der linken Einfahrtsseite
von Sharm el Moya. Diese in das Meer hineinragende Landzunge ist übrigens
militärisches Sperrgebiet.

Macht man sich mal die Mühe an dieser Landzunge die steile Klippe
dort anzuschauen,sieht man dort an einer Stelle so rostigbraune Gebilde
liegen - und zwar die gesamte Fallstrecke runter von ganz oben nach ganz
unten.

Hier wurden anscheinend alle möglichen Fahrzeuge einer Militärmacht
mal entsorgt. Panzer,LKW und andere Gefährte.Ob das in einem Hopps
oder über einen längeren Zeitraum geschah,kann man noch nicht
sagen.
Wenn man das genauer wissen will, muß man sich mal den Schrott
anschauen und identifizieren und mit der wechselhaften Geschichte dieses
Fleckchens Erde vergleichen.
Naja.Irgendwann mal hats hier (logo) nur Einheimische gegeben. Die
hatten keine Panzer. Dann kam irgendwann mal Napoleon vorbei und hat ein
paar Leute um einen Kopf kürzer gemacht. Ich nehme an,die Einheimischen
haben sich dafür revanchiert-wie man halt derartige "Nettigkeiten"
erwidert.
Na da hatte es aber auch noch keine Panzer. Die kamen irgendwann am
Ende des 1.Weltkrieges auf.Zu dieser Zeit war das damalige Ägypten
sozusagen eine Kolonie von Großbritannien. Der hier herumliegende
Panzerschrott macht sehr den Eindruck,so umgefähr ab der Zeit des
2.Weltkrieges zu datieren. Ca. 2m über dem Wasser an dieser Klippe
liegt nämlich aufrecht und einigermaßen vollständig erhalten
ein eindeutig zu identifizierender, sogenannter Bren Gun Carrier.
Mit freundlicher Genehmigung von Herrn
Udo Kefrig
Entnommen aus: Unterwasser - Das Tauchmagazin
Das war so eine Art sehr leicht gepanzerter,offener Kettenschlepper,der
mit einem Bren-MG bewaffnet werden konnte.Daher auch der Name.Ein solches
Teil,bzw. sogar zwei befinden sich auch am Wracktauchplatz der S.S.
Thistlegorm-allerdings schon sehr bewachsen.
Derartige Panzerchen kamen tatsächlich erst mit der britischen
Armee nach Ägypten.Vormodelle der Firma Vickers mit einem Turm obendrauf
kamen allerdings schon früher nach Ägypten und wurden in die
Ägyptische Armee eingegliedert.Hierbei handelte es sich um die 1937
gekauften,leichten britischen Zweimann-Panzer vom Typ Vickers Mk. III und
außerdem um die 1938 erworbenen leichten Dreimann-Panzer vom Typ
Vickers Mk. VIb.Noch 1937 wurden einige mittelschwere Fünfmann-Panzer
vom Typ Vickers Mk. II erworben.Hieraus wurde Ende 1938 dann eine leichte
Panzereinheit aufgestellt die noch bis Sommer 1939 ausgebildet wurde. Sie
tat dann als moblie Einheit in Siwa Dienst und kontrollierte die Wüstengrenze.In
die Kriegshandlungen der britischen Armee gegen die deutschen Streitkräfte
war man -bis auf untergeordnete Hilfsdienste- nicht verwickelt. Nach dem
Krieg befand sich die britische Armee genauso wie die Amerikanische Armee
an vielen Orten auf der Welt vor dem Problem, daß zwar die ganzen
Soldaten nach Hause zurückkehren konnten, der Heimtransport des gesamten
Kriegsmaterials aber unwirtschaftlich war. US- Stellen veranstalteten im
Pazifik an manchen Stellen ein wahres Versenkungs-Fest und warfen Riesenhaufen
Kriegsmaterial in den Bach.Derartige Stellen sind als "Million-Dollar-Points"
bekannt.
Möglicherweise ist auch Ras Peter so ein Ort? Nicht ganz.Es ist
bekannt,daß die britischen Militärstellen viele Schiffe und
Panzer aus eigenen Beständen der nationalen Ägyptischen Armee
hinterließen um auch so ein Land freundschaftlich an sich selbst
zu binden.
Im weiteren wurden bei der Gelegenheit auch funktionierende deutsche
Panzer des Afrika-Korps übergeben-möglicherweise liegen also
am Ras Peter auch ehemalige deutsche Panzer?
Während des Krieges kamen aber natürlich über die normalen
Nachschublinien auch britische und US-Panzer nach Ägypten.Sie wurden
dort zT. "aufgebraucht", teilweise dort belassen.
So ist bekannt,daß in den Kriegen gegen Israel auch alte, umgebaute
US-Panzer vom Typ M4 Sherman teilnahmen.Allerdings meist mit AMX-13 - Türmen
modernisiert.
So können auch noch einige Panzer dieses Typs hier herumliegen.
Da das mit der Anbindung an den Westen nicht so klappte,wandte sich
Ägypten in der Folgezeit dem Ostblock zu und erhielt von diesem auch
Militärhilfe -hier in Form von alten WK II-Panzern der verschiedensten
Typen.So zB. den T34 in der modernisierten Form T34/85. Weiterhin die überschweren
russischen Panzer IS III (Josef Stalin 3) und den Schützenpanzer mit
Panzerkanone PT 76.Mit diesen Fahrzeugen und dem amerikanischen M48 Patton-Panzer
bzw. der israelischen Variante des Centurion führte Ägypten 1967
Krieg gegen Israel. Möglich also,daß nicht mehr herzustellende
und irreparable Panzer dieses Typs von einer der beiden Seiten hier über
die Klippe gegangen sind.
In dem Konflikt mit Israel setzte Ägypten schließlich 1973
auch noch die russischen Panzertypen T55 und T62 sowie die Schützenpanzerwagen
BMP 1 IFV,BTR 50 und OT 62 ein. Auch von diesen könnten nach dem 1973er-Krieg
einige über die Klippe gegangen sein.
Aber auch Israel kommt als großzügiger Spender der Panzerwracks
in Frage,alldieweil es 1973 den Sinai besetzt hatte und natürlich
auch kaputte Panzer zu entsorgen hatte.Hier kommen die Panzertypen Centurion,M
48 Patton und M 60 A1 in Frage.
Die von Ägypten nach diesem Konflikt gekauften Modelle der Reihen
M 60,Abrams M1A1,M 113, YPR 765, BMP kommen hier aufgrund ihrer relativen "Neuheit" bzw. dem Anschaffungszeitpunkt nicht mehr als Wrackkandidaten in Frage.
Taucht man nun bei eventuell mäßiger Sicht an diesen Wracks,
gehts gleich ziemlich tief runter: Die steile Klippe setzt sich auch unter
dem Wasserspiegel fort und ist von ca. 4m Tiefe bis ca. 40m Tiefe quasi
mit kopfüber liegenden und ineinander verkeilten Wracks und Überresten
gepflastert.


Irgendjemand hat sich mal die Mühe gemacht alle Wracks zu zählen.So
sollen hier ca. 31 Fahrzeuge aller Art in den verschiedensten Erhaltungszuständen
liegen.Teilweise aber auch schön hübsch bewachsen.So findet sich
die eine oder andere LKW-Achse,

und so einige eindeutig Panzern zuzuordnende Wrackteile.

Schließlich gibt es noch so einigen Krimskrams,den man selbst
erforschen kann


 
Da dieser Ort jedoch selten betaucht wird -möglicherweise gehört
dieser Tauchplatz noch zum Militärgebiet auf der Landzunge hier- ist
aber noch einiges an Details vorhanden,die ansonsten wohl schon weggeräubert
wären.
An diesem Tauchplatz ist aber auch Vorsicht angesagt,alldieweil
hier anscheinend auch Munition "entsorgt" wurde.
Man kann nämlich auch einiges an Artilleriegranaten und Infanterie-Kampfmitteln
finden!

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GPS-Positon:
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27°51.076N / 34°17.475E
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Vorsicht: Von Gerät zu Gerät gibt es
bei der Ermittlung der GPS-Daten immer Unterschiede.Bei Annäherung
an das Riff ist entsprechende Vorsicht zu beobachten und weniger die GPS-Anzeige
zu betrachten als vielmehr die tatsächliche Nähe zum Riff zu
überwachen!!!!!!!
Das Urheberrecht an den Videocaptures liegt bei Herrn Dr. Jürgen
Reitinger,Karlsruhe. Er hat uns freundlicherweise ein Video zur Verfügung
gestellt,so daß Photoabzüge davon gemacht werden konnten. Diese
sind uns zusammen mit den ersten beiden Photos von Herrn Uli Mößlang
und über seine Seite www.moesslang.net
zugänglich gemacht worden. Dankeschön!
Das Photo mit dem Bren Gun Carrier wurde uns freundlicherweise von Herrn
Udo Kefrig bzw. durch die schöne Seite von Herrn Kefrig und Herrn
Stoll www.unterwasserfotografie.de
zugänglich gemacht. Auch hier vielen Dank!!
Der Photo-Scan dazu wurde uns netterweise erlaubt von : Unterwasser
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